Sind Sie sparsam oder geizig?

Ein interessantes Experiment. Fragen Sie mal einen Mitmenschen ob „Sparsamkeit“ für ihn/sie ein hoher oder wichtiger Wert ist. Viele werden diese Frage bejahen. Und danach stellen Sie ihm/ihr die Frage, was sie für das Gegenteil von „Sparsamkeit“ halten. Ich halte die Wette, dass die meisten mit „Verschwendung“ antworten. Doch ist das so? Ist „Verschwendung“ tatsächlich das Gegenteil von „Sparsamkeit“? Oder sollte man nicht einen Gang zurückschalten und „Großzügigkeit“ als Gegenstück von „Sparsamkeit“ benennen?

Zu einer Eigenschaft, einem Wert fällt uns oft nicht der positive Gegenwert ein, sondern dessen entwertende Übertreibung in Form des konträren Gegensatzes. Der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun beschreibt dieses Phänomen mit seinem berühmt gewordenen Wertequadrat. In unserem Beispiel lauten die positiven Gegensätze, die Übertreibungen stehen darunter:

Sparsam vs. großzügig 
Geizig vs. verschwenderisch

Der Name „Wertequadrat“ stammt von der grafischen Darstellung der Gegensatzpaare (siehe Screenshot unten). Das obere Paar im Diagramm bezeichnet die positiven oder zumindest neutralen Gegensätze, unten finden Sie die negativen Übertreibungen.

Dass hier einiges an Konfliktpotenzial vorhanden ist, liegt auf der Hand. Stellen Sie sich vor, jemand, der sich für eine konsequente Führungskraft mit klaren Ansagen hält, trifft auf eine andere, die stolz auf die eigene Kooperationsbereitschaft mit seinen Mitarbeitern ist. Der/die eine wird beim Gegenüber schnell an ein „Weichei“ denken, die/der andere an einen „Tyrannen“. Wenn es nun dumm kommt, nimmt das Unglück (der Konflikt) seinen Lauf.

Ein erster Schritt um einen solchen Konflikt zu vermeiden, ist die Kenntnis des Modells. Man sollte sich immer fragen, ob die Eigenschaft, die man einem anderen zuschreibt, (a) etwas mit dem zu tun hat, was man an sich selbst besonders gut findet und (b), ob man beim anderen nicht die entwertende Übertreibung anstatt das neutrale Gegenstück erkennt.

In diesem Video können Sie noch einmal die Konstruktion des Wertequadrats nachvollziehen.

 

Das Bild oben ist übrigens ein Screenshot aus der App „Wertequadrat“ (iOS, Android). Hier können Sie etwas über das Modell erfahren und sich das passende Wertequadrat aus über 70 Grundeigenschaften von „abwartend“ bis „zuverlässig“ zusammenbasteln. Außerdem lässt sich  noch festlegen, wie stark die Ausprägung der Eigenschaft sein soll. Trainer und Coaches finden also eine Menge Beispiele für den praktischen Einsatz.

Die Originalbeschreibung des Modells finden Sie übrigens in dem Buch Miteinander reden 2: Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung von Friedemann Schulz von Thun. Die Bücher dieser Reihe lohnen allemal.

 

 

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