Buch: Mehr Zeit – Wie man sich auf das Wesentliche konzentriert

Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern, es hat sich bis in die letzten Winkel des Landes herumgesprochen: Effizientes Arbeiten ist nur dann möglich, wenn man sich auf eine Tätigkeit voll und ganz konzentriert. Ablenkungen sind Gift, seien es innere Ablenkungen, wie z. B. Gedankenkreisel oder externe, wie etwa die ständigen Benachrichtungen durch eine Smartphone-App. Je mehr Sie sich ablenken lassen, desto weniger können Sie sich konzentrieren. Ganz einfach lässt sich das auf eine Formel bringen (die MathematikerInnen mögen mir verzeihen):

Fokussierung (Konzentration) ~ 1/Ablenkung

Ganz einfach also. Sie müssen Ablenkungen eliminieren und schon können Sie fokussiert und effizient arbeiten. Wie so oft im Leben ist dies aber einfacher gesagt als getan. Kein Wunder, dass sich unzählige Blogartikel mit der Vermeidung von Ablenkungen beschäftigen.

Jake Knapp und John Zeratsky, die Autoren des Bestseller Sprint, haben dazu ein ganzes Buch geschrieben: Mehr Zeit – Wie man sich auf das Wichtigste konzentriert.

Laut der Autoren haben wir mit zwei Arten von Ablenkungen zu kämpfen, (1) dem Busy Bandwagon und (2) dem Infinity Pool. Der Busy Bandwagon bezeichnet das ständige Mit-Irgendetwas-Beschäftigt-Sein-Müssen, gekennzeichnet durch einen vollgestopften Terminkalender oder eine endlose Aufgabenliste. Der Infinity Pool wird gebildet durch ständig wieder aufpoppende Informationen, die zum Beispiel von Apps auf dem Smartphone bereitgestellt werden.

Zur Abhilfe empfehlen Knapp und Zeratsky ihr Make-Time-System, das aus vier Elementen besteht:

  1. Highlight: Wählen Sie sich eine Aufgabe, ein Ziel, um den Tag zu priorisieren
  2. Laserstrahl: Bündeln Sie Ihre Energie und blenden Sie alles andere aus
  3. Rückblickende Betrachtung: Lassen Sie den Tag Revue passieren und identifizieren Sie, was gut gelaufen ist und was nicht. Planen Sie für den nächsten Tag Verbesserungen ein
  4. Energie tanken: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Batterien von Zeit zu Zeit aufgeladen werden

Zu jedem dieser Elemente werden in dem Buch insgesamt 87 praktische Tipps („Taktiken“) vorgestellt. Einige dieser Tipps werden Ihnen bekannt vorkommen, andere sind vielleicht neu. Schwer umzusetzen sind sie alle nicht, meist steht uns unsere mangelnde Vorstellungskraft im Wege: „Das kann man doch nicht machen“. Doch, Sie können. Wer sagt Ihnen, dass Sie sich immer benachrichtigen lassen müssen, wenn eine neue E-Mail im Eingangskorb landet? Gibt es dafür eine Verfahrensanweisung?

Sympathisch ist, dass die Autoren nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen und ihren Ansatz größer machen als er ist. Sie finden in dem Buch eine ganze Anzahl hilfreicher Hinweise, wie Sie dem Effizienzkiller „Ablenkung“ ein Schnippchen schlagen können. So weisen Sie darauf hin, dass nicht alle Tipps für alle Mitmenschen in allen Situationen funktionieren und fordern immer wieder zum Ausprobieren auf. Allerdings merkt man durchaus, dass die Autoren aus der Silicon-Valley-Kultur kommen, indem selbstbestimmtes Arbeiten eher die Regel als die Ausnahme ist. Interne Ablenkungen spielen dort vermutlich eine größere Ablenkung als externe. In der klassischen Industriekultur bei uns verhält es sich vermutlich umgekehrt.

Ab und zu lassen uns die Autoren ab und zu über ihre Schultern schauen. Sie berichten, wie Sie selbst die Taktiken anwenden, wie sie dazu gekommen sind und was bei Ihnen funktioniert hat und was nicht. Das lockert auf und hilft, die Taktiken besser zu verstehen.

Mir hat das Buch gut gefallen. Es liest sich leicht und locker und bietet den einen oder anderen wertvollen Hinweis. Erwarten Sie jedoch kein umfangreiches in sich geschlossenes System á la Getting Things Done. Das liefert das Buch nicht und will es auch gar nicht liefern. Wenn Sie allerdings praktische Tipps für den Alltag bekommen möchten, dann lohnt es sich, dieses Buch näher unter die Lupe zu nehmen.

 

… und hier erleben Sie Jake Knapp in voller Pracht

"Make Time" by Jake Knapp at Lean Product Meetup

 

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Redline Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

BTW: Ich freue mich, wenn ich ab und zu ein Buch zum Rezensieren geschickt bekomme. Die Bücher, die mir gut gefallen, bespreche ich, über die anderen schweige ich mich aus. Ich habe keinen Gefallen an Verrissen, schließlich bin ich nicht Reich-Ranicki.

 

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