Die Stufen des Widerspruchs

Immer wieder nehme ich mir vor, mich auf Twitter nicht auf Diskussionen einzulassen. Aber ich tue es immer wieder. Auch heute wieder. Allerdings bemerke ich diesen Fehler schneller als frĂŒher und begebe mich alsbald zum Ausgang. Meist bediene ich mich dann der komplementĂ€ren Kommunikation, indem ich mich mit einer Unterlegenheitsgeste verabschiede. Wie es im Tierreich halt ĂŒblich ist. Ganz nach dem Motto meiner Großmutter:

Du hast Recht und ich habe meine Ruhe.

Vielleicht ist diese Vorgehensweise nicht immer befriedigend, aber sie schont die Nerven ungemein.

Trotzdem halte ich Twitter unterm Strich immer noch fĂŒr ein wertvolles Medium. Über diesen Kanal habe ich schon manchen interessanten Kontakt geschmiedet und – ja – auch manchen interessanten Denkanstoß bekommen. So auch zum Thema Diskussion, Diskurs, Dialog von @JohanMalan. In einem Tweet weist er auf die Hierarchie der Gegenargumente nach Paul Graham hin:

Respekt fĂŒr die gegnerische Position ist proportional zur eingenommenen Stufe auf der Pyramide.

Graham's Hierarchy of Disagreement-de.svg
Mir fÀllt auf, dass Diskussionen auf Twitter sehr oft auf den vier unteren Ebenen dieser Pyramide stattfindet. Ich bin weder Kommunikationstheoretiker noch Medienwissenschaftler und so kann ich nur spekulieren, warum die Auseinandersetzung auf diesen Stufen in sozialen Netzwerken die Regel und nicht die Ausnahme sind (Vermutungen habe ich allerdings).

Hinweisen möchte ich auf den Originalbeitrag How to Disagree von Paul Graham, den Jens Oliver Meiert netterweise ins Deutsche ĂŒbersetzt hat.

Mir gefĂ€llt dieses Modell von Graham ganz gut. „Ganz“ deswegen, weil ich mir bei WH2 „Kritik des Umgangtons“ nicht ganz schlĂŒssig bin. Was soll man davon halten, wenn mir zwar ein schlĂŒssiges Gegenargument genannt wird, dies aber in herablassendem belehrendem Unterton? SpĂ€testens seit Watzlawick wissen wir, dass sich Sach- und Beziehungsebene schwer (oder besser gar nicht) trennen lassen. Ist dann nicht erlaubt, nicht nur das „Was“, sondern vielmehr das „Wie“ einer Konversation zu kritisieren?

Vielleicht lohnt es sich, dem Grahamschen Modell das Modell der Logischen Ebenen von Robert Dilts gegenĂŒberzustellen.

Aber nicht mehr heute am Sonntagabend, vielleicht nÀchste Woche.

 

1 Antwort

Ein Gedanke zu „Die Stufen des Widerspruchs

  1. NiBe

    Hallo, Diskussionen auf Twitter sind auch meiner Erfahrung oft so. Das Modell von Johan Malan kannte ich bislang noch nicht.

    FĂŒr mich habe ich eine eigene Regel aufgestellt, maximal drei Mal in einer Diskussion auf Twitter zu antworten. Dies habe ich mir irgendwo mal abgeguckt. Meistens ist danach die Diskussion sowieso erschöpft und es werden keine neuen Argumente mehr ausgetauscht. Im letzten Tweet zu einem Thema schreibe ich dann auch meistens: „Letzte Anmerkung von mir dazu:…“ Wenn dann noch eine Reaktion kommt, fĂŒhle ich mich dann auch nicht mehr verpflichtet, darauf zu antworten und die andere „Person“ hat auch noch einmal die Gelegenheit bekommen, zu antworten.

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