Archiv der Kategorie: Büchertipps

Zimbardo’s Zeitparadox im Video

Eines der faszinierendsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, ist Philip Zimbardos Die neue Psychologie der Zeit. Ich habe hier im ToolBlog bereits darüber geschrieben: Zimbardos Zeitparadox. Nun habe ich die grafische Zusammenfassung eines Vortrags von Zimbardo gefunden. Autoren sind die Macher von von RSAnimates: The Secret Powers of Time. Sehen Sie selbst:

 

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Bilder der Organisation

Ein Schwank aus meinem Berufsleben: Ich war einmal zu einem Erstgespräch (Auftragsklärung nennt das der Fachmann) bei einem mittelständischen Unternehmer. Dieser lobte seine Mitarbeiter in den höchsten Tönen, sie seien fleißig und führten seine Anweisungen tadellos um. Auf meine Frage, was sich denn dann ändern solle, meinte er: „Meine Mitarbeiter tun alles, was ich ihnen sage und das tun sie gut. Allerdings hätte ich gerne mehr Selbstverantwortung von ihnen. Sie sollten von allein erkennen, was als nächstes zu tun ist. Ich möchte es ihnen nicht immer sagen müssen.“

Ich fragte ihn dann, wie er sich denn seine Firma vorstelle, welches Bild er benutzen würde, um sie zu beschreiben. Er wählte das Bild des Getriebes, das „laufe wie ein Uhrwerk“. Alle Räder müssten an der vorgesehenen Stelle tadellos funktionieren und ineinander greifen. Nur so könne das große Ganze einwandfrei laufen.

Nach kurzer Pause entgegnete ich ihm: „Das ist ein interessantes Bild. Allerdings verstehe ich noch nicht ganz wie das funktionieren soll, mit den selbstverantwortlichen Zahnrädern, die selbst entscheiden sollen, was zu tun ist.“ Man sah förmlich in den Gesichtszügen, wie bei ihm der Aha-Effekt eintrat. Es war der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit.

Die Idee zu dieser Frage kam mir nicht wie der Blitz aus heiterem Himmel, sondern etwa zur gleichen Zeit, als ich mit viel Genuss und Gewinn das wundervolle Buch von Gareth Morgan Bilder der Organisation gelesen hatte.

Das Bild der Organisation als Getriebe ist weit verbreitet und es stammt, wie könnte es anders sein, aus dem Maschinenzeitalter. Ich denke, Taylor hatte dieses Bild im Kopf, als er das Konzept des Scientific Management entwickelte. Daneben gibt es aber auch noch andere Bilder, von denen Morgan einige beschreibt, z. B. Organisation als Organismus (Wortstamm!), Gehirn, politisches System usw.

Warum das so wichtig ist? Die Bilder, die wir von Organisationen im Kopf haben, bestimmen, wie wir unsere Organisationen wahrnehmen und gestalten. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein Unternehmen als Getriebe oder Netzwerk betrachte (s.o.). Interessant ist vor allem, inwieweit das bestehende Bild dazu geeignet ist, mit bevorstehenden Herausforderungen angemessen umzugehen.

Mit dem Getriebe im Kopf wird das nichts mit New Work und Arbeit 4.0!

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Bilder für Veränderungen einsetzen können, dann empfehle ich Ihnen ein weiteres Buch von Gareth Morgan: Imaginization. Leider gibt es die deutsche Ausgabe offensichtlich nur noch für teures Geld im Antiquariat.

Die beiden Bücher von Gareth Morgan haben meine Arbeit in der Organisationsentwicklung sehr beeinflusst. Bilder sind sehr mächtig. Es schadet nichts, die eigenen zu hinterfragen. Sind sie nützlich oder eher hinderlich?

Wenn Sie möchten, könnte ich ein wenig Storytelling betreiben, darüber, wo ich Imaginierung schon erfolgreich eingesetzt habe. Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie daran Interesse haben.

HeteroSapiens / Pixabay

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Kurznachrichten: Bullet-Journal, Deep Work, Checklisten, Pocket, Suchen in Win, Bionik

Erfolgreiches Zeitmanagement – Die Arbeit im Griff

Die Technische Akademie in Schwäbisch Gmünd veranstaltet mit mir einen 1-Tages-Workshop mit dem Titel Erfolgreiches Zeitmanagement – Die Arbeit im Griff. Sie erfahren dort alles das Meiste über Strategien, mit denen Sie Ihre Arbeit organisieren und gelassen Ihre Arbeit erledigen können. Weitere Infos zu Inhalt und Anmeldung gibt es hier. Falls Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich gerne bei mir.
Ort: Schwäbisch Gmünd, Zeit: Donnerstag, 22.02.2018, 08:00 Uhr – 16:00 Uhr

Das Bullet-Journal auf dem Mac

Eine Organisationsmethode, die in den letzten Monaten für viel Furore gesorgt hat, ist das Bullet Journal. Ich habe auch schon im ToolBlog einige Male darüber berichtet. Akshata Shanbhag unternimmt nun den Versuch diesen analogen Ansatz ins Digitale zu übertragen: Create a Bullet Journal on Your Mac With Reminders, Calendar, or Notes. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Transformation sinnvoll ist. Entscheiden Sie selbst.
Cal Newport steht dem Bullet Journal an sich skeptisch gegenüber. Warum und was er stattdessen vorschlägt, hat er in On Simple Productivity Systems and Complex Plans aufgeschrieben.

Deep Work: Eine Einführung

Von Cal Newport stammt auch das Buch Deep Work (dt. Konzentriert Arbeiten), indem er Strategien beschreibt, mit denen Sie es schaffen, Ablenkungen zu vermeiden und sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Mir hat das Buch gut gefallen und ich konnte die eine oder andere Anregung daraus entnehmen. Wenn Sie wissen möchten, ob das Buch für Sie die Anschaffung wert ist, dann verschaffen Sie sich doch einen Überblick mit dem Beitrag Introduction to Deep Work von Kristina Ich-weiß-nicht-wie.

Der Segen einer guten Checkliste

Immer wenn Sie eine Tätigkeit wiederholen müssen, die aus einer Abfolge von Schritten besteht (und nicht nur dann), empfiehlt sich der Gebrauch einer Checkliste. Dinnie Muslihat hat in How the simple checklist can improve your productivity zusammengestellt, welchen Nutzen eine Checkliste hat und wie sie zweckmäßig aufgebaut sein sollte. Auch ich habe mich zu diesem Thema bereits ausgelassen. Wenn Sie tiefer in dieses Thema einsteigen möchten, dann empfehle ich Ihnen das Buch von Atul Gawande.

Wie Sie Pocket richtig nutzen

Sie kennen das. Beim Surfen im Internet stoßen Sie auf eine interessante Website, die Sie unbedingt lesen möchten, nur gerade nicht jetzt. Ich benutze dann immer Evernote, um die Seite für die spätere Lektüre abzulegen. Eine bekannte Software, die demselben Zweck dient, ist Pocket. Auch ich habe früher schon mit Pocket herumgespielt, konnte für mich aber keinen rechten Mehrwert entdecken. Vielleicht habe ich das Programm aber auch falsch bedient. Eric Ravenscraft zeigt uns in How to Use Pocket Like a Pro to Save Everything from the Web, wie es richtig geht.

Suchwerkzeuge für Windows

Ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt hat, ist die Suche unter Windows. War der Gebrauch der internen Suchfunktion bisher lange ein Drama, so scheint sich mittlerweile einiges verbessert zu haben. Dennoch möchten Sie vielleicht nicht auf ein externes Suchwerkzeug für Ihre Computerdaten verzichten. Joel Lee hat die 10 Best Free Search Tools for Windows 10 für Sie zusammengestellt. Ich selbst benutze derzeit Everything und bin recht zufrieden damit.

Produktivität: Lernen von der Natur

Ein Gebiet, das mich immer schon fasziniert hat, ist die Bionik. Bei einem gegebenen Problem schaut man, wie diese Frage von Mutter Natur beantwortet wurde und versucht, die Lösung auf die Technik zu übertragen. Ähnliches hatten wohl die Macher der Infografik Boosting Productivity With The Help Of Nature im Sinn. Ob ihnen das gelungen ist, können Sie selbst beurteilen:

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Mark Forster in der Zusammenfassung

Manche werden sich bei dem Namen Mark Forster die Augen reiben und sich erstaunt fragen, ob in Zukunft auf dem ToolBlog auch über Schlagersänger berichtet wird. Ich kann Sie beruhigen. Auch in Zukunft lesen Sie hier Artikel über Zeitmanagement, Arbeitsorganisation und verwandte Themen, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Der Mark Forster, um den es hier gehen soll, ist so etwas wie der britische Lothar J. Seiwert oder die UK-Version von David Allen. Er hat in seiner Heimat eine Reihe einschlägiger Bestseller geschrieben, auch bei uns dürfte das Buch Do It Tomorrow zumindest in Expertenkreisen nicht unbekannt sein.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich das Buch zwar einige Male angefangen habe, es mir aber nie geglückt ist, es zu Ende zu lesen. Meiner Meinung nach ist es sehr sperrig und etwas langatmig geschrieben. Um trotzdem zu erfahren, was drinsteht, genügt es vielleicht, die Zusammenfassung Do It Tomorrow – A Brief Summary zu lesen.

Ansonsten empfehle ich das Blog von Mark Forster. Dort sind die Artikel leichter verdaulich als das Buch. Sie sind nämlich kürzer.

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Vom Umgang mit schwierigen Kollegen

Wir kennen sie alle, die Zeitgenossen, die uns tierisch auf den Geist gehen. Wir selbst gehören natürlich nicht dazu, denn wir sind ja edel, hilfreich und gut.

J.D. Meier, der Autor des Buches Getting Results the Agile Way, identifiziert Ten Types of Difficult People und gibt Tipps, wie wir, die Guten, mit ihnen umgehen können. Die zehn Typen sind:

  1. Der Panzer
    Menschen, die ohne Rücksicht auf Verluste alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt (Tipps zum Umgang)
  2. Der Heckenschütze
    Menschen, die mehr oder weniger heimlich darauf lauern, dass andere einen Fehler machen und dies nutzen um sie dann schlecht aussehen zu lassen (Tipps zum Umgang)
  3. Der Alleswisser (aka Klugscheißer)
    Diese Leute korrigieren immer und überall, auch die kleinsten Fehler und das mit einer großen Portion Überheblichkeit. J.D. Meier hält sie für die Schwierigsten der Schwierigen und gibt diese Tipps zum Umgang
  4. Die Leute, die sich für Alleswisser halten (aka Klugscheißer light)
    Labertaschen hat oder wie der Volksmund sagt: „Große Klappe und nichts dahinter“.
    (Tipps zum Umgang)
  5. Die Handgranate
    Leute, die plötzlich und unerwartet explodieren (Tipps zum Umgang)
  6. Der Ja-Sager
    Menschen, die immer zu allem Ja und Amen sagen. Meist wollen sie damit Konflikten aus dem Weg gehen. (Tipps zum Umgang)
  7. Die Indifferenten 
    Menschen, die sich nicht festlegen wollen und daher keine Entscheidungen treffen können.
    (Tipps zum Umgang)
  8. Menschen, die gar nicht in Erscheinung treten (aka die grauen Mäuse)
    Wir kennen Sie von Besprechungen. Sie sitzen nur da und tragen nichts zur Wahrheitsfindung bei. Menschliche Hüllen sozusagen. (Tipps zum Umgang)
  9. Der Nein-Sager
    Das Gegenstück  zu Nummer (6). Egal, wie vernünftig ein Argument oder ein Vorschlag ist, sie lehnen es/ihn ab. (Tipps zum Umgang)
  10. Der Jammerfritze
    Diese Klagenden sind oft gar nicht an der Lösung des beklagten Problems interessiert. Dann müssten sie nämlich aufhören zu jammern und das wollen sie nicht. (Tipps zum Umgang)

Grundsätzlich halte ich das Stecken von Menschen in vorgefertigte Schubladen für problematisch. Vielleicht können aber diese Typisierung und die Schlüsse doch den einen oder anderen Hinweis zum richtigen Umgang mit schwierigen Zeitgenossen geben.

J.D. Meier bezieht sich in seinen Ausführungen übrigens auf die Autoren Dr. Brinkman and Dr. Rick Kirschner und ihr Buch In Dealing with People You Can’t Stand: How to Bring Out the Best in People at Their Worst. Ich glaube, ich werde mir das Werk einmal näher anschauen.

Wenn Sie deutsche Lektüre bevorzugen, dann empfehle ich Ihnen das Buch von Claudia Hochbrunn Ein Arschloch kommt selten allein: So werden Sie mit schwierigen Zeitgenossen fertig, das ich hier besprochen habe.

 

Falls sie sich noch unsicher sind, ob Ihr Kollege wirklich ein A-loch ist, dann können Sie es schnell herausfinden. Folgen Sie einfach dem Flowchart aus einem Beitrag von Erik Devaney: Is Your Coworker Actually an A-hole? Hier ist es:

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Buch: Digital Cleaning

Wenn Sie tiefer in die Möglichkeiten der Notizsoftware Evernote einsteigen möchten, dann kommen Sie um Herbert Hertramph nicht herum. Er ist Autor des Standardwerks Mit Evernote Selbstorganisation und Informationsmanagement optimieren. Außerdem schreibt er regelmäßig über dieses Thema auf seinem Blog Evernote für Pfiffige. Egal, welches Problem ich bez. Evernote hatte, bislang bin ich auf dort noch immer fündig geworden.

Nun hat Herbert ein neues Buch veröffentlicht: Digital Cleaning. Nomen est omen und so erfahren Sie in diesem Buch das Wesentliche darüber, wie Sie

  1. wie Sie Ihren Arbeitsplatz aufräumen und strukturieren können
  2. diese Ordnung auch beibehalten und damit Zeit sparen können
  3. Ihre Daten sichern und verschlüsseln

zu (1)

In meinen Workshops werde ich immer wieder gefragt, was man mit den ganzen (alten) Daten machen soll, die über die langen Monate und Jahre die Festplatte zugemüllt haben. Meine Antwort lautet dann immer: Tabula rasa. In diesem Abschnitt zeigt Herbert Hertramph anhand eines 4-Punkte-Plans, wie das praktisch geht.
Außerdem bekommen Sie eine Fülle von Tipps, wie Sie Ihre Dateien benennen können, um eine Struktur in die Ablage zu bekommen. Und da Ablegen nur eine Seite der Medaille ist, das Wiederfinden aber eine andere, gibt es auch dazu nützliche Hinweise.

zu (2)

Damit das neue mehr oder weniger aufwändig aufgesetzte System nicht gleich wieder an seine Grenzen stößt, muss es gepflegt werden. Was also tun mit den Neueingängen? In diesem Abschnitt erfahren Sie, wie Sie die entsprechenden Abläufe automatisieren können.  Außerdem gibt es eine Reihe Hinweise zum papierlosen Büro und zum Umgang mit E-Mails.
Ich kann diesem Weg nicht immer folgen und lege nach wie vor einige Dokumente in Papierform ab. Wie der Leser weiß, bin ich hier überzeugter Anhänger der Noguchi-Methode, gebe aber zu, dass die Idee mit dem Paginierstempel mir auch gefallen könnte.
Der Abschnitt über die Verarbeitung von E-Mails ist etwas (zu) kurz geraten. Dazu hätte ich noch einige vertiefende Bemerkungen zu machen.

zu (3)

Ich muss zugeben, um die Datensicherung und die Datensicherheit hatte ich mir bislang keine wenig Gedanken gemacht. Datensicherung ja, aber nur rudimentär und das Thema Verschlüsselung blieb mir bislang, na ja, verschlüsselt eben. Da kamen mir die einschlägigen Tipps äußerst gelegen.

Fazit

Es gibt Bücher, die finde ich so gut, dass ich mich fast darüber ärgere, sie nicht selbst geschrieben zu haben. Dieses Buch von Herbert Hertramph gehört sicher dazu. Ich teile zwar nicht alle seine Vorgehensweisen und auch das Kapitel E-Mail ist mir etwas zu kurz gekommen, dennoch: Das Buch hat einen hohen Nutzwert, nicht zuletzt deshalb, weil der Autor zu jeder Aufgabenstellung auch passende (zumeist kostenlose) Tools vorstellt. Der Leser kann also sofort loslegen, gleichgültig, ob er Windows nutzt oder einen Mac besitzt. Einige Programme kannte ich noch nicht, bei manchen kenne ich gute Alternativen.

Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen, der Ordnung in sein datentechnisches Chaos bekommen und dann auch erhalten möchte.

Ein bisschen Motzen sei mir erlaubt: Wer ist eigentlich auf die glorreiche Idee gekommen für ein solches Arbeitsbuch gestrichenes Papier zu verwenden? Bitte das nächste Mal ungestrichenes  Papier verwenden, schließlich möchte der Leser unterstreichen und Notizen machen.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise von der mitp Verlags GmbH als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

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Buch: Der Aufstieg des Mittelfingers

Die Diskussionskultur in diesem unseren Lande ist in einem beklagenswerten Zustand. Die Beleidigungen und Hetzereien haben ein bisher ungekanntes Ausmaß angenommen. Oder doch nicht? Verfallen wir hier nicht dem „früher war alles besser Syndrom“?

Schließlich ist das richtige Beleidigen eine Kunst, die auch in früheren Zeiten meisterhaft beherrscht wurde. Arthur Schopenhauer gibt uns in seinem Büchlein Die Kunst, Recht zu behalten ein paar Kostproben davon.

Nein, das Problem heute liegt vielmehr in der geistlosen Hetze, die heute von Mensch zu Mensch betrieben wird. Befeuert wird die primitive Pöbelei durch die sozialen Netzwerke. Jeder kann sich hier zu allem und jedem äußern, eine große Reichweite ist garantiert. Die (scheinbare) Anonymität tut ihr übriges. Man fragt sich beim Lesen mancher Kommentare, ob die Schreiber derartiger Verbalinjurien ihre Ergüsse auch von Angesicht zu Angesicht wiederholen würden.

Jan Skuklarek beschreibt das Phänomen der Beleidigung(un)kultur in seinem sehr unterhaltsam geschriebenen Buch Der Aufstieg des Mittelfingers – Warum Beleidigung heute zum guten Ton gehört.

In diesem Buch können Sie allerhand über Beleidigungen lernen:

  • Wie eine Beleidigung formuliert werden muss, damit sie funktioniert
  • Wie und warum Beleidigungen wirken
  • Die rechtlichen Aspekte: Was man sagen darf und was nicht
  • Ob man komplette Gruppen beleidigen kann
  • Was politische Korrektheit ist und was nicht
  • Der Zusammenhang zwischen Beleidigen und dem Missbrauch von Macht
  • Besonderheiten von Hass im Internet (darf nicht fehlen)

Das ist nicht alles. Skudlarek gibt auch Hinweise, was man gegen die Pöbelei im Netz und anderswo tun könnte. Hier beschreibt er zum Teil sehr kreative Abwehrmaßnahmen, die in der Praxis bereits erfolgreich waren. Ich persönlich bin auf den Hinweis auf die Initiative #IchBinHier dankbar, die Diskussionskultur im Netz verbessern will. Sicherlich ein Bohren dicker Bretter, da braucht man Geduld und Spucke.

Das Buch ist alles andere als trocken. Es ist leicht, manchmal sogar etwas flapsig geschrieben und dadurch nicht nur leicht zu lesen, sondern stellenweise regelrecht unterhaltsam. Trotz des ernsten Themas kann sich der Leser das eine oder andere Schmunzeln nicht verkneifen.

Ich habe das Buch gerne und mit Gewinn gelesen und kann es guten Gewissens empfehlen. Man kann etwas lernen ohne belehrt zu werden. Was will man mehr.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Rowohlt Taschenbuch Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

 

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Aufgewärmt: Zimbardos Zeitparadox

Philip Zimbardo ist wohl einer der bekanntesten Psychologen unserer Zeit. Er hat 1971 das berühmt-berüchtigte Stanford-Experiment durchgeführt. Unzählige Artikel sind darüber geschrieben worden, der Stoff ist sogar verfilmt worden. Letztes Jahr hat Philip Zimbardo ein Buch zum Umgang mit der Zeit geschrieben: Die neue Psychologie der Zeit – und wie sie Ihr Leben verändern wird.

Nach Zimbardo und seinem Koautor John Boyd nehmen wir die Zeiten in unterschiedlicher Ausprägung (insgesamt 6 Zeitperspektiven) wahr:

  1. Vergangenheit
    • negative Vergangenheit
    • positiver Vergangenheit
  2. Gegenwart
    • fatalistisch
    • hedonistisch
  3. Zukunft
    • Zukunft
    • transzendentale Zukunft

In der Regel bevorzugen wir die Perspektiven unterschiedlich stark. Welche positiven und negativen Konsequenzen das hat, können Sie in dem Buch nachlesen. Bei mir gab es einige ausgesprochene Aha-Erkenntnisse, z. B. ahne ich jetzt, warum manche Zeitgenossen es trotz großer Anstrengungen nicht schaffen, ihre Vorhaben erfolgreich in die Tat umzusetzen . Die Autoren belassen es aber nicht bei der Diagnose. Sie geben auch praktische Tipps, wie wir unsere Perspektive verändern können.

Zu dem Buch gibt es auch eine Website: The Time Paradox. Sie finden dort auch die Fragebögen, mit denen Sie Ihre ganz persönliche bevorzugte Zeitperspektive herausfinden können. Sie sollten aber das Buch lesen, um die Ergebnisse richtig interpretieren zu können.

Übrigens gibt es zu diesem Thema auch ein Aufzeichung eines Vortrags von Prof. Zimbardo: The Secret Powers of Time.

 

Eine DVD mit einem Vortrag von Philipp Zimbardo zum Thema „Zeit“ (Werbung)

 

[Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung zweier Artikel
im ToolBlog vom 14. 10. 2010 und 10. 11. 2011]

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Ein Buch zur Kreativität im Team: Creability

Sollten Sie sich mit dem Thema „Kreativität im Team“ eingehend befassen, dann könnte das Buch von Eppler, Hoffmann und Pfister für Sie eine geeignete Lektüre sein. Es heißt Creability und gibt Ihnen 30 Methoden an die Hand, mit denen Sie Ihr Team zur kreativen Problemlösung führen können.

Dass kreatives Problemlösen für Teamarbeit wie geschaffen ist, liegt auf der Hand. Nur durch unterschiedliche Sichtweisen kann der Perspektivenwechsel stattfinden, der für die Entwicklung unterschiedlicher Lösungsalternativen außerhalb der gewohnten Denkmuster die Grundlage bildet. Allerdings muss für den Perspektivenwechsel durch einen geeigneten Rahmen die Kommunikation innerhalb des Teams organisiert werden. „Creability“ heißt der Ansatz, den die Autoren verfolgen.

Kreative Arbeit erfolgt in drei Phasen:

  1. Aktivieren der Teammitglieder
    Gerade zu Anfang neigen die Menschen dazu, sofort Lösungen aus ihrem Erfahrungsschatz hervorzukramen. Das kann manchmal funktionieren, führt aber in der Regel nicht zu innovativen Lösungsansätzen. In dieser Phase sollen die Teammitglieder aus dem gewohnten Rahmen herausgeführt werden.
  2. Entwickeln von Lösungsoptionen
    Durch die Anwendung geeigneter Methoden sollen möglichst viele und vielseitige Optionen entwickelt werden. Um für den Einzelnen einen geschützten Rahmen zu bieten, werden zunächst Lösungsmöglichkeiten individuell erarbeitet und erst danach im gesamten Team erörtert.
  3. Ausarbeiten der gefundenen Lösung
    In der letzten Phase soll die gefundene Lösung Anwendungsreife bearbeitet werden. Die Autoren vergleichen diese Ausarbeitung der Idee mit dem Schleifen eines „Rohdiamants“.

Um dieses Vorgehen zu gewährleisten, sollten diese Prinzipien zum Tragen kommen:

  • Verstehen: Eine eingehende Problembeschreibung führt zu einem tiefgehenden gemeinsamen Problemverständnis
  • Verflüssigen: Vorhandene Denkstrukturen sollen in Bewegung gebracht werden
  • Verändern: Die Perspektive wird systematisch verändert
  • Verbinden: Man sucht nach neuartigen Verbindungen und ungewöhnlichen Kombinationen
  • Veredeln: Die gefundene Lösung wird bis zur Praxisreife verfeinert

Aber auch wenn man sich bemüht in den einzelnen Kreativitätsphasen diesen Prinzipien zu folgen, so gibt es immer noch Hindernisse, die alle Bemühungen zunichte machen können:

  • Die Status-Quo-Falle: Die Teilnehmer können sich nicht von Altbekanntem lösen
  • Gegenseitiges Zensieren: Man stört sich gegenseitig bei der Entwicklung neuer Ideen
  • Vorschnelles Beenden: Hier gilt die Faustregel, dass  man immer mindestens drei Möglichkeiten braucht, denn sonst findet keine echte Auswahl statt. Die erste Lösung ist oft nicht die beste, sondern nur die erstbeste
  • Trittbrettfahren: Man fährt die eigenen Anstrengungen zurück, denn irgendjemand wird schon eine Lösung finden
  • Funktionale Fixiertheit: Den Teilnehmern fällt es schwer eine andere Perspektive als die eigene einzunehmen
  • Selbstzensur: Die Teilnehmer trauen sich nicht, die eigenen Ideen zur Sprache zu bringen

Die 30 Methoden, die in dem Buch vorgestellt werden, werden gemäß diesen Vorüberlegungen beschrieben:

  1. Welchen Prinzipien folgt die Methode?
  2. In welcher Phase sollte sie angewendet werden?
  3. Welche Hindernisse werden mit ihr umgangen?
  4. Wie hoch ist der Zeitaufwand?
  5. Für wie viele Teilnehmer wird die Methode empfohlen?
  6. Welche Materialien müssen bereitgestellt werden?

Unter den Methoden finden Sie altbekannte Vertreter wie SCAMPER oder 6-3-5, aber auch neue, die die Autoren teilweise selbst entwickelt haben.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag Schäffer-Poeschel als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

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Was wir von den Stoikern lernen können

Ich muss gestehen, meine Kenntnisse in der Philosophie gehen kaum über das hinaus, was ich während meiner Schulzeit im Latein- und Griechischunterricht mitbekommen habe. Allerdings muss mich das dort Gehörte sehr beeindruckt haben, denn es wirkt noch nach bis zum heutigen Tag.

Besonders beeindruckt haben mich immer die Werke der Stoiker. Leider kamen im Griechischunterricht die Urheber dieser Ideenschule etwas zu kurz, man konzentrierte sich damals in Latein eher auf die wohl berühmtesten römischen Vertreter der Stoa, Seneca und Marcus Aurelius. Nach der Schule bin ich dann irgendwann einmal über Epiktet gestolpert, der nicht viel an Menge, aber dafür viel an Gewicht hinterlassen hat. Sein Handbüchlein der Moral kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen.

Die Gedanken der Stoiker haben nichts an Aktualität verloren und können auch für das moderne (Wirtschafts-) Leben angewandt werden. Eric Barker gibt in seine Artikel Stoicism Reveals 4 Rituals That Will Make You Mentally Strong Tipps, wie Sie auf stoische Weise Ihren Alltag bewältigen können:

  1. Entscheiden: Was ist das Schlimmste, was passieren könnte?
    Manchmal lassen wir uns vor wichtigen Entscheidungen von Ängsten und Befürchtungen leiten. Es kann zwar nicht schaden, die Risiken abzuschätzen oft werden wir aber durch Ängste und Befürchtungen blockiert. Fragen Sie sich stattdessen, was das Schlimmste ist, was passieren könnte und weiter, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass es auch tatsächlich eintritt. Ja, wenn Sie so wollen, die klassische Risikoanalyse: Tragweite mal Wahrscheinlichkeit.
  2. Misserfolg: Sie können nicht alles kontrollieren
    Wenn Sie sich über einen Misserfolg ärgern, dann bedenken Sie, dass Sie nicht alles unter Kontrolle haben können. Das soll nicht heißen, dass Sie sich in faulen Ausreden üben. Vielmehr ist dies die Bitte, mit sich selbst wertschätzend umzugehen. Sie können nicht alles im Griff haben, sonst wären Sie Gott gleich. Menschen sind nunmal fehlbar, da machen Sie keine Ausnahme.
  3. Übersicht und Detail: Beachten Sie das große Ganze
    Sie kennen sicher die Satellitenansicht von Google Maps. Schauen Sie doch einmal auf das Gebäude, in dem Sie sich gerade befinden und vergrößern Sie dann kontinuierlich den Maßstab. Sie sehen zuerst die Umgebung des Hauses, dann die Stadt, dann das Land, den Erdteil usw. Merken Sie, wie klein Sie sind? Wir sind nur ein Teil des Ganzen, das sollten wir uns immer wieder einmal bewusst machen. Nehmen wir uns also nicht so wichtig.
  4. Probleme lösen: Was würde N. N. tun?
    Sicher hat jeder von uns Menschen, deren Fähigkeiten, Leistungen oder Einstellungen er/sie sehr bewundert. Könnte dieser Mensch als Vorbild oder sogar Rollenmodell wirken? Wie haben sich bestimmte Menschen verhalten um diesen Erfolg zu haben? Wenn Sie also in einer kritischen Situation sind, hilft manchmal die Frage: „Was würde …. in dieser Situation jetzt tun?“

Diese vier Punkte sind nur ein Ausschnitt von Hinweisen der Stoiker bez. einer zufriedenen Lebensführung. Zur Vertiefung hier noch einige weitere Artikel:

Es ist immer Vorsicht geboten, wenn philosophische Gedanken aus dem Zusammenhang gerissen und zu stark vereinfacht werden. Aber vielleicht dienen der Artikel und die Linkhinweise für Sie als Anregung, sich eingehender mit dem Stoizismus zu beschäftigen. Wenn Sie dabei Ähnlichkeiten zur Achtsamkeit entdecken, dann dürften Sie nicht falsch liegen.

Für den Einstieg hilft Ihnen dabei vielleicht die Webstite des Philosophie-Professors Massimo Pigliucci: How to Be a Stoic.

Hier ein Video von Pigliucci zum Stoizismus:

Nachtrag (23. 10. 2017)

Massimos Pigliuccis Buch über Stoizismus im Alltag ist jetzt auch auf Deutsch erschienen. Gelesen habe ich es noch nicht, werde das aber sicher noch tun.

 

 

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