Archiv der Kategorie: Büchertipps

Wie sich Menschen ihre Arbeitszeit wünschen

Zum Thema Arbeitszeit klaffen die Meinungen weit auseinander. Während die einen am liebsten den 12-Stunden-Tag wieder einführem möchten (aus „Flexibilitätsgründen“, wie es heißt), experimentieren andere mit der 4-Tage-Woche. Was viele nicht wissen, dass es ein Gesetz gibt, dass in Deutschland die Arbeitszeiten regelt: Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Hierbei ist noch einmal festzuhalten, dass das ArbZG nicht lediglich beratenden Charakter hat, wie viele meinen. Es ist ein Gesetz und daher verbindlich.

Nun sind Gesetze nicht in Stein gemeißelt und bis auf wenige Ausnahmen nicht für die Ewigkeit gemacht. Schließlich ändern sich gesellschaftliche Gegebenheiten, denen der Gesetzgeber durch Anpassungen Rechnung tragen sollte. Wichtige Grundlagen zur Entscheidungsfindung liefern hierzu wissenschaftliche Studien.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat nun eine Befragung zu Arbeitswünschen von Beschäftigten in Deutschland durchgeführt und veröffentlicht (pdf-Datei).

Untersucht wurden u.a.:

  • wie Arbeitszeitwünsche und -realitäten derzeit zusammenpassen
  • ob die Arbeitszeit verlängert oder verkürzt werden soll und wie die Chancen stehen, dass diesen Wünschen entsprochen wird
  • inwieweit für die Beschäftigten ein zeitlicher Handlungsspielraum gegeben ist
  • wie sich Diskrpanzen aus Wunsch und Wirklichkeit auf die Gesundheit auswirken

Gerade habe ich die Lektüre des bemerkenswerten Buchs Die Erfindung der Leistung von Nina Verheyen beendet (Leseempfehlung!). Sie finden dort auch einen Abschnitt zum Thema Arbeitszeit, in dem sie schreibt:

Im Deutschen Reichstag dagegen schmetterten Vertreter der Industrie noch 1904/05 den Vorschlag ab, die Arbeitszeit zumindest für Frauen auf 10 Stunden zu begrenzen. […] Man müsse schließlich auf dem Weltmarkt mithalten können.

Die Zeiten haben sich geändert, die Argumente offenbar nicht.

BTW: Sie bekommen das Buch von Nina Verheyen derzeit für kleines Geld bei der Bundeszentrale für Politische Bildung. Also nichts wie hin!

JESHOOTS-com / Pixabay

 

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Erfolgstipps von Ray Kroc

Sie kennen alle Ray Kroc, wenn vielleicht auch nur indirekt. Ray Kroc ist der Mann, der die Fast-Food-Kette McDonald’s groß gemacht hat. Ich kannte den Herrn auch nicht, bis ich im Rahmen der TQM-Welle in den 1990ern die McDonald’s Story von John F. Love gelesen hatte.
In dem Buch gab es damals sehr interessante Dinge zu erfahren, zum Beispiel, dass die Firma in manchen Zeiten mehr Geld mit Immobilien als mit Hamburgern gemacht hat. Oder wie viel Gehirnschmalz in die Fertigungs- und Qualitätsprozesse (ja, genau!) gesteckt wurde.

Das Buch von Love scheint mittlerweile vergriffen zu sein, dafür gibt es aber jetzt Die wahre Geschichte von McDonald’s: Erzählt von Gründer Ray Kroc höchstpersönlich. Vielleicht besorge ich mir das Buch bei Gelegenheit, denn es ist immer wieder interessant, was von solchen Gründern an Geschichten hinzugefügt und/oder weggelassen wird.

Ray Kroc ist sicher der personifizierte amerikanische Traum:

Ende der 1930er wechselte der 35-jährige Kroc aus dem sicheren Job und zog durch das Land, um sein Küchenzubehör unter die Leute zu bringen. 1954 wurde Kroc auf die Brüder Richard und Maurice McDonald aufmerksam, als sie in einem Auftrag gleich sechs seiner Milkshake-Mixer nachbestellten, worauf er sie in ihrem Restaurant California Diner in San Bernardino aufsuchte.

Irgendwann kaufte Kroc die Franchiserechte von den Brüdern McDonald und drängte sie schließlich aus dem Unternehmen. Sind halt harte Bandagen in dem Mutterland des Kapitalismus.

Viele Mitmenschen analysieren die Rezepte solcher Self-Made-Men, denn vielleicht können sie ja als Blaupause für die eigene Erfolgsstory dienen. Dies hat auch Donald Latumahina getan und 6 Essential Success Tips from Ray Kroc identifiziert. Dies sind seine Erkenntnisse:

  1. Glauben Sie daran, dass das Beste noch vor Ihnen liegt
  2. Entwickeln Sie einen Riecher für Gelegenheiten
  3. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, dann greifen Sie zu
  4. Denken Sie in großen Maßstäben (Think Big!)
  5. Konzentrieren Sie sich auf einen Punkt
  6. Bilden Sie ein starkes Team

Vielleicht haben Sie sich schon mit der Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) beschäftigt. Wenn dem so ist, dann dürften Ihnen die Punkte 2, 3 und 5 bekannt vorkommen.

„Think Big“ fällt den meisten von uns vermutlich schwer. Ein kleines Stückchen Größenwahn dürfte von Nutzen sein, wenn man ein großer Unternehmer werden will. Allerdings ist dieses Denken auch mit Risiko verbunden, dass nicht jede(r) von uns eingehen möchte. Außerdem sind viele von uns Normalsterblichen mit einschränkenden Glaubenssätzen wie z. B. „auf Dich werden sie gerade noch gewartet haben“ aufgewachsen.

Der erste Punkt der Aufzählung gibt mir Anlass zur Hoffnung. Donald schreibt in seinem Artikel, dass Ray Kroc bereits 52 Jahre alt war, als er begann McDonald’s an die Spitze zu führen:

But the story of Ray Kroc proves otherwise.
It proves that it’s never too late to build something big in your life.

Es besteht also auch für mich noch Anlass zur Hoffnung.
Hopfen und Malz ist vielleicht doch noch nicht verloren.

BTW: Das Buch von Love ist noch im Grabbelkasten erhältlich:

 

NjoyHarmony / Pixabay

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Das Phänomen der Bullshit Jobs

Vor einiger Zeit habe ich hier im ToolBlog schon einmal auf David Graeber und sein Buch Bullshit Jobs: Vom wahren Sinn der Arbeit hingewiesen. Damals hatte mich der Titel magisch angezogen und ich habe das Buch mittlerweile auch mit großem Gewinn gelesen.

Ausgangspunkt für das Buch war eine Polemik, die Graeber für das Strike! Magazine geschrieben hatte. Sie können das Essay online auf Englisch im Original oder in deutscher Übersetzung nachlesen. Der Artikel scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben, denn er hatte so viele Downloads zu verzeichnen, dass zeitweise die Server überlastet waren.

Wenn ich mich richtig erinnere, sind es zwei Kriterien, die einen Job zu einem Bullshit Job machen:

  1. Es handelt sich um eine bezahlte Tätigkeit, bei der man gar nicht bemerkte, wenn sie morgen nicht mehr ausgeübt würden. Im schlimmsten Fall ist solch ein Job nicht nur sinnlos und unnötig, sondern sogar schädlich.
  2. Selbst der Ausübende kann die Existenz seines Jobs nicht mehr rechtfertigen, nicht nur anderen, sondern auch sich selbst gegenüber.

In seinem Buch beschreibt Graeber, wie diese Bullshit-Jobs entstanden sind und warum sie immer mehr werden. Außerdem zeigt der Autor die Folgen auf, (a) für das Individuum und (b) für die Gesellschaft. Er hat auch ein paar Ideen zur Abhilfe, allerdings hat mich das entsprechende Kapitel nicht besonders optimistisch gestimmt.

Ich muss gestehen, ich stand den Ideen des New Work immer schon skeptisch gegenüber. Viele der Aussagen kommen mir sehr bekannt vor bis hin zu einem Déjà-vu. Ähnliches habe ich schon zu den Hochzeiten des Total Quality Managements gehört, einer Philosophie, die als Löwe gesprungen und dann doch als Bettvorleger gelandet ist. Leider kann und konnte ich diese Skepsis nicht so gut in Worte fassen wie ein David Graeber. Nach der Lektüre den Buches weiß ich nun nicht nur, dass ich skeptisch bez. New Work bin, sondern auch warum.

Bernd Kramer hat in Zeit online das Buch von Graeber ausführlich besprochen. Wenn Sie lieber Fernsehen schauen und den Autoren in Aktion sehen wollen, dann ist vielleicht dieses Video für Sie richtig: On Bullsh*t Jobs.

On Bullsh*t Jobs | David Graeber | RSA Replay

 

 

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Marcus Raitner: Wie hältst Du’s mit Deiner Zeit? – Eine Ergänzung

Der von mir sehr geschätzte Marcus Raitner veröffentlichte dieser Tage auf seinem Blog „Führung erfahren“ einen Artikel mit dem Titel Wie hältst Du’s mit Deiner Zeit?.
Marcus nimmt den Jahreswechsel zum Anlass, selbstkritisch über die Verwendung seiner (Lebens-?) Zeit nachzudenken. Sein Fazit: Es gibt immer noch zu viele Termine, die „Fokussierung, Achtsamkeit und Muße“ im vergangenen Jahr verhindert oder zumindest behindert haben.

Am Ende seines Artikel stellt Marcus die Frage:

Und wie hältst Du’s mit Deiner Zeit im neuen Jahr?

Da Marcus zu Recht die Selbstverantwortung auch bei diesem Thema betont, möchte ich den Artikel um einen wichtigen Aspekt ergänzen und eine weitere Frage stellen:

Und wie hältst Du’s mit Deinen Ansprüchen und Bedürfnissen?

Wie die ToolBlog-Leser wissen, beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit dem Thema Minimalismus. Dabei bin ich weit davon entfernt, mir das Motto „nur 100 Dinge zu besitzen“ zu eigen zu machen. Denn ein wenig Luxus darf es schon sein. Allerdings möchte ich auf einen verhängnisvollen Kreislauf hinweisen, der uns ein großes Stück eigener Zeitsouveränität raubt:

Wir arbeiten hart und belohnen uns dafür, indem wir konsumieren. Damit wir uns diesen Konsum leisten können, müssen wir hart arbeiten. Für diese harte Arbeit belohnen wir uns, indem wir konsumieren usw. usf.

Dass dies keine hohle Denkfigur ist, kenne ich aus eigener Erfahrung. Es gab Zeiten, zu denen ich nach einer harten Arbeitswoche mich zum Wochenende mit irgendeinem Gadget belohnt habe: Einer CD, einem Kleidungsstück, einem Buch oder [bitte selbst einsetzen]. Vieles davon war schlicht und einfach unnötig und lag dann schon nach kurzer Zeit ungenutzt irgendwo in der Wohnung oder im Büro herum. So funktioniert es halt in unserem System.

Die Lösung scheint einfach: Wenn Sie weniger konsumieren, dann müssen Sie weniger (hart) arbeiten und haben mehr Zeit für sich und können diese für sich und Ihre (wahren?) Interessen verwenden.

Sie müssen dazu nicht komplett aussteigen. Der Ausstieg ist zwar eine radikale Lösung, aber nicht die einzige. Sie könnten sich zum Beispiel auch selbstständig machen oder ganz bewusst einen Karriereverzicht ins Auge fassen. Downshifting nennt man das neudeutsch. Dass das funktioniert, zeigen viele Praxisbeispiele. Einen Erfahrungsbericht finden Sie beispielsweise bei Zeit online: „Ich will nie wieder in die Welt der Leistung zurück“.

Einen Pferdefuß gibt es allerdings. Wenn Sie downshiften, dann werden Sie wahrscheinlich über weniger Einkommen verfügen. Sie müssen sich daher überlegen , welche Anschaffungen für Sie wirklich wichtig sind und was Sie wirklich brauchen. Das Sich-klar-werden über die eigenen Bedürfnisse ist an sich schon eine wertvolle Übung, insofern stimmt das mit dem „Pferdefuß“ gar nicht.

Wenn Sie sich tiefer mit der Materie befassen wollen, möchte ich Ihnen zwei Bücher empfehlen. In Early Retirement Extreme: A philosophical and practical guide to financial independence beschreibt Jacob Lund Fisker, wie man den Ausstieg schon in frühen Jahren bewältigt. Keine einfache Lektüre, denn dort gibt es auch eine Menge Theorie. Der Autor betreibt auch ein Blog mit dem gleichen Titel wie das Buch. Sollten Sie leichtere Kost bevorzugen, dann greifen Sie zu Robert Wringhams Ich bin raus: Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung. Nebenbei bemerkt: Auch in der Bibel finden Sie interessante Textstellen zum Thema Konsum und Verzicht.

Ich möchte mich bei Marcus für seinen Artikel bedanken, der mich zu diesen Zeilen angeregt hat. Er beendet ihn mit den Worten:

Es wäre nun ein Leichtes diesen Missstand auf andere oder die Umstände zu schieben, auf die Kinder […], aber die Verantwortung für meine Zeit lag und liegt allein bei mir.

Da stimme ich ihm zu. Nur mit einem anderen Schwerpunkt.

hordenblech / Pixabay

 

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Buch: LibreOffice 6 – Praxiswissen für Ein- und Umsteiger

In Zeiten, als man noch zur Stromversorgung des Rechenknechts im Keller den Dynamo treten musste, gab es ein Programm namens StarWriter. Dabei handelte es sich um ein Textverarbeitungsprogramm aus deutschen Landen, das dann später noch durch andere Komponenten wie Tabellenkalkulation usw. zu dem Office-Paket StarOffice ausgebaut wurde. Später entwickelte sich aus StarOffice dann OpenOffice, daraus dann wieder LibreOffice, womit wir wieder in der Gegenwart angekommen wären.

Zur Popularität LibreOffice hat sicher beigetragen, dass dieses Office-Paket quelloffen ist. Darüber hinaus ist es kostenlos und wird von einer engagierten Community gepflegt und weiter entwickelt und das für Windows, Mac und Linux. Ich selbst benutze die Programme aus LibreOffice lieber als das übermächtige Konkurrenzprodukt aus dem Hause Microsoft. Ich finde es nicht ganz so überladen, „logischer“ zu bedienen und … ich weiß auch nicht. Mir gefällt es einfach besser.
Deshalb meine Empfehlung: Falls Sie für Ihren Privatrechner ein gutes umfangreiches Officepaket suchen, für das Sie noch nicht einmal etwas bezahlen müssen, dann ist LibreOffice sicher erste Wahl. Ein großes Manko gibt es allerdings: Bei LibreOffice fehlt das Pendant zu Outlook. Aber man kann halt nicht alles haben.

Im Gegensatz zu manch anderer OpenSource-Software sind die Anleitungen zu LibreOffice vorbildlich. Sie finden zu jedem der Module ausführliche Handbücher, die jeden Winkel des mächtigen Programmpakets ausleuchten. Indes dürften Ein- und Umsteiger mit dieser Dokumentation wenig glücklich werden. Für die ersten Schritte ist der Inhalt zu detailliert und umfangreich, der Text zu sperrig. Da wäre eine gut geschriebene knackige Einleitung schon sehr hilfreich.

Winfried Seimert legt mit seinem Buch LibreOffice 6: Praxiswissen für Ein- und Umsteiger genau diese Einleitung vor.  Der Titel ist Programm, in insgesamt sieben Kapiteln erfahren die Leser die ersten grundlegenden  Schritte zu

  • Der Einrichtung des Programs
  • Writer, dem Textverarbeitungsmodul
  • Calc, dem Tabellenkalkulationsprogramm
  • Math, dem Formeleditor
  • Impress, dem Gegenstück zu MS PowerPoint
  • Draw, dem Zeichenprogramm und
  • Base, der Datenbank.

Die Kapitel sind konsequent nach dem 80/20-Prinzip gestaltet. Sie lernen, wie Sie mit 20 Prozent der Programfunktionen 80% Ihrer Büroaufgaben erledigen können. Alles sehr luftig und locker beschrieben und reichlich bebildert. Wenn Sie mit dem Buch eine Weile gearbeitet haben, dann beherrschen Sie das Programm sicher so weit, dass Sie auch aus der offiziellen online-Dokumentation den optimalen Nutzen ziehen können.

Sollten Sie sich als Ein- oder Umsteiger in Libreoffice einarbeiten wollen, dann erleichtert Ihnen dieses preiswerte Buch dieses Vorhaben ganz gewaltig. Es gehört zu diesem Zweck nicht in den Bücherschrank, sondern in Reichweite neben die Tastatur.

Für Ein- und Umsteiger absolut empfehlenswert!

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag mitp als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die Bücher, die mir gut gefallen, bespreche ich, über die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich nicht Reich-Ranicki.

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Buch: Bullet-Journal – Das Praxisbuch

Wie die geneigten Leser wissen, bin ich durchaus der althergebrachten Methode, mit Papier und (Blei-) Stift zu arbeiten, nicht abgeneigt. Aus diesem Grund erscheint im ToolBlog immer wieder auch ein Artikel für die Mitmenschen, die ihren haptischen Sinneskanal auch bei der eigenen Arbeitsorganisation bevorzugen.

In den letzten Jahren hat das Bullet Journal von Ryder Caroll für Furore gesorgt. Auch ich habe u.a. in Die Anleitung zum Bullet Journal darüber berichtet.
Mittlerweile gibt zum Bullet Journal eine ganze Reihe von Büchern. Ich hatte die Gelegenheit, das Buch von Diana Meier-Soriat zu lesen: Bullet Journal – Das Praxisbuch.

Auf knapp 200 Seiten erfahren die Leser einiges zur Gestaltung und zum Gebrauch eines Bullet Journals:

Materialkunde

Hier gibt es eine Übersicht darüber, welche Notizbücher für Bullet Journals geeignet sind. Außerdem stellt die Autorin verschiedenen Schreibgeräte vor: Fineliner, Brushpens, Buntstifte oder Pastellkreide.

Das Organisationssystem

In diesem Kapitel geht es um Rapid Logging. Hier werden Einfälle, Aufgaben und andere Notizen kurz und knapp untereinander aufgelistet. Danach können Sie zur besseren Unterscheidbarkeit mit Symbolbildchen oder Farben („Key Codes“) versehen werden.

Inhaltlicher Aufbau

Hier erfahren Sie, wie Sie sich mit einem Bullet Journal organisieren können. Welche Funktion hat ein Kalendarium, was ist ein Future Log und wie werden die Aufgaben „heruntergebrochen“ auf den Monat, die Woche und den Tag.

Die Gestaltung der Einträge

In 3 Kapiteln geht es um die Gestaltung des Bullet Journals. Sie erfahren, wie Sie Sketchnotes anfertigen, Symbole verwenden und Notizen mit allerlei Gestaltungselementen hervorheben. Eigene Abschnitte widmen sich der Verwendung von Farben und diversen Dekoelementen.

Anwendungsbeispiele

Der Rest des Buchs zeigt die Anwendungsbreite eines Bullet Journals. Sie finden Anregungen zu

  • To-Do-Listen
  • Protokollen (Trackern) verschiedenster Art: Gewohnheiten, Stimmungen, Leibesübungen, Kosten usw. usf.
  • Planungsarbeiten, wie Reiseplanung, Weihnachten und Social-Media-Planung
  • (Reise-) Tagebüchern

Abgerundet wird das Buch durch eine Reihe einschlägiger Links und reichbebilderte Beispiele von Bullet Journals anderer Autoren.

Fazit

Ich muss gestehen, mein Urteil über dieses Buch ist zwiespältig. Zunächst ist festzuhalten: Es ist ein schönes Buch geworden. Es hat ein ansprechendes Format mit abgerundeten Ecken (Warum macht man das bei Papierbacks nicht immer so?) und ist reich mit farbigen Bildern illustriert. Über die Schrift, die ein wenig wie Comic Sans Serif daherkommt und wohl eine Handschrift simulieren soll, kann man streiten, das ist Geschmacksache.

Die Schönheit dieser vielen Bilder lässt mich eher ratlos zurück. Zum einen weiß ich, dass ich nie und nimmer ein so ansprechendes Bullet Journal gestalten könnte. Zum anderen frage ich mich, ob der Zeitaufwand den Nutzen bei weitem übersteigt. Wenn ich schon sehe, wie viel verschiedene Stifte da vorgestellt werden…
Dieses Problem begegnete mir schon bei anderen Büchern über Sketchnotes. Die Beispiele sind einfach zu schön um wahr zu sein.

Nüchtern wie ich bin, hätte ich gerne mehr darüber gelesen, wie man sein Leben mit Hilfe des Bullet Journals tatsächlich organisiert. Dieser Frage sind leider nur 40 von insgesamt rd. 190 Seiten gewidmet. Auf den anderen Seiten geht es tatsächlich mehr oder weniger um die grafische Gestaltung. Das betrifft im übrigen auch die Anwendungsbeispiele.

Wenn Sie gerne Sketchnotes machen, Icons gestalten und Ihre Notizen ausschmücken möchten, dann liegen Sie mit diesem Buch sicher goldrichtig. Wenn Sie mehr über die Organisationsprinzipien wissen wollen, müssen Sie wohl doch weiterhin die Suchmaschine Ihres Vertrauens bemühen.

Vielleicht ist meine Wahrnehmung aber auch verzerrt, denn ich bin ohnehin kein Freund von Scetchnotes.

Aber das wäre einen eigenen Artikel wert. Mal sehen.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag mitp als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die Bücher, die mir gut gefallen, bespreche ich, über die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich nicht Reich-Ranicki.

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12 Gründe für das Unglücklichsein

Von Paul Watzlawick stammt der ewigwährende Bestseller “Anleitung zum Unglücklichsein”. Er gibt in diesem Buch Ratschläge, wie Sie sich nachhaltig selbst das Leben versauen können. Natürlich will er damit das Gegenteil erreichen, paradoxe Intervention nennt das der Fachmann. Marc & Angel zählen in einem Beitrag in ihrem Blog 12 übliche Gründe für das Unglücklichsein auf und geben Hinweise, wie Sie diesen Tücken des Alltags entkommen können: 12 Common Causes and Proven Cures for Unhappiness. Die Hitliste der Miesmacher sieht so aus:

  1. Dem täglichen Leben fehlt es an Sinn
  2. Besessenes Fixieren auf Vergangenheit und Zukunft
  3. Aus der Form sein und sich ungesund fühlen
  4. Sich in nachteiliger Form mit anderen vergleichen
  5. Sich auf das Negative konzentrieren
  6. Vermeiden persönlicher Verantwortlichkeit
  7. Perfektionismus und die Angst vor dem Scheitern
  8. Wenig Selbstbewusstsein
  9. Schulden
  10. Dauernd arbeiten, kaum Zeit zum Spielen
  11. Vernachlässigen persönlicher Beziehungen
  12. Aufschieberitis

Eigentlich ist es ganz einfach. Sie müssen nur das Gegenteil von dem tun, was oben beschrieben wird. Ok, das war ein Scherz. “It’s simple, but not easy”, sagen die Amerikaner. Vielleicht können Sie so vorgehen:

  1. Schauen Sie in der Liste, was Sie am meisten zwickt
  2. Nehmen Sie bewusst wahr, wenn sich der identifizierte Miesmacher bemerkbar macht. Erwischen Sie sich selbst!
  3. Formulieren Sie bewusst zielführende Gedanken, anstatt den Miesmachern zu erlauben, sich in Ihrem Kopf breit zu machen.
    Beispiel Nr. 8: Das kriege ich nie hin. Besser: Das wird schwierig und könnte in die Hose gehen. Aber ich bin so gut vorbereitet, dass ich das wahrscheinlich schaffe.

BTW: Das Buch von Watzlawick lohnt sich nach wie vor.

Hier liest der Meister selbst…

Die Geschichte mit dem Hammer – Paul Watzlawick

 

[Dieser Beitrag erschien zuerst am 18. Oktober 2011 im ToolBlog]

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Buch: Das New Workspace Playbook

Man muss sich schon kräftig die Ohren zu halten, um Wörtern wie Digitalisierung, New Work, Agil & Co aus dem Weg zu gehen. Eines ist jedoch klar: Es wird gar nicht mehr diskutiert, ob es Veränderungen in der Arbeitswelt gibt, sondern allenfalls, wie stark sie sind und in welche Richtungen sie tatsächlich gehen.

Mit Sicherheit wird die Qualität der Kommunikation der beteiligten Menschen ein noch größere Rolle für den Erfolg eines Unternehmens spielen als bisher. Neue Formen der Zusammenarbeit benötigen auch andere (neue?) Arbeitsumgebungen. Das der der Arbeitsplatz großen Einfluss auf Kreativität und Produktivität der Beschäftigten hat, zeigt nicht zuletzt die teils heftige Diskussion um Vor- und Nachteile von Großraumbüros.

Dark Horse Innovation ist eine Denkfabrik aus Berlin (woher sonst), die auf die Fahne geschrieben haben, ihre „Kunden dazu zu befähigen, die Chancen der digitalen Revolution zu erkennen und davon zu profitieren“. Und das bedeutet eben auch, sich mit neuen Raumkonzepten zu beschäftigen. Daraus entstand das New Workspace Playbook, ein „Praxisbuch für das Arbeiten in neuen Räumen“.

Das Buch gliedert sich in drei Teile:

  1. In „New Times“ wird dargestellt, warum wir schon mitten in der Digitalisierung stecken und welche Auswirkungen sie auf die Arbeit hat.
  2. In „New Work„, werden die Prinzipien diskutiert, die nach Meinung der Autoren die Grundlagen für das neue Arbeiten bilden. Jedes Prinzip wird in drei Teilen dargestellt: Einer Definition, Beispiele hierfür und eine steckbriefartige Zusammenfassung („Take-Aways“).
  3. In „New Space“ geht es in die Praxis. Hier wird gezeigt, wie die im zweiten Teil des Buches vorgestellten Prinzipien in Arbeitsumgebungen übersetzt und umgesetzt werden. Vorgestellt wird ein Umsetzungsmodell in sechs Phasen, eine Vorbereitungsphase, vier Arbeitsphasen und eine Nachbereitungsphase. Dieser Teil des Buches zeigt sehr schön, dass das Design von Räumen weit mehr ist als bloßes Stühlerücken. Vielmehr handelt es sich um eine Stück Organisationsentwicklung, das wir oft genug gar nicht auf dem Schirm haben.

Mir gefällt dieses Buch außerordentlich gut. Es ist nicht nur ein Arbeits-, sondern im besten Sinn auch ein Bilderbuch, ein Playbook eben. Das große Format, die reichhaltige Illustration und die angenehme Haptik laden dazu ein, das Buch öfters in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Es ist kein Buch zum Durchlesen. Man nimmt es immer wieder, liest einen Abschnitt, schließt die Augen und stellt sich vor, wie es wäre, wenn…

Allerdings hat einen dann schnell wieder die Realität eingeholt. Das Gefühl kennen Sie vielleicht von den Broschüren der Bausparkassen. Da werden schmucke großzügige Einfamilienhäuser in parkähnlichen Landschaften vorgestellt und am Ende ist man froh ein Reihenhaus zu ergattern. So ging es mir manchmal beim Betrachten der Beispiele von Lufthansa, SAP usw. auch.

Dennoch; Wenn Sie planen, neue Büroräume zu beziehen oder Ihre alten umzugestalten, dann stöbern Sie in diesem Buch. Ihr Innenarchitekt wird im Gespräch Ihre Sachkenntnis bewundern.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag Murmann Publishers als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die Bücher, die mir gut gefallen, bespreche ich, über die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich nicht Reich-Ranicki.

 

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Zimbardo’s Zeitparadox im Video

Eines der faszinierendsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, ist Philip Zimbardos Die neue Psychologie der Zeit. Ich habe hier im ToolBlog bereits darüber geschrieben: Zimbardos Zeitparadox. Nun habe ich die grafische Zusammenfassung eines Vortrags von Zimbardo gefunden. Autoren sind die Macher von von RSAnimates: The Secret Powers of Time. Sehen Sie selbst:

RSA ANIMATE: The Secret Powers of Time

 

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Bilder der Organisation

Ein Schwank aus meinem Berufsleben: Ich war einmal zu einem Erstgespräch (Auftragsklärung nennt das der Fachmann) bei einem mittelständischen Unternehmer. Dieser lobte seine Mitarbeiter in den höchsten Tönen, sie seien fleißig und führten seine Anweisungen tadellos um. Auf meine Frage, was sich denn dann ändern solle, meinte er: „Meine Mitarbeiter tun alles, was ich ihnen sage und das tun sie gut. Allerdings hätte ich gerne mehr Selbstverantwortung von ihnen. Sie sollten von allein erkennen, was als nächstes zu tun ist. Ich möchte es ihnen nicht immer sagen müssen.“

Ich fragte ihn dann, wie er sich denn seine Firma vorstelle, welches Bild er benutzen würde, um sie zu beschreiben. Er wählte das Bild des Getriebes, das „laufe wie ein Uhrwerk“. Alle Räder müssten an der vorgesehenen Stelle tadellos funktionieren und ineinander greifen. Nur so könne das große Ganze einwandfrei laufen.

Nach kurzer Pause entgegnete ich ihm: „Das ist ein interessantes Bild. Allerdings verstehe ich noch nicht ganz wie das funktionieren soll, mit den selbstverantwortlichen Zahnrädern, die selbst entscheiden sollen, was zu tun ist.“ Man sah förmlich in den Gesichtszügen, wie bei ihm der Aha-Effekt eintrat. Es war der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit.

Die Idee zu dieser Frage kam mir nicht wie der Blitz aus heiterem Himmel, sondern etwa zur gleichen Zeit, als ich mit viel Genuss und Gewinn das wundervolle Buch von Gareth Morgan Bilder der Organisation gelesen hatte.

Das Bild der Organisation als Getriebe ist weit verbreitet und es stammt, wie könnte es anders sein, aus dem Maschinenzeitalter. Ich denke, Taylor hatte dieses Bild im Kopf, als er das Konzept des Scientific Management entwickelte. Daneben gibt es aber auch noch andere Bilder, von denen Morgan einige beschreibt, z. B. Organisation als Organismus (Wortstamm!), Gehirn, politisches System usw.

Warum das so wichtig ist? Die Bilder, die wir von Organisationen im Kopf haben, bestimmen, wie wir unsere Organisationen wahrnehmen und gestalten. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein Unternehmen als Getriebe oder Netzwerk betrachte (s.o.). Interessant ist vor allem, inwieweit das bestehende Bild dazu geeignet ist, mit bevorstehenden Herausforderungen angemessen umzugehen.

Mit dem Getriebe im Kopf wird das nichts mit New Work und Arbeit 4.0!

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Bilder für Veränderungen einsetzen können, dann empfehle ich Ihnen ein weiteres Buch von Gareth Morgan: Imaginization. Leider gibt es die deutsche Ausgabe offensichtlich nur noch für teures Geld im Antiquariat.

Die beiden Bücher von Gareth Morgan haben meine Arbeit in der Organisationsentwicklung sehr beeinflusst. Bilder sind sehr mächtig. Es schadet nichts, die eigenen zu hinterfragen. Sind sie nützlich oder eher hinderlich?

Wenn Sie möchten, könnte ich ein wenig Storytelling betreiben, darüber, wo ich Imaginierung schon erfolgreich eingesetzt habe. Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie daran Interesse haben.

HeteroSapiens / Pixabay

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