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Marcus Raitner: Wie hältst Du’s mit Deiner Zeit? – Eine Ergänzung

Der von mir sehr geschätzte Marcus Raitner veröffentlichte dieser Tage auf seinem Blog „Führung erfahren“ einen Artikel mit dem Titel Wie hältst Du’s mit Deiner Zeit?.
Marcus nimmt den Jahreswechsel zum Anlass, selbstkritisch über die Verwendung seiner (Lebens-?) Zeit nachzudenken. Sein Fazit: Es gibt immer noch zu viele Termine, die „Fokussierung, Achtsamkeit und Muße“ im vergangenen Jahr verhindert oder zumindest behindert haben.

Am Ende seines Artikel stellt Marcus die Frage:

Und wie hältst Du’s mit Deiner Zeit im neuen Jahr?

Da Marcus zu Recht die Selbstverantwortung auch bei diesem Thema betont, möchte ich den Artikel um einen wichtigen Aspekt ergänzen und eine weitere Frage stellen:

Und wie hältst Du’s mit Deinen Ansprüchen und Bedürfnissen?

Wie die ToolBlog-Leser wissen, beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit dem Thema Minimalismus. Dabei bin ich weit davon entfernt, mir das Motto „nur 100 Dinge zu besitzen“ zu eigen zu machen. Denn ein wenig Luxus darf es schon sein. Allerdings möchte ich auf einen verhängnisvollen Kreislauf hinweisen, der uns ein großes Stück eigener Zeitsouveränität raubt:

Wir arbeiten hart und belohnen uns dafür, indem wir konsumieren. Damit wir uns diesen Konsum leisten können, müssen wir hart arbeiten. Für diese harte Arbeit belohnen wir uns, indem wir konsumieren usw. usf.

Dass dies keine hohle Denkfigur ist, kenne ich aus eigener Erfahrung. Es gab Zeiten, zu denen ich nach einer harten Arbeitswoche mich zum Wochenende mit irgendeinem Gadget belohnt habe: Einer CD, einem Kleidungsstück, einem Buch oder [bitte selbst einsetzen]. Vieles davon war schlicht und einfach unnötig und lag dann schon nach kurzer Zeit ungenutzt irgendwo in der Wohnung oder im Büro herum. So funktioniert es halt in unserem System.

Die Lösung scheint einfach: Wenn Sie weniger konsumieren, dann müssen Sie weniger (hart) arbeiten und haben mehr Zeit für sich und können diese für sich und Ihre (wahren?) Interessen verwenden.

Sie müssen dazu nicht komplett aussteigen. Der Ausstieg ist zwar eine radikale Lösung, aber nicht die einzige. Sie könnten sich zum Beispiel auch selbstständig machen oder ganz bewusst einen Karriereverzicht ins Auge fassen. Downshifting nennt man das neudeutsch. Dass das funktioniert, zeigen viele Praxisbeispiele. Einen Erfahrungsbericht finden Sie beispielsweise bei Zeit online: „Ich will nie wieder in die Welt der Leistung zurück“.

Einen Pferdefuß gibt es allerdings. Wenn Sie downshiften, dann werden Sie wahrscheinlich über weniger Einkommen verfügen. Sie müssen sich daher überlegen , welche Anschaffungen für Sie wirklich wichtig sind und was Sie wirklich brauchen. Das Sich-klar-werden über die eigenen Bedürfnisse ist an sich schon eine wertvolle Übung, insofern stimmt das mit dem „Pferdefuß“ gar nicht.

Wenn Sie sich tiefer mit der Materie befassen wollen, möchte ich Ihnen zwei Bücher empfehlen. In Early Retirement Extreme: A philosophical and practical guide to financial independence beschreibt Jacob Lund Fisker, wie man den Ausstieg schon in frühen Jahren bewältigt. Keine einfache Lektüre, denn dort gibt es auch eine Menge Theorie. Der Autor betreibt auch ein Blog mit dem gleichen Titel wie das Buch. Sollten Sie leichtere Kost bevorzugen, dann greifen Sie zu Robert Wringhams Ich bin raus: Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung. Nebenbei bemerkt: Auch in der Bibel finden Sie interessante Textstellen zum Thema Konsum und Verzicht.

Ich möchte mich bei Marcus für seinen Artikel bedanken, der mich zu diesen Zeilen angeregt hat. Er beendet ihn mit den Worten:

Es wäre nun ein Leichtes diesen Missstand auf andere oder die Umstände zu schieben, auf die Kinder […], aber die Verantwortung für meine Zeit lag und liegt allein bei mir.

Da stimme ich ihm zu. Nur mit einem anderen Schwerpunkt.

hordenblech / Pixabay

 

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Wie Sie schlechte Nachrichten überbringen

In der Antike soll es mancherorts üblich gewesen sein, den Boten, der schlechte Nachrichten überbrachte, mit dem Tode zu bestrafen. Heute wird man als Überbringer sicherlich nicht mehr geköpft, aber unangenehm ist das Verkünden von Hiobsbotschaften allemal. Leider können wir uns im Leben nicht immer um diese schwere Aufgabe drücken. Nur, wie überbringt man schlechte Nachrichten? Gibt es da hilfreiche Hinweise.

Vielleicht können wir uns etwas von den Menschen abschauen, zu deren Beruf es gehört, immer wieder schlechte Nachrichten zu überbringen, wie etwa Ärzte oder Geistliche.

Andrew Neuschatz ist Onkologe und gibt uns in seinem Beitrag An oncologist explains how to deliver bad news einige Hinweise zu diesem ernsten Thema. Er empfiehlt:

Planen Sie im voraus

Beschäftigen Sie sich vor dem Gespräch mit dem individuellen Fall. Gehen Sie noch einmal die Fakten durch und holen Sie andere Meinungen ein. Achten Sie auf eine angemessene Umgebung und auf vermeintliche Kleinigkeiten wie Papiertaschentücher, wenn Tränen fließen sollten.

Beschränken Sie sich bei Ihrer Vorrede

Halten Sie Ihre Einleitung kurz und spannen Sie Ihr Gegenüber nicht unnötig auf die Folter (!). Lange Vorreden können für Ihr Gegenüber quälend sein.

Seien Sie direkt

Verstecken Sie sich nicht hinter einer Fachsprache. Drücken Sie sich so aus, dass Ihr Gesprächspartner Sie versteht. Seien Sie sorgfältig in Ihrer Wortwahl.

Machen Sie nach dem Überbringen der Botschaft eine Pause

Geben Sie dem Anderen die Chance, die eigenen Gedanken und Gefühle so gut wie möglich zu sortieren. Wir alle brauchen ein paar Momente, um schlechte Nachrichten zu „verdauen“. Geben Sie Ihrem Partner die Gelegenheit dazu. Während dieser Zeit dringen Sie ohnehin nicht zu ihm/ihr durch. Sie werden einfach nicht gehört, der Partner ist mit sich selbst beschäftigt. Diesen Moment gilt es auszuhalten. Widerstehen Sie dem Wunsch, „die Sache schnell hinter sich zu bringen“.

Zeigen Sie Empathie

Hier gibt Andrew einen wichtigen Rat mit auf den Weg. Nehmen Sie nie an, Sie wüssten, was das Gegenüber in diesem Moment denkt oder fühlt. Versuchen Sie, Wellenlänge (Rapport) herzustellen. Dies kann verbal und/oder nonverbal geschehen. Bleiben Sie dabei aber Sie selbst und verstellen Sie sich nicht. Unsere Mitmenschen haben feine Antennen, gerade auch in solchen Situationen.

Beantworten Sie Fragen

Geben Sie dem Gesprächspartner die Möglichkeit, Fragen zu stellen und beantworten Sie diese ehrlich und ohne Umschweife, aber taktvoll.

Eröffnen Sie den nächsten Schritt

Lassen Sie den Gesprächspartner nicht mit der Botschaft allein. Seien Sie vorbereitet darauf, dass Ihr Gegenüber wissen will, was als nächstes geschieht. Schildern Sie die vorhandenen Optionen. Wenn möglich, haben Sie vielleicht diese nächsten Schritte schon eingeleitet.

Verarbeiten Sie für sich das Gespräch

Lassen Sie das Geschehene Revue passieren. Denken Sie daran, dass Gefühlsäußerungen nicht unbedingt gegen Sie persönlich gerichtet sind. Mitunter sind dies ganz „normale“ Reaktionen. Nehmen Sie sich die Zeit, mit Ihren eigenen Gefühlen und Gedanken klar zu kommen. Vielleicht können Sie sich auch einem Dritten öffnen.

Die Hinweise von Andrew Neuschatz sind im ärztlichen Kontext zu verstehen, aber ich denke, wir alle können von seinen Erfahrungen profitieren. Jeder von uns muss irgendwann einmal schlechte Nachrichten überbringen, beruflich und auch privat.

Eine Bitte: Wenn Sie des Englischen mächtig sind dann lesen Sie doch gerne den Originalartikel. Ich habe den Inhalt nicht übersetzt, sondern mit meinen eigenen Worten wiedergegeben.

StockSnap / Pixabay

 

[Nachtrag]

Jalid Sehouli ist Gynäkologe, leitete die gynäkologische Klinik der Charité und ist einer der führenden Krebsspezialisten weltweit. Er hat ein Buch über das Überbringen schlechter Nachrichten geschrieben. Katja Heijnen vom SWR hat in der Reihe „Leute“ ein Gespräch geführt, das Sie hier nachhören können:  „Prof. Jalid Sehouli ist der Meinung, dass jeder Mensch es lernen kann, schwierige Gespräche gut zu führen.

 

 

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10 Gründe, warum Sie zu Mittag nicht im Büro bleiben sollten

Ich gebe zu, es gibt Workshops, wo ich während der Mittagspause den Seminarraum nicht verlasse. Zumeist liegt das an der mangelnden Gelegenheit, preiswert und vor allem gut zu Mittag zu essen. In diesem Fall bringe ich mein Pausenbrot mit und bleibe vor Ort. Allerdings kommt das nicht oft vor, vielleicht etwa drei bis vier Mal im Jahr. Ansonsten esse ich beim Kunden in der Kantine und verbinde dies mit einem kleinen Spaziergang.

Warum Sie tatsächlich das Büro während der Mittagspause verlassen sollten, zeigt uns Kitty Boinott in ihrem Beitrag 10 Reasons To Leave Your Desk At Lunch auf:

1. Sie werden produktiver

Menschliche Arbeit vollzieht sich in einem bestimmten Rhythmus, wie das Ein- und das Ausatmen. Wenn die Batterie leer ist, sollten Sie sie wieder laden. Das gelingt am besten, wenn Sie sich vom Arbeitsplatz entfernen.

2. Sie werden kreativer

Oft kommt das Gehirn dann auf die besten Ideen, wenn Sie es für eine Weile in Ruhe lassen. Das Unbewusste arbeitet während der Pause an dem Problem weiter und oft haben Sie die besten Ideen, wenn Sie ganz einfachen Tätigkeiten nachgehen. Erlauben Sie sich das Tagträumen und lassen Sie die Gedanken umher wandern.

3. Sie essen achtsamer

Essen am Arbeitsplatz funktioniert in der Regel im Autopilot-Modus, wie Shamash Alidina sagt. Sie werden von Ihren Aufgaben vom Essen abgelenkt. Sie sind in Gedanken bei Ihrem Problem und nehmen gar nicht wahr, dass Sie gerade essen. Gesund ist das nicht. Wenn Sie essen, dann essen Sie, wenn Sie arbeiten, dann arbeiten Sie. Aus diesem Grund sind mir auch die „Arbeitsessen“ ein Gräuel und ich vermeide sie, wo ich nur kann.

4. Sie pflegen die Beziehung zu Ihren Kollegen

Ab und zu tut es gut, mit den Kolleginnen auch über andere Dinge als die Arbeit zu sprechen. Sie müssen ja nicht über persönliche Dinge reden, mitunter tut es schon gut, die Ergebnisse der Bundesliga zu erörtern. Das ist das berühmte Socializing, das wir Menschen brauchen. Wo kann man besser über alltägliche Dinge sprechen als beim gemeinsamen Mittagessen in der Kantine?

5. Sie kommen an die frische Luft

Gehen Sie in der Mittagspause ein wenig an die frische Luft. Ihr Körper wird es Ihnen danken (allerdings nicht, wenn Sie die Zeit für eine Zigarette verschwenden). Und vergessen Sie nicht, Ihr Büro während der Mittagspause zu lüften, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben.

6. Sie bewegen sich

Sie sitzen ohnehin den ganzen Tag. Es gibt ernstzunehmende Stimmen, die das Sitzen als das neue Rauchen bezeichnen. Es kann auf Dauer erhebliche negative Folgen für Ihre Gesundheit nach sich ziehen. Nutzen Sie also jede Gelegenheit, aufzustehen und sich zu bewegen. Auch die Mittagspause.

7. Ihr Schreibtisch und Ihr PC werden nicht vollgekrümelt

Das braucht wohl nicht weiter kommentiert werden.

8. Sie haben mehr Genuss beim Essen

Dieser Punkt hängt eng mit Nummer 3 weiter oben zusammen. Machen Sie sich bewusst, was Sie gerade essen und nehmen Sie das Gericht mit all Ihren Sinnen wahr. Lassen Sie sich vor allen Dingen ausreichend Zeit. Essen Sie bewusst und langsam.

9. Sie können das Mittagessen zum Netzwerken benutzen

Wer weiß, vielleicht treffen Sie während des Mittagessen Menschen, die Ihnen neue Chancen aufzeigen können. Vermutlich können Sie so etwas nicht erzwingen, aber die Gelegenheit beim Schopf packen, wenn Sie sich ergibt, das können Sie schon.

10. Sie können alte Bekanntschaften wieder aufleben lassen

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, Ihr Mittagessen sogar mit Freunden oder Bekannten einzunehmen? Ich habe einen Studienkollegen, der regelmäßig mit Bekannten zu Mittag isst, die nicht in seinem Unternehmen arbeiten. Auf diese Weise kommt er auf andere Gedanken und kann auftanken.

Sicher fallen Ihnen noch ein paar andere Gründe ein, die Mittagspause woanders als am Arbeitsplatz zu verbringen. Achten Sie auch darauf, dass Sie ausreichend lange ist, mindestens 45 Minuten, damit Sie wieder fit für die zweite Tageshälfte werden.

rawpixel / Pixabay

 

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Jon Kabat-Zinn über Achtsamkeit

Manchmal kommt es vor, dass man „den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht“. Mir geht das gerade so, wenn ich das Rauschen vernehme, dass rund um das Thema „Achtsamkeit“ entstanden ist.  Bei dem Hype ist es dann  wohltuend, zu den Wurzeln zurückzukehren, inne zu halten und sich klar zu machen, um was es eigentlich geht.

Wer könnte das Wesen der Achtsamkeit besser erklären als der Erfinder der MBSR-Methode Jon Kabat-Zinn.  Sehen Sie hier ein Interview mit ihm unter dem Titel Achtsamkeit – die neue Glücksformel?:

Jon Kabat-Zinn: Achtsamkeit – die neue Glücksformel? | SRF Sternstunde Philosophie (14.2.2016)

 

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OT: Mike Stern: Der Musiker als Vorbild

Wie jede(r) in meinem Freundeskreis weiß, bin ich bekennender Jazzfan. Alle zwei Jahre etwa versuche ich, in Rotterdam beim North Sea Jazz Festival zu sein, einem der größten Indoor-Jazzfestivals der Welt. 2012 durften wir dort ein Konzert des fantastischen Gitarristen Mike Stern erleben. Ich war damals hellauf begeistert.

Umso mehr habe ich mich gefreut, ihn gestern wieder auf dem Ravensburger Trans4Jazz-Festival hören und sehen zu können. Während des Konzerts fiel uns seine rechte Hand auf, die unnatürlich gekrümmt zu sein schien. Dem Spiel tat das keinen Abbruch, aber merkwürdig war das schon.

Tatsächlich gab es ein Ereignis vor einiger Zeit, ein Albtraum für jeden Musiker. Auf dem Weg zum Flughafen hatte Mike Stern 2016 einen Unfall, bei dem er sich beide Oberarme brach. Die rechte Hand blieb leider versehrt. Aber Mike Stern gab damals nicht auf und kämpfte sich zurück ins (Musiker-) Leben (hier und hier). Erfolgreich, wie man gestern hören konnte.

Für mich ist Mike Stern ein großes Vorbild, nicht nur als Musiker, sondern auch als Mensch.

Eine tiefe Verbeugung.

Mike Stern – Thank You to the Fans!

 

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13 Angewohnheiten, die Ihren Erfolg torpedieren

Wenn Sie in eine Buchhandlung gehen, dann werden Sie Dutzende Bücher finden, die Ihnen zeigen wollen, wie Sie Erfolg haben. Erfolgsstrategien nennt man das im allgemeinen. Und tatsächlich, die beschriebenen Schritte zum Erfolg sind einleuchtend und nachvollziehbar. Sie müssen sich also nur für eine der vielen Erfolgsstrategien entscheiden, die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Dem Erfolg steht nun nichts mehr im Wege.

Wir wissen alle, dass es so leider nicht funktioniert. Hinterher lässt sich immer eine Theorie (er-)finden, die den Erfolg logisch erklärt. Allerdings gibt es bis jetzt keine Strategie, die ihn vorher garantiert. Gäbe es sie, wären wir alle ausnahmslos erfolgreich.

Mit dem Erfolg ist es wie mit der Gesundheit. Wir wissen nicht sicher, wie wir sie erreichen und erhalten können, aber wir können mit Gewissheit sagen, was ihr schadet. Mario Christou hat einen Artikel darüber verfasst, mit welchen Gewohnheiten Sie den Erfolg wirkungsvoller verhindern können: 13 Common Bad Habits That Hold You Back From Success. Hier sind Sie:

1. Sie warten immer auf den richtigen Moment

Für manche Vorhaben gibt es keinen richtigen Moment. Wenn Sie möchten, dann finden Sie immer einen Grund, warum Sie gerade jetzt nicht mit Ihrem Vorhaben anfangen sollten. Und wenn Sie dann zu lange warten, ist der „Kas bissn“, wie unsere bayerischen Landsleute sagen. Oder anders: Dann ist der Zug abgefahren. Wenn Sie ein Vorhaben immer wieder aufschieben, fragen Sie sich doch einmal, vor was Sie tatsächlich Angst haben.

2. Sie benötigen die Zustimmung anderer

Es ist sicher sinnvoll, sich die unterschiedliche Meinungen einzuholen. Aber übertreiben Sie es nicht damit. Ab einem gewissen Punkt haben Sie davon keinen Nutzen mehr. Ein Mehr an Information macht Ihre Entscheidung nicht besser. Wenn Sie das Gefühl (!) haben, etwas machen zu müssen, dann tun sie es. Es ist besser, etwas zu bereuen, was man getan hat als etwas, was man unterlassen hat.

3. Sie möchten perfekt sein

Der Hang zum Perfektionismus kann lähmen. Außerdem ist er ohnehin zum Scheitern verurteilt, denn nichts und niemand ist vollkommen. Also starten sie und arbeiten Sie mit engen Feedbackschleifen. Und dann handeln Sie nach dem Grundsatz „Das bessere ist der Feind des Guten“. Arbeiten Sie iterativ. Ich glaube, die Scrum-Anhänger wissen von was ich rede.

4. Sie sind zu stur um loszulassen

Trauen Sie sich, auch Dinge aufzugeben, wenn Sie den Eindruck haben, es lohnt sich nicht, sie weiter zu verfolgen. Folgen Sie der altbekannten Indianerweisheit: „Wenn Sie merken, dass Sie ein totes Pferd reiten, ist es Zeit, abzusteigen. Manchmal ist es schlicht und einfach unklug, der amerikanischen Devise „Never give up“ zu folgen.

5. Sie können sich nicht für Ihre Fehler entschuldigen

Wenn Sie nicht gelernt haben, für Ihre Fehler gerade zu stehen, dann werden Sie u.U. Schwierigkeiten haben, Menschen zu finden, die Sie unterstützen. Zeitgenossen, die nicht die Verantwortung für ihr Tun übernehmen, machen sich schnell unbeliebt.

6. Sie lernen nicht von Menschen, die „unter Ihnen stehen“

Es gibt tatsächlich niemanden (in Worten: niemanden), von dem Sie nichts lernen können. Wie oft haben wir schon erlebt, dass so manche gute Idee nicht umgesetzt wurde, weil sie aus dem Munde eines „einfachen“ Mitarbeiters kam. In vielen Firmen treibt solcher Standesdünkel bis heute noch sein Unwesen und verhindert notwendige Verbesserungen und Innovationen. Weg damit, Sie können sich so etwas nicht leisten!

7. Sie machen nur das, was Sie müssen

Wenn Sie immer in der altgewohnten Komfortzone verbleiben, dann werden Sie kaum die Chance haben, neue Erfahrungen zu sammeln. Klar, diese müssen nicht immer positiv sein, aber lernen können Sie aus ihnen allemal. Also fassen Sie sich ein Herz und greifen zu, wenn sich die Gelegenheit bietet.

8. Sie machen sich zu viel Sorgen über das Ergebnis

Es spricht nichts dagegen, mit kühlem Kopf Chancen und Risiken eines Vorhabens abzuwägen. Sich sorgen ist aber etwas anderes. Sorgen sind unbestimmte Ängste vor etwas, was kommen könnte. Könnte, nicht muss. Manchmal ist es sinnvoll, sich zu fragen: (1) Wie wahrscheinlich ist es, dass etwas eintritt? und (2) was wäre, das Schlimmste, was dann passieren würde? Viele Dinge, über die Sie sich jetzt Sorgen machen, werden vermutlich gar nicht eintreffen. Dafür andere, an die Sie jetzt noch gar nicht denken. Dafür gebe ich Ihnen Brief und Siegel.

9. Sie vergleichen sich mit anderen

Lassen Sie es. Oder wie Søren Aabye Kierkegaard sagt:

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.

Für den Erfolg zählt nur der eigene Maßstab. Lassen Sie sich die Deutungshoheit über Ihren persönlichen Erfolg nicht von anderen aus der Hand nehmen.

10. Sie lernen nicht aus Ihren Fehlern

Laut Konfuzius ist das Lernen aus Erfahrung der bitterste Weg, klug zu handeln. Aber er ist vermutlich auch der nachhaltigste. Wenn Sie nicht aus Ihren Fehlern lernen wollen, dann werden Sie diese wohl wiederholen müssen.

11. Sie arbeiten nicht an Ihren Schwächen

Bei diesem Grundsatz bin ich mir nicht so sicher. Ich neige dazu, mich Autoren anzuschließen, die empfehlen, eher an den eigenen Stärken als an den Schwächen zu arbeiten. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Partnerschaft mit einem Menschen zu suchen, der Sie komplementär ergänzt, d.h. der Ihre Schwächen durch seine Fähigkeiten abdecken kann? Manchmal ist dies der effektivere Weg als das Bemühen, aus Schwächen Stärken zu machen.

12. Sie verbringen zu viel Zeit mit Dingen, die Sie nicht tun wollen

Hier gilt das unter 11 Geschriebene. Wenn Sie etwas nur widerwillig tun, dann tun Sie es vermutlich nicht gut. Überlegen Sie, ob Sie solchen Tätigkeiten an jemanden Anderen vergeben können. Vielleicht ergibt sich sogar eine Art Tauschgeschäft.

13. Sie nehmen alles zu ernst

Verbeißen Sie sich nicht in den Erfolg. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie das, was Sie schon jetzt erreicht haben. Achten Sie auf sich und sorgen Sie dafür, dass Sie bei allem Streben nach Erfolg genug Zeit für sich, Ihre Lieben und für Freunde haben. Denken Sie an die Menschen, die Sie mögen, egal, ob Sie erfolgreich sind oder nicht. Sie haben es verdient.

Die 1000-€-Frage zum Schluss: Was ist Erfolg für Sie?

Überlegen Sie hin und wieder, was Erfolg für Sie ist. Woran werden Sie merken, dass Sie erfolgreich sind? Und dann überprüfen Sie Ihre Antwort:

Wollen Sie das alles wirklich haben?

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Arbeiten an der Leistungsgrenze

Vergangenes Wochenende war ich auf dem jährlichen Symposium der Papieringenieure in Köln. Auch wenn meine aktive Zeit in diesem Beruf lange her ist, fahre ich dorthin um Kommilitonen zu treffen und zu erfahren, wie es meiner „alten“ Branche so geht.

„Digitalisierung in der Papierindustrie“ lautete das Thema diesmal und es kam die Zusammenarbeit von Papierunternehmen (groß) und Start-ups (klein) zur Sprache. Ein Vortragender pries als Vorteil der Start-ups, dass deren Mitarbeiter ohne Probleme eben auch einmal 12 bis 14 Stunden arbeiten würden, was in der Old Economy aufgrund Betriebsrat etc. pp. eben so nicht möglich sei.

Als Sicherheitsingenieur, der ich auch bin, finde ich solche Aussagen grob fahrlässig. Vielen ist offensichlich gar nicht bekannt, dass es so etwas wie ein Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gibt. Und für alle nochmal zum Mitschreiben: Ein Gesetz ist ein Gesetz ist ein Gesetz. Es hat bindenden und nicht etwa empfehlenden Charakter. Dieses Gesetz ist nicht dazu da, zu gängeln, sondern es soll den Arbeitnehmer schützen.

Warum man solche und ähnliche Gesetze braucht, zeigt ein Faktenblatt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Arbeiten an der Leistungsgrenze (pdf-Datei). Auf zwei Seiten sind die wesentlichen Erkenntnisse zur Arbeit am Limit zusammengefasst.

Das gilt übrigens auch für Start-ups.

lukasbieri / Pixabay

 

 

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Wie Sie in der Bahn meditieren

Letzte Woche musste ich beruflich von Ravensburg nach Beckum und wieder zurück nach Freiburg im Breisgau. Nu weiß ich als alter Bahnfahrer, dass die Verbindungen immer mit heißer Nadel gestrickt sind und man meist den Anschluss beim Umsteigen nicht mehr erreicht, wenn die Zeit dafür nur kurz angesetzt ist. Soweit so schlecht, damit hätte ich gerechnet. Was ich allerdings nicht auf dem Schirm hatte, waren die Ausfälle kompletter Züge.

Zunächst auf dem Weg nach Norden ein Zug von Basel nach Köln aus. Er wurde dann in Karlsruhe bereit gestellt, so dass ich das Ziel auf kreative Art und Weise doch noch erreicht habe. Auf dem Rückweg sollte ich abends in Essen umsteigen, die Anzeigetafel zeigte allerdings schon wieder den kompletten Ausfall des entsprechenden Zugs an. Ich habe dann auf Kosten der Bahn in einem Hotel in der Nähe des Bahnhofs übernachtet und bin dann am nächsten Tag weitergereist.

Die Twitteria berichtet laufend von solchen Vorkommnissen. Es ist daher nicht schlecht, ein gewisses Maß an Resilienz zu besitzen, wenn man mit der Bahn fährt oder besser nicht fährt. Vielen fällt es schwer, die Ruhe zu bewahren, wenn sie die dürre Nachricht auf der Anzeige über einen Zugausfall lesen.

Offensichtlich hat das auch die Deutsche Bahn erkannt. Und weil sie anscheinend die Mängel nicht auf die Schnelle abstellen kann, empfiehlt sie stattdessen eine mentale Stärkung der Bahnkunden. Die Passagiere sollen im Zug meditieren, die Bahn liefert die Anleitung gleich mit: Meditation im Zug – so geht’s!.

In der Tat ist die Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit beim Bahnfahren von Vorteil. Dennoch sollte auch hier der Grundsatz Verhältnis- vor Verhaltensprävention gelten. Auch wenn ich ein großer Freund der Meditation bin, so wäre mir ein reibungsloser Zugverkehr in diesem Fall doch lieber.

 

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Ist Ihr Kollege erschöpft?

Die Tragweite von Erkrankungen infolge von Erschöpfung steht in krassem Gegensatz zu der Bedeutung, die man diesem Thema beimisst. Ja, ich weiß, es gibt unzählige Veröffentlichungen zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz. Wenn ich allerdings sehe, wie wenig der Pflicht zu einer umfassenden Gefährdungsbeurteilung nachgekommen wird, dann muss ich all diese Statements für Lippenbekenntnisse und die Gesundheitsmaßnahmen nur für Pflaster halten. Kaum jemand setzt sich ernsthaft mit dem Thema psychische Belastung am Arbeitsplatz ernsthaft auseinander.

Oft sind Führungskräfte gar nicht in der Lage zu erkennen, wann Ihre Mitarbeiter erschöpft sind. Zum einen, weil Sie selbst in der Tretmühle sind und aufpassen müssen, nicht selbst über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus zu gehen, zum anderen, weil sie die Alarmsignale bei sich und/oder ihren Mitarbeitern gar nicht erkennen.

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege greift diesen Mangel auf und hat eine einschlägige Broschüre veröffentlicht. Sie heißt Erschöpfung erkennen – sicher handeln (Download pfd-Datei). Diese Broschüre erklärt, was Führungskräfte über die Anzeichen psychischer Erschöpfung wissen und welche Warnsignale sie ernst nehmen sollten. Aus dem Inhalt:

  • Erkennen: Was wirkt auf die psychische Gesundheit ein?
  • Handeln: Was können Führungskräfte für Betroffene tun?
  • Vorbeugen, unterstützen, integrieren: Was können Unternehmen tun?

In dem letzten Abschnitt wird (wieder einmal) auf die Bedeutung der Gefährdungsbeurteilung hingewiesen. Sie ist die Grundlage für ein weiteres systematisches Vorgehen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen mit messbaren Ergebnissen. Nur: Man muss sie halt auch machen!

Immer wieder höre ich aus den Betrieben, dass da und dort Mitarbeiter in die Auszeit mussten, weil sie den Anforderungen nicht mehr gewachsen waren, aus welchen Gründen auch immer. Leider ist es dann bereits zu spät. Deshalb:

Passen Sie auf sich auf!

geralt / Pixabay

 

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