Wehrlos im Netz? Auf keinen Fall!

Wie war ich doch naiv. Vor Jahren ließ ich mich in meiner Begeisterung für das Internet nicht übertreffen. Für mich schien es der Ort zu sein, an dem eine neue Art der Kommunikation möglich sei. Jede spricht mit jedem, auf Augenhöhe. Foren, Blogs und soziale Medien gaben verheißungsvolle Versprechen für die Zukunft. So schien es, bis Edward Snowden uns darüber aufklärte, was tatsächlich im Internet passiert.

Auch an anderer Stelle wurde das Netz missbraucht. Auf Twitter wird gepöbelt, auf Facebook gelogen und gehasst, mit YouTube-Videos Menschen ihrer Würde beraubt. Ja, ich denke auch, derartige (Un-?) Menschlichkeiten hat es auch in Zeiten vor dem Netz gegeben. Aber der Radius und die Geschwindigkeit der Verbreitung, sowie eine Hemmschwelle Nahe Null führt mitunter bei den Opfern zu schlimmsten Konsequenzen.

Ich habe meinen Facebook-Account mittlerweile gelöscht und meine Aktivitäten auf Twitter deutlich heruntergefahren. Kann man so machen, muss man aber nicht, denn auf diese Weise überlässt man den Trollen und Co das Internet, mit dem wir schließlich einstmals so große Hoffnung verbunden haben. Das Argument zieht, keine Frage.

Nicht alle wollen das hinnehmen, wie zum Beispiel die Initiative LOVE-Storm. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, den Hass im Netz zu stoppen durch:

  • Online-Training von Gegenrede
  • Teilnahme an Aktionen gegen Hass im Netz
  • Melden von Hasskommentaren

Auf diese Weise sollen Zuschauende bewegt werden, sich einzumischen und Angreifern gewaltfrei Grenzen gesetzt werden. Getragen wird die Idee durch eine Community, in der man sich vernetzen und Erfahrungen austauschen kann. Man kann auch Angriffe in Posts oder Kommentaren melden. Dort wird auch genau beschrieben, wie man sich bei Facebook oder YouTube direkt beschweren kann.

Die Initiative bietet auch online-Trainings an, in denen Interessierte mehr über das Problem Hass im Netz und den Umgang damit lernen können. Es gibt sogar Workshops zur Qualifizierung von MultiplikatorInnen in der Bildungsarbeit.

Eine andere schlimme Form, das Internet zu missbrauchen, ist das Cyermobbing. In dem entsprechenden Artikel in der Wikipedia heißt es:

Eine repräsentative Studie der Universität Münster zusammen mit der Techniker Krankenkasse kam 2011 zu dem Ergebnis, dass mittlerweile 32 % (in NRW sogar 36 %) der Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Opfer von Cybermobbing betroffen sind.

Aber auch hier sind die Betroffenen nicht mehr völlig wehrlos. Die Organisation Weißer Ring hat eine App mit dem Namen NO STALK veröffentlicht. Mit dieser App können Opfer eine Art Mobbing-Tagebuch führen. Mit dieser App lassen sich Vorfälle per Foto-, Video- und Sprachaufnahmen lückenlos dokumentieren. Diese Aufnahmen sind offensichtlich bei Polizei und Justiz anerkannte Beweismittel. NO STALK ist für iOS und Android erhältlich und kostenfrei.

Das ist doch schon mal was. Zu einem Reset des Internets reicht es natürlich nicht, aber vielleicht können wir es damit ein wenig sauberer machen.

FotoRieth / Pixabay

Nachtrag gerade eben

Es gibt ja keine Zufälle…
Gerade hat Spiegel online einen Artikel von Jörg Breithut ins Netz gestellt:
Wie man sich gegen Hass und Hetze wehrt.

Noch ein Nachtrag (25. Juni 2019)

Meine Frau hört regelmäßig den Podcast der Sendereihe SWR 1 „Leute“. Nachdem ich ihr erzählt habe, über was ich diesmal geschrieben hatte, wies sie mich auf eine Sendung mit dem Kommunikationsberater Hannes Ley hin, der unter dem Titel  #ichbinhier gegen Hass auf Facebook kämpft, Hier der Link zur Seite von SWR 1, hier das Video dazu:

Kämpft gegen Hass und Hetze im Netz | Kommunikationsberater | Hannes Ley | SWR1 Leute

 

Es tut sich was!

 

 

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