Ist E-Mail tot?

Dass E-Mail im Grunde genommen ein totes Pferd ist, von dem man endlich absteigen sollte, wird schon seit geraumer Zeit behauptet. So in einem Artikel von Lionel Valdellon: 3 Reasons Why Email is Dead. Um seine These zu unterlegen, nennt er folgende GrĂŒnde:

  1. E-Mail ist ein Push-System
    Auf Deutsch: Sie holen sich die Nachrichten nicht selbst ab, wenn und wann Sie sie brauchen, sondern Sie werden Ihnen aufs Auge gedrĂŒckt.
    Ich denke, das ist tatsĂ€chliche ein gewichtiger Grund gegen die Verwendung von E-Mails, denn dieser Umstand verfĂŒhrt dazu, sich stĂ€ndig von eingehenden Nachrichten ablenken zu lassen. Warum das so ist, habe ich an dieser Stelle bereits beschrieben: Was das E-Mail-Programm mit einem einarmigen Banditen gemeinsam hat.
  2. E-Mail ist ein unorganisierter Aufbewahrungsort fĂŒr Informationen
    Diese EinschĂ€tzung teile ich nicht. Hier kommt es ganz darauf an, wie Sie Ihr E-Mail-Programm einsetzen und die Nachrichten weiterverarbeiten. ”Know your tools”, heißt hier die Devise.
  3. E-Mail hat keinen eingebauten Arbeitsablauf
    Einspruch, Euer Ehren, und zwar gewaltig! NatĂŒrlich kann man das E-Mail-Programm mit einem Aufgabenmanager kombinieren, um einem durchdachten Arbeitsablauf zu folgen. In Outlook sind diese Funktionen sogar integriert. Wie das geht, zeigt Michael Linenberger auf eindrucksvolle Weise in seinem Buch.

Viele teilen die Ansicht von Lionel ĂŒbrigens gar nicht. Jordie van Rijn zum Beispiel. Er ist so sehr von der Lebendigkeit der E-Mail ĂŒberzeugt, dass er dem Thema sogar eine Website mit eigener URL gewidmet hat: Email is not dead. Dort versucht er, mit einer beeindruckenden Anzahl von statistischen Kennzahlen seine Behauptung zu untermauern. Auch finden Sie auf seiner Seite ein große Anzahl weiterfĂŒhrender Links, die das Thema E-Mail und ihren angeblichen Tod behandeln und zu widerlegen versuchen.

Ich habe ĂŒbrigens den Titel von Jordies Website etwas verstĂŒmmelt. Eigentlich muss er heißen: “Email is not dead. But email IS changing.”

Dem schließe ich mich gerne an. Der Blick in meine Glaskugel sagt mir, dass die E-Mail nicht mehr das Kommunikationsmedium der Zukunft sein wird, aber sicher immer noch ein bedeutendes. Dies gilt insbesondere fĂŒr den Informationsaustausch zwischen unterschiedlichen Organisationseinheiten. E-Mail fĂŒr den internen Nachrichtenaustausch wird vermutlich deutlich an Bedeutung abnehmen. Diesen Part werden Kollaborationssysteme ĂŒbernehmen.

Warten wir es ab.

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7 Antworten

7 Gedanken zu „Ist E-Mail tot?

  1. Rainer

    Einspruch, Euer Eheren. Das Problem beim E-Mail als Push-System beschreibt Lionel nicht so, dass Du permanent mit Mails zugeballert wirst, sondern damit, dass Du wenn Du jemanden was fragst warten musst bis der sich zu einer Antwort bequemt.

    Die Notifications kann man ja abschalten. Und den Punkt „Ich kann nicht weiterarbeiten bis der andere geantwortet hat“ halte ich persönlich fĂŒr irrelevant. Wer so argumentiert, der hat es vermasselt rechtzeitig seinen Wunsch nach Information zu artikulieren. Ja, ich kenne auch diese Kollegen die meinen, dass man auf jede ihrer Mails SOFORT zu antworten hat. Aber die kann man erziehen.

    Und Collaboration-Software hilft Dir bei dem Problem eh nix, denn oft ist die Info die man braucht unauffindbar abgelegt, oder aber man hat keine Zugriffsrechte weil das ja alles so „top secret“ ist. 😉

    Fazit fĂŒr mich: Ich bin froh, dass es E-Mail gibt, denn so kann ich Dinge schriftlich abklĂ€ren und habe zumindest die Illusion, dass die andere Seite der Kommunikation tatsĂ€chlich mein Anliegen im Fokus hatte und nicht nur schnell was antwortet weil meine IM-Nachricht oder mein Anruf gerade eine andere TĂ€tigkeit unterbrochen haben.

  2. GĂŒnter

    Ich kann alle drei GrĂŒnde nicht nachvollziehen und widerspreche:

    -> Jedes halbwegs anstĂ€ndige E-Mail-System kann man in den Einstellungen konfigurieren. Außerdem kann man mit Labels, Markierungen, Regeln usw. geschickt die eingehenden, zu bearbeitenden und archivierten Mails an die persönlichen BedĂŒrfnisse anpassen.

  3. Michael D'heur

    Was hĂ€lst du von Slack? Ich probiere es gerade aus und sehe es als gute ErgĂ€nzung, da ich entschieden habe möglichst auf email zu verzichten…..was leider nicht immer möglich ist….

    Vielen Dank fĂŒr ein kurzes Feedback.

    Michael

  4. Bachsau

    Die E-Mail-Adresse wird als zentrale ID immer wichtiger. Wer eine E-Mail-Adresse hat, hat eine IdentitÀt. Es gibt auf lange Sicht nichts, was sie ersetzen könnte oder sollte. Es ist ein funktionierendes, dezentrales System.

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