6 Irrtümer über Produktivität

Wie Sie sich denken können, bin ich ständig auf der Suche nach interessanten Quellen, die ich hier im ToolBlog verwerten kann. Bei der Vielzahl der Artikel, die ich überfliege, bekommen die Leser immer wieder die gleichen Tipps und Tricks. Sie sollen angeblich produktiver machen. Oft werden sie durch Glaubenssätze („beliefs“) begründet, die nicht dadurch wahrer werden, indem man sie ständig wiederholt.

Gwen Moran sieht das offensichtlich und beschreibt in einem Artikel 6 common beliefs about productivity that are total lies. Diese sind:

Stehen Sie früh auf um viel erledigt zu bekommen

„Morgenstund hat Gold im Mund“, sagt ein altes deutsches Sprichwort. Immer wieder bekommt man den Tipp, doch bitte eine Stunde füher aufzustehen, um dies und das erledigt zu bekommen. Nun ist aber nicht jeder Mensch ein Morgenmensch. Es gibt Zeitgenossen, die spät aufstehen und erst am späten Nachmittag, am Abend oder sogar in der Nacht zur Hochform auflaufen. Sollten Sie ein solcher Morgenmuffel sein, dann könnte frühes Aufstehen sogar Ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Erledigen Sie die wichtigsten Aufgaben während Sie am meisten Energie haben

Dieser Tipp findet sich schon in den Frühwerken bekannter Zeitmanagement-Gurus: Legen Sie die wichtigsten Arbeiten in die Periode des Tages, in der Sie den höchsten Energielevel haben und bleiben Sie dann dabei. Dieser Ratschlag ist vielleicht sinnvoll, aber in unserer Arbeitswelt wohl nicht besonders praktikabel. Eine Alternative ist das Arbeiten in Timeboxes, wie es zum Beispiel Francesco Cirillo mit seiner Tomatentechnik vormacht.

Multitasking wirkt sich nur auf den Multitasker aus

Die Konzentration lässt nach, wenn Sie versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Aufgrand der Gefahr sich zu verzetteln, steigt die Fehleranfälligkeit Ihrer Arbeit. Dass das auch Auswirkungen auf Ihre Kolleginnen und Kollegen hat, liegt auf der Hand. Gwen weist außerdem darauf hin, dass Multitasker aufgrund der Arbeitsbelastung oft nervös und gereizt sind. Dies ist nicht eben förderlich für das Kommunikationsverhalten.

Technik ist der beste Weg, Informationen zu teilen

E-Mail, Slack & Co sind interessante Instrumente, Informationen zu verteilen, aber nicht die einzigen. Wir sind Menschen und mitunter müssen wir uns in einem Gespräch in die Augen sehen. Denken Sie also darüber nach, welcher Kanal am besten für die Nachricht geeignet ist, die Sie teilen möchten.

Technik hält uns davon ab, Dinge erledigt zu bekommen

Ich muss gestehen, diesen Abschnitt in Gwens Artikel habe ich nicht verstanden. Meine Meinung nach ist es sehr wohl eine gute Idee, zumindest während der Dauer einer Timebox Ablenkungen auszuschalten. Meine eigene Produktivität hat dadurch sehr gewonnen, insbesondere seit ich meinen Facebook-Account gelöscht habe und Twitternachrichten nur noch ein- bis zweimal am Tag lese.

Produktive Menschen können noch mehr leisten

Manche Chefs glauben, weil ein Mitarbeiter so effizient ist, dass er sogar pünktlich Feierabend machen kann, wäre er nicht richtig ausgelastet. Sie denken, solche Menschen könnten noch eine Schippe drauflegen. Das heißt nichts anderes, dass solche Zeitgenossen für Ihre Effizienz auch noch bestraft werden. Man sollte sich davor hüten, sie durch Überlastung sauer zu fahren.

 

Noch einmal zurück zum Thema Langschläfer. Wussten Sie, dass es in Dänemark sogar einen Verein gibt, der die Interessen der Spätarbeiter vertritt? Er trägt den Namen B-Society und informiert über das Thema auf einer einschlägigen Website. Schauen Sie doch am Abend einmal dort vorbei!

Wokandapix / Pixabay

 

3 Antworten

3 Gedanken zu „6 Irrtümer über Produktivität

  1. Christiane Feldmann-Leben

    Sie schreiben: „„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt ein altes deutsches Sprichwort.“ Tja, da sieht man, wie sich die englische Sprache der deutschen bemächtigt. Denn es handelt sich um ein altes ENGLISCHES Sprichwort. Im Deutschen kennt man das erst seit wenigen Jahren, Dank des Einflusses aus England und den USA. Bei uns heißt es „Morgenstund hat Gold im Mund“. Aber das läuft ja aufs Gleiche hinaus.
    Ansonsten schätze ich Ihre Beiträge sehr und möchte mich bedanken, dass Sie den Blog auch nach DSVGO weiter betreiben.

    1. Stephan List Beitragsautor

      Danke für den Hinweis. Das wusste ich auch noch nicht. Da musste ich doch glatt den Text ändern… 😉

  2. Probao

    „Morgenstund hat Gold im Mund“
    Bei mir ist es genau umgekehrt: Ich bin am produktivsten spät abends. Bei mir kehrt da so eine Art innere Ruhe ein, bei der ich am produktivsten bin.

    Leider haben wir in Deutschland aber ein Diktat der Frühaufsteher. Das fängt ja schon in der Schule an. Da schickt von Pubertierende schon um 8 in die Schule. Der absolute Killer in dieser Lebensphase. Das ganze Leben geht es so weiter. Langschläfer gelten ja häufig sogar als faul.

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