Archiv des Autors: Stephan List

Roam Research: Alternativen in Open Source

Wie manche Leser:innen wissen, habe ich mich vor geraumer Zeit ordentlich über Evernote und den Umgang mit der deutschen Kundschaft geärgert. Und zwar so geärgert, dass ich mein Abo gekündigt habe und komplett mit meinen ganzen Notizen zu Notion gewechselt habe. Was soll ich sagen, der Umzug hat reibungslos geklappt und ich bin mit Notion mehr als zufrieden.

Allerdings musste ich unmittelbar nach die Wechsel die Botschaft hören: „Notion ist zwar gut, doch Roam ist besser.“ Und tatsächlich, mittlerweile ist um Roam und das dahinterstehende Konzept ein regelrechter Hype entstanden. Unzählige Seiten und Artikel beschäftigen sich mittlerweile mit Roam. Nun, ich bleibe bei Notion, weil ich mich (a) nicht schon wieder neu einarbeiten will und (b) weil mir Roam schlicht und einfach zu teuer ist.

Vielleicht geht es aber auch billiger. Dann nämlich, wenn Sie sich nach Alternativen aus dem Open-Source-Bereich umschauen, so wie es Anne-Laure Le Cunff getan hat. In ihrem Beitrag Roam Research free, open source, and self-hosted alternatives stellt sie einige Optionen vor.

Seit Jahren bin ich von TiddlyWiki begeistert und werde es nutzen, wenn ich eines Tages Notion überdrüssig werden sollte, was derzeit allerdings nicht in Sicht ist. Anne-Laure weist auf zwei interessante Varianten dieses Wiki-Systems hin, TiddlyBlink und TiddlyRoam. Die Wandlungsfähigkeit und Anpassbarkeit von TiddlyWiki wird hier wieder einmal mehr bewiesen.

OrgRoam ist eine andere App, die sich an Roam orientiert. In dem o.a. Artikel wird auf dieses einführende Video verwiesen. Bei mir können Sie es sich direkt anschauen:

 

Foam ist das Programm, das vielleicht dem Vorbild am nächsten kommt. Ich denke, es eignet sich hervorragend um sich mit dem Konzept von Roam vertraut zu machen. Neben Roam hatten die Entwickler:innen von Foam auch den berüchtigten berühmten Zettelkasten von Nicklas Luhmann vor Augen. Auch hier ein Video zur Einführung.

 

Es gibt noch andere Apps, auf die Anne-Laure hinweist, DocuWiki zum Beispiel. Aber die o.a. Apps spiegeln die Programmphilosophie von Roam wohl am besten wider. Und die ist schon einzigartig derzeit.

Einfach mal ausprobieren!

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Notizen machen wie die Profis

Eine hilfreiche Art, sich während Präsentationen oder Vorlesungen Notizen zu machen, ist die Cornell-Methode. Ich habe immer mal wieder im ToolBlog darüber geschrieben, allerdings zu urvordenklichen Zeiten. Nun bin ich über einen Kurs des Learning Strategies Center der Cornell University gestolpert, in dem Sie lernen können, wie man effektiv und effizient Notizen anfertigen kann: Note-Taking-Strategies.

In rund einem Dutzend Modulen erfahren Sie, wie Sie die Cornell-Methode sinnvoll anwenden und in ein komplettes System integrieren können. Den Kurs können Sie schnell absolvieren, allzu schwer ist der Stoff nicht. Falls Sie nicht mehr wissen, was das Besondere an der Cornell-Methode ist und wie sie funktioniert, hier ein einführendes Video, weitere Videos finden Sie im Kurs.

 

 

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Sind Sie sparsam oder geizig?

Ein interessantes Experiment. Fragen Sie mal einen Mitmenschen ob „Sparsamkeit“ für ihn/sie ein hoher oder wichtiger Wert ist. Viele werden diese Frage bejahen. Und danach stellen Sie ihm/ihr die Frage, was sie für das Gegenteil von „Sparsamkeit“ halten. Ich halte die Wette, dass die meisten mit „Verschwendung“ antworten. Doch ist das so? Ist „Verschwendung“ tatsächlich das Gegenteil von „Sparsamkeit“? Oder sollte man nicht einen Gang zurückschalten und „Großzügigkeit“ als Gegenstück von „Sparsamkeit“ benennen?

Zu einer Eigenschaft, einem Wert fällt uns oft nicht der positive Gegenwert ein, sondern dessen entwertende Übertreibung in Form des konträren Gegensatzes. Der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun beschreibt dieses Phänomen mit seinem berühmt gewordenen Wertequadrat. In unserem Beispiel lauten die positiven Gegensätze, die Übertreibungen stehen darunter:

Sparsam vs. großzügig 
Geizig vs. verschwenderisch

Der Name „Wertequadrat“ stammt von der grafischen Darstellung der Gegensatzpaare (siehe Screenshot unten). Das obere Paar im Diagramm bezeichnet die positiven oder zumindest neutralen Gegensätze, unten finden Sie die negativen Übertreibungen.

Dass hier einiges an Konfliktpotenzial vorhanden ist, liegt auf der Hand. Stellen Sie sich vor, jemand, der sich für eine konsequente Führungskraft mit klaren Ansagen hält, trifft auf eine andere, die stolz auf die eigene Kooperationsbereitschaft mit seinen Mitarbeitern ist. Der/die eine wird beim Gegenüber schnell an ein „Weichei“ denken, die/der andere an einen „Tyrannen“. Wenn es nun dumm kommt, nimmt das Unglück (der Konflikt) seinen Lauf.

Ein erster Schritt um einen solchen Konflikt zu vermeiden, ist die Kenntnis des Modells. Man sollte sich immer fragen, ob die Eigenschaft, die man einem anderen zuschreibt, (a) etwas mit dem zu tun hat, was man an sich selbst besonders gut findet und (b), ob man beim anderen nicht die entwertende Übertreibung anstatt das neutrale Gegenstück erkennt.

In diesem Video können Sie noch einmal die Konstruktion des Wertequadrats nachvollziehen.

 

Das Bild oben ist übrigens ein Screenshot aus der App „Wertequadrat“ (iOS, Android). Hier können Sie etwas über das Modell erfahren und sich das passende Wertequadrat aus über 70 Grundeigenschaften von „abwartend“ bis „zuverlässig“ zusammenbasteln. Außerdem lässt sich  noch festlegen, wie stark die Ausprägung der Eigenschaft sein soll. Trainer und Coaches finden also eine Menge Beispiele für den praktischen Einsatz.

Die Originalbeschreibung des Modells finden Sie übrigens in dem Buch Miteinander reden 2: Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung von Friedemann Schulz von Thun. Die Bücher dieser Reihe lohnen allemal.

 

 

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Markdown für WordPress

Ich musste direkt noch einmal nachschauen. Und tatsächlich, Anfang 2004 startete ich mein erstes Blog mit dem Namen „Interessante Zeiten.“ Das große Vorbild war damals der Schockwellenreiter, der übrigens nach nunmehr zwanzig Jahren immer noch seine Kreise zieht. Damals war die gängige Software Movable Type, danach kam WordPress, von da an bis heute der Platzhirsch unter den Blogprogrammen.

In all der Zeit habe ich mich immer wieder gefragt, wie ich auf möglichst effiziente Weise meine Texte in die Öffentlichkeit bekomme. Klar hatte WordPress immer den internen Editor, aber ich bin nie so ganz glücklich damit geworden. Eine Zeitlang verwendete ich den Windows Live Writer. Aber auch dieser war nicht das Gelbe von Ei, er nervte immer mal wieder durch Instabilitäten.

Letzter Stand der Dinge war für mich dann der Einsatz von Markdown, zuerst mit WriteMonkey, zuletzt und bis heute mit Typora. Das funktioniert ganz einfach: Text geschrieben, alles markiert, Markiertes als HTML kopieren und Kopiertes im WordPress-Editor einsetzen. Das war es. Funktioniert prima.

In der Zwischenzeit setzt WordPress beim Verfassen der Texte auf „Gutenberg“. Aus meiner Sicht handelt es sich hier weniger um einen Editor als vielmehr eine Art Satzprogramm wie man es aus dem Desktop-Publishing kennt (das Notizprogramm Notion macht es ähnlich). Gutenberg ist imho ohne gründliches Einarbeiten nicht zu benutzen. Außerdem habe ich den Eindruck, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Deshalb werde ich wohl bei Markdown bleiben.

Es stellt sich nun fast zwangsläufig die Frage, ob man Gutenberg nicht intern durch einen Markdown-Editor ersetzen kann. Ich habe ein wenig recherchiert und tatsächlich gibt es solche Plugins. Hier meine Liste ohne Wertung:

Man kann natürlich auch den Markdown-Editor von Jetpack verwenden, wenn man denn überhaupt Jetpack verwenden will. Ich habe aus datenschutzrechtlichen Gründen gewisse Bedenken.

Auf Herz und Nieren geprüft habe ich die o.a. Plugins noch nicht. Die Philosophien hinter den Programmen sind höchst unterschiedlich. Bei manchen handelt es sich um komplette Editoren, die Gutenberg ersetzen, manche importieren Markdown-Texte lediglich. Auf den ersten Blick erscheinen mir WP Markdown Editor und WP Githuber ganz interessant.

Mal sehen. Vielleicht bleibe ich auch bei meinem gewohnten Workflow. Ein bisschen umständlich vielleicht, aber mittlerweile hervorragend eingespielt.

BTW/1: Es lohnt sich, Markdown näher anzuschauen. Die markdown.de | Markdown Syntax-Dokumentation ist sicher ein guter Einstiegspunkt.

BTW/2: Momentan arbeite ich an einer Neuveröffentlichung (Relaunch sagt die Fachfrau dazu) meines Blogs Interessante Zeiten. Der Untertitel lautet: Gedanken zu Gott und der Welt. Der Untertitel ist Programm. Stay tuned!

 

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Buch: Microsoft Teams – Die verständliche Anleitung

Wenn ich gefragt werde, worin ich den Hauptunterschied zwischen den ewigen Konkurrenten Apple und Microsoft sehe, dann antworte ich gerne: In der Anwendung der 80/20 Regel. Was heißt das für mich als Anwender von Computerprogrammen?

In der Regel nutzt der Wald-und-Wiesen-Anwender 20% der Funktionen, um 80% der Aufgaben zu erledigen. Hierin liegt meines Erachtens der Erfolg von Apple begründet. Dort konzentriert man sich auf ebendiese 20% und macht diese Funktionen für den User in der Bedienung so einfach wie möglich. Ganz anders Microsoft. dort versucht man, 100% des Funktionsumfangs anzubieten. Leider wächst damit auch die Komplexität (oder besser: Kompliziertheit?) der Bedienung ins Bodenlose. Man braucht dann halt 80% der Funktionen, um auch noch die letzten 20% der Anforderungen abdecken zu können.

Auch wenn ich ein MacBook mein Eigen nenne, bevorzuge ich dennoch Windows und die dazugehörigen Programme. Denn ich finde es grundsätzlich gut, dass sie den „größtmöglichen“ Funktionsumfang bieten. Der Preis dafür ist allerdings nicht zu unterschätzen: Man muss sich einarbeiten.

Wie ich aus meinen vielen Workshops weiß, wird das in vielen Firmen nicht so gesehen. Oft wird den Mitarbeiter:innen ein Programm vor die Nase gesetzt mit der Maßgabe „Schau selbst, wie Du damit klar kommst“. Das führt dazu, dass viele das Potenzial der Anwendungen, für die teure Lizenzgebühren anfallen, nicht ausreichend ausschöpfen. MS Outlook ist ein typisches Beispiel für suboptimale Anwendung infolge unzureichender Kenntnisse in der Bedienung.

Nun also MS Teams.

Aus gegebenem Anlass, wie es so schön heißt, muss ich mich derzeit etwas intensiver mit MS Teams befassen. Und wie zu erwarten, ist auch bei diesem MS-Programm die Bedienung alles andere als trivial. Zwar bietet Microsoft durchaus Websites an, auf denen man sich eingehend informieren kann. Allerdings sind sie in Internet verteilt wie Kraut und Rüben, man muss sie mühselig für seine Zwecke zusammensuchen. Schon das ist ein erheblicher Aufwand.
Wie viele andere User bevorzuge ich daher zur Einarbeitung das gedruckte Buch. Nicole Enders hat eines geschrieben:

Microsoft Teams – Die verständliche Anleitung (Amazon-Link).

„Verständlich“ und „Anleitung“, der Untertitel ist Programm. Tatsächlich ist das Buch gedacht für Menschen, die zum ersten Mal mit Microsoft Teams konfrontiert sind bzw. denen es ohne entsprechende Einführung vor die Nase gesetzt wurde (s.o).

Zunächst erfahren die Leser:innen, was sie mit Teams überhaupt anfangen können. Manchen erscheint das banal, doch erleichtert es die spätere Arbeit erheblich, wenn man den Sinn und Zweck einer Anwendung verstanden hat. Aus diesem Grund halte ich die Beantwortung der Fragen „Wozu dieses Programm und was kann ich damit machen?“ hilfreich gerade für die Menschen, die nicht computeraffin durchs Leben gehen. Es gibt so gar einen eigenen Abschnitt zu den Faktoren, in dem kompakt die Erfolgsfaktoren für Teamarbeit behandelt werden.

Danach geht es ins Eingemachte. Systematisch werden die Funktionsbereiche von Teams besprochen:

Chat und Telefonie

Hier erfahren Sie, wie Sie mit einem oder mehreren Kolleg:innen chatten können und wie Sie diese Chats verwalten.

Gruppenchat und Teamraum:

Dieses Kapitel ist dem Einrichten und der Zusammenarbeit von Teams gewidmet. Sie erfahren, wie Sie gemeinsam an Dokumenten arbeiten und ein Wiki anlegen. Ganz wichtig (gerade für mich!) ist auch die Einbindung externer Mitarbeiter:innen, schließlich arbeiten Sie ja auch mit Menschen außerhalb Ihrer Organisation, wie Kunden und Lieferanten zusammen. Auch hier finden Sie eine Abschnitt über den richtigen Benimm im Teamraum.

Gemeinsames Arbeiten an Aufgaben:

Wenn Sie und Ihre Team die gemeinsamen Aufgaben über ein Taskboard organisieren, hier wird Ihnen erklärt, wie Sie das innerhalt von MS Teams bewerkstelligen können.

Kanäle und Tags

Hier zeigt Ihnen die Autorin, wie Sie Ihre Teamarbeit mit Kanälen und Tags strukturieren können. Sie lernen, was Kanäle und Tags sind, wofür sie dienen und wie man sie einrichtet und verwaltet.

Online-Besprechungen

Ich übertreibe wohl nicht, wenn ich behaupte, dass in diesen pandemischen Tagen die Funktion der online-Besprechungen die größte Aufmerksamkeit bekommt. Zoom ist in aller Munde und so war Microsoft gezwungen, bei der Besprechungsfunktion von Teams ordentlich nachzulegen. In diesem Kapitel bekommen Sie alle nötigen Informationen, damit Sie sicher online-Besprechungen abhalten können.

Es gibt noch weitere Kapitel, die über eine Einführung schon deutlich hinaus gehen, so erhalten Sie eine Praxistipps, Hinweise zu Geschäftsprozessen. Eigene Abschnitte widmen sich dem Einsatz von Teams in besonderen Kontexten wie im Privatbereich oder im Bildungssektor. Auch die gemeinsame Anwendung mit anderen Programmen der Office-Familie wird besprochen.

Mir hat dieses Buch gut gefallen. Die verständliche Sprache, die mehrfarbige Struktur und der reichliche Einsatz von Bildern machen es zum nützlichen Leitfaden für Einsteiger:innen in MS Teams. Man muss es nicht von Anfang bis Ende lesen, sondern kann sich auch die Kapitel zu den Themen herauspicken, bei denen man Klärungsbedarf hat. Interessant finde ich, dass die Autorin auch allgemeine Hinweise zur Teamarbeit einstreut. Gerade bei der Anwendung von online-Tools macht es Sinn, sich immer wieder die Erfolgsfaktoren für Teams in Erinnerung zu rufen.

Wie gesagt, ein Buch für Einsteiger:innen, aber für diese Zielgruppe von großem Nutzen.

Sollten Sie bereits Experte/in für MS Teams sein, dann gibt es anderes Lesefutter aus dem gleichen Haus: Microsoft Teams: Planung, Change Management, Deployment von Markus Widl. Allerdings habe ich dieses Buch nicht gelesen, wie gesagt, es richtet sich an Experten.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Rheinwerk-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die Bücher, die mir gut gefallen, bespreche ich, über die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich kein Literaturpapst.

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Buch: Meine neue Freiheit 60+

In meinen Workshops zu Arbeits- und Selbstorganisation lässt sich meistens eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Zielen nicht vermeiden. Ich mache dann aus meinem Herzen keine Mördergrube und bekenne öffentlich, dass ich dazu ein, sagen wir einmal, ambivalentes Verhältnis habe.

Ein Grund für meine skeptische Sichtweise liegt in den verschiedenen Lebensabschnitten, die wir alle durchlaufen dürfen. Nun gibt es sicher operative Ziele wie der nächste Urlaub oder der Kauf einer Eigentumswohnung. Aber die Frage nach dem Sinn des Lebens wird mit zwanzig sicher anders beantwortet als mit siebzig.

Oft erzähle ich meinen Teilnehmer:innen, dass ich es für mich am Horizont öfters blinkt und frage sie dann, ob sie wüssten, was das sei. Auf meine Antwort „das Werkzeug des Sensenmanns“ folgt dann oft verlegenes Schweigen.

Aber so ist das nun einmal. Irgendwann kommt die Zeit, wo einem die Endlichkeit bewusst wird und spätestens mit 60 stellen sich viele die Frage, was sie in den rund zwanzig Jahren aktiver Restzeit noch tun könnten (oder auch lassen sollten).

„Wie aktives und erfülltes Älterwerden gelingen kann“, will uns Senioren die Gisela Gehrmann in ihrem Buch Meine neue Freiheit 60+ zeigen. Was kommt, wenn man die Kröte des 60. Geburtstags erst einmal geschluckt hat? Was hilft dabei, diese Kröte auch zu verdauen?

Ein vielzitierte Weisheit lautet:

Alt werden will jede(r), Alt sein hingegen niemand.

Nun kommt es sehr darauf an, wie das Alt sein gestaltet wird. Wie so oft gilt auch hier der Grundsatz der Stoa, dass es nicht die Dinge selbst sind, die uns beunruhigen, sondern die Art und Weise, wie wir darüber denken. Laut der Autorin sollten wir nicht so sehr darüber sinnieren, was in unserem Leben alles nicht funktioniert hat. Vielmehr besteht der erste Schritt zu einem erfüllten Alter darin, auszuloten, was noch alles möglich ist.

In dem Kapitel „Mein Alter neu gestalten“ gibt sie einige praktische Hinweise zur Gestaltung, wie Ehrenamt, Senioren-WG, Mini-Selbstständigkeit oder auch das Leben als Single.

Einige Abschnitte sind den Veränderungen im und durch das Alter gewidmet und die tatsächlich irritierend sein können:

  • Wie steht es um das Gefühlsleben? Geht das überhaupt noch, Verliebt sein oder Sex im Alter? Darf man das?
  • Verändert sich das Gehirn? Und wenn ja, wie? Wie ist das mit der Vergesslichkeit? Kann ich mein Gehirn fit halten?
  • Welche Körpersignale gibt es und wie kann ich sie deuten?
    (Hier habe ich endlich gelernt, warum mir immer wieder die Nase tropft).

Irgendwann geschieht es immer häufiger, dass man hört, der Freund sein an diesem erkrankt, die Freundin an jenem verstorben. Dann spätestens merkt man, die Einschläge kommen immer näher. Und dann taucht es auf, das Bewusstsein für die eigene Vergänglichkeit. Spätestens dann. Auch darum drückt sich das Buch nicht. Wie können wir mit der Angst vor dem Sterben umgehen? Wir erfahren, welche Aufgaben und welche Funktion Hospiz und Palliativmedizin einnehmen.

Wir, die wir von den Jüngeren etwas despektierlich mit dem Wort „Boomer“ tituliert werden, sind vermutlich die erste Generation in einer Sandwichposition. Will sagen, wir haben nicht nur Kinder und Enkelkinder, sondern mitunter auch hochbetagte Eltern, um die wir uns kümmern müssen wollen. Das ist nicht immer einfach, besonders wenn eine beginnende oder fortgeschrittene Demenz das Verhältnis beeinträchtigt. Auch hier geht die Autorin auf alltägliche Probleme ein, die immer wieder auftreten. Was, wenn der Vater den Führerschein nicht abgeben möchte oder die Mutter keine Vorsorgevollmacht ausstellen will? Welchen Entscheidungen muss man sich eventuell stellen? Soll (muss?) der Vater oder die Mutter ins Pflegeheim?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, es ist wichtig mit diesen Problemen auseinanderzusetzen. Allerdings glaube ich, dass dies eher den Zeitabschnitt 50+ betrifft. Die Angehörigen der Zielgruppe des Buches dürften mit 60+ diese Entscheidungen bereits früher, so oder so, getroffen haben.

In dem Buch werden viele Aspekte abgedeckt, die Menschen betreffen, wenn sie die sechzig überschreiten. Das ist die Stärke des Buchs, aber auch seine Schwäche. Es wird vieles behandelt, wenn auch nur an der Oberfläche. Allerdings steht für die tiefergehende Recherche ein umfangreiches Verzeichnis mit Links zu entsprechenden Websites zur Verfügung.

Wenn Sie eine Einführung in das Thema Altern und Älter werden suchen und dabei eine leicht verständliche unterhaltsame Sprache bevorzugen, dann dürfte das Buch genau das richtige für Sie sein. Es eignet sich wunderbar als Übersicht und als Ausgangspunkt für die weitere tiefer gehende Beschäftigung mit dem Thema.

Gisela Gehrmann:
Meine neue Freiheit 60+: Wie aktives und erfülltes Älterwerden gelingen kann.
(Link zu Amazon)

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom herbig Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die Bücher, die mir gut gefallen, bespreche ich, über die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich kein Literaturpapst.

 

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In eigener Sache: Das ToolBlog macht Pause

Wie die Leser:innen vielleicht schon bemerkt haben, ist in den letzten Wochen die Frequenz der Veröffentlichen auf meinem ToolBlog kontinuierlich zurückgegangen. Ich möchte mich dafür entschuldigen und gerne erklären, warum das so ist.

Immer häufiger ereilt mich die berüchtigte Schreibblockade und mir fällt es zunehmend schwer, mir die Zeit und Muße zu nehmen um einen Beitrag zu schreiben. Das ist eigentlich erstaunlich, denn Zeit wäre genug da. Die Durchführung von Workshops wurde von den Unternehmen aufgrund der Pandemie stark reduziert und uns Organisationsberatern und Trainerinnen geht es da in etwa so wie den Künstlern (…aber das ist wieder eine andere Baustelle).

Obwohl ich also genügend Zeit hätte, Artikel zu verfassen, muss ich mich dazu regelrecht überwinden. Offensichtlich schlägt mir die derzeitige Situation und Nachrichtenlage mehr aufs Gemüt als ich mir zugestehen möchte. Momentan ist mir einfach nicht nach Schreiben zumute. Stattdessen stecke ich meine Zeit und Energie lieber in andere Projekte.

So arbeite ich gerade daran, meinen populären Workshop über Aufgabenorganisation und Zeitmanagement online anzubieten. Sollten Sie Interesse an einer Teilnahme haben, geben Sie mir doch bitte Bescheid, ich halte Sie dann auf dem Laufenden. Auch andere Themen wie „Problemlösungsmethoden“ oder „Umgang mit Psychischen Belastungen am Arbeitsplatz“ befinden sich in der Planung. Und ja, Sprintseminare halte ich nach wie vor und sie können gebucht werden.

Noch andere Pläne?

Nun ja, was in diesen Tagen (fast) Alle versuchen. Ich bemühe mich, gesund zu bleiben und die Dinge tun, die mir wichtig, aber bisher zu kurz gekommen sind: Lesen, Nachdenken, Meditieren, Gitarre lernen, Sprachen üben u.a. Und vor allem meine Enkeltochter bespaßen, die uns allen sehr viel Freude macht.

Abgeschrieben ist das Bloggen allerdings noch nicht. Oder sehr frei mit Marc Aurel gesprochen:

Entweder es ändern sich die Zeiten oder man ändert sich mit der Zeit.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass mich irgendwann wieder die Schreiblust überfällt, vielleicht im ToolBlog, vielleicht in anderer Form oder in einem anderen Blog, ich werde Sie es wissen lassen.

Mich würde sehr freuen, wenn wir in Kontakt blieben, vielleicht auch über Twitter (ToolBlog by (@stlist).

Dankeschön, Ihnen allen!

 

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Digitale Whiteboards – Eine Übersicht

In letzter Zeit bekomme ich immer wieder Anfragen, ob ich meine Sprintseminare auch online durchführe. Insbesondere das Sprintseminar zum Thema Zeitmanagement wird immer wieder nachgefragt. Ob die vermehrte Arbeit von zuhause aus und die damit verbundene Notwendigkeit zur Selbstorganisation der Grund dafür ist? Ich weiß es nicht, aber es spricht einiges dafür.

Bis auf einige wenige Gelegenheiten habe ich meine Workshops noch nicht online durchgeführt, aber aufgrund der Anfragen denke ich ernsthaft darüber nach. Momentan suche ich gerade Werkzeuge zusammen, die mich bei der Ausführung des Vorhabens unterstützen können.

Unter anderem habe ich ein wenig zu digitalen Whiteboards recherchiert. Die Ergebnisse waren recht interessant und ich möchte sie der verehrten Leserschaft auf keinen Fall vorenthalten. Es gibt eine Fülle ansprechender Lösungen, momentan bin ich dabei eine Sichtung vorzunehmen. Aus diesem Grund kann ich noch gar nicht sagen, für welche App ich mich letztendlich entscheiden werde. Vielleicht kann mir ja auch der eine Leser oder die andere Leserin noch einen wertvollen Hinweis geben.

Hier die Liste der Apps, auf die ich bei der Recherche gestoßen bin:

Amazing Online Whiteboard with Collaboration and its FREE!

 

  • NoteBookCast
    Eine kostenlose Whiteboard-App für alle gängigen Webbrowser und Geräte, auf denen diese Browser laufen.
  • Whiteboard Fox – Simple Online Whiteboard
    Die Betonung bei diesem Programm liegt auf „simple“. Aber genau aus diesem Grund hat mich diese App sofort angesprungen. Weniger ist sehr oft mehr.
    Auch hier ein kleines Video dazu:
WhiteboardFox Demonstration Version 2 HD

 

IdeaBoardz walkthrough

 

Natürlich gibt es auch Whiteboardlösungen zum Herunterladen und Installieren. Microsoft hat im Rahmen seines Office 365 so ein Programm kostenlos im Angebot Microsoft Whiteboard – Ihre digitale Online-Whiteboard-App. Aber andere Mütter Unternehmen haben auch schöne Programme. Diese hier zum Beispiel:

Andere Möglichkeiten, wie Sie ein Whiteboard für das online-Lernen einsetzen können, zeigt Ihnen der Artikel 10 online whiteboard options for remote learning von Matt Miller. Hier erfahren Sie u.a., wie man auch mit PowerPoint die Arbeit am Whiteboard simulieren kann. Auch der Aufnahme realer Whiteboard-Sequenzen ist ein Abschnitt gewidmet.

 

BTW: Wenn auch Sie an einem Sprint-Webinar zum „Zeitmanagement“, aber auch an anderen Themen interessiert sind, lassen Sie mich es wissen. Das motiviert mich ungemein!

Ich halte Sie dann auch gerne über den Stand der Dinge auf dem Laufenden!

 

Bildquelle: Klick auf das Bild.

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Die Stufen des Widerspruchs

Immer wieder nehme ich mir vor, mich auf Twitter nicht auf Diskussionen einzulassen. Aber ich tue es immer wieder. Auch heute wieder. Allerdings bemerke ich diesen Fehler schneller als früher und begebe mich alsbald zum Ausgang. Meist bediene ich mich dann der komplementären Kommunikation, indem ich mich mit einer Unterlegenheitsgeste verabschiede. Wie es im Tierreich halt üblich ist. Ganz nach dem Motto meiner Großmutter:

Du hast Recht und ich habe meine Ruhe.

Vielleicht ist diese Vorgehensweise nicht immer befriedigend, aber sie schont die Nerven ungemein.

Trotzdem halte ich Twitter unterm Strich immer noch für ein wertvolles Medium. Über diesen Kanal habe ich schon manchen interessanten Kontakt geschmiedet und – ja – auch manchen interessanten Denkanstoß bekommen. So auch zum Thema Diskussion, Diskurs, Dialog von @JohanMalan. In einem Tweet weist er auf die Hierarchie der Gegenargumente nach Paul Graham hin:

Respekt für die gegnerische Position ist proportional zur eingenommenen Stufe auf der Pyramide.

Graham's Hierarchy of Disagreement-de.svg
Mir fällt auf, dass Diskussionen auf Twitter sehr oft auf den vier unteren Ebenen dieser Pyramide stattfindet. Ich bin weder Kommunikationstheoretiker noch Medienwissenschaftler und so kann ich nur spekulieren, warum die Auseinandersetzung auf diesen Stufen in sozialen Netzwerken die Regel und nicht die Ausnahme sind (Vermutungen habe ich allerdings).

Hinweisen möchte ich auf den Originalbeitrag How to Disagree von Paul Graham, den Jens Oliver Meiert netterweise ins Deutsche übersetzt hat.

Mir gefällt dieses Modell von Graham ganz gut. „Ganz“ deswegen, weil ich mir bei WH2 „Kritik des Umgangtons“ nicht ganz schlüssig bin. Was soll man davon halten, wenn mir zwar ein schlüssiges Gegenargument genannt wird, dies aber in herablassendem belehrendem Unterton? Spätestens seit Watzlawick wissen wir, dass sich Sach- und Beziehungsebene schwer (oder besser gar nicht) trennen lassen. Ist dann nicht erlaubt, nicht nur das „Was“, sondern vielmehr das „Wie“ einer Konversation zu kritisieren?

Vielleicht lohnt es sich, dem Grahamschen Modell das Modell der Logischen Ebenen von Robert Dilts gegenüberzustellen.

Aber nicht mehr heute am Sonntagabend, vielleicht nächste Woche.

 

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Wer ist eigentlich für die Arbeitssicherheit verantwortlich?

Vor einigen Jahren durfte ich während eines Scrum-Day einen Workshop besuchen, in dem Arbeitssicherheit behandelt wurde. Über diese Veranstaltung habe ich hier und hier berichtet. Der Kenntnisstand der Teilnehmer:innen hatte mich damals schon etwas erschreckt. Um die abgedroschene Phrase zu benutzen: Wir bewegen uns beim Arbeitsschutz nicht im rechtsfreien Raum. Man sollte in seiner Rolle als Unternehmer, Führungskraft und/oder Mitarbeiter:in seine Rechte und Pflichten schon kennen.

Denn ein Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften oder das Arbeitsschutzgesetz kann rechtliche Folgen haben, schreibt Manuela Müller in ihrem Artikel Der Verantwortung ins Auge sehen. Sie fasst in dem Beitrag in leicht verständlicher Form zusammen, was in den Verantwortungsbereich einer Führungskraft gehört. Besonders informativ ist der Kasten, in dem Sie weitere Hinweise und Links zu entsprechenden Informationsbroschüren finden:

Etwas skeptisch bin ich beim Abschnitt „Konsequenzen unterlassener Aufsicht“. Hier werden Fälle beschrieben, um nicht zu sagen, an die Wand gemalt, in dem Geschäftsführer nach Unfällen zu Geldbußen verurteilt wurden. Die Autorin will verdeutlichen, „wie weit die Folgen bei vorsätzlichen Pflichtverletzungen und grober Fahrlässigkeit reichen können.“ Nun bin ich kein Jurist, weiß aber, dass der Umgang mit dem Fahrlässigkeitsbegriff nicht trivial ist und Nachweise für insbesondere grobe Fahrlässigkeit oft schwer zu führen sind. Leider fehlt für die beschriebenen Fälle die Quellenangabe mit dem Aktenzeichen. Ich hätte die Urteile gerne einmal nachgelesen.

Mir wäre es lieber, wenn die vorgeschriebene Aufsicht enger kontrolliert und ihre Unterlassung nicht erst dann sanktioniert würde, wenn etwas passiert ist. Das klingt vielleicht hart, aber in diesen Zeiten kann man besonders gut beobachten, wie das mit der Selbstverantwortung funktioniert (oder eben nicht).

Noch ein Tipp: Schauen Sie doch einmal auf der Website der Berufsgenossenschaft vorbei, der Ihr Unternehmen angehört. Sie finden dort Seminare auch für Führungskräfte, die Sie sämtlich kostenlos besuchen können. Auch Ihr Unternehmen kostet das nichts extra.

 

Bild von succo auf Pixabay

 

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