Die Stufen des Widerspruchs

Immer wieder nehme ich mir vor, mich auf Twitter nicht auf Diskussionen einzulassen. Aber ich tue es immer wieder. Auch heute wieder. Allerdings bemerke ich diesen Fehler schneller als früher und begebe mich alsbald zum Ausgang. Meist bediene ich mich dann der komplementären Kommunikation, indem ich mich mit einer Unterlegenheitsgeste verabschiede. Wie es im Tierreich halt üblich ist. Ganz nach dem Motto meiner Großmutter:

Du hast Recht und ich habe meine Ruhe.

Vielleicht ist diese Vorgehensweise nicht immer befriedigend, aber sie schont die Nerven ungemein.

Trotzdem halte ich Twitter unterm Strich immer noch für ein wertvolles Medium. Über diesen Kanal habe ich schon manchen interessanten Kontakt geschmiedet und – ja – auch manchen interessanten Denkanstoß bekommen. So auch zum Thema Diskussion, Diskurs, Dialog von @JohanMalan. In einem Tweet weist er auf die Hierarchie der Gegenargumente nach Paul Graham hin:

Respekt für die gegnerische Position ist proportional zur eingenommenen Stufe auf der Pyramide.

Graham's Hierarchy of Disagreement-de.svg
Mir fällt auf, dass Diskussionen auf Twitter sehr oft auf den vier unteren Ebenen dieser Pyramide stattfindet. Ich bin weder Kommunikationstheoretiker noch Medienwissenschaftler und so kann ich nur spekulieren, warum die Auseinandersetzung auf diesen Stufen in sozialen Netzwerken die Regel und nicht die Ausnahme sind (Vermutungen habe ich allerdings).

Hinweisen möchte ich auf den Originalbeitrag How to Disagree von Paul Graham, den Jens Oliver Meiert netterweise ins Deutsche übersetzt hat.

Mir gefällt dieses Modell von Graham ganz gut. „Ganz“ deswegen, weil ich mir bei WH2 „Kritik des Umgangtons“ nicht ganz schlüssig bin. Was soll man davon halten, wenn mir zwar ein schlüssiges Gegenargument genannt wird, dies aber in herablassendem belehrendem Unterton? Spätestens seit Watzlawick wissen wir, dass sich Sach- und Beziehungsebene schwer (oder besser gar nicht) trennen lassen. Ist dann nicht erlaubt, nicht nur das „Was“, sondern vielmehr das „Wie“ einer Konversation zu kritisieren?

Vielleicht lohnt es sich, dem Grahamschen Modell das Modell der Logischen Ebenen von Robert Dilts gegenüberzustellen.

Aber nicht mehr heute am Sonntagabend, vielleicht nächste Woche.

 

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Wer ist eigentlich für die Arbeitssicherheit verantwortlich?

Vor einigen Jahren durfte ich während eines Scrum-Day einen Workshop besuchen, in dem Arbeitssicherheit behandelt wurde. Über diese Veranstaltung habe ich hier und hier berichtet. Der Kenntnisstand der Teilnehmer:innen hatte mich damals schon etwas erschreckt. Um die abgedroschene Phrase zu benutzen: Wir bewegen uns beim Arbeitsschutz nicht im rechtsfreien Raum. Man sollte in seiner Rolle als Unternehmer, Führungskraft und/oder Mitarbeiter:in seine Rechte und Pflichten schon kennen.

Denn ein Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften oder das Arbeitsschutzgesetz kann rechtliche Folgen haben, schreibt Manuela Müller in ihrem Artikel Der Verantwortung ins Auge sehen. Sie fasst in dem Beitrag in leicht verständlicher Form zusammen, was in den Verantwortungsbereich einer Führungskraft gehört. Besonders informativ ist der Kasten, in dem Sie weitere Hinweise und Links zu entsprechenden Informationsbroschüren finden:

Etwas skeptisch bin ich beim Abschnitt „Konsequenzen unterlassener Aufsicht“. Hier werden Fälle beschrieben, um nicht zu sagen, an die Wand gemalt, in dem Geschäftsführer nach Unfällen zu Geldbußen verurteilt wurden. Die Autorin will verdeutlichen, „wie weit die Folgen bei vorsätzlichen Pflichtverletzungen und grober Fahrlässigkeit reichen können.“ Nun bin ich kein Jurist, weiß aber, dass der Umgang mit dem Fahrlässigkeitsbegriff nicht trivial ist und Nachweise für insbesondere grobe Fahrlässigkeit oft schwer zu führen sind. Leider fehlt für die beschriebenen Fälle die Quellenangabe mit dem Aktenzeichen. Ich hätte die Urteile gerne einmal nachgelesen.

Mir wäre es lieber, wenn die vorgeschriebene Aufsicht enger kontrolliert und ihre Unterlassung nicht erst dann sanktioniert würde, wenn etwas passiert ist. Das klingt vielleicht hart, aber in diesen Zeiten kann man besonders gut beobachten, wie das mit der Selbstverantwortung funktioniert (oder eben nicht).

Noch ein Tipp: Schauen Sie doch einmal auf der Website der Berufsgenossenschaft vorbei, der Ihr Unternehmen angehört. Sie finden dort Seminare auch für Führungskräfte, die Sie sämtlich kostenlos besuchen können. Auch Ihr Unternehmen kostet das nichts extra.

 

Bild von succo auf Pixabay

 

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Besser denken lernen: Das Mentat Wiki

Wenn man heutzutage einen Streifzug durch die sozialen Medien unternimmt, dann könnte man meinen, das Denken ist völlig aus der Mode gekommen. Wenn Sie so wie ich zu den Zeitgenoss:innen zählen, die sich nicht damit abfinden wollen, dann ist das Mentat Wiki vielleicht etwas für Sie. Das Wiki ist

eine kollaborative Umgebung, um Wege zu erkunden, wie man ein besserer Denker wird.

In dem Wiki werden behandelt:

  • Merktechniken
  • Kopfrechnen
  • Kritisches Denken
  • Brainstorming
  • Kurzschrifttechniken
  • Notizen und sogar
  • Smarte Drogen (aka Nootropika)

Während ich mit letzterem gar nichts anfangen kann (ich bin bei Pillen & Co äußerst vorsichtig), scheinen mir die anderen Themen in Zeiten wie diesen sehr wertvoll und nützlich zu sein.

Sie finden auf der Website eine Fülle von Artikeln und Hinweisen, besonders das Thema Critical Thinking hat mich angesprochen.

Das Wiki ist schon etwas älteren Datums und scheint nicht mehr aktiv gepflegt zu werden. Ein Fundgrube ist es allemal. Mir gefällt besonders die minimalistische Aufmachung und die klare Struktur. Aktuell sind die Themen immer noch oder um einen alten Werbespruch abgewandelt zu zitieren:

Nie war Denken so wertvoll wie heute.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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David Allen: Vom Umgang mit To-do-Listen

In letzter Zeit ist es etwas stiller um ihn geworden. Und ich finde, das hat er sich auch verdient. Nun bin ich aber über ein Video gestolpert, in dem sich David Allen u.a. über Aufgabenlisten auslässt: Manage Your To-Do List. Sehen Sie selbst.

Exclusive David Allen Interview! Manage Your To-Do List – AppJudgment

 

 

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Wenn die Hand schmerzt: Alternativen zu Maus & Co

Vor einiger Zeit bekam ich Schmerzen in den Endgliedern der Zeigefinger beider Hände. Zunächst dachte ich an Gicht, Arthrose oder ähnliche Unannehmlichkeiten. Dinge halt, mit denen Mann in meinem vorgerückten Alter langsam rechnen muss. Auch mein Hausarzt äußerte sich in dieser Richtung.

Wir lagen beide meterweit daneben! Als ich einmal zufällig auf meine Hand sah, als ich das Mausrad zum Scrollen betätigte, war mir sofort klar, das die Mausbenutzung die Ursache dieser schmerzhaften Fingergelenke war. Dazu passte auch, dass die anderen Finger völlig beschwerdefrei und ohne äußere Veränderung waren und bis heute noch sind. Bingo!

Natürlich habe ich nach dieser Beobachtung sofort Dr. med. Google konsultiert und tatsächlich bin ich fündig geworden, RSI heißt der Fachausdruck:

  1. Wikipedia: Repetitive-Strain-Injury-Syndrom
  2. Gerlinde Felix: RSI Syndrom: Mausklicken kann krank machen

Es gibt sogar eine eigene Website, die sich mit dem leidigen Thema befasst: Maushand & Mausarm – Was tun gegen schmerzende Mausklicks?.

Zwar werden Schädigungen unter dem Begriff RSI-Syndrom laut o.a. Wikipedia-Artikel nur bedingt als Berufskrankheit anerkannt, aber die Berufsgenossenschaft, die es betrifft, kümmert sich dennoch um dieses Thema.

Die Verwaltungs-BG (VBG) hat eine Broschüre veröffentlicht, in der „Alternative Eingabemittel an Bildschirmarbeitsplätzen“ vorgestellt werden (pdf-datei). Sie finden hier Checklisten zur ergonomischen Anwendung von Tastatur und Maus und zu entsprechenden Alternativen.

Seit meinen schmerzhaften Erkenntnissen verwende ich statt der herkömmlichen Maus einen Trackball und bin sehr zufrieden damit. Geheilt sind die Gelenke noch nicht, aber es hat sich auch nichts verschlimmert. Das ist ja auch schon mal was.

Wenn Sie Ihre Kenntnisse zur Gesundheit im Büro vertiefen wollen, dann laden Sie doch die gleichnamige Veröffentlichung der VBG herunter: Gesundheit im Büro – Fragen und Antworten (pdf-Datei). Hier bekommen Sie umfangreiche Informationen zu:

  • Belastungen am Arbeitsplatz
  • Belastungen durch die Arbeitsumgebung
  • Gefahrstoffe im Büro
  • Psychische Belastungen

und vieles mehr.

BTW: Bevor mich pfiffige Leser:innen fragen, warum ich mir beide Zeigefinger ruiniert habe, gebe ich gleich die Antwort vorneweg . Meine Tochter empfahl mir in bester Absicht zur Schonung der Schulter, immer mal wieder zu wechseln und die Maus mit der anderen Hand zu bedienen. Es hat funktioniert, denn Schulterprobleme habe ich keine.

Tja, so kann es gehen…

 

Bild von Shutterbug75 auf Pixabay

 

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Alte Tricks, die auch heute noch funktionieren

Nur weil Tipps und Tricks aus alten Zeiten stammen, heißt es nicht, dass sie heute nicht mehr wirksam sind. Darauf habe ich in den Beiträgen

bereits hingewiesen. Mit 100 Vintage Home Hacks That are Still Brilliant Today kommt nun eine weitere Website hinzu die sich den produktiven Oldies but Goldies widmet. Hier finden Sie eine Vielzahl von Tricks und Kniffen aus nahezu allen Lebensbereichen. Vor allem die Heimwerker unter den Leser:innen dürften dabei auf ihre Kosten kommen.

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Kurznachrichten: Diagramme, Wochendurchsicht, Covey, Arbeitswelt im Wandel, Schweinehund, Masken, Mastery

Diagramme online zeichnen

Wenn Sie ab und zu ein Diagramm zeichnen möchten, aber nicht häufig genug, um ein eigenes Programm zu installieren, dann probieren Sie doch einmal diagrams.net aus. Diese Anwendung läuft im Browser Ihrer Wahl und ermöglicht die Erstellung durchaus anspruchsvoller Flussdiagramme. Aber auch Abbildungen aus Hydraulik, Elektrotechnik und anderen Gebieten sind möglich. Sichern können Sie Ihr Diagramm auf Google Drive, OneDrive oder Ihrem lokalen Laufwerk.

Die Wochendurchsicht: Eine Anleitung

Als ich 2009 auf dem GTD Summit in San Francisco war, ist mir ein Satz besonders in Erinnerung geblieben:

Das Weekly Review ist so wichtig, dass man es mindestens einmal im Monat durchführen sollte.

Spaß beiseite, ich bin auch der Meinung, dass Vernachlässigung der Wochendurchsicht mit am sichersten dazu beiträgt, bei GTD und auch bei anderen Organisationsansätzen aus der Kurve zu fliegen. Bei mir ist die Wochendurchsicht ein Muss am Samstagmorgen. Fadeke Adegbuyi hat dazu eine nützliche Anleitung geschrieben: The Weekly Review: A Productivity Ritual to Get More Done.

Wie man Coveys „7 Habits“ liest

Die 7 Wege zur Effektivität von Stephen Covey gehören wohl zu den Klassikern aus dem Bereich der Literatur zur Produktivität und Arbeitsorganisation. Ich gestehe, bei mir fristet das Buch seit zig Jahren ein jämmerliches Dasein im Bücherregal. Leider bin ich nie über die ersten 30 Seiten hinausgekommen. Für mich ist das Buch derartig zäh und langweilig, dass ich es schließlich aufgegeben habe, es zu lesen. Nun ist das Buch ja nicht umsonst ein Bestseller gewesen, dafür muss es Gründe geben. Vielleicht verschafft der A Reading Guide for the ‚7 Habits of Highly Effective People‘ von Jacqueline Detwiler einen leichteren Zugang. Probieren Sie es aus!

BAuA: Die Arbeitswelt im Wandel

Nomen est Omen: Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ist die Denkfabrik für Themen… sie wissen schon. In regelmäßigen Abständen beschreibt die BAuA die aktuellen Trends in der Arbeitswelt und weist auf Herausforderungen, Risiken und Chancen hin. Den Report für 2020 können Sie auf der einschlägigen Website als pdf-Datei herunterladen. Auf der Seite finden Sie auch die wichtigsten Statistiken und die dazu gehörigen Grafiken in Einzeldarstellungen.

Wie Sie sich zu unangenehmen Dingen motivieren

Ich denke, Sie kennen das auch. Mitunter tun wir alle möglichen Dinge, nur um die Tätigkeiten zu vermeiden, die uns unangenehm sind. Der „innere Schweinehund“ hindert uns oft erfolgreich daran, wichtige, aber unangenehme Dinge geregelt zu kriegen. Aber Sie können den inneren Schweinehund überwinden. Wie zeigt Ihnen das Video von BetterThanYesterday: How I Tricked My Brain To Like Doing Hard Things:

How I Tricked My Brain To Like Doing Hard Things (dopamine detox)

 

Über das Tragen von Masken im Büro

Dass das Tragen von MNS-Masken eine der Vorbeugungsmaßnahmen gegen das vermaledeite Virus ist, das uns derzeit den Alltag versaut, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Vernunft ist Einsicht in die Notwendigkeit, auch wenn es einige Mitmenschen an dieser Einsicht fehlen mag. Damit das Masken tragen den vollen Nutzen entfalten kann, sollte man die Funktionsweise kennen. Sascha Zoske hat ihre Anwendung im Büro unter die Lupe genommen: Welche Masken im Büro am besten gegen Corona wirken.

Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf die grundsätzlichen Hygienemaßnahmen (Präsentation als pdf-Datei) hinweisen.

Die 10 Stufen der Meisterschaft

Ich gebe zu, bislang kannte ich nur die 4 Stufen des Lernens, aber ich lerne ja gerne dazu. Prakhar Verma erweitert in 10 Stages Of Creating Masterpieces In Your Crowded Field dieses Konzept um weitere sechs Schritte. Einen Überblick verschafft die entsprechende Infografik:

 

 

 

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Die Sammlung mentaler Modelle

Der Ausdruck „mentales Modell“ begegnete mir zu ersten Mal vor gefühlten 25 Jahren in dem bahnbrechenden Buch Die fünfte Disziplin: Kunst und Praxis der lernenden Organisation von Peter M. Senge. Laut Wikipedia

beziehen sich Mentale Modelle auf kritische Reflexionen, die unbewusst, unhinterfragt und oftmals stillschweigend vorausgesetzte Grundannahmen beinhalten. Individuelles Handeln wird aktiv durch die intendierten mentalen Modelle gesteuert.

Nun bin ich nicht ganz sicher, ob sich die Website Mental Models Box dieser o.a. Definition anschließt. Ich habe eher den Eindruck, dass es dort um eine Sammlung kognitiver Verzerrungen geht. Aber ich mag mich täuschen und sicherlich gibt es hier große Schnittmengen. Sei’s drum.

Aufschlussreich ist die Mental Models Box allemal. Sie finden dort eine Sammlung allerlei mentaler Konstrukte, die uns dabei helfen die Welt zu erklären. Ob sie „stimmen“, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Die Sammlung ist unterteilt in die Kategorien:

  • Verzerrungen (biases)
  • Modelle
  • Problemlösung
  • Beziehungen
  • Soziale Phänomene

Alle Modelle werden in einer Art Steckbrief beschrieben und sind wenn möglich zu dem entsprechenden Artikel in/auf der Wikipedia verlinkt. Als kleines Bonbon gibt des das Mental Model der Woche.

Mir gefällt die Seite aufgrund der kompakten Information und auch wegen der schnörkellosen Aufmachung hervorragend. Den Menschen, die sich gerne mit den Möglichkeiten und Grenzen unseres Denkens beschäftigen, sei sie wärmstens ans Herz gelegt.

 

Bild von Carlos Ribeiro auf Pixabay

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Wie Sie einen Ratgeber in 90 Minuten lesen

Wenn ich in größeren Städten bin, besuche ich ab und zu eines dieser Buchkaufhäuser. Sie wissen schon, Dusshugen oder Thaldubel und wie sie alle heißen. Meistens gehe ich frustriert wieder hinaus, denn oft habe ich den Eindruck, ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die Zahl der Sachbücher und hier speziell der Ratgeber ist riesengroß und fast immer habe ich den Eindruck „kennst Du einen, dann kennst Du alle“. Es fällt mir schwer, aus dieser Fülle gleichförmiger Angebote das Buch zu finden, das mir wirklich ein Mehr an Nutzen verschafft.

Vielleicht sollte man auf das Lesen der Ratgeber daher auch nicht allzuviel Zeit ver(sch)wenden. Das meint auf jeden Fall Darius Foroux, der uns in einem Artikel zeigt How To Read A Self-Help Book In 90 Minutes.

Er beschreibt Ratgeberliteratur als das, was sie ist: Sie soll dem Leser/der Leserin einen Nutzen verschaffen. Es ist daher vollkommen nebensächlich, ob das Buch schön geschreiben ist. Und es ist auch unerheblich, wie viel Seiten es umfasst. Darius stellt die (steile) These auf, dass 90% des Inhalts tatsächlich nur Füllstoff sind. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft. Ich meine, der Erfinder des Mind-Mappings, Tony Buzan, hätte dies auch in einigen seiner Bücher geschrieben. Schade, dass er sich selbst nicht daran gehalten hat.

Das Durcharbeiten eines Ratgebers erfolgt laut Darius in vier Schritten:

1. Wählen Sie das Buch sorgfältig aus

Denken Sie immer daran: Das Buch soll Ihnen einen Nutzen verschaffen. Es soll Ihnen helfen, ein bestehendes Problem zu lösen, eine akute Frage zu beantworten oder etwas zu lernen, was Sie in der Zukunft brauchen werden.

2. Machen Sie sich mit dem Inhaltsverzeichnis und der Struktur des Ratgebers vertraut (15 min)

Dies entspricht auch der Empfehlung von Tony Buzan. So gehen Sie vor:

  1. Lesen Sie die Rückseite des Umschlags und den Klappentext. Was erfahren Sie über den Autor und seinen Hintergrund. Die wohlwollenden Zitate berühmter Kolleg:innen können Sie ignorieren. Sie dienen nur der Werbung.
  2. Schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis genau an. Hier finden Sie Hinweise auf die Struktur des Buchs.
  3. Blättern Sie durch das Buch und verknüpfen Sie die Kapitel mit dem Inhaltsverzeichnis. Achten Sie hier auf Zusammenfassungen, Diagramme, Abbildungen und Infokästen.
  4. Sobald Sie die Struktur verstanden haben, wissen Sie auch, wo die wertvollen Ratschläge stehen.
  5. Überblättern Sie den Inhalt, der Sie nicht interessiert.
  6. Lesen Sie den relevanten Stoff sorgfältig. Das andere ignorieren Sie.

3. Stellen Sie sich einen Timer und lesen Sie konzentriert (45 min)

Lesen Sie die relevanten Teile des Ratgebers konzentriert durch. Lassen Sie sich dabei nicht unterbrechen. Fertigen Sie für die wichtigen Stellen des Ratgebers Lesezeichen an. Notieren Sie die Seitenzahlen auf einem Notizzettel oder auf einer Post-it-note. Wichtige Diagramme oder Bilder fotografieren Sie mit dem Smartphone. Das alles überführen Sie in ein geeignetes Programm, z. B. Evernote. Tony Buzan würde natürlich eine Mind-Map anfertigen.
Darius räumt ein, dass mitunter bei umfangreicheren Werken 45 min wohl nicht reichen werden. Dann benötigen Sie eben eine zweite Session à 45 min.

4. Schreiben Sie eine kurze Zusammenfassung (30 min)

Laut Darius sollte man das niemals unmittelbar nach der Lektüre tun, sondern sich ein paar Tage bis maximal eine Woche Pause gönnen. Der Grund: Das Unbewusste muss das Gelesene erst einmal verdauen.
Für die Zusammenfassung gehen Sie durch Ihre Lesezeichen und schreiben auf, was Sie mit diesen Informationen zu tun gedenken. Was möchten Sie umsetzen? Das ist Ihre Zusammenfassung.

 

Wenn Sie wollen, dass das Gelernte „sitzt“, dann bringen Sie es anderen bei. „Lernen durch Lehren“ nennt das der Fachmann.

Und noch ein Tipp von mir: Diese Methode sollten Sie wirklich nur auf Ratgeberliteratur anwenden. Für Thomas Manns „Zauberberg“ oder Tolstois „Krieg und Frieden“ ist sie nicht angemessen.

 

Bild von Hermann Traub auf Pixabay

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12 Dinge, die Sie auf keinen Fall tun sollten

Wie viele meiner KollegInnen bin auch ich der Meinung, dass es sinnvoller ist, darüber nachzudenken, was man tun soll anstatt darüber, was man nicht tun soll. Gebote statt Verbote, wenn Sie so wollen. Allerdings ist dieser Grundsatz nicht in Stein gemeißelt, es gibt Ausnahmen.

Damit Sie Produktivitätsbremsen vermeiden („weg von“) können, um Ihre Produktion zu steigern („hin zu“), hat Marina Khidekel 12 Items to Take Off Your To-Do List to Increase Productivity notiert, die Sie in Zukunkt lassen sollten. Hören Sie auf,

  1. Unangenehme Aufgaben aufzuschieben
  2. Bücher zu Ende zu lesen, mit denen Sie nichts anfangen können
  3. Aufgaben selbst zu erledigen, die Sie delegieren können
  4. in den späten Abendstunden oder in der Nacht zu arbeiten
  5. an jedem Treffen teilzunehmen, nur weil Sie dazu eingeladen wurden
  6. Ihre Zeit mit Oberbedenkenträgern zu verbringen
  7. sich zu zwingen, eine Aufgabe noch zu Ende zu bringen, obwohl Ihnen inzwischen die Puste ausgegangen ist. Gönnen Sie sich stattdessen eine Pause zum Auftanken
  8. Ihren Tag mit einem geschäftlichen Telefonanruf zu beginnen (Ergänzung: Oder die E-Mails zu checken)
  9. nach dem Aufwachen sofort zu Smartphone & Co zu greifen
  10. mehrere Meetings direkt hintereinander in Folge zu besuchen
  11. die Steuererklärung selbst zu machen
  12. Ihre Gedankenkreisel außer Kontrolle geraten zu lassen

Zu allen diesen Tipps lässt Marina CEOs, Manager und andere illustre Zeitgenossen in Zitaten ihren Senf dazugeben.

Nicht mit allem bin ich einverstanden. So gibt es ausgesprochene Nachteulen, die gerade spät abends oder gar in der Nacht besonders produktiv sind. Das Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ gilt halt auch nicht für jeden.

Die Steuererklärung ist ein Fall für sich, gerade in Deutschland. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass kein Land so ein kompliziertes Steuersystem hat wie das unsere. Wenn Sie als Angestellter immer die gleichen monetären Zu- und Abflüsse haben, schaffen Sie die Steuererklärung mit Hilfe geeigneter Apps vielleicht allein. Für Selbstständige kann ich mir das nicht vorstellen. Sie würden verrückt.

Gedankenkreisel sind besonders perfide. Sie können dazu führen, dass Sie in eine gedankliche Sackgasse geraten, aus der Sie nur schwer wieder herauskommen. „Stuck state“ nennen das die NLPer. Eine gutes Hilfsmittel dagegen sind Übungen der Achtsamkeit, mit denen Sie lernen, solche Gedanken bewusst wahrzunehmen. Sie lernen, zwischen Gedanken und Tatsachen zu unterscheiden. Das hilft ungemein, übrigens auch bei nächtlicher Grübelei (siehe auch Was tun in schlaflosen Nächten?).

Übrigens empfiehlt Marina den geneigten LeserInnen, sich diese Punkt auf eine Not-to-do-List zu schreiben. So können Sie sich immer wieder vor Augen führen, was Sie nicht tun sollten um Ihre Produktivität nicht zu sabotieren.

Keine schlechte Idee, finde ich.

 

Bild von NickyPe auf Pixabay

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