Warum ist Ihr Chef ein Mikromanager?

Wenn wir uns auf etwas einigen können, dann bestimmt darauf, dass jeder Mensch seine Macken hat. Nun munkelt man, dass auch Chefs Menschen sind und dass sie deswegen vor Eigenheiten nicht gefeit sind.

Wir neigen dazu, unsere Mitmenschen in bestimmte Schubladen zu stecken. Das ist einerseits verständlich, springt aber manchmal zu kurz. Denn diese Einordnung hat sehr oft mit uns selbst zu tun und damit, welche Brille wir gerade aufhaben. Es heißt also aufpassen, ob wir mit unserer Einordnung vielleicht schief liegen. Man sollte immer bereit sein, das eigene Bild vom anderen zu korrigieren.

Typisieren wir dennoch einmal. Ein gefürchteter Typ des Chefs ist der Mikromanager:

Ein Mikromanager ist eine Führungskraft, die sich sehr viel mit Einzelheiten eines von seinen Mitarbeitern oder Kollegen zu lösenden Problems beschäftigt […] Das führt zu ständigen Rückfragen und zu immer detaillierteren Aufgabenstellungen der Arbeitspakete, aber auch der zu erstellenden Berichte über Arbeitsergebnisse. Die Mitarbeiter werden […]von der eigentlichen Arbeit abgehalten, da sie ständig über den Arbeitsstand berichten müssen. Es gibt keinen Freiraum für Entscheidungen innerhalb ihres Aufgabenbereiches.

Die Konsequenzen können drastisch sein:

Der Dauerzustand eines solchen Führungsstils kann die Mitarbeiter demotivieren, die sich dann zu destruktiven Mitarbeitern entwickeln können.

Ich selbst bin ein gebranntes Kind. Ich hatte nämlich das zweifelhafte Vergnügen als Ingenieur in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem das Mikromanagement nicht nur geduldet, sondern geradezu zum höchsten Führungsprinzip erhoben wurde. Man hatte über jedes Detail in der Produktion immer und überall Bescheid zu wissen. Die schuf ein regelrechtes Klima der Angst. Im Endeffekt war dies für mich dann einer der Gründe, den Beruf zu wechseln. Der Rest ist Geschichte.

Wenn Sie wissen möchten, ob Sie unter Mikromanagement leiden oder vielleicht sogar selbst einer sind, dann lesen Sie die Beiträge von Andrea Windolph (Bist Du ein Micromanager?) und Dan McCarthy (Are You a Micromanager?).

Nachdem Sie nun herausgefunden haben, dass Sie kein Mikromanager sind, stellt sich die Frage, wie Sie mit einem derartigen Chef umgehen sollten. Claire Lew hat darauf ein paar Antworten: How to deal with a micromanaging boss.

Sie empfiehlt zunächst einmal herauszufinden, warum Ihr Chef ein Mikromanager ist. Sie selbst nennt fünf Gründe und beschreibt mögliche Abhilfe:

  1. Ihr Chef macht sich Sorgen, Sie könnten es nicht packen
    Wie immer liegt die Lösung im Gespräch. Fragen Sie Ihn, an welchen Kriterien er Ihren Erfolg misst. Woran macht er den Erfolg Ihrer Arbeit fest? Finden Sie heraus, welche Engpässe er sieht.
  2. Er hat Angst, den es geht um seinen A… oder Kopf
    Zeigen Sie Verständnis und den Willen, ihn zu unterstützen (wenn Sie das denn möchten). Was bereitet dem Chef Sorgen? Sind es Termine, bestimmte Qualitätskriterien oder geht es gar um „Politik“?
  3. Er weiß nicht, wie man es anders machen kann
    Hier heißt es, dem Chef Feedback zu seinem Arbeitsstil geben und ihm klar machen, warum Sie anders arbeiten möchten. Sie brauchen hier jede Menge Fingerspitzengefühl. Clair zeigt, wie so ein Gespräch laufen kann, aber leider in der Praxis nicht so laufen muss.
  4. Er ist ein gebranntes Kind
    Finden Sie heraus, was die Problem war, das ihm die Finger verbrannt hat. Versuchen Sie danach, die Unterschiede von dieser Situation zu der Situation herauszuarbeiten. Dies ist eine geradezu therapeutische Vorgehensweise, wie sie z.B. von Steve de Shazer beschrieben wurde („Der Dreh„).
  5. Sie selbst sind der Grund für seinen Führungsstil?
    Vielleicht liegt es an mangelnder Rückkoppelung zum Arbeitsfortschritt von Ihrer Seite aus. Vielleicht macht es Sinn, zu vereinbaren, wann und wie Informationen über den Zwischenstand geteilt werden können. Was können Sie anders machen als bisher?

Ich persönlich halte Mikromanagement für ein äußerst schädliches Führungsverhalten. Letztendlich führt es dazu, dass sich kompetente Mitarbeiter gegängelt fühlen und auf die Dauer sauer gefahren werden. Eine andere Folge kann auch das Zurückdelegieren von Aufgaben an den Chef sein („der macht es ja sowieso so, wie er will“). Die Führungskraft selbst ist überlastet, denn sie will letztendlich alles alleine machen, verbessern oder zumindest „nochmal drüber gucken“.

Sie merken schon, Mikromanagement ist unerfreulich für alle Beteiligten.

Pexels / Pixabay

 

2 Antworten

2 Gedanken zu „Warum ist Ihr Chef ein Mikromanager?

  1. Caspar

    Die Tipps sind hilfreich, aber was ist, wenn der erste Job gleich ein Mikromanagement-Job ist? Dann ist es schwer vorstellerbar, sich derart mit dem Chef auszutauschen. Als Rookie können da auch keine „hilfreichen“ Tipps an den Chef gegeben werden.

    Das Beispiel ist auch nicht aus der Luft gegriffen, mein erster Job fing eigentlich gut an, doch dann wurde auf einmal das Reporting erhöht, weil nicht alle Dinge so geklappt haben. Später fand ich mich dann mit 80 % der Zeit nur noch am Reporten, Besprechen etc. wieder und hatte nur 20% der Zeit die Aufgaben auch wirklich zu erledigen. Die Folge waren Überstunden. AUch regelmäßige Gespräche und direktes Ansprechen der Situation haben nichts geholfen, es kristalisierte sich aber heraus, dass mehrere der oben genannten Gründe das Problem waren.

    Letztlich hat nur ein Wechsel des Teams (innerhalb des Unternehmens) etwas geholfen, dass fehlt noch in der Aufzählung zu Lösungsmöglichkeiten.

    1. Stephan List Beitragsautor

      Ich gebe Dir Recht, manchmal hilft es wirklich nur, die Stelle zu wechseln. In meinem Fall hat dieses Mikromanagement dazu geführt, dass ich sogar den Beruf gewechselt habe. Ich habe dies auch im Artikel erwähnt: „Im Endeffekt war dies für mich dann einer der Gründe, den Beruf zu wechseln.“

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