Buch: Microsoft 365 Education – Digital unterrichten mit Microsoft Teams, OneNote, Office und Co.

Wir erinnern uns, zu Beginn der Pandemie vor etwas mehr als einem Jahr schlug die Stunde einer Softwaresparte, die bis dahin nur Experten auf dem Schirm hatten: Die der Videokonferenzprogramme. Vor allem Zoom machte seinerzeit Furore und begann seinen kometenhaften Aufstieg, der sich in Marktanteil und Börsenwert widerspiegelte. Nicht nur das, auch einzelne Wörter fanden Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch, wie zum Beispiel Zoom Fatigue. Diese Bezeichnung beschreibt den ErmĂŒdungszustand, der bei ĂŒbermĂ€ĂŸiger HĂ€ufigkeit und Dauer von Videokonferenzen auftreten kann, eine höchst unerwĂŒnschte Nebenwirkung.

Die Umstellung von FirmenbĂŒro auf das HeimbĂŒro gelang in der Wirtschaft relativ schnell. In einigen Firmen wurde zu diesem Zeitpunkt die Arbeit von zuhause aus schon praktiziert. Außerdem verfĂŒgten die Firmen ĂŒber die entsprechende Infrastruktur und geeignete Programme. Hier hatte und hat Microsoft mit Teams sicher die Nase vorn. Neben der Industrie verlangten aber auch gerade Schulen und das Bildungswesen nach einer Lösung, um das Klassenzimmer in die WohnrĂ€ume der SchĂŒler:innen zu verlegen. Dass hier die eklatanten VersĂ€umnisse der letzten Jahre (Jahrzehnte?) gnadenlos offengelegt wurden, muss hier nicht weiter erwĂ€hnt werden. DarĂŒber wurde hinreichend geschrieben.

Microsoft hechelte anfangs dem Erfolg von Zoom etwas hinterher. Das Videokonferenzmodul innerhalb Teams war nicht so ausgereift wie das des Konkurrenten. Es war halt nur ein Modul unter mehreren, wÀhrend sich Zoom ganz auf die Videokonferenz konzentrierte.

Mittlerweile hat Microsoft nachgezogen und stellt mit Microsoft 365 Education Bildungseinrichtungen sogar eine komplette Lehr- und Lernumgebung zur VerfĂŒgung. Teams ist dabei nur ein Element unter vielen anderen, wenn auch ein zentrales. Das Videokonferenzmodul wurde entscheidend verbessert und ermöglicht nun auch die Einrichtung von Breakout-Rooms, so dass der Kleingruppenarbeit nichts im Weg steht.

Ein gewichtiger Nachteil aller Microsoft-Programme ist die mangelhafte Benutzerfreundlichkeit. Es werden wahnsinnig viele Funktionen in die Programme hineingepackt. Der Überblick geht leicht verloren. MenĂŒpunkte befinden sich dort, wo man sie garantiert nicht vermutet. Eine logische Gruppierung von Bedienelementen mit Ă€hnlichem Zweck ist nicht zu erkennen. Die Dokumentation ist lausig, zum einen, weil sie in unzĂ€hligen Einzelartikeln ĂŒber das Internet verstreut ist, zum anderen, weil sie oft nicht mehr aktuell ist. Microsoft modifiziert seine Programme nĂ€mlich in atemberaubend kurzen AbstĂ€nden. Aus diesem Grund ist mittlerweile ein eigenes Genre der Ratgeberliteratur entstanden: Manuals, die die Benutzung von Microsoft-Programmen erklĂ€ren.

Stefan Malter hat ein Buch geschrieben, das Unterrichtenden den Einsatz und den Gebrauch des Softwarepaket MS 365 Education erklĂ€rt: Microsoft 365 Education – Digital unterrichten mit Microsoft Teams, OneNote, Office und Co. (Amazon-Link).

In dem Buch erfahren Lehrer:innen, wie sie ihren digitalen Schulalltag mit Teams, OneNote und anderen Microsoftprogrammen gestalten können. Stefan Malter weiß, dass es Unterrichtende gibt, die tatsĂ€chlich völlig unbeleckt von der digitalen Materie sind (gar nicht böse gemeint). Er hat den Ehrgeiz in diesem Buch die ganze Palette der angebotenen Werkzeuge abzudecken. Und zwar von Anfang an.

Die meisten ComputerbĂŒcher erklĂ€ren Programme, indem sie MenĂŒpunkt fĂŒr MenĂŒpunkt durchgehen und die einzelnen Funktionen dahinter erklĂ€ren. Mit Verlaub, solche BĂŒcher sind in meinen Augen nutzlos. Wenn ich ein Programm erwerbe, habe ich eine Vorstellung davon, was ich damit machen will. Ich möchte infolgedessen in einem Buch keine Produktmerkmale aufgezĂ€hlt bekommen. Vielmehr erwarte ich eine Anleitung dafĂŒr, was ich tun muss, damit ich mit der App meine Aufgaben erledigen kann.

Stefan Malter geht genau diesen Weg. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Nach einer allgemeinen Übersicht ĂŒber Windows 10 (!), MS 365 Education und die enthaltenen Apps im ersten Teil, erfahren Sie im zweiten, wie Sie Ihre LehrtĂ€tigkeit gestalten können, indem Sie

  • ihr Unterrichtsmaterial recherchieren, erstellen und organisieren
  • das Material den Lernenden zur VerfĂŒgung stellen
  • den Lernfortschritt ĂŒberprĂŒfen und Korrekturen vornehmen
  • sich und Ihre LehrtĂ€tigkeit organisieren
  • mit digitalen Inhalten arbeiten
  • mit allen Beteiligten (Kolleg:innen, Eltern, SuS) kommunizieren können

Mit diesen Inhalten können Sie schon das Wesentliche der Unterrichtsarbeit abdecken. Wenn Sie wirklich noch etwas mehr aus MS 365 Education herausholen möchten, dann hilft Ihnen der dritte Teil. Dort erfahren Sie, wie Sie mit Bordmitteln:

  • Audio- und Videodateien produzieren
  • Barrierefreiheit sicherstellen (Stichwort: Inklusion)
  • Mobile GerĂ€te wie Smartphone und Tablet einsetzen (Stichwort: Generation Smartphone)

Tipps fĂŒr komplette Projekte, Administration von MS 365 Education und zur Problemlösung wenden sich an die „Profis“ unter den PĂ€dagog:innen und runden den dritten Teil ab.

Fazit

Ich hatte es bereits erwĂ€hnt. FĂŒr mich ist es ein No-Go, wenn ein Buch die einzelnen MenĂŒpunkte nach und nach abklappert und ich nach der meist quĂ€lenden LektĂŒre immer noch nicht weiß, was ich eigentlich tun muss, um mein Ziel zu erreichen. Dieses Buch ist anders und zwar so, wie es m.E. sein soll:

  • Ich möchte gerne wissen, wie ich ein Handout erstellen soll? Also schaue ich in das Unterkapitel „ArbeitsblĂ€tter digital erstellen“. S. 217 ff.
  • Eine mĂŒndliche PrĂŒfung soll abgenommen werden? Man schlage nach im Unterkapitel „MĂŒndliche PrĂŒfungen per Videokonferenz mit Microsoft Teams“, S. 310 ff.

Genau das mĂŒssen gute ComputerbĂŒcher leisten:

Was will ich tun? ⇒ Nachschlagen, machen, fertig.

Und wenn ich dann wirklich nicht mehr weiter weiß, dann frage ich die „Online-Community Microsoft 365 fĂŒr Lehrer“, S. 544.

Das Buch ist leicht verstĂ€ndlich geschrieben und reichhaltig 4-farbig bebildert. Der Preis fĂŒr Umfang, Inhalt, PapierqualitĂ€t usw. ist Ă€ußerst fair. Da gibt es nichts zu meckern.

Stefan Malter wendet sich mit seinem Buch vornehmlich an LehrkrĂ€fte aus dem schulischen Bereich. Aber auch Unterrichtende an Hochschulen und in Einrichtungen der Erwachsenenbildung dĂŒrften in hohem Maß profitieren. Auch fĂŒr mich, den freiberuflichen Organisationsentwickler, dessen Schwerpunkt eher in der Beratung und im Coaching liegt, waren viele Anregungen und auch Neuigkeiten dabei.

Wenn Sie in der Lehre Microsoft 365 Education benutzen sollen, mĂŒssen oder wollen, dann gebe ich eine klare Kaufempfehlung. Sie können nichts falsch machen. Die 34,90 € sind gewinnbringend investiert.

… und der Datenschutz?

Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass die Verwendung von MS Office 365 und MS 365 Education in Bezug auf den Datenschutz derzeit kontrovers diskutiert wird. Ich enthalte mich bewusst einer Meinung. Und zwar deshalb, weil ich davon keine Ahnung habe. Sehen Sie mir das bitte nach. Danke.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Rheinwerk-Verlag als Rezensionsexemplar zur VerfĂŒgung gestellt. Vielen Dank dafĂŒr.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die BĂŒcher, die mir gut gefallen, bespreche ich, ĂŒber die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich kein Literaturpapst.

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