Archiv der Kategorie: Gesundheit

Unterbrechungen aus Sicht des Arbeitsschutzes

Dass Unterbrechungen und/oder Störungen Gift für das produktive Arbeiten sind, haben Sie sicher schon am eigenen Leib erfahren. Unterbrechungen verhindern konzentriertes Arbeiten und damit das, was Cal Newport als Deep Work bezeichnet.

Der Erfinder der Pomodorotechnik, Francesco Cirillo, unterscheidet zwischen internen und externen Unterbrechungen. Interne Unterbrechungen verursachen Sie selbst, wenn Ihnen zum Beispiel während der Erledigung einer Aufgabe einfällt, dass Sie noch einen Termin für den Reifenwechsel benötigen und Sie unmittelbar zum Hörer greifen, um in der Werkstatt anzurufen. Externe Unterbrechungen werde, der Name sagt es schon, von Ihrer Umgebung verursacht: Ein Kollege kommt herein und fragt sie etwas oder Ihr E-Mail-Programm teilt Ihnen mit, dass eine neue Nachricht eingegangen ist.

Viele dieser Unterbrechungen lassen sich abstellen. Sie können schnell notieren, dass ein Anruf beim Reifendienst fällig ist und den Anruf tätigen, wenn die Aufgabe erledigt ist. Oder Sie stellen die Benachrichtigungsfunktion Ihres E-Mail-Clients ab. Das Abstellen des Kollegen ist etwas komplizierter, geht aber mit etwas Kreativität und Willen auch.

Aber nicht alle Unterbrechungen lassen sich selbst abstellen. Manche sind systemimmanent und daher schwer beeinflussbar. Das ist erst einmal noch nicht schlimm, denn manche Unterbrechungen gehören zum Job. Schwierig wird es, wenn die Unterbrechungen als sinn- und nutzlos empfunden werden.

Das derlei Störungen nicht nur das produktive Arbeiten, sondern auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen können, zeigt Prof. Dr. Thomas Rigotti in seinem Forschungsbericht, den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlicht hat. Die Lektüre dieses wissenschaftlichen Berichts ist keine leichte Kost.

Wenn Ihnen eine Übersicht über die Ergebnisse in Form von Zahlen, Daten, Fakten ausreicht, dann greifen Sie zum entsprechenden Poster.

 

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Was tun in schlaflosen Nächten

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die jede Nacht durchschlafen und ausgeruht am nächsten Morgen aufstehen, dann brauchen Sie nicht weiterlesen. Denn dann gehören Sie zu dem glücklicheren Teil der Menschheit. Es gibt aber auch viele Menschen, denen entweder das Einschlafen oder denen das Durchschlafen nicht gelingen will. Im schlimmsten Fall beides.

Gesund ist das nicht, darüber sind sich alle einig. Die Ursachen für schlechten Schlaf können vielseitig sein. Wenn wir einmal die krankheitsbedingten beiseite lassen, dann gibt es zum Beispiel die sog. „senile Bettflucht“. Sie beschreibt den Umstand, dass wir mit zunehmendem Alter einfach nicht mehr so viel Schlaf benötigen. Auch das nächtliche Aufsuchen der Toilette gehört dazu. Aber lassen wir das…

Ein wichtiger Grund, uns nicht ein- oder durchschlafen zu lassen, ist die Grübelei, die uns in wachen Stunden oft befällt. In Gedankenkreiseln gehen uns immer wieder Sorgen oder Ängste durch den Kopf, für die wir untertags offensichtlich gar keine Zeit haben.

Schauen Sie in solchen Situationen nicht ständig auf die Uhr. Das schlechte Gefühl, nur noch soundsoviel Stunden zu haben, bis der Wecker klingelt, setzt Sie nur noch mehr unter Druck. Mitunter ist es einfach das Beste, einfach aufzustehen und einfache Arbeiten zu erledigen.

Zugegeben, eine dauerhafte Lösung ist das auch nicht, aber Nicole Bayes-Fleming hat noch einige andere Pfeile im Köcher. In ihrem Artikel What To Do When Worry Keeps You Awake empfiehlt sie:

Lenken Sie sich ab

Versuchen Sie Ihre Aufmerksamkeit von den negativen Gedanken abzuziehen und wenden Sie sich positiven Dingen zu. Denken Sie an den vergangenen oder kommenden Urlaub. Denken Sie sich schöne Orte aus und versuchen Sie, diese Orte mit Ihren Sinnen zu erfahren. Wie sieht es dort aus, wie hört es sich dort an, was können Sie spüren, riechen Sie vielleicht sogar etwas? Beteiligen Sie all Ihre Sinneskanäle.

Nehmen Sie Ihre Sorgen an

Bekämpfen Sie die unangenehmen Gedanken nicht. Der Schuss kann nach hinten losgehen. Das Paradox: Je mehr Sie versuchen, diese Gedanken zu unterdrücken, desto mehr werden Sie Besitz von Ihnen ergreifen. Nehmen Sie stattdessen die Gedanken mit Wohlwollen zur Kenntnis und denken Sie daran, dass Gedanken noch keine Realitäten sind.

Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Beurteilungen über die Dinge. Epiktet

Wenn Ihre Sorgen auf ein ganz bestimmtes Ereignis gerichtet sind (Prüfung o. ä.), denken Sie an eine alltägliche Handlung, die Sie danach vornehmen werden. Zum Beispiel in die Mensa gehen und Kaffee trinken.

Üben Sie sich in Achtsamkeit

Ich schließe mich hier Nicole voll und ganz an und empfehle Ihnen, einen Bodyscan durchzuführen. Dieser hilft bei mir fast immer. Mittlerweile lasse ich mich nicht mehr durch diese Meditation führen, sondern gebe mir geeignete Geräusche auf die Ohren. Beim Bodyscan handelt es sich um eine Achtsamkeitsübung. Sie bewegen sich im Hier und Jetzt und nicht in der Zukunft woanders.

Seien Sie dankbar

Denken Sie nicht daran, was schief laufen könnte, sondern erinnern Sie sich daran, was in Ihrem Leben gut läuft. Erinnern Sie sich an die Menschen, die Ihnen wohlgesonnen sind und die Sie mögen. Und ja, auch das Gebet ist eine Gelegenheit. für die schönen Dinge im Leben zu danken.

Nicole hat ein schönes Video zum Thema veröffentlicht. Sehen Sie selbst:

How to Calm Your Worries and Sleep Better: A Scientist's Tips for Falling Asleep More Quickly

 

 

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Sind Sie leistungsstark oder arbeitssüchtig?

Wer des Denglischen mächtig ist, wird bemerkt haben, dass sich in den Personalabteilungen deutscher Unternehmen der Ausdruck „Performer“ in den Ausprägungen „low“ und „high“ breitgemacht hat. Demnach versteht man unter einem High Performer einen leistungsstarken Mitarbeiter (was immer das ist) und unter einem Low Performer das Gegenteil davon.

Bei der Beurteilung lohnt es sich, genau hinzuschauen. Nur weil jemand ordentlich Staub aufwirbelt, heißt das noch lange nicht, dass die Leistung stimmt. Ich hatte mal einen Kommilitonen, dem konnte man während des Praktikums im Labor sprichwörtlich die Schuhe besohlen und dennoch war er immer mit den Aufgaben am schnellsten fertig. „Keine überflüssigen Bewegungen“ war seine Devise. Ein wahrer Meister des ökonomischen Arbeitens.

Insofern macht es Sinn, zwischen Leistungsstärke und Arbeitssucht zu unterscheiden. Denn gerade letztere sind eher Opfer als Täter. Jacquelyn Smith stellt 4 Subtle Differences Between Workaholics And High Performers vor, als da sind:

  1. Leistungsstarke Menschen kennen ihren Wert.
    Arbeitssüchtige lassen ihren Wert von anderen bestimmen
  2. Leistungsstarke geben 100%, aber nur dann, wenn es darauf ankommt.
    Arbeitssüchtige 110%, und zwar immer
  3. Leistungsstarke Menschen ergreifen die Initiative.
    Arbeitssüchtige reagieren
  4. Leistungsträger machen Geschäfte.
    Workaholics sind beschäftigt

Jacquelyn zitiert in ihrem Beitrag den Kollegen Jullien Gordon, der in High Performers vs. Workaholics: 7 Subtle Differences noch einige Unterschiede mehr beschreibt. In seinem Beitrag gibt er auch einige Hinweise, wie man der Workoholic-Falle entgehen kann.

Ein interessanter Artikel.

Ob Sie tatsächlich arbeitssüchtig sind, können Sie mit dieser Infografik von  Lionel Valdellon grob überschlagen:

 

 

 

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Das macht Sie zum Smartphone-Junkie

Vor einiger Zeit habe ich darüber geschrieben, was ein E-Mail-Programm mit einem einarmigen Banditen gemeinsam hat. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass es viele Zeitgenossen gibt, die der Versuchung nicht widerstehen können, ihre E-Mails zu checken, sobald eine Eingangsnachricht aufpoppt.

Eine ähnliche Verhaltensweise zeigen auch viele Mitmenschen im Umgang mit ihrem Smartphone. Auch wenn Sie von den interessantesten Menschen umgeben sind, mit denen Sie live und von Angesicht zu Angesicht (neudeutsch „f2f“) die spannendsten Gespräche führen könnten, starren sie stattdessen ständig in ihr i- oder sonstiges Phone. Selbst Eltern sind betroffen, die auf dem Spielplatz lieber in ihr Smartphone glotzen als sich mit Ihren Kindern zu beschäftigen. Mittlerweile gibt es zu diesem Thema sogar Plakataktionen, die Eltern dazu animieren sollen, mit ihren Kindern zu spielen, zu sprechen oder sonstwie direkt zu kommunizieren (s. z.B. hier).

Ob diese Bemühungen Erfolg haben werden, sei dahin gestellt, denn es gibt mächtige Gegner, die allerlei Tricks anwenden, um Handysüchtige Mitmenschen bei der Stange bzw. vor dem Smartphone zu halten. Nicole Bayes-Fleming beschreibt drei dieser Tricks in ihrem Artikel Three Mind Tricks That Keep You Addicted to Your Phone:

Trick Nr.1: Unser Belohnungssystem wird gereizt

Wir wiederholen gerne die Tätigkeiten, für die wir in irgendeiner Form belohnt wurden. Wenn wir eine Botschaft ins Netz stellen, hoffen wir auf eine Reaktion, z. B. ein Like oder sogar einen Kommentar. Dies ist die Belohnung, die uns veranlasst, immer wieder aufs Display zu schauen.

Trick Nr.2: Konditionierung nach Pawlow

Sie kennen sicher das Pawlowsche Experiment mit dem Hund und der Glocke. Jedes Mal, wenn dem Hund Futter gegeben wurde, ertönte gleichzeitig ein Klingeln. Schließlich reichte allein das Klingeln, um beim Hund den Speichelfluss auszulösen, auch ohne Futter. Analog passiert dies, wenn wir über unser Smartphone eine Benachrichtigung erhalten. Wir müssen einfach schauen, was los ist.

Trick Nr. 3: Operantes Konditionieren

In Weiterführung zu Nummer 2 sehen Sie nicht, was der Inhalt der Nachricht ist, sondern nur, dass Sie eine erhalten haben. Wenn Sie wissen möchten, was Sache ist, dann sind Sie gezwungen auf die App zu gehen und zu schauen, was es mit dieser Nachricht auf sich hat. Twitter mach dies zum Beispiel so. Sie bekommen per E-Mail eine Nachricht, dass Sie in Tweets erwähnt wurden. Und jetzt möchten Sie natürlich wissen, wie diese Erwähnungen aussehen und öffnen die App. Das machen Sie so lange, bis diese Verhaltensweise zur festen Gewohnheit wird (operantes Konditionieren).

Um diesen Fallen zu entgehen, schlägt Nicole vor:

  1. Löschen Sie Apps, die keinen Nutzen stiften
  2. Halten Sie Ihr Smartphone außerhalb Ihrer Reichweite
  3. Schalten Sie die Benachrichtigungsfunktion ab
  4. Überprüfen Sie, wie viel Zeit Sie mit dem Smartphone tatsächlich verbringen

Letzteres erfolgt zumindest beim iPhone sogar automatisch. Wenn Sie noch mehr über Tipps gegen Handysucht oder Nomophobie erhalten wollen, empfehle ich Ihnen meinen Beitrag Wie Sie Nomophobie bekämpfen.

 

The Psychological Tricks Keeping You Online

 

 

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Wie sich Menschen ihre Arbeitszeit wünschen

Zum Thema Arbeitszeit klaffen die Meinungen weit auseinander. Während die einen am liebsten den 12-Stunden-Tag wieder einführem möchten (aus „Flexibilitätsgründen“, wie es heißt), experimentieren andere mit der 4-Tage-Woche. Was viele nicht wissen, dass es ein Gesetz gibt, dass in Deutschland die Arbeitszeiten regelt: Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Hierbei ist noch einmal festzuhalten, dass das ArbZG nicht lediglich beratenden Charakter hat, wie viele meinen. Es ist ein Gesetz und daher verbindlich.

Nun sind Gesetze nicht in Stein gemeißelt und bis auf wenige Ausnahmen nicht für die Ewigkeit gemacht. Schließlich ändern sich gesellschaftliche Gegebenheiten, denen der Gesetzgeber durch Anpassungen Rechnung tragen sollte. Wichtige Grundlagen zur Entscheidungsfindung liefern hierzu wissenschaftliche Studien.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat nun eine Befragung zu Arbeitswünschen von Beschäftigten in Deutschland durchgeführt und veröffentlicht (pdf-Datei).

Untersucht wurden u.a.:

  • wie Arbeitszeitwünsche und -realitäten derzeit zusammenpassen
  • ob die Arbeitszeit verlängert oder verkürzt werden soll und wie die Chancen stehen, dass diesen Wünschen entsprochen wird
  • inwieweit für die Beschäftigten ein zeitlicher Handlungsspielraum gegeben ist
  • wie sich Diskrpanzen aus Wunsch und Wirklichkeit auf die Gesundheit auswirken

Gerade habe ich die Lektüre des bemerkenswerten Buchs Die Erfindung der Leistung von Nina Verheyen beendet (Leseempfehlung!). Sie finden dort auch einen Abschnitt zum Thema Arbeitszeit, in dem sie schreibt:

Im Deutschen Reichstag dagegen schmetterten Vertreter der Industrie noch 1904/05 den Vorschlag ab, die Arbeitszeit zumindest für Frauen auf 10 Stunden zu begrenzen. […] Man müsse schließlich auf dem Weltmarkt mithalten können.

Die Zeiten haben sich geändert, die Argumente offenbar nicht.

BTW: Sie bekommen das Buch von Nina Verheyen derzeit für kleines Geld bei der Bundeszentrale für Politische Bildung. Also nichts wie hin!

JESHOOTS-com / Pixabay

 

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Therapie? Nichts für mich!

Immer wieder treffe ich auf Mitmenschen, die sich in seelischen Nöten befinden, professionelle Hilfe durch einen Psychotherapeuten jedoch vehement ablehnen. Ohne meinen ehemaligen BerufskollegInnen zu Nahe treten zu wollen, aber gerade unter Ingenieuren und Technikern ist diese Einstellung weit verbreitet. Ein bekannter Kalauer lautet „dem Inschenör nicht zu schwör“. Warum soll man dann also das Problem nicht alleine lösen können? Ist es die Angst vor dem Kontrollverlust, die hier zum Vorschein kommt?

Obwohl ich auch aus diesem Stall komme, habe ich die Abneigung gegen eine Psychotherapie nie verstanden. Warum soll man sich nicht von einem Profi helfen lassen? Schließlich gehe ich mit gebrochenem Arm auch zu einem Arzt und schiene ihn nicht selbst.

Eine Psychotherapie ablehnen kann man aus unterschiedlichen Gründen. Susan Kolod und Wylie Tyne führen in einem Artikel 9 Reasons Why People Resist Starting Therapy auf. Diese sind:

1. Meine Probleme sind gar nicht so schlimm

Hier verhält es sich ähnlich wie mit physischen Problemen. Wenn Sie merken, dass Sie nach drei Tagen immer noch starkes Bauchweh haben, dann gehen Sie zum Arzt um Schlimmeres zu verhindern. Oder warten Sie auf einen Blindarmdurchbruch? Genau so ist es mit der Psychotherapie. Sie sollten nicht erst damit beginnen, wenn der Schmerz unerträglich geworden ist. Die „Heilungschancen“ sind dann außerdem schlechter.

2. Ich muss meine Probleme alleine lösen

Wenn ein Problem nicht mehr trivial ist, dann gehen wir zu jemandem, „der sich damit auskennt“. Den Küche baut der Küchenspezialist ein, das Auto repariert die Werkstatt, das Fleisch kauft man beim Metzger. Nur seelische Probleme wollen wir alleine lösen, obwohl derlei Ungemach alles andere als trivial ist. Gehen Sie zur Fachfrau bzw. -Mann! Die haben das gelernt und wissen, was sie machen.

3. Eine einmal begonnene Therapie kommt nie zu einem Ende

Ein weit verbreitetes Vorurteil. Die Dauer und die Frequenz der Therapie wird zwischen dem Klienten (d. i. Patienten) und dem Therapeuten vereinbart. Hier gibt es die ganze Bandbreite von Kurzzeittherapien bis zu Therapien, die länger dauern. Nähere Informationen bekommen Sie auch bei Ihrer Krankenkasse.

4. Ich muss meine geheim(st)en Gedanken vor dem Therapeuten ausbreiten

Sie müssen gar nichts. Niemand kann Sie dazu zwingen, etwas preiszugeben, was Sie nicht möchten. Ohnehin klären Sie und die Therapeutin in einem Erstgespräch, ob die „Chemie stimmt“ und ob eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist. Ich möchte hier die Ausdrücke „Zusammenarbeit“ und „vertrauensvoll“ betonen.

5. Ich fühle mich beurteilt

Wenn Sie sich Sorgen machen, was eine Therapeutin über Sie denkt, dann sprechen Sie dies an. Allerdings sind diese Sorgen i. d. R. unbegründet. Der Therapeut ist nicht dazu da, über Sie zu urteilen, sondern um Ihnen zu helfen. Dies geschieht Zuhören und durch Klärungshilfe.

6. Ich habe Angst, dass ich von der Therapie abhängig werde

Eine Therapie ist nicht endlos (s. Pkt. 3). Die Therapie endet dann, wenn sich eine Person sicher ist, „dass sie die Fähigkeit besitzt, mehr aktiv am emotionalen Leben teilzunehmen“ (Zitat aus dem Artikel). Außerdem bezahlt die Krankenkasse keine Endlos-Therapien. Darauf können Sie sich verlassen.

7. Wenn ich über etwas spreche, muss ich etwas ändern

Das ist gut möglich, vielleicht aber auch nicht. Letztendlich treffen Sie die Entscheidung. Weiter oben habe ich den Begriff „Klärungshilfe“ benutzt. Im Gespräch bekommen Sie die Möglichkeit, zu ihren Problemen eine Außenperspektive zu entwickeln, sie evtl. anders zu betrachten und ggf. Handlungsalternativen zu entwickeln.

8. Ich habe Angst, dass ich etwas über mich lernen könnte

Vermutlich wird sich das nicht ganz vermeiden lassen. Wenn Sie das beunruhigt, sollten Sie das der Therapeutin mitteilen. Allerdings hilft es manchmal, zu verstehen, warum etwas so ist, wie es ist.

9. Ich bin mir unsicher, heißt das, ich sollte gar nicht erst anfangen?

Es geht uns allen so. Wenn wir Neuland betreten, dann fühlen wir uns unsicher, schließlich begeben wir uns auf unbekanntes Terrain. Allerdings heißt ein altes Sprichwort „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Seien Sie ehrlich, wie oft haben Sie Neues ausprobiert und waren am Ende froh, es gewagt zu haben? Auch hier gilt: Wenn Sie dieser Gedanke umtreibt, dann machen Sie es zum Thema im Erstgespräch.

 

Es kann nie schaden, sich im Vorfeld schlau zu machen. Wie immer finden Sie allerhand Informationen im Internet. Zum Beispiel:

Warten Sie aber nicht allzu lange.
Es ist schwer, die Reste aus dem Topf zu kratzen, wenn Sie einmal angebrannt sind.

OliverKepka / Pixabay

 

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Tun Sie nichts!

In produktiven Zeiten wie diesen kann man gar nicht oft betonen, wie wichtig es ist, ab und zu einfach nichts zu tun. An anderer Stelle habe ich Astrid Lindgren bereits zitiert, doch gefällt mir ihre Äußerung so gut, dass ich sie gerne wiederhole:

Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen…

Leute, die ständig unter Strom sind, tun sich keinen Gefallen. Denn ab und zu nichts zu tun, hilft unserem Unbewusstem, an Problemlösungen zu arbeiten und uns dann mit kreativen Lösungen zu überraschen.

Wie man das Nichtstun in seinen Alltagsleben einbauen kann, zeigt uns Shelly Tygielski in dem Artikel The Benefits of “Doing Nothing”: Five Ways to Find Creativity Through Reflection:

1. Verfolgen Sie Ihren derzeitigen Tagesplan und analysieren Sie ihn
2. Legen Sie Laptop und Smartphone zur Seite
3. Nehme Sie die Natur um Sie herum bewusst wahr
4. Achten Sie während Stillständen auf Ihre Gedanken
5. Tun Sie absolut gar nichts

The Benefits of “Doing Nothing”: Five Ways to Find Creativity Through Reflection

 

Ich selber meditiere mindestens 20 Minuten jeden Tag. Wenn ich zum Beispiel meinen Vater im Seniorenheim besuche, dann verbinde ich den Besuch mit einer Meditation in der dortigen Kapelle. Auf dem Weg zurück, nehme ich oft einen Umweg und versuche, mit allen Sinnen die Umgebung wahrzunehmen und eine Art Gehmeditation durchzuführen.

Auf diese Weise habe ich die Meditation in meinen Alltag „eingebaut“. Das geht sehr gut. Wenn Sie bewusst Ihren Tag betrachten (s.o. Punkt 1), werden auch Sie eine Gelegenheit finden, „nichts“ zu tun.

Da bin ich mir sicher.

bogitw / Pixabay

 

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Die Wahrheit über Arbeitsschutz in manchen deutschen Unternehmen

Wie einige der Leserinnen und Leser wissen, habe ich mir vor einigen Jahren eine Ausbildung zum Sicherheitsingenieur gegönnt. Natürlich hatte ich auch geschäftliche Interessen. Alle Welt sprach und schrieb damals über psychische Gesundheit, gleichzeitig stieg die Zahl der Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen beträchtlich. Ich dachte mir damals, die Unternehmen müssten interessiert daran sein, psychische Fehlbelastungen am Arbeitsplatz zu untersuchen und zu minimieren oder sogar zu beseitigen.

Meine Annahme war ein großer Irrtum, wie ich in der Zwischenzeit lernen musste.

Die Analyse psychischer Belastungen soll im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung vorgenommen werden.

Wird sie aber nicht.

Dass dies nicht nur mein subjektiver Eindruck ist, bestätigt ein Artikel der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Dort steht:

Der gesetzlichen Pflicht, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, kommen in Deutschland laut den GDA-Betriebsbefragungen 2011 und 2015 nur etwa die Hälfte der Betriebe nach.

Die BAuA ging nun in einem Forschungsprojekt der Frage nach, warum dies so ist. Die Ergebnisse können Sie dem entsprechenden Bericht nachlesen: Formen von Präventionskultur in deutschen Betrieben (Download pdf-Datei).

Allerdings scheint in der ganzen Diskussion eine Frage tabu zu sein:

Wie wirkt sich das Fehlen entsprechender Sanktionen aus?

Mich würde einmal interessieren, was passiert, wenn Unternehmen die o.a. gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung nicht durchführen. Mir ist nämlich nicht bekannt, dass dies irgendwelche Folgen hätte.

Alle Vergleiche hinken, dennoch sei mir einer erlaubt.

Wir haben innerhalb geschlossener Ortschaft ein Tempolimit von 50 km/h. Lassen Sie uns in Zukunft doch einfach auf Kontrollen und Sanktionen bei Verstößen dagegen verzichten.

<ironie>
Ich bin mir sicher, alle Verkehrsteilnehmer werden innerer Einsicht und Vernunft folgen und die Geschwindigkeitsbegrenzung von sich aus einhalten. </ironie> 

Erdmann-Crew / Pixabay

 

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Marcus Raitner: Wie hältst Du’s mit Deiner Zeit? – Eine Ergänzung

Der von mir sehr geschätzte Marcus Raitner veröffentlichte dieser Tage auf seinem Blog „Führung erfahren“ einen Artikel mit dem Titel Wie hältst Du’s mit Deiner Zeit?.
Marcus nimmt den Jahreswechsel zum Anlass, selbstkritisch über die Verwendung seiner (Lebens-?) Zeit nachzudenken. Sein Fazit: Es gibt immer noch zu viele Termine, die „Fokussierung, Achtsamkeit und Muße“ im vergangenen Jahr verhindert oder zumindest behindert haben.

Am Ende seines Artikel stellt Marcus die Frage:

Und wie hältst Du’s mit Deiner Zeit im neuen Jahr?

Da Marcus zu Recht die Selbstverantwortung auch bei diesem Thema betont, möchte ich den Artikel um einen wichtigen Aspekt ergänzen und eine weitere Frage stellen:

Und wie hältst Du’s mit Deinen Ansprüchen und Bedürfnissen?

Wie die ToolBlog-Leser wissen, beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit dem Thema Minimalismus. Dabei bin ich weit davon entfernt, mir das Motto „nur 100 Dinge zu besitzen“ zu eigen zu machen. Denn ein wenig Luxus darf es schon sein. Allerdings möchte ich auf einen verhängnisvollen Kreislauf hinweisen, der uns ein großes Stück eigener Zeitsouveränität raubt:

Wir arbeiten hart und belohnen uns dafür, indem wir konsumieren. Damit wir uns diesen Konsum leisten können, müssen wir hart arbeiten. Für diese harte Arbeit belohnen wir uns, indem wir konsumieren usw. usf.

Dass dies keine hohle Denkfigur ist, kenne ich aus eigener Erfahrung. Es gab Zeiten, zu denen ich nach einer harten Arbeitswoche mich zum Wochenende mit irgendeinem Gadget belohnt habe: Einer CD, einem Kleidungsstück, einem Buch oder [bitte selbst einsetzen]. Vieles davon war schlicht und einfach unnötig und lag dann schon nach kurzer Zeit ungenutzt irgendwo in der Wohnung oder im Büro herum. So funktioniert es halt in unserem System.

Die Lösung scheint einfach: Wenn Sie weniger konsumieren, dann müssen Sie weniger (hart) arbeiten und haben mehr Zeit für sich und können diese für sich und Ihre (wahren?) Interessen verwenden.

Sie müssen dazu nicht komplett aussteigen. Der Ausstieg ist zwar eine radikale Lösung, aber nicht die einzige. Sie könnten sich zum Beispiel auch selbstständig machen oder ganz bewusst einen Karriereverzicht ins Auge fassen. Downshifting nennt man das neudeutsch. Dass das funktioniert, zeigen viele Praxisbeispiele. Einen Erfahrungsbericht finden Sie beispielsweise bei Zeit online: „Ich will nie wieder in die Welt der Leistung zurück“.

Einen Pferdefuß gibt es allerdings. Wenn Sie downshiften, dann werden Sie wahrscheinlich über weniger Einkommen verfügen. Sie müssen sich daher überlegen , welche Anschaffungen für Sie wirklich wichtig sind und was Sie wirklich brauchen. Das Sich-klar-werden über die eigenen Bedürfnisse ist an sich schon eine wertvolle Übung, insofern stimmt das mit dem „Pferdefuß“ gar nicht.

Wenn Sie sich tiefer mit der Materie befassen wollen, möchte ich Ihnen zwei Bücher empfehlen. In Early Retirement Extreme: A philosophical and practical guide to financial independence beschreibt Jacob Lund Fisker, wie man den Ausstieg schon in frühen Jahren bewältigt. Keine einfache Lektüre, denn dort gibt es auch eine Menge Theorie. Der Autor betreibt auch ein Blog mit dem gleichen Titel wie das Buch. Sollten Sie leichtere Kost bevorzugen, dann greifen Sie zu Robert Wringhams Ich bin raus: Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung. Nebenbei bemerkt: Auch in der Bibel finden Sie interessante Textstellen zum Thema Konsum und Verzicht.

Ich möchte mich bei Marcus für seinen Artikel bedanken, der mich zu diesen Zeilen angeregt hat. Er beendet ihn mit den Worten:

Es wäre nun ein Leichtes diesen Missstand auf andere oder die Umstände zu schieben, auf die Kinder […], aber die Verantwortung für meine Zeit lag und liegt allein bei mir.

Da stimme ich ihm zu. Nur mit einem anderen Schwerpunkt.

hordenblech / Pixabay

 

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Wie Sie schlechte Nachrichten überbringen

In der Antike soll es mancherorts üblich gewesen sein, den Boten, der schlechte Nachrichten überbrachte, mit dem Tode zu bestrafen. Heute wird man als Überbringer sicherlich nicht mehr geköpft, aber unangenehm ist das Verkünden von Hiobsbotschaften allemal. Leider können wir uns im Leben nicht immer um diese schwere Aufgabe drücken. Nur, wie überbringt man schlechte Nachrichten? Gibt es da hilfreiche Hinweise.

Vielleicht können wir uns etwas von den Menschen abschauen, zu deren Beruf es gehört, immer wieder schlechte Nachrichten zu überbringen, wie etwa Ärzte oder Geistliche.

Andrew Neuschatz ist Onkologe und gibt uns in seinem Beitrag An oncologist explains how to deliver bad news einige Hinweise zu diesem ernsten Thema. Er empfiehlt:

Planen Sie im voraus

Beschäftigen Sie sich vor dem Gespräch mit dem individuellen Fall. Gehen Sie noch einmal die Fakten durch und holen Sie andere Meinungen ein. Achten Sie auf eine angemessene Umgebung und auf vermeintliche Kleinigkeiten wie Papiertaschentücher, wenn Tränen fließen sollten.

Beschränken Sie sich bei Ihrer Vorrede

Halten Sie Ihre Einleitung kurz und spannen Sie Ihr Gegenüber nicht unnötig auf die Folter (!). Lange Vorreden können für Ihr Gegenüber quälend sein.

Seien Sie direkt

Verstecken Sie sich nicht hinter einer Fachsprache. Drücken Sie sich so aus, dass Ihr Gesprächspartner Sie versteht. Seien Sie sorgfältig in Ihrer Wortwahl.

Machen Sie nach dem Überbringen der Botschaft eine Pause

Geben Sie dem Anderen die Chance, die eigenen Gedanken und Gefühle so gut wie möglich zu sortieren. Wir alle brauchen ein paar Momente, um schlechte Nachrichten zu „verdauen“. Geben Sie Ihrem Partner die Gelegenheit dazu. Während dieser Zeit dringen Sie ohnehin nicht zu ihm/ihr durch. Sie werden einfach nicht gehört, der Partner ist mit sich selbst beschäftigt. Diesen Moment gilt es auszuhalten. Widerstehen Sie dem Wunsch, „die Sache schnell hinter sich zu bringen“.

Zeigen Sie Empathie

Hier gibt Andrew einen wichtigen Rat mit auf den Weg. Nehmen Sie nie an, Sie wüssten, was das Gegenüber in diesem Moment denkt oder fühlt. Versuchen Sie, Wellenlänge (Rapport) herzustellen. Dies kann verbal und/oder nonverbal geschehen. Bleiben Sie dabei aber Sie selbst und verstellen Sie sich nicht. Unsere Mitmenschen haben feine Antennen, gerade auch in solchen Situationen.

Beantworten Sie Fragen

Geben Sie dem Gesprächspartner die Möglichkeit, Fragen zu stellen und beantworten Sie diese ehrlich und ohne Umschweife, aber taktvoll.

Eröffnen Sie den nächsten Schritt

Lassen Sie den Gesprächspartner nicht mit der Botschaft allein. Seien Sie vorbereitet darauf, dass Ihr Gegenüber wissen will, was als nächstes geschieht. Schildern Sie die vorhandenen Optionen. Wenn möglich, haben Sie vielleicht diese nächsten Schritte schon eingeleitet.

Verarbeiten Sie für sich das Gespräch

Lassen Sie das Geschehene Revue passieren. Denken Sie daran, dass Gefühlsäußerungen nicht unbedingt gegen Sie persönlich gerichtet sind. Mitunter sind dies ganz „normale“ Reaktionen. Nehmen Sie sich die Zeit, mit Ihren eigenen Gefühlen und Gedanken klar zu kommen. Vielleicht können Sie sich auch einem Dritten öffnen.

Die Hinweise von Andrew Neuschatz sind im ärztlichen Kontext zu verstehen, aber ich denke, wir alle können von seinen Erfahrungen profitieren. Jeder von uns muss irgendwann einmal schlechte Nachrichten überbringen, beruflich und auch privat.

Eine Bitte: Wenn Sie des Englischen mächtig sind dann lesen Sie doch gerne den Originalartikel. Ich habe den Inhalt nicht übersetzt, sondern mit meinen eigenen Worten wiedergegeben.

StockSnap / Pixabay

 

[Nachtrag]

Jalid Sehouli ist Gynäkologe, leitete die gynäkologische Klinik der Charité und ist einer der führenden Krebsspezialisten weltweit. Er hat ein Buch über das Überbringen schlechter Nachrichten geschrieben. Katja Heijnen vom SWR hat in der Reihe „Leute“ ein Gespräch geführt, das Sie hier nachhören können:  „Prof. Jalid Sehouli ist der Meinung, dass jeder Mensch es lernen kann, schwierige Gespräche gut zu führen.

 

 

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