Essen Sie achtsam!

Als ich Ende der 1970er Jahre meine Lehre in der Papierfabrik absolvierte, kochte man in der Kantine streng nach dem Motto: Das Essen soll nicht schmecken, sondern satt machen. Später in der Mensa der Universität war es nicht anders.

In der Zwischenzeit hat sich Gott sei Dank einiges getan. Die Qualität der Speisen hat sich nahezu flächendeckend zum Positiven verändert. Viele Kantinen bieten mittlerweile gesunde und leichte Kost an, eine Salatbar ist fast schon die Regel. Und auch die professionellen Caterer bieten den Mitarbeitern kleinerer Unternehmen durchaus gesundes Essen auf Rädern an.

Dass das Essen für viele dennoch zum gesundheitlichen Problem wird, liegt weniger am „Was“, sondern vielmehr am „Wie“. Oft nehmen wir die Mahlzeiten gar nicht wahr, sondern befinden uns im Autopilot-Modus. Während wir die Zeitung lesen oder die E-Mails auf dem Smartphone checken, nehmen wir die Speisen quasi nebenbei zu uns, denn wir haben ja Wichtigeres zu tun. Wir wollen schließlich die vermeintlich tote Mahlzeit sinnvoll, d.h. produktiv nutzen. Dass diese Essunkultur nicht gesund sein kann, sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, belegen aber auch wissenschaftliche Studien.

Sie ahnen bereits, wir landen wieder beim Thema Achtsamkeit. Wie wäre es, wenn Sie den Autopiloten ausschalteten und bewusst, nämlich achtsam die Speisen zu sich nähmen? Auf was es dabei ankommt, beschreibt Olivia Petter in ihrem Artikel: How to Eat Mindfullyi in Eight Simple Steps. Sie empfiehlt

  1. Setzen Sie sich hin zum Essen
    Für mich ist das Essen im Stehen eine Untugend, denn es verbreitet Unruhe. Ich versuche dies, soweit wie möglich zu vermeiden.
  2. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Mahlzeit
    Lassen Sie sich nicht hetzen und schlingen Sie nicht. Planen Sie genügend Zeit ein um zu genießen. Wenn Sie essen, dann essen Sie, wenn Sie arbeiten, dann arbeiten Sie. Alles hat seine Zeit! Aus diesem Grund mag ich auch die sog. „Arbeitsessen“ nicht.
  3. Lassen Sie alle elektronischen Geräte ausgeschaltet
    Der Gebrauch von Gadgets, auch von analogen wie der Zeitung, lenkt nur vom Essen ab. Das Essen wird dann zur Beiläufigkeit und das hat diese wichtige Tätigkeit nicht verdient.
  4. Legen Sie die Gabel zwischen den einzelnen Bissen immer wieder ab
    Dieses Vorgehen verhindert das Hineinschaufeln und das Schlingen.
  5. Essen Sie ab und zu in vollkommener Stille
    Konzentrieren Sie sich auf das Essen und versuchen Sie, es mit allen Sinnen wahrzunehmen: Wie sieht es aus, wie duftet es, wie fühlt es sich an, wie schmeckt es?
  6. Lernen Sie, zwischen emotionalem und physischem Hunger zu unterscheiden
    Beantworten Sie die Frage, warum Sie gerade jetzt etwas essen wollen. Haben Sie wirklich Hunger oder wollen Sie etwas knabbern nur um Stress abzubauen?
  7. Fragen Sie sich, inwiefern diese Mahlzeit nahrhaft für Sie ist
    Hier kann es Sinn machen, Lebens-, Nahrungs- und Genussmittel zu unterscheiden. Achten Sie darauf, Genussmittel maßvoll zu verzehren (Sie wissen schon, Schokoriegel, Zucker etc.).
  8. Denken Sie darüber nach, wie Ihre Nahrung hergestellt worden ist
    Nun gut, vielleicht will man das nicht immer wissen. Achten Sie dennoch darauf, ob Sie etwas über die Herkunft der Nahrung und der Art der Zubereitung in Erfahrung bringen können.

Auch wenn ich, wie Sie wissen, ein Anhänger der MBSR und der Achtsamkeit bin, so muss ich gestehen, dass ich diesen Vorschläge auch nicht immer folge, Asche auf mein Haupt. Aber ich bemühe mich und mache Fortschritte.

BTW: Kennen Sie die Rosinenübung? Sie ist ein Klassiker aus dem Bereich MBSR. Wie das geht, zeigt Ihnen dieses Video von und mit Niels Altner. Eine gute Übung, sehr lehrreich, aber gar nicht so einfach.

achtsam eine Rosine essen

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