Lernen mit der Lernkartei

Schon im Studium, und das ist gefühlte hundert Jahre her, habe ich die Lernkartei nach Sebastian Leitner benutzt, um den Prüfungsstoff einzuprägen und, was genau so wichtig ist, auch zu behalten.

Das Lernen mit der Lernkartei trägt den Erkenntnissen von Herrmann Ebbinghaus Rechnung. Dieser gilt als Vater der experimentellen Gedächtnisforschung und erstellte die berühmte Lern- und Vergessenskurve. Diese besagt, dass

Der Vorgang des Vergessens muss durch mehrfaches Wiederholen des Lernstoffes abgemindert werden (Überlernen), wobei jede Wiederholung das Intervall, nach dem eine erneute Wiederholung nötig ist, vergrößert. Was man nicht im Alltag benutzt, vergisst man; und nur durch ständiges Benutzen des Wissens behält man es.

Der Volksmund wusste das auch schon vorher: „Übung macht den Meister“.

Die Lernkartei bietet dem Lernenden einen Rahmen, in dem der Stoff systematisch wiederholt wird. Außerdem wird vermieden, dass bereits Gelerntes noch einmal unnötig wiederholt wird. Das trägt zur Effizienz des Lernens bei.

Meiner Erfahrung nach eignet sich diese Methode vor allem zum Lernen von Zahlen, Daten, Fakten. Das könnten sein Geschichtsdaten, geographische Fakten oder – der Klassiker – Fremdsprachenvokabeln. Für Mathematik & Co ist die Lernkartei weniger geeignet, hier übt man besser durch das Lösen von Aufgaben.

Für die Haptiker unter den Lesern empfehle ich, tatsächlich einen Karteikasten mit den entsprechenden Karten zu benutzen. Sie können ihn selber bauen. Wie das geht, erfahren Sie auf der Seite lernkartei.de. Es empfiehlt sich, die Karten selbst zu schreiben, denn auf diese Weise erfolgt schon ein erstes Einprägen des Inhalts.

Natürlich gibt es auch Programme, die die Lernkartei virtuell abbilden. Sie können sich auch bei lernkartei.de kostenlos registrieren, um einen webbasierten virtuellen Karteikasten zu nutzen. Weitere Angebote finden Sie bei Sandy Writtenhouse: 8 Awesome Sites for Making Flashcards Online.

Wenn Sie den virtuellen Kasten lieber auf dem eigenen Rechner haben, dann gibt Ihnen der einschlägige Artikel in der Wikipedia eine erste Übersicht.
Ich selbst habe es einmal mit Anki probiert, es aber nach einiger Zeit wieder aufgegeben. Die Philosophie dieses Programms hat sich mir einfach nicht erschlossen. Ich fand die App viel zu kompliziert.

Vielleicht kennen Sie ja ein leicht zu bedienende Lernkartei-Programm.

Was können Sie empfehlen?

 

Bild: M.Blinky unter CC BY-SA 3.0

 

2 Antworten

2 Gedanken zu „Lernen mit der Lernkartei

  1. Emmanuel

    AnkiApp ist empfehlenswert. Da bestehen schon tausende Kartensets zu verschiedenen Themen. Sogar Verlage tun die Vokabeln von Lernmitteln zur Verfügung stehen

  2. Johannes

    Ich bin ein Fan von Anki (nicht zu verwechseln mit AnkiApp), und ja, der Einstieg kann etwas holprig sein, da das Programm bestimmte Abstraktionen benutzt (RTFM, zumindest den „basics“-Abschnitt, aber das Handbuch ist ganz gut). Und auch da gibt es von anderen Nutzern erstellte Kartensets („shared decks“). Das ist praktisch wenn man die Vokabeln für ein bestimmtes Lehrbuch sucht, in vielen Fällen sind selbst erstellte Karten besser. Ein ganzer Zoo von Add-ons unterstützt (auf dem Desktop, leider nicht mobil) in der Erstellung eigener Karten, oder passt das Programm nach eigenen Vorstellungen an. Man sollte nur nichts ändern, das man noch nicht versteht.

    Ein System wie Anki hat gegenüber dem Zettelkasten ein paar Vorteile, z.B. kann die Steilheit der Ebbinghausschen Vergessenskurve pro Karte angepasst werden (übernimmt die Software), durch das Fehlen von Fächern und individuelle Intervalle hat man automatisch eine bessere Durchmischung des Stoffs (für den Fall, dass eine Karte einen Hinweis für eine andere enthält).

    Zettelkasten mit echten Karten kann natürlich auch nett sein, Haptik, Freihandzeichnungen, braucht keinen Strom, …

    Am Ende sind die Unterschiede nicht so groß wie der, überhaupt ein solches Werkzeug zu nutzen. Und die 20 Regeln zur Karteikartenerstellung (https://www.supermemo.com/en/articles/20rules) gelten überall.

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