Archiv der Kategorie: Lernen

Erfolg durch MiniMax-Gewohnheiten

Vor langer Zeit, als ich mich noch intensiv mit dem Neurolinguistischen Programmieren (NLP) beschĂ€ftigt habe, bin ich ĂŒber ein interessantes BĂŒchlein gestolpert. Es hatte den Titel MiniMax-Interventionen, geschrieben hat es Manfred Prior. In diesem Buch, das ich ĂŒbrigens den Coaches unter den Leser*innen ans Herz legen möchte, geht es um Interventionen, die mit minimalem Aufwand eine maximale Wirkung erzielen sollen.

FĂŒr mich passt diese Bezeichnung auch fĂŒr das Antrainieren von Gewohnheiten. MiniMax-Gewohnheiten sind TĂ€tigkeiten, die minimale Motivation benötigen um angestoßen und ausgefĂŒhrt zu werden. Mit regelmĂ€ĂŸiger AusĂŒbung, die nicht schwer fallen sollte, werden so diese TĂ€tigkeiten wiederholt und schließlich zu Gewohnheiten ausgebildet. Die Gewohnheiten können mit der Zeit ausgeweitet werden und tatsĂ€chlich eine große (maximale?) Wirkung erzielen. Meine MiniMax-Gewohnheiten heißen bei Peter Schroeder Micro-Habits. In seinem Artikel Micro-Habits Changed My Life beschreibt er, wie sie funktionieren und wie man am besten vorgeht.

Hier ein Beispiel von mir. Ich lerne seit geraumer Zeit Spanisch. Ich habe mir die Aufgabe gestellt, jeden Tag mindestens eine Viertelstunde mit meinem Lernprogramm zu verbringen. Also wird die Pomodoro-Eieruhr auf eine Viertelstunde eingestellt und 15 Minuten gelernt. „15 Minuten? Schaffst Du schon“, wĂŒrde Fritz Eckenga sagen. TatsĂ€chlich muss ich mich fĂŒr diese kurze Zeit nicht sonderlich ĂŒberwinden, mittlerweile ist diese Lernerei aber fĂŒr mich zur festen Gewohnheit geworden. Übrigens gilt das Gleiche auch fĂŒr meine (ĂŒberschaubar erfolgreichen) Versuche, Gitarre zu spielen. Ich bin fest davon ĂŒberzeugt, dass sich durch das tĂ€gliche Lernen/Üben ĂŒber lĂ€ngere Zeit ein Lernerfolg einstellen wird. Das lĂ€sst sich gar nicht vermeiden.

Zur UnterstĂŒtzung der MiniMax-Gewohnheiten nutze ich das „Don’t-Break-the-Chain“-Prinzip von Jerry Seinfeld. Es gibt Apps zu diesem Zweck, zum Beispiel Way of Life (Meine Wahl) oder online-Angebote wie dieses.

Wenn Sie sich tiefer mit MiniMax-Gewohnheiten auseinandersetzen wollen, empfehle ich Ihnen die BĂŒcher der Gurus

  • BJ Fogg: Die Tiny HabitsÂź-Methode: Kleine Schritte große Wirkung (Amazon)
  • James Clear: Die 1%-Methode – Minimale VerĂ€nderung, maximale Wirkung (Amazon)

Sollte ich richtig informiert sein, war BJ Fogg mit Tiny Habits zuerst da, James Clear ist imo leichter verstĂ€ndlich. Letzterer bietet auch einen kostenlosen E-Mail-Kurs an, zu dem Sie sich hier anmelden können. Ebenda gibt es auch eine FĂŒlle von Artikeln, einige davon habe ich bereits im ToolBlog zitiert.

Eine Zusammenfassung des Buchs von James Clear finden Sie in diesem Video:

 

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Die Seite der Spickzettel: Cheatography

Es gibt LehrkrĂ€fte, die empfehlen sich vor einer PrĂŒfung Spickzettel anzufertigen. Nicht etwa, um in betrĂŒgerischer Absicht wĂ€hrend der Klausur einen Blick darauf zu riskieren. Vielmehr behaupten sie, der Lerneffekt sei enorm.

Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, wie ich aus eigener Erfahrung bestĂ€tigen kann. WĂ€hrend meines Studiums war ich gezwungen, eine DiplomvorprĂŒfung im Nebenfach Elektrotechnik abzulegen. Wir durften fĂŒr die Klausur genau eine selbst beschriebene DIN-A-4-Seite mitnehmen mit Formeln und Ă€hnlichem Quatsch. An zwei Dinge kann ich mich erinnern, (a) dass wir wahre Kunstwerke in Mikroschrift geschaffen haben und (b) dass das Schreiben des Spickzettels wohl das erste Mal war, das wir uns derart intensiv mit dem Fach beschĂ€ftig haben. Bestanden habe ich damals, wenn auch nicht glorreich. Wie gesagt, ein Nebenfach.

Spickzettel in HĂŒlle und FĂŒlle finden Sie auf einer Seite, die eigens diesem Thema gewidmet ist: Cheatography. Es handelt sich um eine Sammlung von allen erdenklichen Spickzetteln (Cheat Sheets) aus den Bereichen

  • Programmierung
  • Softwarebedienung
  • Business und Marketing
  • Bildung
  • Heim und Gesundheit
  • Spiele und Hobbys

NatĂŒrlich sind die Spickzettel nicht so kunstvoll wie unsere handgeschriebenen damals, aber ansprechend sind sie allemal. Außerdem geht natĂŒrlich der o.a. Lerneffekt verloren, wenn man lediglich Fertigware ausdruckt. Andererseits muss man ja auch nicht immer PrĂŒfung schreiben.

Sie können sich ĂŒbrigens auch an der Spickzettelsammlung beteiligen und sich dazu auf der Seite registrieren. Es gibt nĂ€mlich auch eine deutsche Abteilung mit immerhin rund 130 EintrĂ€gen, die allerdings ziemlich IT-lastig sind.

Dennoch, vielleicht ist auch fĂŒr Sie etwas dabei. Wenn nicht, machen Sie selbst einen Spickzettel und laden ihn hoch. So eine Seite lebt vom Mitmachen.

 

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Buch: Microsoft 365 Education – Digital unterrichten mit Microsoft Teams, OneNote, Office und Co.

Wir erinnern uns, zu Beginn der Pandemie vor etwas mehr als einem Jahr schlug die Stunde einer Softwaresparte, die bis dahin nur Experten auf dem Schirm hatten: Die der Videokonferenzprogramme. Vor allem Zoom machte seinerzeit Furore und begann seinen kometenhaften Aufstieg, der sich in Marktanteil und Börsenwert widerspiegelte. Nicht nur das, auch einzelne Wörter fanden Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch, wie zum Beispiel Zoom Fatigue. Diese Bezeichnung beschreibt den ErmĂŒdungszustand, der bei ĂŒbermĂ€ĂŸiger HĂ€ufigkeit und Dauer von Videokonferenzen auftreten kann, eine höchst unerwĂŒnschte Nebenwirkung.

Die Umstellung von FirmenbĂŒro auf das HeimbĂŒro gelang in der Wirtschaft relativ schnell. In einigen Firmen wurde zu diesem Zeitpunkt die Arbeit von zuhause aus schon praktiziert. Außerdem verfĂŒgten die Firmen ĂŒber die entsprechende Infrastruktur und geeignete Programme. Hier hatte und hat Microsoft mit Teams sicher die Nase vorn. Neben der Industrie verlangten aber auch gerade Schulen und das Bildungswesen nach einer Lösung, um das Klassenzimmer in die WohnrĂ€ume der SchĂŒler:innen zu verlegen. Dass hier die eklatanten VersĂ€umnisse der letzten Jahre (Jahrzehnte?) gnadenlos offengelegt wurden, muss hier nicht weiter erwĂ€hnt werden. DarĂŒber wurde hinreichend geschrieben.

Microsoft hechelte anfangs dem Erfolg von Zoom etwas hinterher. Das Videokonferenzmodul innerhalb Teams war nicht so ausgereift wie das des Konkurrenten. Es war halt nur ein Modul unter mehreren, wÀhrend sich Zoom ganz auf die Videokonferenz konzentrierte.

Mittlerweile hat Microsoft nachgezogen und stellt mit Microsoft 365 Education Bildungseinrichtungen sogar eine komplette Lehr- und Lernumgebung zur VerfĂŒgung. Teams ist dabei nur ein Element unter vielen anderen, wenn auch ein zentrales. Das Videokonferenzmodul wurde entscheidend verbessert und ermöglicht nun auch die Einrichtung von Breakout-Rooms, so dass der Kleingruppenarbeit nichts im Weg steht.

Ein gewichtiger Nachteil aller Microsoft-Programme ist die mangelhafte Benutzerfreundlichkeit. Es werden wahnsinnig viele Funktionen in die Programme hineingepackt. Der Überblick geht leicht verloren. MenĂŒpunkte befinden sich dort, wo man sie garantiert nicht vermutet. Eine logische Gruppierung von Bedienelementen mit Ă€hnlichem Zweck ist nicht zu erkennen. Die Dokumentation ist lausig, zum einen, weil sie in unzĂ€hligen Einzelartikeln ĂŒber das Internet verstreut ist, zum anderen, weil sie oft nicht mehr aktuell ist. Microsoft modifiziert seine Programme nĂ€mlich in atemberaubend kurzen AbstĂ€nden. Aus diesem Grund ist mittlerweile ein eigenes Genre der Ratgeberliteratur entstanden: Manuals, die die Benutzung von Microsoft-Programmen erklĂ€ren.

Stefan Malter hat ein Buch geschrieben, das Unterrichtenden den Einsatz und den Gebrauch des Softwarepaket MS 365 Education erklĂ€rt: Microsoft 365 Education – Digital unterrichten mit Microsoft Teams, OneNote, Office und Co. (Amazon-Link).

In dem Buch erfahren Lehrer:innen, wie sie ihren digitalen Schulalltag mit Teams, OneNote und anderen Microsoftprogrammen gestalten können. Stefan Malter weiß, dass es Unterrichtende gibt, die tatsĂ€chlich völlig unbeleckt von der digitalen Materie sind (gar nicht böse gemeint). Er hat den Ehrgeiz in diesem Buch die ganze Palette der angebotenen Werkzeuge abzudecken. Und zwar von Anfang an.

Die meisten ComputerbĂŒcher erklĂ€ren Programme, indem sie MenĂŒpunkt fĂŒr MenĂŒpunkt durchgehen und die einzelnen Funktionen dahinter erklĂ€ren. Mit Verlaub, solche BĂŒcher sind in meinen Augen nutzlos. Wenn ich ein Programm erwerbe, habe ich eine Vorstellung davon, was ich damit machen will. Ich möchte infolgedessen in einem Buch keine Produktmerkmale aufgezĂ€hlt bekommen. Vielmehr erwarte ich eine Anleitung dafĂŒr, was ich tun muss, damit ich mit der App meine Aufgaben erledigen kann.

Stefan Malter geht genau diesen Weg. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Nach einer allgemeinen Übersicht ĂŒber Windows 10 (!), MS 365 Education und die enthaltenen Apps im ersten Teil, erfahren Sie im zweiten, wie Sie Ihre LehrtĂ€tigkeit gestalten können, indem Sie

  • ihr Unterrichtsmaterial recherchieren, erstellen und organisieren
  • das Material den Lernenden zur VerfĂŒgung stellen
  • den Lernfortschritt ĂŒberprĂŒfen und Korrekturen vornehmen
  • sich und Ihre LehrtĂ€tigkeit organisieren
  • mit digitalen Inhalten arbeiten
  • mit allen Beteiligten (Kolleg:innen, Eltern, SuS) kommunizieren können

Mit diesen Inhalten können Sie schon das Wesentliche der Unterrichtsarbeit abdecken. Wenn Sie wirklich noch etwas mehr aus MS 365 Education herausholen möchten, dann hilft Ihnen der dritte Teil. Dort erfahren Sie, wie Sie mit Bordmitteln:

  • Audio- und Videodateien produzieren
  • Barrierefreiheit sicherstellen (Stichwort: Inklusion)
  • Mobile GerĂ€te wie Smartphone und Tablet einsetzen (Stichwort: Generation Smartphone)

Tipps fĂŒr komplette Projekte, Administration von MS 365 Education und zur Problemlösung wenden sich an die „Profis“ unter den PĂ€dagog:innen und runden den dritten Teil ab.

Fazit

Ich hatte es bereits erwĂ€hnt. FĂŒr mich ist es ein No-Go, wenn ein Buch die einzelnen MenĂŒpunkte nach und nach abklappert und ich nach der meist quĂ€lenden LektĂŒre immer noch nicht weiß, was ich eigentlich tun muss, um mein Ziel zu erreichen. Dieses Buch ist anders und zwar so, wie es m.E. sein soll:

  • Ich möchte gerne wissen, wie ich ein Handout erstellen soll? Also schaue ich in das Unterkapitel „ArbeitsblĂ€tter digital erstellen“. S. 217 ff.
  • Eine mĂŒndliche PrĂŒfung soll abgenommen werden? Man schlage nach im Unterkapitel „MĂŒndliche PrĂŒfungen per Videokonferenz mit Microsoft Teams“, S. 310 ff.

Genau das mĂŒssen gute ComputerbĂŒcher leisten:

Was will ich tun? ⇒ Nachschlagen, machen, fertig.

Und wenn ich dann wirklich nicht mehr weiter weiß, dann frage ich die „Online-Community Microsoft 365 fĂŒr Lehrer“, S. 544.

Das Buch ist leicht verstĂ€ndlich geschrieben und reichhaltig 4-farbig bebildert. Der Preis fĂŒr Umfang, Inhalt, PapierqualitĂ€t usw. ist Ă€ußerst fair. Da gibt es nichts zu meckern.

Stefan Malter wendet sich mit seinem Buch vornehmlich an LehrkrĂ€fte aus dem schulischen Bereich. Aber auch Unterrichtende an Hochschulen und in Einrichtungen der Erwachsenenbildung dĂŒrften in hohem Maß profitieren. Auch fĂŒr mich, den freiberuflichen Organisationsentwickler, dessen Schwerpunkt eher in der Beratung und im Coaching liegt, waren viele Anregungen und auch Neuigkeiten dabei.

Wenn Sie in der Lehre Microsoft 365 Education benutzen sollen, mĂŒssen oder wollen, dann gebe ich eine klare Kaufempfehlung. Sie können nichts falsch machen. Die 34,90 € sind gewinnbringend investiert.

… und der Datenschutz?

Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass die Verwendung von MS Office 365 und MS 365 Education in Bezug auf den Datenschutz derzeit kontrovers diskutiert wird. Ich enthalte mich bewusst einer Meinung. Und zwar deshalb, weil ich davon keine Ahnung habe. Sehen Sie mir das bitte nach. Danke.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Rheinwerk-Verlag als Rezensionsexemplar zur VerfĂŒgung gestellt. Vielen Dank dafĂŒr.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die BĂŒcher, die mir gut gefallen, bespreche ich, ĂŒber die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich kein Literaturpapst.

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Notizen machen wie die Profis

Eine hilfreiche Art, sich wĂ€hrend PrĂ€sentationen oder Vorlesungen Notizen zu machen, ist die Cornell-Methode. Ich habe immer mal wieder im ToolBlog darĂŒber geschrieben, allerdings zu urvordenklichen Zeiten. Nun bin ich ĂŒber einen Kurs des Learning Strategies Center der Cornell University gestolpert, in dem Sie lernen können, wie man effektiv und effizient Notizen anfertigen kann: Note-Taking-Strategies.

In rund einem Dutzend Modulen erfahren Sie, wie Sie die Cornell-Methode sinnvoll anwenden und in ein komplettes System integrieren können. Den Kurs können Sie schnell absolvieren, allzu schwer ist der Stoff nicht. Falls Sie nicht mehr wissen, was das Besondere an der Cornell-Methode ist und wie sie funktioniert, hier ein einfĂŒhrendes Video, weitere Videos finden Sie im Kurs.

 

 

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Die Sammlung mentaler Modelle

Der Ausdruck „mentales Modell“ begegnete mir zu ersten Mal vor gefĂŒhlten 25 Jahren in dem bahnbrechenden Buch Die fĂŒnfte Disziplin: Kunst und Praxis der lernenden Organisation von Peter M. Senge. Laut Wikipedia

beziehen sich Mentale Modelle auf kritische Reflexionen, die unbewusst, unhinterfragt und oftmals stillschweigend vorausgesetzte Grundannahmen beinhalten. Individuelles Handeln wird aktiv durch die intendierten mentalen Modelle gesteuert.

Nun bin ich nicht ganz sicher, ob sich die Website Mental Models Box dieser o.a. Definition anschließt. Ich habe eher den Eindruck, dass es dort um eine Sammlung kognitiver Verzerrungen geht. Aber ich mag mich tĂ€uschen und sicherlich gibt es hier große Schnittmengen. Sei’s drum.

Aufschlussreich ist die Mental Models Box allemal. Sie finden dort eine Sammlung allerlei mentaler Konstrukte, die uns dabei helfen die Welt zu erklĂ€ren. Ob sie „stimmen“, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Die Sammlung ist unterteilt in die Kategorien:

  • Verzerrungen (biases)
  • Modelle
  • Problemlösung
  • Beziehungen
  • Soziale PhĂ€nomene

Alle Modelle werden in einer Art Steckbrief beschrieben und sind wenn möglich zu dem entsprechenden Artikel in/auf der Wikipedia verlinkt. Als kleines Bonbon gibt des das Mental Model der Woche.

Mir gefÀllt die Seite aufgrund der kompakten Information und auch wegen der schnörkellosen Aufmachung hervorragend. Den Menschen, die sich gerne mit den Möglichkeiten und Grenzen unseres Denkens beschÀftigen, sei sie wÀrmstens ans Herz gelegt.

 

Bild von Carlos Ribeiro auf Pixabay

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Wie Sie einen Ratgeber in 90 Minuten lesen

Wenn ich in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten bin, besuche ich ab und zu eines dieser BuchkaufhĂ€user. Sie wissen schon, Dusshugen oder Thaldubel und wie sie alle heißen. Meistens gehe ich frustriert wieder hinaus, denn oft habe ich den Eindruck, ich sehe den Wald vor lauter BĂ€umen nicht. Die Zahl der SachbĂŒcher und hier speziell der Ratgeber ist riesengroß und fast immer habe ich den Eindruck „kennst Du einen, dann kennst Du alle“. Es fĂ€llt mir schwer, aus dieser FĂŒlle gleichförmiger Angebote das Buch zu finden, das mir wirklich ein Mehr an Nutzen verschafft.

Vielleicht sollte man auf das Lesen der Ratgeber daher auch nicht allzuviel Zeit ver(sch)wenden. Das meint auf jeden Fall Darius Foroux, der uns in einem Artikel zeigt How To Read A Self-Help Book In 90 Minutes.

Er beschreibt Ratgeberliteratur als das, was sie ist: Sie soll dem Leser/der Leserin einen Nutzen verschaffen. Es ist daher vollkommen nebensĂ€chlich, ob das Buch schön geschreiben ist. Und es ist auch unerheblich, wie viel Seiten es umfasst. Darius stellt die (steile) These auf, dass 90% des Inhalts tatsĂ€chlich nur FĂŒllstoff sind. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft. Ich meine, der Erfinder des Mind-Mappings, Tony Buzan, hĂ€tte dies auch in einigen seiner BĂŒcher geschrieben. Schade, dass er sich selbst nicht daran gehalten hat.

Das Durcharbeiten eines Ratgebers erfolgt laut Darius in vier Schritten:

1. WÀhlen Sie das Buch sorgfÀltig aus

Denken Sie immer daran: Das Buch soll Ihnen einen Nutzen verschaffen. Es soll Ihnen helfen, ein bestehendes Problem zu lösen, eine akute Frage zu beantworten oder etwas zu lernen, was Sie in der Zukunft brauchen werden.

2. Machen Sie sich mit dem Inhaltsverzeichnis und der Struktur des Ratgebers vertraut (15 min)

Dies entspricht auch der Empfehlung von Tony Buzan. So gehen Sie vor:

  1. Lesen Sie die RĂŒckseite des Umschlags und den Klappentext. Was erfahren Sie ĂŒber den Autor und seinen Hintergrund. Die wohlwollenden Zitate berĂŒhmter Kolleg:innen können Sie ignorieren. Sie dienen nur der Werbung.
  2. Schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis genau an. Hier finden Sie Hinweise auf die Struktur des Buchs.
  3. BlĂ€ttern Sie durch das Buch und verknĂŒpfen Sie die Kapitel mit dem Inhaltsverzeichnis. Achten Sie hier auf Zusammenfassungen, Diagramme, Abbildungen und InfokĂ€sten.
  4. Sobald Sie die Struktur verstanden haben, wissen Sie auch, wo die wertvollen RatschlÀge stehen.
  5. ÜberblĂ€ttern Sie den Inhalt, der Sie nicht interessiert.
  6. Lesen Sie den relevanten Stoff sorgfÀltig. Das andere ignorieren Sie.

3. Stellen Sie sich einen Timer und lesen Sie konzentriert (45 min)

Lesen Sie die relevanten Teile des Ratgebers konzentriert durch. Lassen Sie sich dabei nicht unterbrechen. Fertigen Sie fĂŒr die wichtigen Stellen des Ratgebers Lesezeichen an. Notieren Sie die Seitenzahlen auf einem Notizzettel oder auf einer Post-it-note. Wichtige Diagramme oder Bilder fotografieren Sie mit dem Smartphone. Das alles ĂŒberfĂŒhren Sie in ein geeignetes Programm, z. B. Evernote. Tony Buzan wĂŒrde natĂŒrlich eine Mind-Map anfertigen.
Darius rÀumt ein, dass mitunter bei umfangreicheren Werken 45 min wohl nicht reichen werden. Dann benötigen Sie eben eine zweite Session à 45 min.

4. Schreiben Sie eine kurze Zusammenfassung (30 min)

Laut Darius sollte man das niemals unmittelbar nach der LektĂŒre tun, sondern sich ein paar Tage bis maximal eine Woche Pause gönnen. Der Grund: Das Unbewusste muss das Gelesene erst einmal verdauen.
FĂŒr die Zusammenfassung gehen Sie durch Ihre Lesezeichen und schreiben auf, was Sie mit diesen Informationen zu tun gedenken. Was möchten Sie umsetzen? Das ist Ihre Zusammenfassung.

 

Wenn Sie wollen, dass das Gelernte „sitzt“, dann bringen Sie es anderen bei. „Lernen durch Lehren“ nennt das der Fachmann.

Und noch ein Tipp von mir: Diese Methode sollten Sie wirklich nur auf Ratgeberliteratur anwenden. FĂŒr Thomas Manns „Zauberberg“ oder Tolstois „Krieg und Frieden“ ist sie nicht angemessen.

 

Bild von Hermann Traub auf Pixabay

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Wie Sie eine Community pflegen

Ich habe lange ĂŒberlegt, wie ich das Wort „Community“ ĂŒbersetzen könnte und muss gestehen, mir ist nichts rechtes eingefallen. „Gemeinschaft“ trifft es nicht so richtig, „Gemeinde“ wohl eher. Im US-amerikanischen Kontext wird damit oft das Gemeinwesen angesprochen. Manchmal ist es vielleicht besser, den Ausdruck einfach stehen zu lassen.

Wie auch immer, auf der Website The Community Tool Box lernen Sie ein Vielzahl von Methoden kennen, mit denen Sie Communities bilden und unterstĂŒtzen können. Sie erfahren auf der Website,

  • wie Sie die BedĂŒrfnisse einer Community herausarbeiten können
  • wie Sie die Ressourcen ermitteln können, die einer Community zur VerfĂŒgung stehen
  • wie Sie die StellgrĂ¶ĂŸen fĂŒr eine gesunde Entwicklung benennen und benutzen
  • welche Stakeholder es gibt und wie man sie einbeziehen kann
  • auf welche Weise FĂŒhrung entwickelt wird
  • welche Maßnahmen zur Entwicklung geplant, durchgefĂŒhrt und wie sie evaluiert werden können

Aufgrund des riesigen Umfangs des Gebotenen ist es sicher hilfreich sich zunĂ€chst mit dem Gebrauch der Toolbox zu beschĂ€ftigen. Auch hier fĂŒr gibt es ein eigenes Kapitel.

Die Community Toolbox ist ein Angebot der UniversitÀt von Kansas und ist mit den wenigen EinschrÀnkungen der Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike 3 frei zugÀnglich.

Da ich seit diesem Jahr das Ehrenamt des Kirchengemeinderats ausĂŒbe, werde ich mich in der nĂ€chsten Zeit eingehend mit der Community Toolbox befassen. Ich habe da so eine Ahnung, dass ich dort eine Menge fĂŒr die Gemeindearbeit lernen kann.

BTW: Ich habe lange ĂŒberlegt, ob es in Deutschland eventuell ein GegenstĂŒck zur Community Toolbox geben könnte. Vielleicht ist es die Stiftung Mitarbeit zusammen mit dem Wegweiser BĂŒrgergesellschaft und dem Netzwerk BĂŒrgerbeteiligung. Schauen Sie doch einmal vorbei und ĂŒberprĂŒfen, ob ich richtig liege.

Übrigens hat die Community Toolbox auch einen eigenen YouTube-Kanal, wie könnte es auch anders sein.

 

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

 

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10 unverĂ€nderliche Gesetze ĂŒber das Fehler machen

Keiner macht gern Fehler. Sie haben einen negativen Beigeschmack, denn oft sind Sie mit negativen Folgen verbunden, sei es finanzieller, emotionaler oder anderer Art. Und schon in der Schule wĂŒrden wir fĂŒr Fehler abgestraft. Dennoch, es gibt auch positive Seiten. Schließlich heißt ein altes deutsches Sprichwort: “Aus Erfahrung wird man klug.” Und genau so sollte man Fehler betrachten, als Chance nĂ€mlich, daraus zu lernen. Alan Norton hat aufgelistet was er fĂŒr die “10 Immutable Laws of Mistakes” hĂ€lt:

  1. Jeder macht Fehler
  2. Nicht alle Fehler sind schlimme Fehler
  3. Fehler, die von anderen nicht gesehen werden, sind keine
  4. Unwissenheit ist keine Entschuldigung fĂŒr Ihre Fehler
  5. Fehler passieren immer zum blödesten Zeitpunkt
  6. Fehler ziehen neue Fehler nach sich
  7. Fehler, die mit dem Computer gemacht werden, verbreiten sich schneller und verursachen grĂ¶ĂŸeren Schaden
  8. Der Fehler der Tatenlosigkeit ist nichtsdestoweniger ein Fehler
  9. Nicht zu seinen Fehlern zu stehen, ist ein Fehler
  10. Nicht aus seinen Fehlern zu lernen, ist ein Fehler

Am Ende des Beitrags gibt es noch ein informatives Schaubild, das Ihnen zeigt, warum Sie vielleicht dieselben Fehler immer wieder machen. Es beschreibt, an welchen Stellen der Lernprozess möglicherweise unterbrochen wird.

Ach ja, kennen Sie Mae West’s Gesetz? Nein? Hier ist es:

Irren ist menschlich, das GefĂŒhl dabei göttlich.

So kann man es auch sehen.

 

Bild von Andreas Schau auf Pixabay

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Wie Sie E-Mails richtig schreiben

Ich gebe zu, diese Überschrift ist etwas irrefĂŒhrend. NatĂŒrlich weiß ich, dass die LeserInnen des ToolBlogs ihre E-Mails sachlich korrekt und angemessen im Ton verfassen. Etwas schwieriger wird die Sache allerdings, wenn man den sicheren Hafen der Muttersprache verlĂ€sst und Nachrichten in einer Fremdsprache verfassen muss. Zum Beispiel in Englisch, der Lingua franca der heutigen Zeit.

Alex, ein Trainer bei engVid, zeigt uns, wie man in Englisch korrekte E-Mails schreibt. ZunĂ€chst formell im GeschĂ€ftsbereich…

How to write professional emails in English

 

…und dann auch informell im Privatleben:

How to write informal emails in English

 

Wenn Sie die Videos von Alex nĂŒtzlich finden, er hat noch mehr unter seinem Videokanal Learn English with Alex [engVid] auf YouTube veröffentlicht.

Alex ist aber nicht der einzige Trainer auf engVid. Acht Kolleginnen und Kollegen helfen uns in einschlÀgigen Videos im Umgang mit der englischen Sprache.

Wenn Sie Ihr Englisch wirklich verbessern möchten, hier gibt es Material in HĂŒlle und FĂŒlle!

 

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Lernen mit digitalen Karteikarten

Ich bin ja ein großer Fan des Prinzips der Lernkartei nach Sebastian Leitner. Momentan lerne ich meine Vokabeln mit Anki. Ich gebe zu, ich habe eine ganze Zeitlang gebraucht, um die Arbeitsweise von Anki zu verstehen. Auch jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich das Programm richtig (aus-) nutze.

Vielleicht helfen mir die Hinweise von Polar: 13 Lucky Tips for using Anki and Spaced Repetition in 2019. Wenn alle Stricke reißen, dann kann man sich auch intensiv in Anki einarbeiten, mit dem offiziellen Handbuch oder den Artikeln des Anki-Spezialisten Stefan Moosmann.

Eine interessante Alternative zu Anki ist Mochi. Hier können Sie Notizen in Lernkarten umwandeln und nach dem Leitner-Prinzip memorieren. Das Programm gibt es fĂŒr Mac, Windows und Linux. Ausprobieren können Sie Mochi im Browser. Das Besondere: Die EintrĂ€ge können in Markdown geschrieben werden. FĂŒr mich ein gewichtiges Argument.

Wenn Sie gar nichts installieren möchten, dann versuchen Sie es doch einmal mit Quizlet. Sieht auch ganz vielversprechend aus.

 

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