Buch: Der Aufstieg des Mittelfingers

Die Diskussionskultur in diesem unseren Lande ist in einem beklagenswerten Zustand. Die Beleidigungen und Hetzereien haben ein bisher ungekanntes Ausmaß angenommen. Oder doch nicht? Verfallen wir hier nicht dem „früher war alles besser Syndrom“?

Schließlich ist das richtige Beleidigen eine Kunst, die auch in früheren Zeiten meisterhaft beherrscht wurde. Arthur Schopenhauer gibt uns in seinem Büchlein Die Kunst, Recht zu behalten ein paar Kostproben davon.

Nein, das Problem heute liegt vielmehr in der geistlosen Hetze, die heute von Mensch zu Mensch betrieben wird. Befeuert wird die primitive Pöbelei durch die sozialen Netzwerke. Jeder kann sich hier zu allem und jedem äußern, eine große Reichweite ist garantiert. Die (scheinbare) Anonymität tut ihr übriges. Man fragt sich beim Lesen mancher Kommentare, ob die Schreiber derartiger Verbalinjurien ihre Ergüsse auch von Angesicht zu Angesicht wiederholen würden.

Jan Skuklarek beschreibt das Phänomen der Beleidigung(un)kultur in seinem sehr unterhaltsam geschriebenen Buch Der Aufstieg des Mittelfingers – Warum Beleidigung heute zum guten Ton gehört.

In diesem Buch können Sie allerhand über Beleidigungen lernen:

  • Wie eine Beleidigung formuliert werden muss, damit sie funktioniert
  • Wie und warum Beleidigungen wirken
  • Die rechtlichen Aspekte: Was man sagen darf und was nicht
  • Ob man komplette Gruppen beleidigen kann
  • Was politische Korrektheit ist und was nicht
  • Der Zusammenhang zwischen Beleidigen und dem Missbrauch von Macht
  • Besonderheiten von Hass im Internet (darf nicht fehlen)

Das ist nicht alles. Skudlarek gibt auch Hinweise, was man gegen die Pöbelei im Netz und anderswo tun könnte. Hier beschreibt er zum Teil sehr kreative Abwehrmaßnahmen, die in der Praxis bereits erfolgreich waren. Ich persönlich bin auf den Hinweis auf die Initiative #IchBinHier dankbar, die Diskussionskultur im Netz verbessern will. Sicherlich ein Bohren dicker Bretter, da braucht man Geduld und Spucke.

Das Buch ist alles andere als trocken. Es ist leicht, manchmal sogar etwas flapsig geschrieben und dadurch nicht nur leicht zu lesen, sondern stellenweise regelrecht unterhaltsam. Trotz des ernsten Themas kann sich der Leser das eine oder andere Schmunzeln nicht verkneifen.

Ich habe das Buch gerne und mit Gewinn gelesen und kann es guten Gewissens empfehlen. Man kann etwas lernen ohne belehrt zu werden. Was will man mehr.

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Rowohlt Taschenbuch Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

 

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