Coaching selbst gemacht: Die Kollegiale Beratung

Wo Menschen zusammenarbeiten, läuft es nicht immer rund und manchmal entstehen Konflikte. Vielleicht hatten Sie dabei auch schon einmal das Gefühl, mit Ihren Problemen allein auf weiter Flur zu stehen ohne sich darüber lösungsorientiert austauschen zu können.
„Lösungsorientiert“ beschreibt hierbei den Unterschied, der den Unterschied macht. Wenn Sie Glück haben, stoßen Sie zwar in der Kaffeeküche auf das offene Ohr des einen oder anderen Kollegen. Wie Sie dann aber mit den Schwierigkeiten weiter zurecht kommen oder gar den Konflikt lösen, bleibt im weiteren Verlauf Ihnen überlassen.

Kein Wunder, dass Sie dann das Gefühl beschleicht, mit Ihrem einzigartigen Problem allein fertig werden zu müssen. Das muss nicht so sein, denn zumeist ist Ihr Problem (a) nicht einzigartig und (b) müssen Sie nicht als Einzelkämpfer eine Lösung suchen.
Oftmals ist es so, dass auch schon anderswo Kolleginnen oder Kollegen ein ähnliches Problem gelöst haben. Warum also nicht die „Weisheit“ dieser Menschen anzapfen?

Zu diesem Zweck gibt es die „Kollegiale Beratung“. Coaching ohne Coach, so könnte man die Kollegiale (Fall-) Beratung (Intervision) auch beschreiben. Nach einer festen Vorgehensweise tauschen sich die Teilnehmer über anstehende Problemfälle aus, unterstützen sich gegenseitig und geben Lösungshinweise aus ihrem eigenen Erfahrungshintergrund.

Und so geht man dabei vor:

  1. Zusammenfinden der Gruppe
    Eine Gruppe von 6 – 10 Teilnehmern findet sich zusammen, um Kollegen bez. eines konkreten Problems zu beraten. Ein Teilnehmer erklärt sich bereit, die Moderation der Sitzung zu übernehmen. Er achtet darauf, dass die Schritte 2 – 9 eingehalten werden.
  2. Wer ist der Fallspender?
    Ein Teilnehmer erklärt sich bereit, den Kollegen seinen Fall zu schildern und um Beratung
    zu ersuchen. Die Kollegen erklären sich bereit dazu.
  3. Darstellung des Problems/Konflikt
    Der „Fallspender“ erklärt die Situation, um die es geht.
    Oft ist es hilfreich, wenn der Fall zuvor optisch aufbereitet wurde:
    Plakat, Bild, Thomann-Schema, Stellen von Figuren usw.
  4. Stellen von Verständnisfragen
    Die Berater können jetzt Verständnisfragen stellen.
    Diese Fragen sollen ausschließlich die Sachlage klären, aber nicht die Situation analysieren
    oder bewerten. Hier soll noch keine Diskussion des Falls erfolgen.
  5. Reflexionsrunde
    Die Berater reflektieren jeder für sich den geschilderten Fall.
  6. „Tratschen über den Fallspender in dessen Anwesenheit“ (Fritz B. Simon)
    Die Berater diskutieren den Fall und denken über Lösungen nach. Sie beleuchten
    Beziehungen, Gründe, Umstände und Lösungsansätze.
    Der „Fallspender“ darf sich nicht dazu äußern. Er schweigt, hört zu und macht sich
    allenfalls Notizen.
  7. Kommentar des Fallspenders
    Der „Fallspender“ kommentiert die Diskussion und erklärt, was für ihn interessant, neu,
    brauchbar oder unbrauchbar war.
    An dieser Stelle kann er auch evtl. Missverständnisse ausräumen.
    Sollten die Missverständnisse schwerwiegend sein, können die beratenden Kollegen noch
    einmal zu Schritt 5 zurückkehren.
  8. Vorschläge zur Problem- oder Konfliktlösung
    „Blitzlicht“: Jeder Berater äußert nacheinander seinen Vorschlag, wie das geschilderte Problem zu lösen ist. DerVorschlag wird von den anderen nicht kommentiert oder diskutiert.
  9. Die letzten Worte 
    Der „Fallspender“ hat das letzte Wort: Er gibt zu dem Inhalt und dem Ablauf der Beratung sein Feedback.

Zur Erläuterung der Methode eine Linksammlung, wie immer ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Im sozialen Bereich und im Schulwesen ist die Kollegiale Beratung schon länger üblich. In Wirtschaftsunternehmen kann Sie eingesetzt werden zum Beispiel:

  • in der Projektarbeit
  • in Meetings zu den unterschiedlichsten Themen (z. B. Vertrieb)
  • in der Teamentwicklung
  • zum Austausch von Führungskräften bez. Führungsfragen
  • u. v. m.

Der offene Umgang mit Fehlern und das Zugeben-Können von eigener Ratlosigkeit gehört nicht unbedingt zu den Merkmalen der Kommunikationskultur in unseren Betrieben. Deshalb ist es wichtig, die Kollegiale zu Beginn als ein Pflänzlein zu betrachten, das einen geschützten Raum benötigt. Die Freiwilligkeit der Teilnahme ist obligatorisch. Inhalte und Ergebnisse müssen innerhalb der Gruppe verbleiben. Nur so kann sich das nötige gegenseitige Vertrauen entwickeln.

Sollten diese Voraussetzung erfüllt sein, dann ist die Kollegiale Beratung eine wirkmächtige Methode. Überall dort, wo ich mit ihr gearbeitet habe, wurde sie von den Beteiligten mit Begeisterung aufgenommen.

Bild Kollegiale Beratung

 

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