Archiv der Kategorie: Teamwork

Wie man als Führungskraft Kommunikation verhindert

Sie kennen sicher das berühmte 1. Axiom von Paul Watzlawick:

Man kann nicht nicht kommunizieren!

Wenn Sie Führungskraft sind, dann können Sie sich zum Beispiel in Besprechungen noch so sehr „zurückhalten“, Ihre Mitarbeiter werden Sie dennoch beobachten und aus dem Beobachteten ihre eigenen Schlüsse ziehen.

Nun wissen wir nicht, was Sie tun müssen, um eine nützliches Gespräch zustande zu bringen, aber Nancy Dixon kennt Verhaltensweisen, die Sie lassen sollten: Six Ways Leaders Kill Conversation. Hier sind sie:

  1. Sie stehen vorne im Raum, alle anderen sitzen
  2. Sie kommentieren sofort jede Äußerung, die ein Teammitglied macht
  3. Sie tragen ein Jackett, die anderen sind in Hemdsärmeln
  4. Sie tun so, als ginge Sie das Thema eigentlich gar nichts an
  5. Sie wählen den falschen Raum
  6. Sie stellen Fragen, geben aber nicht die Chance über eine Antwort nachzudenken

Wenn Sie so wollen, dann können Sie diese 6 No-gos in zwei Gruppe unterteilen. Zum einen kehren Sie Ihren Status heraus und sprechen nicht auf Augenhöhe mit den Anwesenden (1, 2, 3, 5). Zum anderen produzieren Sie Rapport-Abrisse oder verhindern vor vorhherein, das so etwas wie eine gemeinsame Wellenlänge entsteht $, 6).

Nancy erläutert ihre o.a. Punkte in dem Artikel ausführlich. Von mir noch zwei Bemerkungen:

zu 3)
Ein wesentliches Mittel um Rapport (Wellenlänge) herzustellen, ist die Kleidung. Sie gehen ja auch nicht mit Schlips und Kragen in die Nordkurve von St. Pauli.

zu 5)
Walt Disney sagt man nach, dass er für die verschiedenen Phasen eines Entwicklungprozesses auch in verschiedene Räume gegangen ist. Wenn Sie in einem Raum nur Präsentationen veranstalten, wo die Anwesenden in der Regel nur zuhören, dann wählen Sie für Gespräche einen anderen. Im NLP nennt man das räumlichen Anker.

Es lohnt sich für Führungskräfte allemal, sich mit Kommunikation und einschlägigen Modelle zu beschäftigen. Denken Sie an Watzlawicks 3. Axiom:

Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Oder wie der Volksmund sagt: Wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es wieder heraus.

geralt / Pixabay

 

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Effektive Besprechungen: Wie Sie eine Agenda erstellen

Auch wenn es noch so viele (geplagte) Zeitgenossen gibt, die auf Besprechungen schimpfen, ganz ohne sie geht es nicht. Ich selbst bin mittlerweile ein großer Fan der Time-Boxes geworden. Besprechungen gehören in einen festen Zeitrahmen, denn sonst neigen sie dazu, auszuufern. Es gilt, je mehr ein Meeting in Richtung Routinebesprechung (z. B. jour fixe) geht, desto eher sollte auf ein striktes Zeitlimit geachtet werden. Beispiele hierfür sind etwa die Ereignisse im Scrum oder die 22-Minuten-Besprechung.

Aber nicht alle Besprechungen sind Routinemeetings. Eine Grundvoraussetzung, damit diese Treffen nicht aus dem Ruder laufen, ist eine gut durchdachte Agenda. Dale Cudmore gibt in seinem Artikel How to Create a Time-saving Meeting Agenda einige Hinweise, die beim Erstellen einer Tagesordnung zu beachten sind. In dem Artikel erfahren Sie:

  • warum Besprechungsplanung so wichtig ist
  • aus welchen Elementen eine Agenda besteht
  • wie Sie eine zweckmäßige Agenda schreiben

Darüberhinaus gibt er Ihnen ein Beispiel und eine Vorlage mit auf den Weg.
Letztere können Sie hier herunterladen.

Dale empfiehlt zum Erstellen einer Tagesordnung diese Schritte:

  1. Entscheiden Sie, welches Ziel im Meeting erreicht werden soll und mit welchen Methoden es erreicht werden kann
  2. Bestimmen Sie die Teilnehmer und die Rahmenbedingungen, wie Ort, Zeit und Rollen
  3. Beginnen Sie mit einer Durchsicht der Agenda
  4. Listen Sie die Tagesordnungspunkte auf
  5. Bestimmen Sie, was bei den einzelnen Punkten herauskommen soll
  6. Schätzen Sie ab, wie viel Zeit Sie für jeden Punkt brauchen werden (Puffer!)
  7. Denken Sie darüber nach, wer außer Ihnen bei den einzelnen TOPn die Leitung übernehmen könnte
  8. Überlegen Sie zu jedem Punkt detailliert, wie Sie am besten vorgehen.
    Notieren Sie Vorgehensweise und den Input, den Sie geben möchten.
  9. Schicken Sie die Agenda an die Teilnehmer.

Mir gefällt der Artikel von Dale recht gut. Allerdings unterscheide ich in meinen Workshops zur Besprechungsmoderation gerne zwischen Agenda und Drehbuch. Kurz gesagt, ist die Agenda das, was der Teilnehmer vor der Besprechung zu sehen bekommt. In einem Drehbuch hingegen notiert sich der Besprechungsleiter/Moderator, wie er zu Erreichung der Ziele vorgehen möchte. Elemente des Drehbuchs sind etwa:

  • Methodik (z. B. Brainstorming, Kartenabfrage usw,)
  • Bedarf an Hardware (Pinnwand, Flipchart o. ä.)
  • Formulieren der Aufgabenstellung (z. B. Anweisung oder Formulieren einer geeigneten Frage)
  • Abschätzen des Zeitbedarfs für jeden Schritt unter Berücksichtigung einer „Sollbruchstelle“.

Dieses Drehbuch ist allein für den Besprechungsleiter gedacht.

Ja, ich finde, viele beklagen sich zu Recht über die Qualität von Besprechungen. Meistens ist aber nicht das „Was“ daran schuld, sondern das „Wie“. Und das ist

Handwerkszeug, das man lernen kann!

chief22880 / Pixabay

 

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Tipps für die Verwendung von E-Mails in großen Teams

Auch wenn der Zenit überschritten zu sein scheint, tot ist die E-Mail noch lange nicht. Ich kenne viele Unternehmen, die nach wie vor auf das E-Mail als Kommunikationsmittel Nr. 1 zurückgreifen. Über die Gründe kann man spekulieren. Vielleicht liegt es daran, dass dieses Medium den guten alten Postverkehr abbildet, vielleicht aber auch daran, dass das Verschicken und Empfangen der Elektropost sehr einfach ist. Man braucht keine besondere Schulung in eigens konstruierten Kollaborationsprogrammen.

Allerdings, wir wissen es alle, hat die E-Mail auch diverse Nachteile, die gerade dann gravierend sind, wenn sie innerhalb großer Teams verwendet wird. Da verliert man beim E-Mail-Pingpong schon mal die Übersicht, zumal wenn der Kreis durch den ausgiebigen Gebrauch der CC-Funktion unnötig aufgeblasen wird. Dies erleben wir immer dann, wenn in einem Unternehmen eine ausgeprägte Absicherungsmentalität herrscht („…ich habe Sie doch auf CC gesetzt!“). Im schlimmsten Fall können wichtige E-Mails verloren gehen oder es erfolgt keine angemessene rechtzeitige Reaktion.

Sollte Sie trotz dieser Nachteile am E-Mail-Verkehr auch in großen Teams festhalten, dann gibt Ihnen Brooke Faulkner einige Tipps mit auf den Weg: Effectively Utilizing Email in Large Teams. Sie empfiehlt:

1. Begrenzen Sie die Anzahl der E-Mails

Es ist schon hanebüchen, wenn mir Teilnehmer in meinen Workshops erzählen, Sie empfingen über 50 E-Mails am Tag. Wenn Sie nur 2 Minuten pro Nachricht für das Durchlesen und Verarbeiten ansetzen, dann kommen Sie auf 100 Minuten E-Mail-Bearbeitung am Tag. Ich glaube, mehr ist dazu nicht zu sagen.

2. Passen Sie auf, was Sie schreiben

E-Mails sollten nicht als Chat-Ersatz missbraucht werden. Greifen Sie stattdessen zum guten alten Telefon oder installieren Sie ein Work-Chat- oder Kollaborationsprogramm. Sonst entsteht E-Mail-Pingpong und damit unnützes Rauschen, das die wichtigen Signale verdeckt.

3. Bedenken Sie den Einfluss großer E-Mail-Anhänge

Je größer der Dateianhang ist, desto länger dauert das Herunterladen. Außerdem kenne ich Firmen, bei denen der Speicherplatz des E-Mail-Programms begrenzt ist. Richten Sie stattdessen gemeinsame Laufwerke ein. Dort können Sie die Dateien auch anderen zur Verfügung stellen.

4. Vereinbaren Sie Regeln zum Gebrauch von E-Mails

Dieser Hinweis hängt eng mit dem oben (Nummer 2) zusammen. Einigen Sie sich, für welchen Inhalte das Medium E-Mail benutzt werden sollte. Gehen Sie die E-Mail noch einmal durch, bevor Sie sie abschicken. Stimmt der Adressat, das Betreff, der Inhalt und haben Sie den richtigen Ton getroffen?

5. Verwenden Sie eine aussagekräftige Signatur

Hier gibt es nicht viel zu sagen. In Deutschland gibt es dafür eine Vorschrift. Sie müssen sich also nicht darum kümmern.

6. Vermeiden Sie die „Antwort an alle“

Auch so eine Unsitte. Überlegen Sie, für wen die Antwort auf eine Nachricht wirklich von Bedeutung ist. Ansonsten blähen Sie den E-Mail-Verkehr nur unnötig auf. Dasselbe gilt auch für die Verwendung des CCs (s.o.).

Darüber hinaus empfiehlt Brooke über die Einführung von Kollaborationssoftware nachzudenken. Das kann ich nur unterstreichen. Auch in meiner Praxis erlebe ich, dass immer mehr Unternehmen derartige Programme bereitstellen. Allerdings erlebe ich auch, dass eine Akzeptanz nicht immer gegeben ist. Nur weil die Software installiert ist, heißt das noch lange nicht, dass sie auch verwendet wird. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und einen eigenen Beitrag wert.
Brooke weist in Ihrem Artikel darauf hin, dass viele gute Kollaborationsprogramme auch E-Mails integrieren. Inwieweit es sinnvoll ist, den Beteiligten die Wahl zu lassen, welchen Kommunikationsweg sie benutzen möchten, vermag ich nicht zu beurteilen. Allerdings bin ich skeptisch, denn ich vermute das Entstehen eines ziemlichen Durcheinanders.

Welchen Trend sehen Sie in der Verwendung von E-Mail?
Welchen Stellenwert hat sie in Ihrem Unternehmen in der Kommunikation intern und nach außen?

geralt / Pixabay

 

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Vom Umgang mit schwierigen Menschen im Projekt

Als ToolBlog-LeserIn gehören Sie sicher nicht zu diesem Personenkreis, aber Sie haben sicher mit diesen Zeitgenossen zu tun. Die Rede ist von schwierigen Mitmenschen, die uns hier und dort das Leben schwerer machen als es ist. In diesm Blog habe ich schon mehrfach Autoren zitiert, die uns Hinweise geben, wie wir am besten mit ihnen umgehen können ohne unsere Nerven allzu sehr zu strapazieren (z. B. hier und hier).

Schwierige Mitmenschen sind überall anzutreffen, also auch in Software-Projekten. Sie kommen in unterschiedlichen Erscheinungen daher. Neil Green widmet ihnen eine komplette Website mit dem Titel How to Deal with Difficult People on Software Projects. Neil hat sich die Rollen

  • Product Manager
  • Designer
  • Project Manager
  • Development Manager
  • Entwickler
  • Qualitäter

genauer angeschaut und ordnet diesen Rollen unterschiedliche Typen von Nervensägen zu. Diese versieht er auch mit griffigen Bezeichnungen. So finden wir zum Beispiel bei den Entwicklern Divas, Idealisten, Elefanten im Porzellanladen oder Rockstars. Zu jeder dieser Typen liefert Neil die Erkennungsmerkmale, eine Problembeschreibung und einige Hinweise zum erfolgreichen Umgang mit ihnen.

Zum leichteren Auffinden der Typen hat Neil eine schöne Grafik erstellt. Ein Klick auf das jeweilige Symbol bringt Sie schnell zur entsprechenden Beschreibung.

Auch wenn die Seite schön und aufwändig gemacht ist, bitte bedenken Sie, dass so eine Typisierung ihre Grenzen hat. Aber Schmunzeln ist sicherlich erlaubt.

 

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Der Unterschied zwischen Kanban und Scrum

Ich beschäftige mich nun schon geraume Zeit mit Scrum und sehe mich einem Phänomen gegenüber, dass ich auch von anderen Lernbereichen schon kenne. Wenn ich eine Tür öffne, erscheinen dahinter gleich mehrere, die zunächst verschlossen sind. Oder andersherum: Immer wenn ich denke, ich hätte etwas verstanden, dann tauchen wieder neue Fragen auf.

Beispielsweise die, worin eigentlich der Unterschied zwischen Kanban und Scrum besteht. Kanban kenne ich noch aus dem Automotivebereich, aber nicht umsonst unterscheidet die Wikipedia zwischen Kanban als Methode der Prozesssteuerung und Kanban in der Softwareentwicklung. Meine Verwirrung war perfekt als ich dann auch noch von Scrumban lesen musste.

Klar, hier war Recherche angesagt und hier ist meine derzeitige Ausbeute:

  • Planview LeanKit: Kanban vs. Scrum: What are the differences? [Link]
  • Alexander Sergeev: What’s the Difference Between Scrum and Kanban? [Link]
  • Yatin Pawar: 7 key differences between Scrum and Kanban [Link]

Am hilfreichsten war der Artikel meines Freundes Jan Fischbach auf dem Teamworkblog: Lean, Scrum, Agile und Kanban im Vergleich (so, dass man es versteht). In seinem Beitrag erwähnt Jan auch das Minibuch von Henrik Kniberg und Matthias Skarin. Eine wirklich wertvolle Empfehlung. Vor allem aber hält Jan sein Versprechen „so, dass man es versteht“.

Nein, ich werde hier nicht zusammenfassen, was denn nun der Unterschied zwischen Kanban und Scrum ist. Erstens bin ich noch nicht am Ende meiner Fragen (s.o.) und zweitens tun sich für mich schon wieder neue Fragen auf.

Monfocus / Pixabay

 

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Wie Sie in 7 Schritten eine Agenda erstellen

Ein Grundbedingung für erfolgreiche Besprechungen ist das Vorhandensein einer Tagesordnung aka Agenda. Die Macher der App [Less Meeting] haben einen Artikel geschrieben, in dem Sie erfahren, wie Sie systematisch eine Agenda erstellen können: 7 Steps to The Perfect Meeting Agenda. Hier sind die 7 Schritte zur perfekten (!) Agenda:

1. Erstellen und versenden Sie Ihre Agenda 3 Tage vor der Besprechung

Die Teilnehmer haben genügend Zeit, sich auf die Besprechung vorzubereiten (ob sie die Zeit nutzen, ist eine andere Frage). In dieser Zeitspanne können Sie auf Angregungen der Teilnehmer reagieren und stressfreiarm Änderungen vornehmen.

2. Fangen Sie mit den Rahmenbedingungen an

Nennen Sie Zeitrahmen (Beginn und Ende), sowie den Ort der Veranstaltung. Überlegen Sie sich, wer an der Besprechung teilnehmen soll: Wer kann etwas zu den Themen beitragen, bzw, wer soll dazu informiert werden? Benötigen Sie Teilnehmer, die zu Entscheidungen berechtigt sind? Gibt es technische Hinweise, die für die Teilnehmer wichtig sind, wie Anfahrtsbeschreibungen oder technische Details? Letzteres betrifft vor allem online-Meetings.

3. Formulieren Sie das Ziel des Meetings

Was soll bei der Besprechung heauskommen? Denken Sie über den Unterschied (das Delta) zwischen dem Beginn und dem Ende des Meetings nach. Hier hilft oft die Technik des Zweiten Futurs: Was soll in der Besprechung passiert sein, wenn Sie erfolgreich verlaufen ist?

4. Strukturieren Sie die Besprechung

Strukturieren Sie den Inhalt des Meetings, indem Sie den einzelnen Tagesordnungspunkten Zeitspannen zuweisen. Planen Sie dabei nicht zu knapp und denken Sie an die vielen kleinen Zeitdiebe. Achten Sie darauf, Zeit für einen guten Einstieg und einen angemessenen Abschluss einzuplanen. Menschen müssen ankommen und benötigen einen ordentlichen Abschluss, z. B. eine Reflexion über das Meeting selbst (Was haben wir erreicht?).

5. Planen Sie höchstens 5 Punkte auf der Tagesordnung ein

Nichts fürchten unsere Mitmenschen mehr als endlose Besprechungen. Beschränken Sie sich auf die wesentlichen Punkte, sonst steigt die Anzahl der Absagen.

6. Ergänzen Sie notwendige Informationen

Teilen Sie in der Agenda mit, wer welche Rollen (z.B. Protokollant) einnimmt und was u.U. von den Teilnehmern im Vorfeld erwartet wird („Lesen Sie bitte das angefügte Dokument).

7. Was tun bei Einladungen ohne Agenda

Wenn Sie zu Besprechungen eingeladen werden ohne eine Agenda zu bekommen, dann thematisieren Sie dies in Ihrer Organisation. Wenn Sie sich trauen: Lehnen Sie die Einladung mit der Begründung ab, die Agenda nicht zu kennen. Ich bin sicher, Sie werden darauf eine Antwort bekommen.

In dem Artikel finden Sie ein Beispiel für eine Agenda, die nach der o.a. Vorgehensweise erstellt wurde. Ob eine derartige Agenda perfekt ist, wie in der Überschrift steht, sei dahingestellt.

Unsere amerikanischen Freunde neigen mitunter dazu, den Mund etwas voll zu nehmen. Aber das wissen wir ja. 😉

delphinmedia / Pixabay

 

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Wie gehen Sie mit Totschlagargumenten um?

In vielen Diskussionen, insbesondere bei TV-Krawallsendungen á la „Hart, aber fair“, kann man beobachten, dass gar nicht auf Argumente sachlich, fachlich, logisch, kurz angemessen, reagiert wird. Vielmehr versuchen die Gesprächsgegnerpartner das Argument mit Scheinargumenten totzuschlagen.

Eine meiner Lieblingsfiguren ist der Whataboutism. Wenn ich beispielsweise Fahrradfahrer auf regelwidriges Verhalten gegenüber Fußgänger hinweise, bekomme ich oft die Antwort: „Und was ist mit den Autofahrern? Wie verhalten die sich gegenüber uns? Ist das etwa besser?“. Auf das ursprüngliche Argument wird also gar nicht eingegangen, vielmehr wird es mit Whataboutism totgeschlagen.

Es gibt aber noch mehr solcher Konstruktionen. Ligitas Nefas hat 20 Logical Fallacies That Dumb People Use To Win Arguments zusammengetragen. Mit dabei sind fiese Methoden wie

  • Auf die Person statt auf das Argument zielen
  • Das ausschließliche Verwenden von „Beweisen“, die die eigene Meinung untermauern oder
  • zirkuläres Begründen.

Nun kann man sich fragen, wer jemals durch derartige Rabulistik jemand anders überzeugt hat. Den Anwendern geht es aber oft auch gar nicht um das Überzeugen. Vielmehr wollen sie sich selbst erhöhen, indem sie andere klein machen. Oder sie ziehen es vor, in ihrem vermeintlich sicheren Meinungskokon zu verbleiben. Andere wiederum wollen vor dem Publikum glänzen. Es geht also weniger um die Sache, sondern um die eigene Person.

Leider bietet Ligitas Nefas keine Lösungen für seine Beipiele an. Vielmehr sind die Leser gefordert, in den Kommentaren ihre Vorschlage für den Umgang mit Totschlagargumenten zu hinterlassen. Allerdings muss man die sprachlichen Figuren erst einmal kennen, bevor man in der Lage ist sich zu wehren.

Zu diesem Zweck empfehle ich den Klassiker von Arthur Schopenhauer: Die Kunst, Recht zu behalten. Für den Kindle gibt es das Buch sogar umsonst.

Tumisu / Pixabay

 

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15 Regeln für gutes Feedback

Der Spiegel ist ein vielbenutztes, doch völlig unterschätztes Werkzeug des täglichen Lebens. Wir benutzen ihn, weil er uns ermöglicht, eine Außerperspektive einzunehmen. Nur mit ihm bekommen wir einen Eindruck davon, wie unsere Mitmenschen uns betrachten könnten. Für das Aussehen (Kleidung, Rasur etc.) mag das leidlich funktionieren, aber wie sieht das mit unserem Verhalten aus?

Da der sprechende Spiegel aus dem Märchen „Schneewittchen“ verloren gegangen ist, bleibt uns wohl nur die Möglichkeit, unsere Mitmenschen direkt anzusprechen und sie um Rückmeldung („Feedback“) zu bitten. Wir warten dann gespannt auf die Meinung des Beobachters. Manchmal macht uns das verlegen, denn Feedback zu bekommen ist oft weniger schwierig als Feedback zu geben. Sind wir zu offen, kränken wir vielleicht den Empfänger, halten wir uns bedeckt, dann kann der Empfänger mit dem Feedback nichts anfangen und lügen sollen wir ja auch nicht. Eine verzwickte Situation. Noch viel schwieriger wird es, wenn Sie ungebeten Feedback geben müssen, etwa um Kollegen auf Fehler hinzuweisen.

Damit Ihnen das Feedback geben in Zukunft leichter fällt, nennt uns Ann Gomez The 15 golden rules of constructive feedback:

1. Konzentrieren Sie sich auf Lösungen

Vorwürfe bringen niemanden weiter, Lösungen schon. Helfen Sie Ihrem Partner, selbst Lösungen zu finden. Vielleicht haben Sie auch selbst Lösungen anzubieten. Auch gut, aber schulmeistern Sie nicht.

2. Fragen Sie anstatt zu behaupten

Bedenken Sie, dass Ihre Sichtweise nicht die richtige sein muss. Gute Fragen helfen dem Partner, sich zu sortieren und den Sachverhalt für sich zu klären. Vielleicht erfahren Sie Aspekte, an die Sie bisher noch gar nicht gedacht haben.

3. Machen Sie spezifische Aussagen

Versuchen Sie bei Beobachtungen zu bleiben und bleiben Sie bei Zahlen, Daten, Fakten. Das ist nicht einfach, denn wir neigen dazu, sofort zu interpretieren und zu werten. Versuchen Sie es trotzdem. Mit Generalisierungen kann Ihr gegenüber nichts anfangen.

4. Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt

Geben Sie Feedback nur dann, wenn der andere es auch hören kann. Damit ist nicht nur der akustische Aspekt gemeint. Der Empfänger muss auch aufnahmebereit sein.

5. Nichts überstürzen!

Geben Sie Feedback nicht zwischen Tür und Angel. Wenn Sie sich Zeit für Ihren Partner nehmen, dann zeigen Sie damit Ihre Wertschätzung.

6. Bedenken Sie die Selbstachtung

Achten Sie darauf, dass der Andere sein Gesicht behält. Erwarten Sie auch nicht, dass Ihre Meinung sofort (oder überhaupt!) akzeptiert wird. Sie müssen nicht Recht haben und gut Ding will Weile haben.

7. Bilden Sie Vertrauen

Sie können nur dann erwarten, dass Ihr Feedback auf fruchtbaren Boden fällt, wenn der Andere Ihnen traut. Vertrauen entsteht durch Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit und Sprechen auf Augenhöhe.

8. Achten Sie auf ein gutes Gefühl hinterher

Es muss einen Unterschied geben zwischen Gesprächsbeginn und -ende. Was haben Sie beide gelernt, was möchten Sie ändern, was beibehalten?

9. Gibt es ein Muster?

Einmaliges Verhalten rechtfertigt oft kein Feedback. Es ist vielmehr dann angebracht, wenn eine bestimmte Verhaltensweise zurückgespiegelt werden soll. Achten Sie also auf Wiederholungen oder Muster.

10. Lohnt es sich, etwas anzusprechen?

Bedenken Sie auch beim Feedback das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Lohnt es sich tatsächlich, „ein Fass aufzumachen“ oder kann man auch mit Toleranz über die Sache hinwegsehen?

11. Konzentrieren Sie sich auf das, was der Empfänger ändern kann

Nicht ist frustrierender als für etwas kritisiert zu werden, was außerhalb des eigenen Einflussbereichs steht. Fragen Sie sich also vorher, ob der Andere überhaupt etwas ändern kann.

12. Erwische den Anderen, wenn er es richtig macht

In der Pädagogik kennt man den Begriff der „positiven Verstärkung“. Kenneth Blanchard formulierte dies so: „Erwische den Anderen, wenn er’s gut macht.“ Lassen Sie das den Anderen wissen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er/sie die Handlung wiederholen.

13. Prüfen Sie sich selbst

Geben Sie Feedback nie, wenn Sie negative Gefühle haben. Das kann Ihr berechtigtes Anliegen völlig verzerren. Warten Sie stattdessen, bis Sie wieder klarsehen.

14. Auch Feedback muss man üben

Gehen Sie dem Feedback nicht aus dem Weg, besonders wenn Sie darum gebeten werden. Nur so gewinnen Sie Sicherheit und Urteilsvermögen.

15. Seien Sie selbst offen für Feedback

Sind Sie selbst offen für Feedback und bereit, daraus Schlüsse für Ihr Verhalten zu ziehen? Wenn nicht, dann sollten Sie das auch nicht von Ihrem Gegenüber erwarten.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss:

Denken Sie daran, dass Feedback immer die Sichtweise eines Menschen darstellt. Es handelt sich um Wahr-nehmung, nicht um Wahrheit.
Auch der Spiegel in der Anprobe im Bekleidungsgeschäft zeigt Ihnen nicht die Wahrheit, sondern lässt eine Menge Spielraum für Interpretationen zu.

Sie kennen das.

a_m_o_u_t_o_n / Pixabay

 

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Scrum: Stolperfallen und Lösungen

Scrum und Agilität sind derzeit in aller Munde. Bis April gehörte ich zu den Ahnungslosen, die sich unter Scrum nicht allzu viel bis gar nichts vorstellen konnten. Nach der Teilnahme an einem Seminar mit Jan Fischbach hat sich das etwas geändert, mittlerweile kann ich den Gesprächen der Fachleute wenigstens einigermaßen kompetent zuhören.

Jan hat es in dem Training geschafft, mich wirklich für das Thema „anzuspitzen“, der Scrum Day in Filderstadt tat sein Übriges. Nach der Lektüre vieler Fachartikel und Bücher zum Thema Scrum ist mir eines klar geworden:

It’s simple but not easy.

Übrigens muss man den Urhebern von Scrum, Jeff Sutherland und Ken Schwaber zugute halten, dass sie daraus nie einen Hehl gemacht haben. Im Scrum Guide (pdf-Datei] schreiben sie:

Scrum ist leichtgewichtig, einfach zu verstehen, schwierig zu meistern.

Der Teufel steckt im Detail und in der Anwendung von Scurm gibt es einige Fallstricke. Mishkin Berteig hat 24 Common Scrum Pitfalls zusammengefasst. Die Fallstricke reichen von „Exzessiver Vorbereitung/Planung“ über „Zuweisung von Aufgaben“ bis hin zur „Anwesenheit der Scrum Master“. Zu jedem Fallstrick gibt es eine kurze Beschreibung und einen Link zu einem weiterführenden Beitrag.

Leider sehe ich mich (noch) nicht in der Lage, den Nutzwert des Artikels von Mishkin zu beurteilen. Allerdings gibt es dazu viele Kommentare, die einen näheren Blick sicher wert sind.

Viele Fragen, die die Umsetzung von Scrum aufwirft, kommen mir als Organisationsentwickler bekannt vor, Déjà-vu sozusagen. Es würde sich für die Agilisten und Scrummer m. E. durchaus lohnen, einmal über den Tellerrand in Richtung Gruppendynamik oder Problemlösungsmethodik zu schauen.

Da gäbe es für sie einiges zu entdecken.

 

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