Das macht Sie zum Smartphone-Junkie

Vor einiger Zeit habe ich darüber geschrieben, was ein E-Mail-Programm mit einem einarmigen Banditen gemeinsam hat. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass es viele Zeitgenossen gibt, die der Versuchung nicht widerstehen können, ihre E-Mails zu checken, sobald eine Eingangsnachricht aufpoppt.

Eine ähnliche Verhaltensweise zeigen auch viele Mitmenschen im Umgang mit ihrem Smartphone. Auch wenn Sie von den interessantesten Menschen umgeben sind, mit denen Sie live und von Angesicht zu Angesicht (neudeutsch „f2f“) die spannendsten Gespräche führen könnten, starren sie stattdessen ständig in ihr i- oder sonstiges Phone. Selbst Eltern sind betroffen, die auf dem Spielplatz lieber in ihr Smartphone glotzen als sich mit Ihren Kindern zu beschäftigen. Mittlerweile gibt es zu diesem Thema sogar Plakataktionen, die Eltern dazu animieren sollen, mit ihren Kindern zu spielen, zu sprechen oder sonstwie direkt zu kommunizieren (s. z.B. hier).

Ob diese Bemühungen Erfolg haben werden, sei dahin gestellt, denn es gibt mächtige Gegner, die allerlei Tricks anwenden, um Handysüchtige Mitmenschen bei der Stange bzw. vor dem Smartphone zu halten. Nicole Bayes-Fleming beschreibt drei dieser Tricks in ihrem Artikel Three Mind Tricks That Keep You Addicted to Your Phone:

Trick Nr.1: Unser Belohnungssystem wird gereizt

Wir wiederholen gerne die Tätigkeiten, für die wir in irgendeiner Form belohnt wurden. Wenn wir eine Botschaft ins Netz stellen, hoffen wir auf eine Reaktion, z. B. ein Like oder sogar einen Kommentar. Dies ist die Belohnung, die uns veranlasst, immer wieder aufs Display zu schauen.

Trick Nr.2: Konditionierung nach Pawlow

Sie kennen sicher das Pawlowsche Experiment mit dem Hund und der Glocke. Jedes Mal, wenn dem Hund Futter gegeben wurde, ertönte gleichzeitig ein Klingeln. Schließlich reichte allein das Klingeln, um beim Hund den Speichelfluss auszulösen, auch ohne Futter. Analog passiert dies, wenn wir über unser Smartphone eine Benachrichtigung erhalten. Wir müssen einfach schauen, was los ist.

Trick Nr. 3: Operantes Konditionieren

In Weiterführung zu Nummer 2 sehen Sie nicht, was der Inhalt der Nachricht ist, sondern nur, dass Sie eine erhalten haben. Wenn Sie wissen möchten, was Sache ist, dann sind Sie gezwungen auf die App zu gehen und zu schauen, was es mit dieser Nachricht auf sich hat. Twitter mach dies zum Beispiel so. Sie bekommen per E-Mail eine Nachricht, dass Sie in Tweets erwähnt wurden. Und jetzt möchten Sie natürlich wissen, wie diese Erwähnungen aussehen und öffnen die App. Das machen Sie so lange, bis diese Verhaltensweise zur festen Gewohnheit wird (operantes Konditionieren).

Um diesen Fallen zu entgehen, schlägt Nicole vor:

  1. Löschen Sie Apps, die keinen Nutzen stiften
  2. Halten Sie Ihr Smartphone außerhalb Ihrer Reichweite
  3. Schalten Sie die Benachrichtigungsfunktion ab
  4. Überprüfen Sie, wie viel Zeit Sie mit dem Smartphone tatsächlich verbringen

Letzteres erfolgt zumindest beim iPhone sogar automatisch. Wenn Sie noch mehr über Tipps gegen Handysucht oder Nomophobie erhalten wollen, empfehle ich Ihnen meinen Beitrag Wie Sie Nomophobie bekämpfen.

 

The Psychological Tricks Keeping You Online

 

 

1 Antwort

Ein Gedanke zu „Das macht Sie zum Smartphone-Junkie

  1. Tom

    Hallo Stephan,

    sehr gute Punkte. In dem Buch „Deep Work“ von Cal Newport wird auch davon gesprochen, das die „Sucht“ nach Nachrichten, Likes, Informationen mittlerweile auf der gleichen Stufe wie Nahrung und Schlaf ist. Es ist unfassbar, wenn Du im Restaurant Paare siehst, die gegenüber sitzen und das Smartphone bedienen. Für mich funktioniert am besten, der „nicht stören“ Modus und einfach zuhause auf der Kommode liegen lassen, wenn ich nicht gestört werden will.

    Viele Grüße, TOm

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