Archiv der Kategorie: WorkLife

Wie Sie schlechte Nachrichten überbringen

In der Antike soll es mancherorts üblich gewesen sein, den Boten, der schlechte Nachrichten überbrachte, mit dem Tode zu bestrafen. Heute wird man als Überbringer sicherlich nicht mehr geköpft, aber unangenehm ist das Verkünden von Hiobsbotschaften allemal. Leider können wir uns im Leben nicht immer um diese schwere Aufgabe drücken. Nur, wie überbringt man schlechte Nachrichten? Gibt es da hilfreiche Hinweise.

Vielleicht können wir uns etwas von den Menschen abschauen, zu deren Beruf es gehört, immer wieder schlechte Nachrichten zu überbringen, wie etwa Ärzte oder Geistliche.

Andrew Neuschatz ist Onkologe und gibt uns in seinem Beitrag An oncologist explains how to deliver bad news einige Hinweise zu diesem ernsten Thema. Er empfiehlt:

Planen Sie im voraus

Beschäftigen Sie sich vor dem Gespräch mit dem individuellen Fall. Gehen Sie noch einmal die Fakten durch und holen Sie andere Meinungen ein. Achten Sie auf eine angemessene Umgebung und auf vermeintliche Kleinigkeiten wie Papiertaschentücher, wenn Tränen fließen sollten.

Beschränken Sie sich bei Ihrer Vorrede

Halten Sie Ihre Einleitung kurz und spannen Sie Ihr Gegenüber nicht unnötig auf die Folter (!). Lange Vorreden können für Ihr Gegenüber quälend sein.

Seien Sie direkt

Verstecken Sie sich nicht hinter einer Fachsprache. Drücken Sie sich so aus, dass Ihr Gesprächspartner Sie versteht. Seien Sie sorgfältig in Ihrer Wortwahl.

Machen Sie nach dem Überbringen der Botschaft eine Pause

Geben Sie dem Anderen die Chance, die eigenen Gedanken und Gefühle so gut wie möglich zu sortieren. Wir alle brauchen ein paar Momente, um schlechte Nachrichten zu „verdauen“. Geben Sie Ihrem Partner die Gelegenheit dazu. Während dieser Zeit dringen Sie ohnehin nicht zu ihm/ihr durch. Sie werden einfach nicht gehört, der Partner ist mit sich selbst beschäftigt. Diesen Moment gilt es auszuhalten. Widerstehen Sie dem Wunsch, „die Sache schnell hinter sich zu bringen“.

Zeigen Sie Empathie

Hier gibt Andrew einen wichtigen Rat mit auf den Weg. Nehmen Sie nie an, Sie wüssten, was das Gegenüber in diesem Moment denkt oder fühlt. Versuchen Sie, Wellenlänge (Rapport) herzustellen. Dies kann verbal und/oder nonverbal geschehen. Bleiben Sie dabei aber Sie selbst und verstellen Sie sich nicht. Unsere Mitmenschen haben feine Antennen, gerade auch in solchen Situationen.

Beantworten Sie Fragen

Geben Sie dem Gesprächspartner die Möglichkeit, Fragen zu stellen und beantworten Sie diese ehrlich und ohne Umschweife, aber taktvoll.

Eröffnen Sie den nächsten Schritt

Lassen Sie den Gesprächspartner nicht mit der Botschaft allein. Seien Sie vorbereitet darauf, dass Ihr Gegenüber wissen will, was als nächstes geschieht. Schildern Sie die vorhandenen Optionen. Wenn möglich, haben Sie vielleicht diese nächsten Schritte schon eingeleitet.

Verarbeiten Sie für sich das Gespräch

Lassen Sie das Geschehene Revue passieren. Denken Sie daran, dass Gefühlsäußerungen nicht unbedingt gegen Sie persönlich gerichtet sind. Mitunter sind dies ganz „normale“ Reaktionen. Nehmen Sie sich die Zeit, mit Ihren eigenen Gefühlen und Gedanken klar zu kommen. Vielleicht können Sie sich auch einem Dritten öffnen.

Die Hinweise von Andrew Neuschatz sind im ärztlichen Kontext zu verstehen, aber ich denke, wir alle können von seinen Erfahrungen profitieren. Jeder von uns muss irgendwann einmal schlechte Nachrichten überbringen, beruflich und auch privat.

Eine Bitte: Wenn Sie des Englischen mächtig sind dann lesen Sie doch gerne den Originalartikel. Ich habe den Inhalt nicht übersetzt, sondern mit meinen eigenen Worten wiedergegeben.

StockSnap / Pixabay

 

[Nachtrag]

Jalid Sehouli ist Gynäkologe, leitete die gynäkologische Klinik der Charité und ist einer der führenden Krebsspezialisten weltweit. Er hat ein Buch über das Überbringen schlechter Nachrichten geschrieben. Katja Heijnen vom SWR hat in der Reihe „Leute“ ein Gespräch geführt, das Sie hier nachhören können:  „Prof. Jalid Sehouli ist der Meinung, dass jeder Mensch es lernen kann, schwierige Gespräche gut zu führen.

 

 

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10 Gründe, warum Sie zu Mittag nicht im Büro bleiben sollten

Ich gebe zu, es gibt Workshops, wo ich während der Mittagspause den Seminarraum nicht verlasse. Zumeist liegt das an der mangelnden Gelegenheit, preiswert und vor allem gut zu Mittag zu essen. In diesem Fall bringe ich mein Pausenbrot mit und bleibe vor Ort. Allerdings kommt das nicht oft vor, vielleicht etwa drei bis vier Mal im Jahr. Ansonsten esse ich beim Kunden in der Kantine und verbinde dies mit einem kleinen Spaziergang.

Warum Sie tatsächlich das Büro während der Mittagspause verlassen sollten, zeigt uns Kitty Boinott in ihrem Beitrag 10 Reasons To Leave Your Desk At Lunch auf:

1. Sie werden produktiver

Menschliche Arbeit vollzieht sich in einem bestimmten Rhythmus, wie das Ein- und das Ausatmen. Wenn die Batterie leer ist, sollten Sie sie wieder laden. Das gelingt am besten, wenn Sie sich vom Arbeitsplatz entfernen.

2. Sie werden kreativer

Oft kommt das Gehirn dann auf die besten Ideen, wenn Sie es für eine Weile in Ruhe lassen. Das Unbewusste arbeitet während der Pause an dem Problem weiter und oft haben Sie die besten Ideen, wenn Sie ganz einfachen Tätigkeiten nachgehen. Erlauben Sie sich das Tagträumen und lassen Sie die Gedanken umher wandern.

3. Sie essen achtsamer

Essen am Arbeitsplatz funktioniert in der Regel im Autopilot-Modus, wie Shamash Alidina sagt. Sie werden von Ihren Aufgaben vom Essen abgelenkt. Sie sind in Gedanken bei Ihrem Problem und nehmen gar nicht wahr, dass Sie gerade essen. Gesund ist das nicht. Wenn Sie essen, dann essen Sie, wenn Sie arbeiten, dann arbeiten Sie. Aus diesem Grund sind mir auch die „Arbeitsessen“ ein Gräuel und ich vermeide sie, wo ich nur kann.

4. Sie pflegen die Beziehung zu Ihren Kollegen

Ab und zu tut es gut, mit den Kolleginnen auch über andere Dinge als die Arbeit zu sprechen. Sie müssen ja nicht über persönliche Dinge reden, mitunter tut es schon gut, die Ergebnisse der Bundesliga zu erörtern. Das ist das berühmte Socializing, das wir Menschen brauchen. Wo kann man besser über alltägliche Dinge sprechen als beim gemeinsamen Mittagessen in der Kantine?

5. Sie kommen an die frische Luft

Gehen Sie in der Mittagspause ein wenig an die frische Luft. Ihr Körper wird es Ihnen danken (allerdings nicht, wenn Sie die Zeit für eine Zigarette verschwenden). Und vergessen Sie nicht, Ihr Büro während der Mittagspause zu lüften, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben.

6. Sie bewegen sich

Sie sitzen ohnehin den ganzen Tag. Es gibt ernstzunehmende Stimmen, die das Sitzen als das neue Rauchen bezeichnen. Es kann auf Dauer erhebliche negative Folgen für Ihre Gesundheit nach sich ziehen. Nutzen Sie also jede Gelegenheit, aufzustehen und sich zu bewegen. Auch die Mittagspause.

7. Ihr Schreibtisch und Ihr PC werden nicht vollgekrümelt

Das braucht wohl nicht weiter kommentiert werden.

8. Sie haben mehr Genuss beim Essen

Dieser Punkt hängt eng mit Nummer 3 weiter oben zusammen. Machen Sie sich bewusst, was Sie gerade essen und nehmen Sie das Gericht mit all Ihren Sinnen wahr. Lassen Sie sich vor allen Dingen ausreichend Zeit. Essen Sie bewusst und langsam.

9. Sie können das Mittagessen zum Netzwerken benutzen

Wer weiß, vielleicht treffen Sie während des Mittagessen Menschen, die Ihnen neue Chancen aufzeigen können. Vermutlich können Sie so etwas nicht erzwingen, aber die Gelegenheit beim Schopf packen, wenn Sie sich ergibt, das können Sie schon.

10. Sie können alte Bekanntschaften wieder aufleben lassen

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, Ihr Mittagessen sogar mit Freunden oder Bekannten einzunehmen? Ich habe einen Studienkollegen, der regelmäßig mit Bekannten zu Mittag isst, die nicht in seinem Unternehmen arbeiten. Auf diese Weise kommt er auf andere Gedanken und kann auftanken.

Sicher fallen Ihnen noch ein paar andere Gründe ein, die Mittagspause woanders als am Arbeitsplatz zu verbringen. Achten Sie auch darauf, dass Sie ausreichend lange ist, mindestens 45 Minuten, damit Sie wieder fit für die zweite Tageshälfte werden.

rawpixel / Pixabay

 

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Vom Umgang mit schwierigen Menschen im Projekt

Als ToolBlog-LeserIn gehören Sie sicher nicht zu diesem Personenkreis, aber Sie haben sicher mit diesen Zeitgenossen zu tun. Die Rede ist von schwierigen Mitmenschen, die uns hier und dort das Leben schwerer machen als es ist. In diesm Blog habe ich schon mehrfach Autoren zitiert, die uns Hinweise geben, wie wir am besten mit ihnen umgehen können ohne unsere Nerven allzu sehr zu strapazieren (z. B. hier und hier).

Schwierige Mitmenschen sind überall anzutreffen, also auch in Software-Projekten. Sie kommen in unterschiedlichen Erscheinungen daher. Neil Green widmet ihnen eine komplette Website mit dem Titel How to Deal with Difficult People on Software Projects. Neil hat sich die Rollen

  • Product Manager
  • Designer
  • Project Manager
  • Development Manager
  • Entwickler
  • Qualitäter

genauer angeschaut und ordnet diesen Rollen unterschiedliche Typen von Nervensägen zu. Diese versieht er auch mit griffigen Bezeichnungen. So finden wir zum Beispiel bei den Entwicklern Divas, Idealisten, Elefanten im Porzellanladen oder Rockstars. Zu jeder dieser Typen liefert Neil die Erkennungsmerkmale, eine Problembeschreibung und einige Hinweise zum erfolgreichen Umgang mit ihnen.

Zum leichteren Auffinden der Typen hat Neil eine schöne Grafik erstellt. Ein Klick auf das jeweilige Symbol bringt Sie schnell zur entsprechenden Beschreibung.

Auch wenn die Seite schön und aufwändig gemacht ist, bitte bedenken Sie, dass so eine Typisierung ihre Grenzen hat. Aber Schmunzeln ist sicherlich erlaubt.

 

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Tipps für die Arbeit zuhause

Gestern fand in der Ravensburger Weststadt ein Workshop zur Stadtteilplanung statt. Unter anderen ging es dabei um neue Wohnformen. In diesem Zusammenhang sollte auch berücksichtigt werden, dass die Arbeit von zuhause aus einen immer wichtigeren Stellenwert bekommen wird. Manche der TeilnehmerInnen hatten dies gar nicht auf dem Schirm, sahen aber schnell, dass dies Auswirkungen auf das Wohnen hat. Zumindest wäre eine ruhige Arbeitsecke mit einem schnellen Internetanschluss von großer Wichtigkeit. Und bei letzterem ist in Ravensburg noch viel Luft nach oben.

Wo Licht ist, ist auch Schatten, das gilt auch für die Telearbeit. Um die Vorteile groß und die Nachteile klein zu halten, sollte man ein paar Dinge beachten, meint Megan Jones. In ihrem Artikel How to Get More Done If You Work From Home gibt sie uns folgende Hinweise:

Definieren Sie klar, was für Sie unter „Arbeit“ fällt

Gerade bei der Arbeit zuhause ist die Gefahr groß, Arbeit und andere Tätigkeiten zu vermischen. Im schlimmsten Fall kann das zur Konfusion durch Verzettelung führen. Planen Sie deshalb feste Arbeitszeiten ein und listen Sie auf, was Sie dann erledigt haben möchten.

Grenzen Sie Ihren Arbeitsplatz visuell ab

Ihr Arbeitsplatz sollte sich von den anderen Orten in Ihrer Umgebung unterscheiden. Das Ziel: Sobald Sie an Ihren Arbeitsplatz gehen, schalten Ihr Gehirn automatisch in den Arbeitsmodus. Örtliches Ankern nennt das der Fachmann.

Verlassen Sie ab und zu die eigenen vier Wände

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, den o.a. heimischen Arbeitsplatz zu verlassen und andere Orte aufzusuchen. Manche arbeiten gerne in Coworking Spaces oder in Cafés. Ich persönlich ziehe die örtliche Stadtbücherei vor, wenn ich schreiben will. Dort ist es ruhig und die vielen Bücher haben auf mich eine anregende Wirkung.

Halten Sie sich an einen Tagesplan

Was für den Ort gilt, passt auch für die Zeiten. Planen Sie nach Möglichkeiten feste Zeiten ein, zu denen Sie arbeiten möchten. Falls Sie nicht in den Fluss kommen, denken Sie an geeignete Arbeitsmethoden, wie z.B. die Tomatentechnik.

Vergessen Sie die Pausen nicht

Im Büro wird der Tag oft durch feste Pausenzeiten strukturiert und Ihre Kolleginnen erinnern Sie schon daran, dass es Zeit ist, in die Kantine zu gehen. Zuhause gibt es das vielleicht nicht. Besonders, wenn man gerade „drin“ ist, vergisst man oft die Zeit. Gönnen Sie sich eine Pause. Bewegen Sie sich zwischendurch oder noch besser, tanken Sie Frischluft.

Treffen täglich Sie Leute ( in echt!)

Achten Sie darauf, dass Sie nicht wie Major Tom lange Zeit allen in Ihrem Cockpit sitzen. Pflegen Sie Kontakte mit echten Menschen.

Megan empfiehlt darüber hinaus, mit Freunden und Familie in engem Kontakt zu bleiben und etwas Neues zu lernen. Nun weiß ich ja nicht, wen sie beim Verfassen ihres Beitrags vor Augen hatte, aber ich glaube nicht, dass man dies besonders empfehlen muss. Wer Kinder hat, weiß schon, dass sie sich bemerkbar machen, sollten sie Aufmerksamkeit brauchen.

Wenn ich mich richtig erinnere, wurde Marcel Reich-Ranicki einmal gefragt, ob er nicht auch im Pyjama schreiben könne. Schließlich fiele das ja niemandem auf, denn er säße ja ohnehin unbeobachtet am heimischen Schreibtisch. Fast schon entrüstet antwortete er, er ziehe sich einen Anzug samt Schlips und Kragen an, schließlich handele es sich ja um Arbeit und nicht um Freizeit. Wenn diese Geschichte nicht wahr sein sollte, dann ist sie zumindest gut erfunden.

Die Unterscheidung hat Vorteile:

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.

Free-Photos / Pixabay

 

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Digitaler Minimalismus

Nach der Lektüre von Robert Wringhams Ich bin raus stellt sich bei mir die Frage, wie ich der Falle, immer und überall dabei sein zu wollen, entgehen kann. Das gilt gerade auch für soziale Netzwerke, die Gefahr von FOMO ist dort besonders groß. Ich habe bislang noch nicht gemessen, wie viel Zeit ich auf Twitter & Co verplempere. Vermutlich werde ich mir das auch ersparen, denn ich ahne, dass mich das Ergebnis wohl verunsichern würde, um frei einen deutschen Ex-Innenminister zu zitieren.

Da kommt mir ein Artikel von Cal Newport, dem Autor des Werkes Konzentriert arbeiten, gerade recht: On Digital Minimalism. In dem Beitrag definiert der Autor „Digital Minimalism“ wie folgt:

  • Digitaler Minimalismus hilft Ihnen zu hinterfragen, welche digitalen Kommunikationswerkzeuge Ihnen und Ihrem Leben den größten Mehrwert verleihen. Dies gilt auch für die damit verbundenen Verhaltensweisen.
  • Als Basis dient die Überzeugung, dass Ihr Leben erheblich verbessert wird, wenn Sie sinnloses digitales Rauschen minimiren und die Werkzeuge auswählen, die wirklich wichtig für Sie sind.

Laut Newport folgt Digitaler Minimalismus diesen Grundprinzipien:

Etwas zu verpassen, ist nicht zwangsläufig schlecht

Sie verpassen immer etwas, immer und überall. Wir können einfach nicht überall sein. Was für das analoge Leben gilt, trifft auch für das digitale zu. Hier ist mehr Gelassenheit angebracht. Wichtiges kommt wieder. Alles andere kann man vergessen. Oder wie der Hashtag #esmi sagt: Einen Scheiß muss ich.

Weniger ist oft mehr

Handeln Sie nach dem 80/20-P?rinzip. Finden Sie heraus, welche 20% Ihrer online-Aktivitäten 80% Nutzen stiften und lassen Sie die restlichen 80% weg. Sie sind es nicht Wert, dass Sie Ihre Zeit damit verplempern. (So, und jetzt räume ich gleich meine RSS-Feeds auf…)

Beginnen Sie mit Ihren eigenen Prinzipien

Was sind die Prinzipien, denen Sie in Ihrem Leben folgen? Wenn Sie hier ein klares Bild haben, fällt es Ihnen auch digital leichter, die Spreu vom Weizen zu trennen. Beantworten Sie dabei die Frage: Wird dieses Angebot, diese Tätigkeit usw. mein Leben bereichern?

Das Beste ist anders als der Rest

Auch wenn ein digitales Angebot dazu beiträgt, „Ihr Leben zu verbessern“, ist es wirklich der beste Weg, dies zu erreichen? Oder gibt es andere Möglichkeiten, die eher dazu geeignet sind? Es lohnt sich, dies von Zeit zu Zeit zu hinterfragen.

Digitaler Müll verursacht Stress

Sie kennen das von Ihrem Arbeitsplatz. Je mehr Dinge sinnlos herumliegen, desto abgelenkter sind Sie. Ablenkung ist Gift für die Effizienz. Was für die analoge Welt gilt, trifft auch für die digitale zu. Ordnung und Übersichtlichtlichkeit trägt zur Beruhigung und zur Konzentration bei.

Aufmerksamkeit ist knapp und brüchig

Ihre Aufmerksamkeit ist nicht endlos. Verschwenden Sie sie nicht. Bedenken Sie, dass vielen (den meisten?) digitalen Angeboten das Geschäftsmodell zugrunde liegt, soviel Ihrer Aufmerksamkeit wie möglich zu erhaschen. Gelingt ihnen das, dann haben Sie nicht mehr genügend Aufmerksamkeit für die Dinge übrig, die Ihnen wichtig sind.

Ein sinnvoller Umgang mit der online-Welt unterstützt dass Leben offline

Hüten Sie sich, digitale Produkte als Selbstzweck zu betrachten. Setzen Sie sie ein, um das „reale Leben“ zu bereichern. Dazu gehören Gemeinschaften oder auch Möglichkeiten, neue Dinge zu lernen.

Vorsicht vor Werkzeugen, die Probleme lösen, die es ohne sie nicht gäbe

Google Maps löst das Problem, von A nach B zu kommen, vor allem für Menschen, deren Orientierungssinn zu wünschen übrig lässt. Eine neue Lösung für ein altes Problem also. Es gibt auch andere. Hüten Sie sich vor Anwendung, die ein Problem lösen, das sie womöglich selbst erzeugt haben.

Aktivität schlägt Passivität

Ziehen Sie Angebote vor, bei denen Sie etwas schaffen können anstatt nur zu konsumieren. Helfen Sie etwa Ihren Mitmenschen, indem Sie Ihr Wissen teilen oder anderen aus einer Klemme helfen.

Ich habe mich im ToolBlog schon öfters als Fan des Minimalismus-Prinzips geoutet. Dabei ist es für mich wurscht, ob es sich um die analoge oder die digitale Welt handelt. Der Weg ist das Ziel:

Ich arbeite daran, Tag für Tag.

rawpixel / Pixabay

 

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Arbeiten an der Leistungsgrenze

Vergangenes Wochenende war ich auf dem jährlichen Symposium der Papieringenieure in Köln. Auch wenn meine aktive Zeit in diesem Beruf lange her ist, fahre ich dorthin um Kommilitonen zu treffen und zu erfahren, wie es meiner „alten“ Branche so geht.

„Digitalisierung in der Papierindustrie“ lautete das Thema diesmal und es kam die Zusammenarbeit von Papierunternehmen (groß) und Start-ups (klein) zur Sprache. Ein Vortragender pries als Vorteil der Start-ups, dass deren Mitarbeiter ohne Probleme eben auch einmal 12 bis 14 Stunden arbeiten würden, was in der Old Economy aufgrund Betriebsrat etc. pp. eben so nicht möglich sei.

Als Sicherheitsingenieur, der ich auch bin, finde ich solche Aussagen grob fahrlässig. Vielen ist offensichlich gar nicht bekannt, dass es so etwas wie ein Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gibt. Und für alle nochmal zum Mitschreiben: Ein Gesetz ist ein Gesetz ist ein Gesetz. Es hat bindenden und nicht etwa empfehlenden Charakter. Dieses Gesetz ist nicht dazu da, zu gängeln, sondern es soll den Arbeitnehmer schützen.

Warum man solche und ähnliche Gesetze braucht, zeigt ein Faktenblatt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Arbeiten an der Leistungsgrenze (pdf-Datei). Auf zwei Seiten sind die wesentlichen Erkenntnisse zur Arbeit am Limit zusammengefasst.

Das gilt übrigens auch für Start-ups.

lukasbieri / Pixabay

 

 

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Bullshit-Jobs im Video

Im Juni habe ich in den Kurznachrichten auf ein Buch hingewiesen, dass mir interessant schien: Bullshit Jobs von David Graeber. Ich habe es immer noch nicht gelesen, da ich es zwischenzeitlich aus den Augen verloren habe. Das wird aber bei Gelegenheit nachgeholt.

Hier gibt der Autor selbst eine kurze Einführung in sein Werk:

David Graeber on Bullshit Jobs

 

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Wie gehen Sie mit Totschlagargumenten um?

In vielen Diskussionen, insbesondere bei TV-Krawallsendungen á la „Hart, aber fair“, kann man beobachten, dass gar nicht auf Argumente sachlich, fachlich, logisch, kurz angemessen, reagiert wird. Vielmehr versuchen die Gesprächsgegnerpartner das Argument mit Scheinargumenten totzuschlagen.

Eine meiner Lieblingsfiguren ist der Whataboutism. Wenn ich beispielsweise Fahrradfahrer auf regelwidriges Verhalten gegenüber Fußgänger hinweise, bekomme ich oft die Antwort: „Und was ist mit den Autofahrern? Wie verhalten die sich gegenüber uns? Ist das etwa besser?“. Auf das ursprüngliche Argument wird also gar nicht eingegangen, vielmehr wird es mit Whataboutism totgeschlagen.

Es gibt aber noch mehr solcher Konstruktionen. Ligitas Nefas hat 20 Logical Fallacies That Dumb People Use To Win Arguments zusammengetragen. Mit dabei sind fiese Methoden wie

  • Auf die Person statt auf das Argument zielen
  • Das ausschließliche Verwenden von „Beweisen“, die die eigene Meinung untermauern oder
  • zirkuläres Begründen.

Nun kann man sich fragen, wer jemals durch derartige Rabulistik jemand anders überzeugt hat. Den Anwendern geht es aber oft auch gar nicht um das Überzeugen. Vielmehr wollen sie sich selbst erhöhen, indem sie andere klein machen. Oder sie ziehen es vor, in ihrem vermeintlich sicheren Meinungskokon zu verbleiben. Andere wiederum wollen vor dem Publikum glänzen. Es geht also weniger um die Sache, sondern um die eigene Person.

Leider bietet Ligitas Nefas keine Lösungen für seine Beipiele an. Vielmehr sind die Leser gefordert, in den Kommentaren ihre Vorschlage für den Umgang mit Totschlagargumenten zu hinterlassen. Allerdings muss man die sprachlichen Figuren erst einmal kennen, bevor man in der Lage ist sich zu wehren.

Zu diesem Zweck empfehle ich den Klassiker von Arthur Schopenhauer: Die Kunst, Recht zu behalten. Für den Kindle gibt es das Buch sogar umsonst.

Tumisu / Pixabay

 

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FOMO im Bild

Sie erinnern sich. FOMO (Fear Of Missing Out) beschreibt die Sorge, etwas Wichtiges im Leben zu verpassen. FOMO ist ein Phänomen, das sich unter ungünstigen Umständen zu einem echten Problem für den Betroffenen auswachsen kann. Auch im TooBlog war FOMO bereits Thema (hier und hier).

Die Grafikerin Ortal Avraham hat eine kleine Bildergeschichte zum Thema veröffentlicht, in der sie beschreibt, warum FOMO in der Regel unberechtigt ist: 99 Times Out of 100 My FOMO Is Wrong. Schön gemacht.

 

 

BTW: Auf Twitter bekommen wir des öfteren gesagt, was wir lesen „sollten“ oder tun „müssen“. Meine Hashtags dafür sind #essi (einen Sch… soll ich) oder #esmi (einen Sch… muss ich). Ich entscheide immer noch selbst, was ich verpassen will und was nicht.

So einfach ist das.

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15 Regeln für gutes Feedback

Der Spiegel ist ein vielbenutztes, doch völlig unterschätztes Werkzeug des täglichen Lebens. Wir benutzen ihn, weil er uns ermöglicht, eine Außerperspektive einzunehmen. Nur mit ihm bekommen wir einen Eindruck davon, wie unsere Mitmenschen uns betrachten könnten. Für das Aussehen (Kleidung, Rasur etc.) mag das leidlich funktionieren, aber wie sieht das mit unserem Verhalten aus?

Da der sprechende Spiegel aus dem Märchen „Schneewittchen“ verloren gegangen ist, bleibt uns wohl nur die Möglichkeit, unsere Mitmenschen direkt anzusprechen und sie um Rückmeldung („Feedback“) zu bitten. Wir warten dann gespannt auf die Meinung des Beobachters. Manchmal macht uns das verlegen, denn Feedback zu bekommen ist oft weniger schwierig als Feedback zu geben. Sind wir zu offen, kränken wir vielleicht den Empfänger, halten wir uns bedeckt, dann kann der Empfänger mit dem Feedback nichts anfangen und lügen sollen wir ja auch nicht. Eine verzwickte Situation. Noch viel schwieriger wird es, wenn Sie ungebeten Feedback geben müssen, etwa um Kollegen auf Fehler hinzuweisen.

Damit Ihnen das Feedback geben in Zukunft leichter fällt, nennt uns Ann Gomez The 15 golden rules of constructive feedback:

1. Konzentrieren Sie sich auf Lösungen

Vorwürfe bringen niemanden weiter, Lösungen schon. Helfen Sie Ihrem Partner, selbst Lösungen zu finden. Vielleicht haben Sie auch selbst Lösungen anzubieten. Auch gut, aber schulmeistern Sie nicht.

2. Fragen Sie anstatt zu behaupten

Bedenken Sie, dass Ihre Sichtweise nicht die richtige sein muss. Gute Fragen helfen dem Partner, sich zu sortieren und den Sachverhalt für sich zu klären. Vielleicht erfahren Sie Aspekte, an die Sie bisher noch gar nicht gedacht haben.

3. Machen Sie spezifische Aussagen

Versuchen Sie bei Beobachtungen zu bleiben und bleiben Sie bei Zahlen, Daten, Fakten. Das ist nicht einfach, denn wir neigen dazu, sofort zu interpretieren und zu werten. Versuchen Sie es trotzdem. Mit Generalisierungen kann Ihr gegenüber nichts anfangen.

4. Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt

Geben Sie Feedback nur dann, wenn der andere es auch hören kann. Damit ist nicht nur der akustische Aspekt gemeint. Der Empfänger muss auch aufnahmebereit sein.

5. Nichts überstürzen!

Geben Sie Feedback nicht zwischen Tür und Angel. Wenn Sie sich Zeit für Ihren Partner nehmen, dann zeigen Sie damit Ihre Wertschätzung.

6. Bedenken Sie die Selbstachtung

Achten Sie darauf, dass der Andere sein Gesicht behält. Erwarten Sie auch nicht, dass Ihre Meinung sofort (oder überhaupt!) akzeptiert wird. Sie müssen nicht Recht haben und gut Ding will Weile haben.

7. Bilden Sie Vertrauen

Sie können nur dann erwarten, dass Ihr Feedback auf fruchtbaren Boden fällt, wenn der Andere Ihnen traut. Vertrauen entsteht durch Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit und Sprechen auf Augenhöhe.

8. Achten Sie auf ein gutes Gefühl hinterher

Es muss einen Unterschied geben zwischen Gesprächsbeginn und -ende. Was haben Sie beide gelernt, was möchten Sie ändern, was beibehalten?

9. Gibt es ein Muster?

Einmaliges Verhalten rechtfertigt oft kein Feedback. Es ist vielmehr dann angebracht, wenn eine bestimmte Verhaltensweise zurückgespiegelt werden soll. Achten Sie also auf Wiederholungen oder Muster.

10. Lohnt es sich, etwas anzusprechen?

Bedenken Sie auch beim Feedback das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Lohnt es sich tatsächlich, „ein Fass aufzumachen“ oder kann man auch mit Toleranz über die Sache hinwegsehen?

11. Konzentrieren Sie sich auf das, was der Empfänger ändern kann

Nicht ist frustrierender als für etwas kritisiert zu werden, was außerhalb des eigenen Einflussbereichs steht. Fragen Sie sich also vorher, ob der Andere überhaupt etwas ändern kann.

12. Erwische den Anderen, wenn er es richtig macht

In der Pädagogik kennt man den Begriff der „positiven Verstärkung“. Kenneth Blanchard formulierte dies so: „Erwische den Anderen, wenn er’s gut macht.“ Lassen Sie das den Anderen wissen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er/sie die Handlung wiederholen.

13. Prüfen Sie sich selbst

Geben Sie Feedback nie, wenn Sie negative Gefühle haben. Das kann Ihr berechtigtes Anliegen völlig verzerren. Warten Sie stattdessen, bis Sie wieder klarsehen.

14. Auch Feedback muss man üben

Gehen Sie dem Feedback nicht aus dem Weg, besonders wenn Sie darum gebeten werden. Nur so gewinnen Sie Sicherheit und Urteilsvermögen.

15. Seien Sie selbst offen für Feedback

Sind Sie selbst offen für Feedback und bereit, daraus Schlüsse für Ihr Verhalten zu ziehen? Wenn nicht, dann sollten Sie das auch nicht von Ihrem Gegenüber erwarten.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss:

Denken Sie daran, dass Feedback immer die Sichtweise eines Menschen darstellt. Es handelt sich um Wahr-nehmung, nicht um Wahrheit.
Auch der Spiegel in der Anprobe im Bekleidungsgeschäft zeigt Ihnen nicht die Wahrheit, sondern lässt eine Menge Spielraum für Interpretationen zu.

Sie kennen das.

a_m_o_u_t_o_n / Pixabay

 

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