Archiv der Kategorie: Gesundheit

Buch: Meine neue Freiheit 60+

In meinen Workshops zu Arbeits- und Selbstorganisation lässt sich meistens eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Zielen nicht vermeiden. Ich mache dann aus meinem Herzen keine Mördergrube und bekenne öffentlich, dass ich dazu ein, sagen wir einmal, ambivalentes Verhältnis habe.

Ein Grund für meine skeptische Sichtweise liegt in den verschiedenen Lebensabschnitten, die wir alle durchlaufen dürfen. Nun gibt es sicher operative Ziele wie der nächste Urlaub oder der Kauf einer Eigentumswohnung. Aber die Frage nach dem Sinn des Lebens wird mit zwanzig sicher anders beantwortet als mit siebzig.

Oft erzähle ich meinen Teilnehmer:innen, dass ich es für mich am Horizont öfters blinkt und frage sie dann, ob sie wüssten, was das sei. Auf meine Antwort „das Werkzeug des Sensenmanns“ folgt dann oft verlegenes Schweigen.

Aber so ist das nun einmal. Irgendwann kommt die Zeit, wo einem die Endlichkeit bewusst wird und spätestens mit 60 stellen sich viele die Frage, was sie in den rund zwanzig Jahren aktiver Restzeit noch tun könnten (oder auch lassen sollten).

„Wie aktives und erfülltes Älterwerden gelingen kann“, will uns Senioren die Gisela Gehrmann in ihrem Buch Meine neue Freiheit 60+ zeigen. Was kommt, wenn man die Kröte des 60. Geburtstags erst einmal geschluckt hat? Was hilft dabei, diese Kröte auch zu verdauen?

Ein vielzitierte Weisheit lautet:

Alt werden will jede(r), Alt sein hingegen niemand.

Nun kommt es sehr darauf an, wie das Alt sein gestaltet wird. Wie so oft gilt auch hier der Grundsatz der Stoa, dass es nicht die Dinge selbst sind, die uns beunruhigen, sondern die Art und Weise, wie wir darüber denken. Laut der Autorin sollten wir nicht so sehr darüber sinnieren, was in unserem Leben alles nicht funktioniert hat. Vielmehr besteht der erste Schritt zu einem erfüllten Alter darin, auszuloten, was noch alles möglich ist.

In dem Kapitel „Mein Alter neu gestalten“ gibt sie einige praktische Hinweise zur Gestaltung, wie Ehrenamt, Senioren-WG, Mini-Selbstständigkeit oder auch das Leben als Single.

Einige Abschnitte sind den Veränderungen im und durch das Alter gewidmet und die tatsächlich irritierend sein können:

  • Wie steht es um das Gefühlsleben? Geht das überhaupt noch, Verliebt sein oder Sex im Alter? Darf man das?
  • Verändert sich das Gehirn? Und wenn ja, wie? Wie ist das mit der Vergesslichkeit? Kann ich mein Gehirn fit halten?
  • Welche Körpersignale gibt es und wie kann ich sie deuten?
    (Hier habe ich endlich gelernt, warum mir immer wieder die Nase tropft).

Irgendwann geschieht es immer häufiger, dass man hört, der Freund sein an diesem erkrankt, die Freundin an jenem verstorben. Dann spätestens merkt man, die Einschläge kommen immer näher. Und dann taucht es auf, das Bewusstsein für die eigene Vergänglichkeit. Spätestens dann. Auch darum drückt sich das Buch nicht. Wie können wir mit der Angst vor dem Sterben umgehen? Wir erfahren, welche Aufgaben und welche Funktion Hospiz und Palliativmedizin einnehmen.

Wir, die wir von den Jüngeren etwas despektierlich mit dem Wort „Boomer“ tituliert werden, sind vermutlich die erste Generation in einer Sandwichposition. Will sagen, wir haben nicht nur Kinder und Enkelkinder, sondern mitunter auch hochbetagte Eltern, um die wir uns kümmern müssen wollen. Das ist nicht immer einfach, besonders wenn eine beginnende oder fortgeschrittene Demenz das Verhältnis beeinträchtigt. Auch hier geht die Autorin auf alltägliche Probleme ein, die immer wieder auftreten. Was, wenn der Vater den Führerschein nicht abgeben möchte oder die Mutter keine Vorsorgevollmacht ausstellen will? Welchen Entscheidungen muss man sich eventuell stellen? Soll (muss?) der Vater oder die Mutter ins Pflegeheim?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, es ist wichtig mit diesen Problemen auseinanderzusetzen. Allerdings glaube ich, dass dies eher den Zeitabschnitt 50+ betrifft. Die Angehörigen der Zielgruppe des Buches dürften mit 60+ diese Entscheidungen bereits früher, so oder so, getroffen haben.

In dem Buch werden viele Aspekte abgedeckt, die Menschen betreffen, wenn sie die sechzig überschreiten. Das ist die Stärke des Buchs, aber auch seine Schwäche. Es wird vieles behandelt, wenn auch nur an der Oberfläche. Allerdings steht für die tiefergehende Recherche ein umfangreiches Verzeichnis mit Links zu entsprechenden Websites zur Verfügung.

Wenn Sie eine Einführung in das Thema Altern und Älter werden suchen und dabei eine leicht verständliche unterhaltsame Sprache bevorzugen, dann dürfte das Buch genau das richtige für Sie sein. Es eignet sich wunderbar als Übersicht und als Ausgangspunkt für die weitere tiefer gehende Beschäftigung mit dem Thema.

Gisela Gehrmann:
Meine neue Freiheit 60+: Wie aktives und erfülltes Älterwerden gelingen kann.
(Link zu Amazon)

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom herbig Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die Bücher, die mir gut gefallen, bespreche ich, über die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich kein Literaturpapst.

 

Schreibe eine Antwort

Wenn die Hand schmerzt: Alternativen zu Maus & Co

Vor einiger Zeit bekam ich Schmerzen in den Endgliedern der Zeigefinger beider Hände. Zunächst dachte ich an Gicht, Arthrose oder ähnliche Unannehmlichkeiten. Dinge halt, mit denen Mann in meinem vorgerückten Alter langsam rechnen muss. Auch mein Hausarzt äußerte sich in dieser Richtung.

Wir lagen beide meterweit daneben! Als ich einmal zufällig auf meine Hand sah, als ich das Mausrad zum Scrollen betätigte, war mir sofort klar, das die Mausbenutzung die Ursache dieser schmerzhaften Fingergelenke war. Dazu passte auch, dass die anderen Finger völlig beschwerdefrei und ohne äußere Veränderung waren und bis heute noch sind. Bingo!

Natürlich habe ich nach dieser Beobachtung sofort Dr. med. Google konsultiert und tatsächlich bin ich fündig geworden, RSI heißt der Fachausdruck:

  1. Wikipedia: Repetitive-Strain-Injury-Syndrom
  2. Gerlinde Felix: RSI Syndrom: Mausklicken kann krank machen

Es gibt sogar eine eigene Website, die sich mit dem leidigen Thema befasst: Maushand & Mausarm – Was tun gegen schmerzende Mausklicks?.

Zwar werden Schädigungen unter dem Begriff RSI-Syndrom laut o.a. Wikipedia-Artikel nur bedingt als Berufskrankheit anerkannt, aber die Berufsgenossenschaft, die es betrifft, kümmert sich dennoch um dieses Thema.

Die Verwaltungs-BG (VBG) hat eine Broschüre veröffentlicht, in der „Alternative Eingabemittel an Bildschirmarbeitsplätzen“ vorgestellt werden (pdf-datei). Sie finden hier Checklisten zur ergonomischen Anwendung von Tastatur und Maus und zu entsprechenden Alternativen.

Seit meinen schmerzhaften Erkenntnissen verwende ich statt der herkömmlichen Maus einen Trackball und bin sehr zufrieden damit. Geheilt sind die Gelenke noch nicht, aber es hat sich auch nichts verschlimmert. Das ist ja auch schon mal was.

Wenn Sie Ihre Kenntnisse zur Gesundheit im Büro vertiefen wollen, dann laden Sie doch die gleichnamige Veröffentlichung der VBG herunter: Gesundheit im Büro – Fragen und Antworten (pdf-Datei). Hier bekommen Sie umfangreiche Informationen zu:

  • Belastungen am Arbeitsplatz
  • Belastungen durch die Arbeitsumgebung
  • Gefahrstoffe im Büro
  • Psychische Belastungen

und vieles mehr.

BTW: Bevor mich pfiffige Leser:innen fragen, warum ich mir beide Zeigefinger ruiniert habe, gebe ich gleich die Antwort vorneweg . Meine Tochter empfahl mir in bester Absicht zur Schonung der Schulter, immer mal wieder zu wechseln und die Maus mit der anderen Hand zu bedienen. Es hat funktioniert, denn Schulterprobleme habe ich keine.

Tja, so kann es gehen…

 

Bild von Shutterbug75 auf Pixabay

 

Schreibe eine Antwort

12 Gründe für das Unglücklich sein

Von Paul Watzlawick stammt der ewigwährende Bestseller Anleitung zum Unglücklichsein”. Er gibt in diesem Buch Ratschläge, wie Sie sich nachhaltig selbst das Leben versauen können. Natürlich ist sein Absicht eine andere und er will damit das genaue Gegenteil erreichen. Paradoxe Intervention nennt das die Fachfrau/der Fachmann. Marc & Angel zählen in einem Beitrag in ihrem Blog 12 übliche Gründe für das Unglücklich sein auf und geben Hinweise, wie Sie diesen Tücken des Alltags entkommen können: 12 Common Causes and Proven Cures for Unhappiness. Die Hitliste der Miesmacher sieht so aus:

  1. Dem täglichen Leben fehlt es an Sinn
  2. Besessenes Fixieren auf Vergangenheit und Zukunft
  3. Aus der Form sein und sich ungesund fühlen
  4. Sich in nachteiliger Form mit anderen vergleichen
  5. Sich auf das Negative konzentrieren
  6. Vermeiden persönlicher Verantwortlichkeit
  7. Perfektionismus und die Angst vor dem Scheitern
  8. Wenig Selbstbewusstsein
  9. Schulden
  10. Dauernd arbeiten, kaum Zeit zum Spielen
  11. Vernachlässigen persönlicher Beziehungen
  12. Aufschieberitis

Eigentlich ist es ganz einfach. Sie müssen nur das Gegenteil von dem tun, was oben beschrieben wird. Ok, das war ein Scherz. “It’s simple, but not easy”, sagen die Amerikaner. Vielleicht können Sie so vorgehen:

  1. Schauen Sie in der Liste, was Sie am meisten zwickt
  2. Nehmen Sie bewusst wahr, wenn sich der identifizierte Miesmacher bemerkbar macht. Erwischen Sie sich selbst!
  3. Formulieren Sie bewusst zielführende Gedanken, anstatt den Miesmachern zu erlauben, sich in Ihrem Kopf breit zu machen.
    Beispiel Nr. 8: Das kriege ich nie hin. Besser: Das wird schwierig und könnte in die Hose gehen. Aber ich bin so gut vorbereitet, dass ich das wahrscheinlich schaffe.

BTW: Das Buch von Watzlawick lohnt sich nach wie vor zu lesen. Hier können Sie ein Interview mit dem Autor nachhören. Leider weiß ich nicht, wer der Gesprächspartner ist (Günter Gaus vielleicht?)

Paul Watzlawick Anleitung zum Unglücklichsein

 

Schreibe eine Antwort

EinfachBesuchen: Die App zum Verfolgen von Infektionsketten

Vielleicht muss man das ja bald nicht mehr machen, aber bei der Unvernunft vieler Zeitgenossen muss man es sicher bald wieder tun: Das Sich-registrieren beim Besuch von Gaststätten. Diese soll dazu dienen, im Fall eines Falles Infektionsketten leichter nachvollziehen zu können.

Bei der letzten ApParade hatte ich ein kleines Programm vorgestellt, die Wirten und ihren Gästen die Prozedur erleichtern soll (Herein!).

Aber es geht auch ganz ohne Smartphone. Von der Evangelischen Bank stammt die Anwendung EinfachBesuchen.app. Sie wendet sich nicht nur an das Gastgewerbe, sondern an Veranstalter aller Art.

Und so geht es: Sie legen Ihr Event auf der Website an, dort wird ein QR-Code erzeugt. Diesen drucken Sie aus, hängen ihn an prominenter Stelle, z.B. am Eingang aus. Die Gäste scannen ihn mit dem Smartphone ab, es poppt ein Formular auf, in das die Gäste ihre persönlichen Daten eintragen. Am Ende der Veranstaltung melden sich die Gäste dann einfach ab, indem sie den QR-Code erneut einscannen. So einfach ist das. Man muss dazu auf dem Smartphone noch nicht einmal eine eigene App installieren.

Die Daten werden verschlüsselt auf sicheren Servern im Europäischen Raum und DSGVO-konform gespeichert, womit auch das geklärt wäre.

Weitere Fragen werden Ihnen auf der FAQ-Seite beantwortet oder Sie laden sich einen entsprechenden Info-Flyer herunter.

Praktische Sache, keine Frage!

 


Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

 

2 Antworten

Der Fluch der ständigen Erreichbarkeit

Dass psychische Fehlbeanspruchungen in den letzten Jahren zugenommen haben, pfeifen mittlerweile die Spatzen von den Dächern. Eine Folge davon ist die Zunahme von unerwünschtem Stress, der auf Dauer sogar zu ernsten Erkrankungen führen kann.

Als eine der einflussreichsten Fehlbelastungen nennen Experten immer wieder die zunehmende Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Befördert wird dies insbesondere durch die (Un-) Kultur der ständigen Erreichbarkeit. Dadurch wird es fast unmöglich, die Arbeit nach Feierabend dort zu lassen, wo sie hingehört. An ein „Abschalten“ ist oft nicht mehr zu denken.

Das Problem der ständigen Erreichbarkeit sieht auch die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. In ihrer Mitgliederzeitschrift Certo erschien unlängst der Beitrag Flexibles Arbeiten: Neun Dinge, die Sie klären sollten. In dem Artikel stellen die Autoren neun Fragen, mit denen Sie testen können, wie gesund Ihr Umgang mit erweiterter Erreichbarkeit ist. Die Fragen betreffen die Bereiche:

  1. Kontrolle
  2. Vorhersagbarkeit
  3. Wahrgenommene Vorteile
  4. Regelungen

Wenn Sie die dort gestellten Fragen alle mit „Ja“ beantworten können, dann umso besser. Wenn nicht, dann hilft Ihnen eine einschlägige Broschüre der VBG weiter, die Sie als pdf-Datei kostenlos herunterladen können: Erweiterte Erreichbarkeit – Gut gestaltet im Betrieb.

Die Broschüre besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil geht es darum, zu verstehen, was erweiterte Erreichbarkeit überhaupt ist und welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit haben kann. Im zweiten Teil bekommen Sie Hinweise, wie Sie die Erreichbarkeit gesundheitsgerecht gestalten können. Besonders empfohlen wird die Erarbeitung von Maßnahmen im Rahmen eines Workshops mit den Mitarbeitern. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, dass man auf dieses wirksame Element der Mitarbeiterbeteiligung immer wieder extra hinweisen muss. Dabei ist die Durchführung gar nicht so schwer. Sie finden in dem Heft sogar einen Vorschlag für ein Drehbuch. Die Folien zum Workshop finden Sie hier.

Bedenken Sie, dass die ständige Erreichbarkeit nur ein Belastungsfaktor von vielen ist. Wenn Sie sicher gehen wollen, dass gesundheitstechnisch in Ihrem Betrieb alles im grünen Bereich ist, dann empfehle ich Ihnen eine vollständige Gefährdungsbeurteilung. Miriam Becker schreibt u.a. darüber in ihrem Beitrag Vorsicht, Überlast!.

Wenn Sie möchten, unterstütze ich Sie sowohl beim Workshop als auch bei der Gefährdungsbeurteilung.

Ich bin schließlich nicht umsonst auch Sicherheitsingenieur. 😉

 

Bild von Mabel Amber, still incognito… auf Pixabay

Schreibe eine Antwort

Freelancer: Zwischen Selbstverwirklichung und Prekariat

Seit 1996 bin ich Freiberufler. Ob ich heute noch einmal die gleiche Entscheidung treffen würde, weiß ich nicht. In den fast 25 Jahren hat sich doch einiges verändert, nicht nur zum Positiven.

Ich glaube jedoch, dass die Position des Freeläncers oder Soloselbstständigen in Zukunft an Bedeutung zunehmen wird. Immer weniger Firmen möchten sich feste Arbeitsverhältnisse „ans Bein binden“, immer weniger Menschen möchten sich einer wie immer gearteten Unternehmenshierarchie unterwerfen. Für mich was die Vorsilbe „frei“ einer der Hauptbeweggründe für die Selbstständigkeit. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung war auch für viele meiner Kolleginnen und Kollegen eine gewichtige Triebfedern für diese Entscheidung.

Eines muss jedoch klar sein: Freiberufler zu sein bedeutet mitnichten eine Lizenz zum Geld drucken. Denn je nach Branche und der verbundenen Marktsituation stehen so manche Freelancer mit einem Bein oder manchmal auch mit allen beiden im Prekariat. Leider korreliert die Auftragslage in den seltensten Fällen mit der Arbeitsbelastung. Gerade wer keine Aufträge hat, muss sich darum bemühen und geht nicht selten in schlecht oder gar nicht bezahlte Vorleistung. „Viel Arbeit gabs, doch wenig Brot“, für viele ist dieses Sprichwort bittere Realität.

Unter der Überschrift Zwischen Selbstverwirklichung und Prekariat veröffentlichte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Ergebnisse einer einschlägigen Studie. Untersucht wurden insbesondere „Belastungsfaktoren, Ressourcen und Beanspruchungen bei Soloselbstständigen und Mehrfachbeschäftigten„. Sie können die Studie hier als pdf-Datei herunterladen.

Was den Umgang mit Belastungen angeht, bin ich oft erstaunt, wie leichtfertig „Solopreneure“ mit Ihren wichtigsten Ressourcen, nämlich Gesundheit und Leistungsvermögen, umgehen. Zwar gelten die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des Arbeitsschutzes für Selbstständige nur eingeschränkt. Ich empfehle aber dennoch, sich an den gesetzlichen Bestimmungen, sowie an den Vorgaben und Empfehlungen der Berufsgenossenschaften zu orientieren. Ist die Krankheit oder der Burnout erst einmal da, dann ist die Situation noch einmal deutlich schlechter als bei Angestellten. Es gibt zum Beispiel keine Lohnfortzahlung. Wo keine Arbeit, da keine Kohle. So einfach ist das. In diesem Zusammenhang empfehle ich auch, über eine freiwillige Versicherung bei einer Berufsgenossenschaft nachzudenken (Beispiel: VBG). Eine günstigere Versicherung bei Arbeitsunfällen wird man kaum finden.

Und noch etwas: Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, kann man sich organisieren und zusammenschließen. Zum Beispiel im VGSD, dem Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V..

 

So stehen Sie nicht allein auf weiter Flur.

 

Bild von SnapwireSnaps auf Pixabay

0

Schreibe eine Antwort

Die App fürs Atmen

Seit nunmehr rund zehn Jahren über ich mich in formaler Achtsamkeit. Formal heißt, Bodyscan und Meditation haben bei mir ihren festen Platz im Tagesablauf.

Nun bin ich über eine App für das iPhone gestolpert, die mich wirklich begeistert. Sie trägt den einfachen Namen The Breathing App. Sie können The Breathing App im App Store kostenlos herunterladen und sofort loslegen.

Wie und warum The Breathing App funktioniert zeigt Ihnen einer der Macher, Eddie Stern, in einem eigenen Beitrag. Oder für die Eiligen auch direkt im Video:

 

Breathing App Quick Start

 

Das richtige Atmung wenn nicht heilende, so doch zumindest für viele Leiden lindernde Wirkung hat, können Sie hier nachlesen:

  • Dt. Herzstiftung: Atmen kann man lernen.
    Ein Interview mit Privatdozent Dr. med Axel Frey, Freiburg  [Download pdf]
  • Gary Bruno Schmid: Optimale Atmung für die Entspannung:
    die 4-bis 6-Atemtechnik [Download pdf].
    (Warum der Link hier durchgestrichen erscheint, weiß nur WordPress und der Geier)

Probieren Sie es aus, es kostet ja nichts.
Ihren Atem haben Sie ja immer dabei!

 

Schreibe eine Antwort

Wie man ein Tagebuch führt

Ich habe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis eine Menge Leute, die darauf schwören, ihr Leben in einem Tagebuch zu protokollieren. Auch eine meiner Töchter schreibt unermüdlich ihr tägliches Resümee.

Nun habe ich mich selbst noch nicht dazu durchringen können, das Tagebuch schreiben zu einem festen Bestandteil meines Tagesablaufs zu machen. Momentan reichen mir die Inhalte meines Notizbuchs, dass ich situativ und nach Bedarf mit Inhalt fülle. Wer weiß, vielleicht bereue ich dies einmal, wenn ich mich entschließen sollte meine Memoiren zu schreiben.

Zum Beispiel weiß man vom Dichter und Sänger Wolf Biermann, dass er penibel jeden Tag schriftlich Revue passieren ließ. Diese Einträge waren dann die Grundlage für seine Autobiographie, deren Lektüre ich übrigens wärmstens empfehlen kann.

Über die Art und Weise, wie am besten ein Tagebuch zu führen ist, gibt es höchst unterschiedliche Ansichten. Bekannt geworden ist das 5-Minuten-Journal, das in diesem Video erklärt wird:

How The Five Minute Journal works

 

Wenn Sie über diesen einfachen Ansatz hinausgehen möchten und tiefer in die Materie einsteigen möchten, dann könnte die Anleitung von Michal Korzonek für Sie richtig sein: Journal Writing for Intelligent People: The Ultimate Guide. Dem Inhaltsverzeichnis zufolge werden viele Aspekte rund um das Tagebuch behandelt:

  • Wie es funktioniert
  • Welche Fallstricke es gibt
  • Beispiel berühmter Mitmenschen
  • Werkzeuge für die Erstellung eines Journals
  • Ressourcen: FAQ, Tools usw.

Schade, manchmal bereue ich schon ein wenig, dass ich nicht früh mit so etwas angefangen habe. Nun wird es wohl doch nicht nichts mit der Autobiographie.

Pexels / Pixabay

 

5 Antworten

Die betriebliche Gesundheitsförderung auf dem Prüfstand

Vor einigen Tagen veröffentlichte Michael Brendler einen Artikel mit dem verstörenden Titel: Betriebliche Gesundheitsförderung bewirkt offenbar nichts. Darin zitiert er die Ergebnisse einer Studie der Harvard Medical School in Boston.
Laut den Forschern zeigte die betriebliche Gesundheitsförderung keine Wirkung hinsichtlich der beobachteten Faktoren

  • Schlafqualität, Nahrungsmittelwahl
  • Gemessenen Werten, wie Cholesterin, Blutdruck und BMI
  • Fehlzeiten und Arbeitsleistung

Warum wundert mich als Sicherheitsingenieur dieser Befund nicht?
Für mich hätte es für diese Erkenntnis keiner aufwändigen Studie bedurft.

Wenn Sie bei einer unserer Berufsgenossenschaften eine Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft absolvieren, dann werden Sie immer wieder mit der Maßnahmenhierarchie konfrontiert.

Die Maßnahmenhierarchie benennt fünf Stufen von Maßnahmen, die Sie zur Vermeidung von Gefährdungen ergreifen können. Hierarchisch ist das Modell deswegen, weil die Wirksamkeit von oben nach unten abnimmt.

Wenn Sie jetzt die betriebliche Gesundheitsförderung, wie sie im Artikel beschrieben wird, richtig eingeordnet haben, dann sind Sie auf Stufe 5 gelandet: Den verhaltensbezogenen Maßnahmen. Also bei den Maßnahmen, die die geringste Wirksamkeit aufweisen.

Ich weiß nicht, wie die Lage in den USA aussieht, aber bei uns müsste die Sache eigentlich klar sein:

Verhältnisprävention geht vor Verhaltensprävention

Also genau so, wie es die Maßnahmenhierarchie beschreibt. Anstatt Ernährungsprogramme und Lauftreffs aufzusetzen, sollten die Unternehmer zuerst die Arbeitsplätze hinsichtlich Gefährdungen untersuchen. So sieht es im übrigen auch das Arbeitsschutzgesetz vor. Das Ganze heißt Gefährdungsbeurteilung. Die Berufsgenossenschaft Ihres Vertrauens hilft Ihnen mit umfangreichem Schriftmaterial bei der Durchführung.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen die betriebliche Gesundheitsförderung. Allerdings würde mich interessieren, welche Firmen mit betrieblicher Gesundheitsförderung die vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung durchgeführt und entsprechende Maßnahmen zur Verhältnisprävention abgeleitet haben.  Es gilt der Grundsatz:

Erst die Pflicht, dann die Kür!

Ich gebe zu, ich bin da nicht allzu optimistisch.

 

Schreibe eine Antwort

Unterbrechungen aus Sicht des Arbeitsschutzes

Dass Unterbrechungen und/oder Störungen Gift für das produktive Arbeiten sind, haben Sie sicher schon am eigenen Leib erfahren. Unterbrechungen verhindern konzentriertes Arbeiten und damit das, was Cal Newport als Deep Work bezeichnet.

Der Erfinder der Pomodorotechnik, Francesco Cirillo, unterscheidet zwischen internen und externen Unterbrechungen. Interne Unterbrechungen verursachen Sie selbst, wenn Ihnen zum Beispiel während der Erledigung einer Aufgabe einfällt, dass Sie noch einen Termin für den Reifenwechsel benötigen und Sie unmittelbar zum Hörer greifen, um in der Werkstatt anzurufen. Externe Unterbrechungen werde, der Name sagt es schon, von Ihrer Umgebung verursacht: Ein Kollege kommt herein und fragt sie etwas oder Ihr E-Mail-Programm teilt Ihnen mit, dass eine neue Nachricht eingegangen ist.

Viele dieser Unterbrechungen lassen sich abstellen. Sie können schnell notieren, dass ein Anruf beim Reifendienst fällig ist und den Anruf tätigen, wenn die Aufgabe erledigt ist. Oder Sie stellen die Benachrichtigungsfunktion Ihres E-Mail-Clients ab. Das Abstellen des Kollegen ist etwas komplizierter, geht aber mit etwas Kreativität und Willen auch.

Aber nicht alle Unterbrechungen lassen sich selbst abstellen. Manche sind systemimmanent und daher schwer beeinflussbar. Das ist erst einmal noch nicht schlimm, denn manche Unterbrechungen gehören zum Job. Schwierig wird es, wenn die Unterbrechungen als sinn- und nutzlos empfunden werden.

Das derlei Störungen nicht nur das produktive Arbeiten, sondern auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen können, zeigt Prof. Dr. Thomas Rigotti in seinem Forschungsbericht, den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlicht hat. Die Lektüre dieses wissenschaftlichen Berichts ist keine leichte Kost.

Wenn Ihnen eine Übersicht über die Ergebnisse in Form von Zahlen, Daten, Fakten ausreicht, dann greifen Sie zum entsprechenden Poster.

 

Schreibe eine Antwort