Archiv der Kategorie: Karriere

Was Sie tun können, wenn Sie keinen Mentor finden

Immer wieder ist zu lesen, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter coachen sollen. Ich halte das, mit Verlaub, für Blödsinn und finde mich mit dieser Meinung in bester Gesellschaft. Coaching ist meines Erachtens nicht möglich, wenn beide Seiten innerhalb des gleichen Systems ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis haben.

Etwa anders verhält es sich mit dem Mentoring. Hierbei nimmt ein erfahrener Mitarbeiter, auch gerne eine Führungskraft, einen weniger erfahrenen, meist jüngeren Kollegen “unter seine Fittiche” und gibt seine berufliche Erfahrungen an ihn weiter. Informell gab es das schon immer, auch ich habe so etwas in meinen ersten Berufsjahren erlebt und habe sehr davon profitiert.

Nicht immer gelingt es jedoch, einen geeigneten Mentor innerhalb oder außerhalb der eigenen Organisation zu finden. Kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, denn es gibt auch andere Möglichkeiten von den Erfahrungen anderer zu profitieren, wie Rich Bellis meint. In seinem Artikel Let’s Be Real, You’re Never Getting A Mentor, So Do These Six Things Instead nennt er folgende Möglichkeiten:

  1. Bleiben Sie Menschen, denen Sie nacheifern möchten,
    online auf den Fersen
    Schauen Sie doch einmal nach, ob und wenn ja, welche interessanten Persönlichkeiten einen Account in einem sozialen Netzwerk haben. Vielleicht lohnt es sich, einem Vorbild auf Twitter zu folgen.
  2. Dehnen Sie Ihren Arbeitsbereich aus
    Wenn Sie über Ihre Position hinauswachsen möchten, dann sollten Sie auch Aufgaben übernehmen, die vielleicht über Ihre Arbeitsplatzbeschreibung hinausgehen. “Show up”, sagen die Amerikaner dazu.
  3. Vermeiden Sie sinnlose Netzwerktreffen
    Dieser Tage haben Sie nahezu unendliche Möglichkeiten an “Netzwerktreffen” teilzunehmen. Überprüfen Sie vorher, ob Sie tatsächlich davon profitieren. Leider trifft hier oft der Satz zu: “Außer Spesen nichts gewesen.” Zeitverschwendung.
  4. Laden Sie jedes Jahr vier Menschen zum Kaffee ein
    Hier geht es tatsächlich um den Aufbau eines Informellen Netzwerks. Wer könnte Ihnen wertvolle Tipps geben? Treffen Sie sich mit Ihnen immer mal wieder in zwangloser Atmosphäre.
  5. Kommen Sie mit den Chefs ins Gespräch
    Diese Gelegenheit kommt nicht häufig, ist aber dafür umso wichtiger. Vielleicht legen Sie sich für alle Fälle einen Elevator Pitch zurecht. Und Nein, mit diesem Hinweis ist nicht plumpe Schmeichelei gemeint.
  6. Machen Sie sich klar, wie viele informellen Mentoren Sie jetzt schon haben
    Gehen Sie doch einmal gedanklich die Verbindungen durch, die Sie jetzt bereits haben. Vielleicht ist ja sogar schon ein Mentor dabei ohne dass Sie sich dessen bewusst sind. Können Sie eine Lernbeziehung auf- bzw. ausbauen?

Übrigens finde ich die Überschrift des zitierten Artikels schon etwas drastisch. Ich glaube nicht, dass Sie nie einen Mentor finden werden. Allerdings brauchen Sie mit den o.a. Tipps auch gar keinen mehr, sondern kommen auch ohne gut zurecht.

Karriere Mentor

 

 

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Sollten Sie wirklich Ihrer Leidenschaft folgen?

Wenn es um die Berufswahl oder die eigene Karriereplanung geht, dann hören wir immer wieder diesen einen “goldenen” Ratschlag:

Follow Your Passion!

Dieses “Folgen Sie Ihrer Leidenschaft” klingt im Deutschen etwas kleinlauter. Hier heißt es umgangssprachlich “das Hobby zum Beruf machen”.

Besonders amerikanische Autoren tragen den o.a. Grundsatz wie eine Monstranz vor sich her, teilweise in Varianten wie “Hell yeah” oder ähnlichem. Den Vorgang muss man sich in etwa vorstellen wie die biblische Wandlung von Wasser in Wein. Wenn Sie Ihrer Leidenschaft nur leidenschaftlich genug frönen, dann stellt sich der Erfolg automatisch ein. Eine logische Folge, fast schon ein Naturgesetz.

Und wenn es nicht klappt? Dann war wohl Ihre Leidenschaft nicht stark genug . Sie haben eben nicht genug an sich geglaubt und den Zwillingsbruder von “Follow Your Passion” nicht beachtet:

Never Give Up!

Dass diese Erfolgsstrategie funktioniert, beweisen die vielen Erfolgsstories nach dem Muster “vom Tellerwäscher zum Millionär”, an denen die amerikanische Geschichte so reich ist. Beispiele gibt es genug.

Was jedoch häufig nicht beachtet wird, das der Zahl der erfolgreichen Fälle eine noch viel größere Zahl der erfolglosen Beispiele gegenübersteht. Wer auf diesen Umstand hinweist, ist kein kleingeistiger Miesepeter, vielmehr ist er/sie vielleicht nur nicht in die Falle des “Überlebensirrtums” getappt.

Was also tun? Sind die eigenen Interessen (oder Leidenschaften) nun etwa unwichtig für die Berufswahl oder Karrierewunsch? Nein mitnichten, nur sollte man diese Strategie mit ein paar Fragen kritisch durchleuchten wie Heather Pole meint: Don’t Know How to Balance Your Dream With Reality? Ask Yourself These 7 Questions. Ihre Fragen lauten:

  1. Gibt es nur eine Leidenschaft oder auch andere?
  2. Bin ich gut genug um mich von den anderen Wettbewerbern abzuheben?
  3. Ist es realistisch, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen?
  4. Habe ich die Geschäftslogik der Branche verstanden, die mit meiner Leidenschaft verbunden ist?
  5. Kann ich meine Leidenschaft anderweitig einsetzen?
  6. Halte ich angemessen lange durch, wenn ich mich für diesen Karriereweg entscheide?
  7. Wäre es immer noch meine Leidenschaft, wenn ich meine täglichen Brötchen damit verdienen müsste?

Diese Fragen sollen Sie nicht entmutigen. Vielmehr sollen sie zu einer realistischen Einschätzung der Möglichkeiten führen. Seien Sie also ehrlich zu sich selbst. Seien Sie nicht zu selbstkritisch, aber auch nicht zu euphorisch.

Sie haben schon gemerkt, bei den Fragen handelt es sich um geschlossene Fragen, die ggf. durch offene ergänzt werden sollten. Wenn Sie für sich zum Beispiel die Frage Nr. 6 mit einem Ja beantwortet haben, sollten Sie sich außerdem fragen: Was muss ich jetzt konkret tun, um sicherzustellen, dass ich lange genug durchhalte?

Die von mir sehr geschätzte Kollegin und Autorin Svenja Hofert hat vor einiger Zeit auf ihrem Blog einen lesenswerten Artikel dazu verfasst: Folge deinen Interessen und du findest deinen Weg? Nicht immer.

Prädikat lesenswert.

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Wie Sie Ihren Karrierepfad ändern

1991 entschloss ich mich, den Ingenieurberuf an den Nagel zu hängen und etwas völlig Neues zu beginnen. Ich startete eine neue Karriere in Training und Organisationsentwicklung.

Die folgende Infografik behandelt genau dieses Thema: How to Successfully Change Career Paths. Ich selbst habe mich an der EKS-Strategie nach Wolfgang Mewes orientiert, ein Vorgehen, dass ich jedem empfehle, der über fundamentale Veränderung in seinem Arbeitsleben nachdenkt.

Auch der Profilpass ist ein ein interessantes Instrument. Sie können ihn sogar kostenlos herunterladen. Er ist einen eigenen Beitrag wert. Ich denke darüber nach… 😉

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Karriereplanung mit Marc Andreessen

Die Internetfreaks unter den Leserinnen und Lesern kennen ihn natürlich. Marc Andreessen gilt als der Vater des Webbrowsers, der Software also, ohne das komfortable Surfen im Netz gar nicht möglich wäre. Mittlerweile hat er sich offenbar etwas aus dem Rampenlicht zurückgezogen und zieht im Silicon Valley seine Strippen im Verborgenen.

In früheren Jahren betätigte sich Marc Andreessen auch als Blogger. Das Internet vergisst bekanntlich nichts und so sind uns auch einige seiner Blogbeiträge erhalten geblieben. Über seinen Pmarca Guide to Personal Productivity habe ich im ToolBlog bereits berichtet.

Wenn Sie auf dieser Seite noch etwas weiterblättern, finden Sie auch Karrieretipps von Marc Andreessen: Pmarca Guide to Career Planning. Marc hat aus seinen Hinweisen eine Artikelserie aus fünf Bausteinen gemacht. Nach einer Einführung folgen die Schritte:

  1. Opportunity
  2. Skills and education
  3. Where to go and why
  4. Turnaround!
  5. Retaining great people

Auch wenn die Beitragsreihe schon etwas älter ist, so ist der Inhalt keineswegs verstaubt. Offensichtlich gibt es auch in der IT-Industrie einige “ewige Wahrheiten”, die sich zu beachten lohnen.

Allerdings ist es wie bei jeder Planung auch bei der Planung der Karriere so eine Sache. Die Zukunft ist halt unberechenbar.

Ich selbst habe mit meiner eigenen Karriereplanung keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Allerdings auch deshalb, weil ich mir zum Ende meiner Schulzeit gar keine Gedanken gemacht hatte, was ich tun will und wie ich es tun will. Und auch das Gegenteil will bedacht werden: Was will ich nicht tun und auf welche Weise will ich nicht arbeiten?

Meine Erkenntnis: Wenn Sie versäumen, diese Dinge zu durchdenken, dann fällt es Ihnen immer wieder auf die Füße. Mit 31 habe ich den Beruf gewechselt. Und das verlief beileibe nicht schmerzfrei.

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BMY®: Klarheit für Ihre Karriere

Vor ungefähr zwei Jahren bin ich nach Amsterdam gefahren, um bei Tim Clark die Master Class für seinen Ansatz Business Model You® zu besuchen. Dort habe ich auch Mercedes Hoss-Weis kennengelernt, die mit ihm damals zusammen den Workshop begleitet hat.

Für die Fachzeitschrift Training aktuell haben Mercedes und ich vor einigen Wochen einen Artikel verfasst, in dem wir den Hintergrund des Ansatzes und die Vorgehensweise bei der Umsetzung erklären: Beratungs Modell “Business Model You” – Klarheit für die Karriere. Sie können den Artikel hier herunterladen.

Wir beschreiben dort

  • Warum BMY eine wirksame Methode für die individuelle Organisationsplanung ist
  • Wie man mit BMY die wichtigen Erfolgsfaktoren beschreibt und visualisiert
  • Wie das Vorgehen in der Praxis aussieht

Im Rahmen eines Artikel mussten wir uns auf das Wesentliche beschränken. Wenn Sie Fragen zu BMY haben, dann kommen Sie gerne auf mich zu.

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Tim Clark und Stephan List in Amsterdam

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Kennen Sie Ihr Lebensrad?

Eine oft angewandte Reflexionsmethode im Coaching ist das sogenannte Lebensrad. Im Prinzip handelt es sich um ein kreisförmiges Diagramm in Form einer Zielscheibe, auf der Sie eintragen können, wie viel Energie Sie auf definierte Lebensbereiche verwenden. In seinem Artikel “How to Use the Life Coaching Wheel of Life” nennt Adam Sicinski nennt die Kategorien:

  1. Eigene Entwicklung
  2. Gesundheit und Wohlbefinden
  3. Freunde
  4. Familie
  5. Beziehungen
  6. Beruf und Karriere
  7. Finanzen
  8. Spiritualität
  9. Umwelt

Ich persönlich bin nicht ganz glücklich mit dieser Auswahl. Zum einen sind es mir einfach zu viel Bereiche, die m.E. auch nicht gleichberechtigt nebeneinander stehen, zum anderen überlappen sich manche Kategorien zu sehr.

Aber sei’s drum. Sicinski zeigt in seinem Beitrag, wie Sie bei der Erstellung Ihres Lebensrads vorgehen können. Dazu hat er ein Bündel von Fragen zusammengestellt, mit denen die Erfüllung der einzelnen Bereiche erforscht werden kann und mit welchen Fragen Sie herausfinden können, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Der Artikel wird abgerundet mit einem Hinweis auf die Software “Goalscape”, über die auch Stefan Hagen schon berichtet hat und eine umfangreiche Linksammlung für die weitergehende Recherche zum Thema “Lebensrad”.

Wenn Sie die deutsche Sprache bevorzugen, hier ein paar Tipps von mir:

Ich persönlich mag den Ausdruck “Lebensrad” für dieses Coachingtool nicht besonders, denn eine Verwechslung mit dem buddhistischen Lebensrad liegt auf der Hand. Letzteres benötigt aber dann doch mehr Aufmerksamkeit und Studium.

Marisa04 / Pixabay

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Kennen Sie diese Karriere-Fehler?

Karriere. Auch so ein Begriff, den wir ständig gebrauchen, ohne vorher geklärt zu haben, was wir eigentlich darunter verstehen. Fragen wir doch die allwissende Wikipedia:

Die Karriere oder berufliche Laufbahn (von französisch carrière) ist die persönliche Laufbahn eines Menschen in seinem Berufsleben. […]
Umgangssprachlich bezeichnet der Begriff in der Regel einen beruflichen Aufstieg (einen Weg nach oben), d. h. der Begriff Karriere wird häufig verbunden mit Veränderung der Qualifikation und Dienststellung sowie einem wirtschaftlichen und / oder sozialem Aufstieg.

Können Sie diese Definition mittragen oder hätten Sie dazu noch ein paar erläuternde Bemerkungen zu machen?
Mehrmals im Jahr begleite ich Workshops, in denen sich die Teilnehmer einen Tag lang intensiv mit ihrer Karriere beschäftigen. Am Anfang steht immer die Frage, was “Karriere” für sie selbst ist, wie sie den Ausdruck umschreiben würden und was “Karriere” für sie bedeutet. Die Antworten fallen höchst unterschiedlich aus und sind manchmal für die Teilnehmer selbst überraschend.

Wenn Sie sich für den Aufstieg gemäß der Wikipedia-Definition entschieden haben, dann stellt sich die Frage, wie Sie ihn am besten bewerkstelligen. Die Antwort darauf ist nicht einfach. Oft ist es leichter zu beschreiben, was uns an der Karriere hindert und wie wir diese Hindernisse vermeiden können. Robert Locke hat dies in seinem Artikel “Everyone Should Avoid Making These 10 Career Mistakes” getan. Die Fehler sind:

  1. Sie beschränken sich beim Netzwerken auf Kontakte im eigenen Unternehmen
    Meines Erachtens hat es nichts mit mangelnder Loyalität zu tun, wenn man Kontakte außerhalb des Unternehmens knüpft. Sie wissen nie, wozu Sie solche Kontakte noch einmal brauchen können. Lebenslange Beschäftigung in der selben Firma ist heutzutage sowieso die absolute Ausnahme.
  2. Sie legen zu viel Wert auf Vergütung und Vergünstigungen
    Manchmal ist es wichtiger, nach Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung Ausschau zu halten: Weiterbildung, interessante Projekte, Auslandsaufenthalt usw.
  3. Sie haben Angst vor Fehlern
    Wenn Sie keine Fehler machen wollen, dann machen Sie nichts. Aber dann machen Sie halt auch nichts. Sie verstehen?
  4. Sie erwerben Eigentum
    Eine Immobilie heißt Immobilie, weil sie nicht mobil ist und Sie immobil macht. Damit berauben Sie sich einer ganzen Reihe von Möglichkeiten. Nichts gegen den Erwerb von Eigentum, aber man sollte sich über die Konsequenzen im klaren sein.
  5. Sie meiden Herausforderungen
    Verlassen Sie Ihre Komfortzone. So lernen Sie am meisten.
  6. Sie ignorieren Feedback von Kunden
    Hier sind nicht nur externe Kunden gemeint, sondern alle Ihre persönlichen Stakeholder.
  7. Sie betreiben Nabelschau
    Beschäftigen Sie sich nicht zu viel mit sich selbst.
  8. Sie vermeiden harte Arbeit
    Auch wenn das anderslautende Gerücht nicht totzukriegen ist: Ohne Anstrengung geht es nicht.
  9. Sie haben Angst vor einem Stellenwechsel
    Die Psychotherapeuten sagen: Lieber das altgewohnte Elend als das neue Ungewisse. Das führt nicht weiter. Klar, wir wissen nicht, was kommt, aber wir werden es nicht erfahren, wenn wir das Neue nicht ausprobieren.
  10. Sie unterschätzen emotionale Intelligenz
    Menschen gewinnt man weniger über den Kopf (Zahlen, Daten, Fakten) als über den Bauch (Gefühl und Sympathie). Das hatte schon der Hl. Franziskus den Jesuiten voraus.

Sie haben sicher genug damit zu tun, diese Fallstricke zu vermeiden. Wenn Sie darüber hinaus wissen möchten, was Sie für Ihre Karriere tun können, dann hilft Ihnen vielleicht der Aufsatz von Management-Guru Tom Peters weiter:  Excellence. NO EXCUSES! (pdf).

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Schleimen, aber richtig!

Wir kennen Sie alle, die netten Kolleginnen und/oder Kollegen, die anderen Honig um den Bart schmieren, um sich dadurch Vorteile zu verschaffen. Diese liebenswürdigen Zeitgenossen treten nahezu überall auf: Schon in der Schule, an der Uni, bei der Bundeswehr und eben auch am Arbeitsplatz. Im Englischen gebraucht man für dieses Verhalten den Ausdruck “to schmooze”.

Wenn Sie ebenfalls durch Schmeicheleien Erfolg haben wollen, dann stellen Sie es bitte richtig an und folgen den Tipps von Adi Gaskell: Research Looks At How People Schmooze Effectively. Adi bezieht sich in seinem Artikel auf eine Studie der Kellogg Business School von 2010, in der sieben Kernkompetenzen für erfolgreiches Schleimen identifiziert wurden:

  1. Schmeicheln durch Bitte um einen Ratschlag
    Der Schmeichler geht in die Unterlegenheitsposition und bittet den Umschmeichelten um einen Ratschlag: “Sie sind doch ausgewiesener Experte für diese Problem. Können Sie mir einen Tipp geben, wie ich es lösen könnte?”
  2. Das scheinbare Dagegenhalten
    Man stimmt nicht sofort zu, sondern muss scheinbar erst überzeugt werden: “Zuerst war ich ja skeptisch, aber Ihre Argumente haben mich doch überzeugt.”
  3. Das soziale Schmeicheln
    Man lobt den anderen in dessen sozialen Umfeld in der Hoffnung, dass das Lob schließlich über Dritte zu ihm durchdringt.
  4. Die Schmeichelei, die sich hinter Scham versteckt
    Der Schmeichler gibt vor, den Anderen nicht in Verlegenheit bringen zu wollen: “Ich möchte Sie nicht in Verlegenheit bringen, aber Ihre Präsentation war wirklich überzeugend.”
  5. Schmeicheln durch Zustimmung
    Das ist selbsterklärend: “Ich bin wie Sie der Meinung, dass wir gegenüber den Lieferanten Härte zeigen müssen.”
  6. Schmeicheln durch soziale Anpassung
    Man versucht, über die Kontakte des “Ziels” etwas über dessen Vorlieben und Meinungen herauszufinden. Bei Gelegenheit zeigt man dann, dass man genau derselben Meinung ist.
  7. Schmeicheln durch ähnliche Ansichten
    Hier gilt es, die Vorlieben und Meinungen des zu Umschmeichelnden herauszufinden um dann bei Gelegenheit positiv darauf einzugehen: Wenn man weiß, dass das “Ziel” Fan des FC Bayern München ist, dann lässt man bei Gelegenheit durchblicken, wie toll die Sturmspitze der Mannschaft im letzten Spiel agiert hat und dass man überhaupt auch Fan dieses Vereins ist.

Sie merken schon, wir bewegen uns hier auf dünnem Eis. Schließlich dienen z.B. Ähnlichkeiten dem erfolgreichen Aufbau von Rapport zwischen Menschen. Wie kann man also ein echtes Kompliment von einer bloßen Schmeichelei unterscheiden? Laut der von Adi zitierten Studie ist es die Authentizität, die den Unterschied macht. Oder anders herum: Ist das Kompliment ehrlich gemeint oder dient es nur einem bestimmten Zweck? Das herauszufinden, dürfte nicht immer einfach sein. Für alle Beteiligten übrigens , denn auch der Schmeichler schmeichelt nicht immer bei vollem Bewusstsein.

Wenn Sie bislang angenommen haben, dass Schmeicheln erfolgreich sei, dann können Sie sich zurücklehnen. Sie liegen damit laut der Studie richtig. Stellt sich dennoch die Frage, ob Sie auf diese Weise vorwärts kommen möchten.

Sie entscheiden.

20110106111128!Begruessung

Bild: Paul Klee (1903): Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich (Public Domain)

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Wie Sie ein Jobangebot verhandeln

erklärt Ihnen in diesem Video der Harvard-Professor Deepak Malhotra. „Harvard“ hat mich aufmerksam gemacht, schließlich heißt das Standardwerk der Verhandlungsgurus Fisher und Ury Das Harvardkonzept. Vielleicht sind die Tipps von Malhotra für Sie von Nutzen. Entscheiden Sie selbst.

How to Negotiate Your Job Offer – Prof. Deepak Malhotra (Harvard Business School)

 

 

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Die Geschichte des Trainings und der Personalentwicklung

Seit 1991 bin ich als Trainer, Berater und Coach für Organisationen unterschiedlichster Art unterwegs. Ich muss zugeben, ich habe mir kaum bis gar nicht darüber Gedanken gemacht, worin das Training für Mitarbeiter seinen Ursprung hat. Vielleicht hätte ich auf eine entsprechende Frage mit dem Hinweis auf die Industrialisierung und das Scientific Management nach Taylor geantwortet. Ganz falsch liege ich damit wohl nicht, doch das Training ist schon etwas älter, zumindest wenn man dem Schaubild “The History of Training and Development Infographic” Glauben schenkt. Vorläufer des Trainings ist demnach das Kriegsspiel, das um 1812 von der preussischen Armee (von wem auch sonst?) dazu benutzt wurde, angehende militärische Strategen das nötige Handwerkszeug beizubringen. Sie sehen, Planspiele und “Gamification” gab es auch damals schon.

Wenn Sie das Schaubild betrachten, dann hat die Weiterbildung in Firmen einigen Wandel durchlaufen. Alles andere wäre auch verwunderlich, denn mit sich verändernden Umweltbedingungen ändern sich auch die Ziele und Methoden. Interessant ist auch zu sehen, welche unterschiedlichen Menschenbilder und psychologischen Modelle den verschiedenen Ansätzen zugrunde lagen.

Sicher wäre es sehr reizvoll, die Timeline auf der Grafik um die nächsten zehn Jahre zu verlängern und darüber nachzudenken, wie sich das Training in Zukunft entwickeln wird. Darüber gibt es verschiedene Ansichten und es darf trefflich darüber gestritten werden. Interessante Gedanken dazu hat beispielsweise mein kanadischer Kollege Harold Jarche. Ich selbst beteilige mich nicht gern am Lesen von Kaffeesätzen, genauso wenig schaue ich in die Glaskugel. Insofern habe ich keine Ahnung, ob das Training wirklich “tot” ist, wie manche Autoren behaupten. Mir fehlen dazu schlicht und einfach die hellseherischen Fähigkeiten, über die diese Zeitgenossen offensichtlich verfügen.

Allerdings werde ich weiter mit großem Interesse den weiteren Verlauf dieses Themas verfolgen. Schließlich habe ich zu den Timeline nunmehr 25 Jahre meinen bescheidenen Beitrag geleistet. 😉

Hier das Schaubild:

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