In eigener Sache: Wer kennt sich mit Luhmanns Zettelkasten aus?

Dieser Tage habe ich das Buch von Sönke Arens Das Zettelkasten-Prinzip mit großem Gewinn gelesen. Der Autor beschreibt darin, warum Luhmanns Zettelkasten funktioniert und welche Vorteile damit verbunden sind. So weit so gut, aber etwas ist doch sehr unbefriedigend.

Ich bin jetzt außerordentlich gut informiert, zu welchen Zweck und aus welchem Grund ich den Zettelkasten verwenden kann, weiß aber immer noch nicht WIE ich einen Zettelkasten anlege. Ahrens beschreibt kaum bis gar nicht, wie man damit in der Praxis arbeitet. Das gilt auch für das Werkzeug: Zwar empfiehlt Sönke Ahrens die Programme Zettelkasten von Daniel Lüdecke und Zotero zur Literaturverwaltung. Über diese Empfehlung geht er aber leider nicht hinaus. Und nein, der Abschnitt „Bedienungsanleitung“ wird seinem Titel nicht gerecht.
Das Zusammenspiel von Zotero und dem elektronischen Zettelkasten ist mir erst durch die Lektüre eines einschlägigen Artikels von Daniel Lüdecke einigermaßen klar geworden.

Zotero ist nicht schwer zu bedienen, ich konnte mich schnell damit vertraut machen. Ganz anders verhält es sich jedoch bei Lüdeckes Zettelkasten. Das Anlegen eines Zettel ist alles andere als trivial:

  • Reicht ein Zettelkasten oder wann sollte man mehrere anlegen?
  • Wie lege ich Zettel für flüchtige, dauerhafte und projektbezogene Notizen an?
  • Wie und mit was befüllt man den Abschnitt „Sonstige Vermerke“ und Anhänge?
  • Wie funktioniert im E-Zettelkasten das Anlegen von Folgezetteln und wann sollte man diese überhaupt anlegen

Fragen über Fragen, die ich mir gerade mühsam durch die Lektüre einzelner Artikel im Internet versuche zu beantworten, denn leider ist das Anleitungswiki vom Zettelkasten momentan nicht erreichbar.

Ich habe jedoch noch die Hoffnung, dass es vielleicht doch einfacher geht:

Arbeitet einer der verehrten Leser vielleicht mit Daniel Lüdeckes Zettelkasten und ist bereits durchgestiegen, wie das Ganze funktioniert? Könnte er/sie mir unter die Arme greifen?

Wenn nicht, hat jemand Lust, sich zusammen mit mir durch die Methode und das Programm zusammen durchzubeißen? So quasi als Lerntandem?

Auf Luhmanns Zettelkasten habe ich in einigen ToolBlog-Artikeln verwiesen Die ToolBlog-Leser wissen daher, dass ich gerne den Gebrauch erlernen würde. Bis jetzt ist mir das noch nicht gelungen, aber wer weiß, vielleicht bin ich auch einfach nur begriffsstutzig.

 

9 Antworten

9 Gedanken zu „In eigener Sache: Wer kennt sich mit Luhmanns Zettelkasten aus?

  1. Nils Müller

    Ich glaube, ein definitives „Verstehen“ dieser Methode gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Luhmanns analoge Variante war auf seine Denkweise abgestimmt und die operierte eben sehr stark mit Folgezetteln. Die App von Daniel Lüdeke setzt stattdessen (oder ergänzend) sehr stark auf Schlagwörter/Tags. Die Struktur innerhalb des Zettelkastens entsteht aber eben erst in der Auseinandersetzung zwischen dem „Denker“ und dem „Kasten“. Da das Ganze mehr ist als nur eine elaborierte Notiz-Ablage, gilt es auszuprobieren und eben herauszufinden, was funktioniert.

    Ich habe mit dem Zettelkasten von Daniel Lüdeke meine Diss geschrieben und ihn in dieser Zeit in erster Linie genutzt, um Fragmente, Ideen und Notizen zu sammeln und großzügig zu verschlagworten. Die Quellenangabe habe ich dann „einfach“ aus meinem Mendley herauskopiert. Danach bin ich davon aber wieder weg und nutze jetzt ein eigenes plaintext-basiertes System auf der Basis von Sublime Text 3. Ein guter Begleiter in meinem Lernprozess (der auch wahrlich noch nicht abgeschlossen ist) war http://zettelkasten.de/

    Aus meiner Erfahrung dann noch ein paar Antworten auf die Fragen, zu denen ich meine, etwas sagen zu können:

    > Reicht ein Zettelkasten oder wann sollte man mehrere anlegen?

    Da Zettelkästen ja unter anderem dazu dienen, verborgene Verbindungen zutage zu fördern, würde ich mehrere Zettelkästen nur einrichten, wenn es wirklich absolut definitive Trennungen zwischen Themenbereichen gibt, bei denen Querverbindungen absolut und überhaupt nicht zu erwarten sind.

    > Wie lege ich Zettel für flüchtige, dauerhafte und projektbezogene Notizen an?

    Zettel sind, so zumindest mein Verständnis, immer dauerhaft und eigentlich auch nicht dazu gedacht, ständig überarbeitet zu werden (außer man hat Übersichts- oder Index-Zettel). Für Flüchtiges oder Operatives (ToDo-Listen etc.) würde ich ein anderes System bevorzugen. Der Zettelkasten dient der Erschließung eines Wissensbereichs.

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  2. Matthias

    Guten Morgen, Stephan,

    ich arbeite seit Jahren mit einem Zettelkasten um meine Bücher zu schreiben.
    Die Frage ist, wofür Du den Zettelkasten brauchst – es ist ja nur ein Werkzeug.

    Ich sammle in meinen Zettelkasten alle Ideen und Ereknntnisse, die ich irgendwann einmal in einem Buch geordnet niederschreiben will. Dafür habe ich Rubriken angelegt, in die ich die jeweilige Erkenntnis stecke. Das ist dann eine grobe Sortierung. Mein Zettelkasten hat dann unterschiedliche Reiter. Quasi, wie ein Mapei-Ablagesystem, nur mit kleinen Karten. Aber mit individuellen Reitern.
    Was nicht direkt in eine Kategorie passt, liegt in der Kategorie „diverses“.
    Reicht ein Zettelkasten nicht aus, kaufe ich mir einen weiteren …

    Und nun zum Verfahren: Ab und an checke ich die Zettel druch, ergänze diese oder sortiere sie neu.
    Querverweise brauche ich nicht, weil ich den Zettelkasten ja nicht als strukturierte Wissensdatenbank brauche.

    Finde ich die Zeit, meine Gedanken für ein Buch zu ordnen, liegen die Zettel aus einer Kategorie auf dem Tisch und ich checke alle durch.
    (Mehr dazu habe ich in meinem Buch „MbKK-Management by Karteikarte“ geschrieben) :-).

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  3. Matthias Melcher

    Hallo Herr Dr. List,

    Ich bin kein echter Zettelkasten-Nutzer (meine langfristige Notizenablage ist immer noch ein lokales WordPress).

    Und ich habe das Buch von Sönke Arens noch nicht gelesen und glaube mich zu erinnern, dass auf irgendeinem Forum diskutiert wurde, dass dort nur die prinzipielle Idee des Zettelkastens an sich diskutiert wurde und gar nicht die spezielle Idee von Luhmanns Kasten.

    Die Idee, überhaupt einen Kasten mit Index Cards zu nutzen und Verweise zu erstellen, ist ja nicht neu. Sehr schön beschrieb kürzlich Christina Wodtke
    den Kern dieser Idee:

    „do it with post-its. (or index cards. As long as it’s modular.) […]
    Making information modular so it can be manipulated“

    Ich bilde mir aber ein, auch die weitergehende Idee von Luhmann kapiert zu haben, die tatsächlich ein wenig eigenwillig erscheint bzw. so, als ob das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Ich habe nach Ihrem letzten diesbezgl. Blogpost noch einen Nachtrag zu meinem eigenen Blogpost geschrieben und versucht, die Idee zu visualisieren: Magic of Zettelkasten.

    Man stelle sich vor, die roten, orangen und gelben Notizen seien die ersten gewesen. Sie sind rein hierarchisch angeordnet.
    Dann ist Luhmann die grüne Notiz „Bar 1“ eingefallen, und zwar im Zusammenhang mit der orangen Notiz „Foo 3.2“. Deshalb hat er einen grünen Folgezettel an den orangen gehängt. Daraus hat sich dann im Laufe der Zeit ein größerer Notizencluster entwickelt, der sein Zentrum im violetten Zettel „Bar 1.1.1“ bekam. Dieser grün-blau-violette Cluster hängt nun sozusagen verkehrt herum an der rot-orange-gelben Hierarchie. Damit entstand eine vernetzte Struktur.
    Ist das einleuchtend oder sollte man es besser durch eine animierte Graphik darstellen?

    Warum nun diese Vernetzung so weitreichende Folgen hatte, das erkläre ich mir durch die „Serendipity“, die Luhmann im WEITEN Kontext fand.

    Zu Ihrer konkreten letzten Frage: Das Verfahren beim Einhängen von Folgezetteln bei Lüdeckes Zettielkasten ist wirklich überraschend umständlich: man muss offensichtlich die Nummer des Zettels heraussuchen und eintippen.

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  6. Lesewolke

    Mein persönliches Lieblingsprogramm zum Sammeln von Informationen (egal ob gedruckt oder elektronisch) ist eindeutig Citavi. Es läßt keine Wünsche offen. Außer der Literaturübersicht (inklus. Verlinkung zu Internetadressen bzw. Dateien auf dem eigenen Rechner), dem Anlegen von Zitaten (direkt, indirekt, Bild usw.), kann man auch eigene Ideen eintippen und Aufgaben erstellen. Die Literatureinträge und/oder Zitate und Ideen lassen sich in eine selbst erstelltes Kategoriensystem einordnen und/oder mit Schlagworten versehen. Klar, die Formatierung im gewünschten Zitationsstil übernimmt es dann natürlich auch. Das einzig Negative, was man über dieses Programm sagen kann: es läuft aktuell nur mit dem Betriebssystem Windows. Zotero finde ich auch okay. Es hat halt den Vorteil, mit allen Betriebssystemen klar zu kommen.

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  7. Manfred Hock Beitragsautor

    Gerade habe ich Ihren Post „In eigener Sache: Wer kennt sich mit Luhmanns Zettelkasten aus?“ gelesen.

    Witzigerweise beschäftige ich mich auch gerade mit dem Zettelkasten nach Luhmann.
    Den Zettelkasten von Daniel Lüdecke habe ich ausprobiert, aber aus bestimmten Gründen nicht weiterverfolgt. Wie sie mit der Software arbeiten können, kann ich Ihnen daher gar nicht sagen.

    Vielleicht interessiert Sie trotzdem meine bisherige Erfahrung zu dem Thema.
    Mein Zettelkasten ist jetzt in Evernote. Ich nummeriere die Zettel aber nach Luhmanns Methode und muss sagen, dass das für mich gut funktioniert. Wichtig ist, dass in einer Software ein Link auch dann noch funktioniert, wenn der Titel des Zettels verändert wird. Zettelkasten 3 kann das, ConnectedText, DevonThink und Evernote eben auch – andere habe ich nicht getestet.

    In dem ganzen Thema Verzettelung habe ich neben dem Buch von Sönke Ahrens (2017) „Das Zettelkasten-Prinzip“ von diesen beiden Dokumenten am meisten profitiert:

    Dr. Daniel Lüdecke:
    Introduction to Luhmann’s Zettelkastenthinking and its technical implementation (pdf)

    Johannes Schmidt:
    Der Zettelkasten als Zweitgedächtnis Niklas Luhmanns (Video)

    Wie funktioniert im E-Zettelkasten das Anlegen von Folgezetteln und wann sollte man diese überhaupt anlegen?
    Für mich habe ich gelernt, dass letztlich das Geheimnis nicht das massenhafte Verschlagworten oder Verlinken ist, sondern das gezielte hintereinander setzen von Zetteln via Nummerierung; plus der Möglichkeit von einem Zettel auf einen anderen via Link zu verweisen, wenn es sich um einen neuen Gedankengang handelt.
    Das Ziel ist es, Gedankengänge abzubilden und nachzuverfolgen. Dazu ist es auch notwendig ein Schlagwortverzeichnis aufzubauen, damit man über dieses Verzeichnis die Zettel-Startpunkte „anwählen“ kann.
    Im Gegensatz dazu, wenn man ausgiebig von Tags und Schlagworten Gebrauch macht, werden immer dutzende von Treffern geliefert. Diese zeigen aber in sich keinen Gedankengang auf. Alle Suchergebnisse muss man dann nochmal strukturieren; das ist zu eindimensional.

    Das Zettelkastenprogramm von Daniel Lüdecke ermöglicht über den Eintrag einer Folgezettelnummer eine gewisse Reihenfolge aufzubauen. Wenn man also den Start-Zettel anwählt, kann man den ganzen Gedankengang nachvollziehen. Das funktioniert so, dass man jedem verzettelten Zettel eine Folgenummer mitgibt (einfach über den Button Folgezettel auswählen und die Nummer des gewünschten, folgenden Zettels eintragen).
    Die Reihe kann man dann über den Reiter Folgezettel aufrufen.

    Screenshot Zettelkasten

    Reicht ein Zettelkasten oder wann sollte man mehrere anlegen?
    Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich in Evernote ein Notizbuch für den Zettelkasten habe und eines, in das ich alle nicht verzettelten Einträge reinkippe. Nicht alle Infos sind verzettelungswert. Wenn Sie mit einem Zettelkasten arbeiten wollen, würde ich auch nur einen Zettelkasten empfehlen. Für mich muss alles ganz einfach funktionieren – zu viele Töpfe verderben meine Ordnung…

    Wie lege ich Zettel für flüchtige, dauerhafte und projektbezogene Notizen an?
    Diese Idee aus dem Buch „Das Zettelkasten-Prinzip“ hat mir geholfen Vorsortierungen zu treffen, aber auch optimiert wie ich Informationen sammle und aufbereite. Alle Informationen landen in der Inbox, um verzettelt, nur gesammelt oder gelöscht zu werden. In meinen Zettelkasten kommt nur dauerhafte Information. Eine Kennzeichnung der Zettel nach flüchtig oder projektbezogen ist für mich nicht nötig. Ich muss mich bei der Erstellung von Information nur erinnern, mit welcher Art von Information ich zu tun habe, damit ich ordentlich verzetteln kann.

    Viel Spaß mit dem Zettelkasten, ich hatte schon bei der Entdeckung viele famose Momente, wenn ich wieder einen Aspekt mehr verstanden hatte. Vielleicht können Sie ja die ein oder andere „projektbezogene“ Information aus meiner Mail ziehen.

    BTW: H. Hock ist nicht der Autor des Beitrags auf dem ToolBlog. Der Kommentar erreichte mich per E-Mail und wurde von mir den Kommentaren hinzu gefügt.

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  8. thra

    Meine Empfehlung wäre das Programm Scrivener. Das leistet alles, was ein Zettelkasten leistet und das Programm Zettelkasten, von dem ich auch abgekomemn bin, ist diesem gegenüber flexibler und leichter handhaben, weil es mehr Dimensionen bietet. Die Karten/ Textschnipsel/ Notizen lassen sich leicht arrangieren und neu anordnen, sodann als Fleißtext darstellen. Angucken, ausprobieren. Und es ist sehr stabil auch für sehr umfängliche Notizenansammlungen.

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