Digitaler Minimalismus

Nach der Lektüre von Robert Wringhams Ich bin raus stellt sich bei mir die Frage, wie ich der Falle, immer und überall dabei sein zu wollen, entgehen kann. Das gilt gerade auch für soziale Netzwerke, die Gefahr von FOMO ist dort besonders groß. Ich habe bislang noch nicht gemessen, wie viel Zeit ich auf Twitter & Co verplempere. Vermutlich werde ich mir das auch ersparen, denn ich ahne, dass mich das Ergebnis wohl verunsichern würde, um frei einen deutschen Ex-Innenminister zu zitieren.

Da kommt mir ein Artikel von Cal Newport, dem Autor des Werkes Konzentriert arbeiten, gerade recht: On Digital Minimalism. In dem Beitrag definiert der Autor „Digital Minimalism“ wie folgt:

  • Digitaler Minimalismus hilft Ihnen zu hinterfragen, welche digitalen Kommunikationswerkzeuge Ihnen und Ihrem Leben den größten Mehrwert verleihen. Dies gilt auch für die damit verbundenen Verhaltensweisen.
  • Als Basis dient die Überzeugung, dass Ihr Leben erheblich verbessert wird, wenn Sie sinnloses digitales Rauschen minimiren und die Werkzeuge auswählen, die wirklich wichtig für Sie sind.

Laut Newport folgt Digitaler Minimalismus diesen Grundprinzipien:

Etwas zu verpassen, ist nicht zwangsläufig schlecht

Sie verpassen immer etwas, immer und überall. Wir können einfach nicht überall sein. Was für das analoge Leben gilt, trifft auch für das digitale zu. Hier ist mehr Gelassenheit angebracht. Wichtiges kommt wieder. Alles andere kann man vergessen. Oder wie der Hashtag #esmi sagt: Einen Scheiß muss ich.

Weniger ist oft mehr

Handeln Sie nach dem 80/20-P?rinzip. Finden Sie heraus, welche 20% Ihrer online-Aktivitäten 80% Nutzen stiften und lassen Sie die restlichen 80% weg. Sie sind es nicht Wert, dass Sie Ihre Zeit damit verplempern. (So, und jetzt räume ich gleich meine RSS-Feeds auf…)

Beginnen Sie mit Ihren eigenen Prinzipien

Was sind die Prinzipien, denen Sie in Ihrem Leben folgen? Wenn Sie hier ein klares Bild haben, fällt es Ihnen auch digital leichter, die Spreu vom Weizen zu trennen. Beantworten Sie dabei die Frage: Wird dieses Angebot, diese Tätigkeit usw. mein Leben bereichern?

Das Beste ist anders als der Rest

Auch wenn ein digitales Angebot dazu beiträgt, „Ihr Leben zu verbessern“, ist es wirklich der beste Weg, dies zu erreichen? Oder gibt es andere Möglichkeiten, die eher dazu geeignet sind? Es lohnt sich, dies von Zeit zu Zeit zu hinterfragen.

Digitaler Müll verursacht Stress

Sie kennen das von Ihrem Arbeitsplatz. Je mehr Dinge sinnlos herumliegen, desto abgelenkter sind Sie. Ablenkung ist Gift für die Effizienz. Was für die analoge Welt gilt, trifft auch für die digitale zu. Ordnung und Übersichtlichtlichkeit trägt zur Beruhigung und zur Konzentration bei.

Aufmerksamkeit ist knapp und brüchig

Ihre Aufmerksamkeit ist nicht endlos. Verschwenden Sie sie nicht. Bedenken Sie, dass vielen (den meisten?) digitalen Angeboten das Geschäftsmodell zugrunde liegt, soviel Ihrer Aufmerksamkeit wie möglich zu erhaschen. Gelingt ihnen das, dann haben Sie nicht mehr genügend Aufmerksamkeit für die Dinge übrig, die Ihnen wichtig sind.

Ein sinnvoller Umgang mit der online-Welt unterstützt dass Leben offline

Hüten Sie sich, digitale Produkte als Selbstzweck zu betrachten. Setzen Sie sie ein, um das „reale Leben“ zu bereichern. Dazu gehören Gemeinschaften oder auch Möglichkeiten, neue Dinge zu lernen.

Vorsicht vor Werkzeugen, die Probleme lösen, die es ohne sie nicht gäbe

Google Maps löst das Problem, von A nach B zu kommen, vor allem für Menschen, deren Orientierungssinn zu wünschen übrig lässt. Eine neue Lösung für ein altes Problem also. Es gibt auch andere. Hüten Sie sich vor Anwendung, die ein Problem lösen, das sie womöglich selbst erzeugt haben.

Aktivität schlägt Passivität

Ziehen Sie Angebote vor, bei denen Sie etwas schaffen können anstatt nur zu konsumieren. Helfen Sie etwa Ihren Mitmenschen, indem Sie Ihr Wissen teilen oder anderen aus einer Klemme helfen.

Ich habe mich im ToolBlog schon öfters als Fan des Minimalismus-Prinzips geoutet. Dabei ist es für mich wurscht, ob es sich um die analoge oder die digitale Welt handelt. Der Weg ist das Ziel:

Ich arbeite daran, Tag für Tag.

rawpixel / Pixabay

 

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3 Antworten

3 Gedanken zu „Digitaler Minimalismus

    1. Stephan List Beitragsautor

      „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“ – Thomas de Maizière am 17. November 2015 als Bundesminister des Inneren nach der Frage über Details zur Terrorgefahr (Quelle).

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