Warum ich (immer noch) Evernote nutze

Der erste Artikel, der im ToolBlog Evernote zum Thema hatte, erschien vor über 10 Jahren am 10. Mai 2006: EverNote: Alle Notizen an einem Platz. Damals gab es die Version 2 (nicht zu verwechseln mit Business 2.0!), die im Prinzip eine Endlos-Papierrolle simulierte, auf der die Notizen untereinander weg geschrieben wurden. Auf der Seite befand sich eine Zeitleiste, die das Wiederfinden der Schnipsel erleichtern sollte. Schade, dass ich keinen Screenshot von damals zeigen kann, denn die Idee fand ich prima.

Mein Verhältnis zu Evernote durchlief danach einige Höhen und Tiefen. Das Programm wurde über die Jahre immer vielseitiger und damit leider auch komplizierter. Auch die Preispolitik von Evernote stieß mir gerade in der letzten Zeit sauer auf.

Aus diesem Grund habe ich immer wieder mit dem größten Rivalen von Evernote geliebäugelt: Microsoft OneNote. Schließlich ist das Programm umsonst und die Migration von Evernote zu OneNote wird von Microsoft sogar mit einer eigenen Software unterstützt.

Nun hat der geschätzte Kollege Ivan Blatter einen Artikel geschrieben, in dem er die beiden Platzhirsche gegeneinander antreten lässt: OneNote vs. Evernote: Welche App ist besser für Notizen?
Mit derlei Vergleichen habe ich so meine Probleme, denn “was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall”, wie der Volksmund sagt. Allerdings wurde mir beim Lesen von Ivans Artikel noch einmal klar, warum ich bei Evernote geblieben bin.
Hier meine Gründe:

  1. OneNote bildet ein Papiernotizbuch nach. M. E. wird dies den Möglichkeiten des Computers nicht gerecht. Ein Notizbuch aus Papier ist etwas anderes als ein Notizprogramm auf dem Rechenknecht. Die Nachbildung hat mich schon vor gefühlten hundert Jahren beim Lotus Organizer (Bilder) gestört, die Altvorderen werden sich erinnern. Ich war froh, als Microsoft damals mit Outlook ein Programm herausbrachte, dass auf eine derartige Nachbildung verzichtete. Warum Microsoft mit OneNote genau den anderen Weg gegangen ist, erschließt sich mir nicht.
    (BTW: Dass dieses Vorgehen Skeuomorphismus heißt, wusste ich bislang auch noch nicht. Wieder etwas gelernt. Danke Ivan.)
  2. Evernote ist plattformübergreifend. Neben meinem Windows-Bürocomputer benutze ich auch noch ein MacBook, iPhone und iPad. Evernote läuft auf allen diesen Plattformen tadellos. Leider kann die Mac-Version von OneNote nur ein Bruchteil von dem, was die Windows-Version vermag. Ein Umstand, der mich auch bei Outlook oft in die Verzweiflung treibt.
  3. Auch wenn die Integration von OneNote in die Office-Welt zumindest unter Windows nahezu perfekt ist, kann ich über das Zusammenwirken von Office und Evernote nicht maulen. Für viele Programme, auch außerhalb von Office, gibt es mittlerweile eine Menge Erweiterungen, die das Zusammenspiel mit Evernote klaglos bewerkstelligen.

Kurz und knapp: Wenn ich irgendwann einmal von Evernote auf OneNote wechseln sollte, dann nicht, weil OneNote so gut ist, sondern weil Evernote mich dann zu sehr geärgert hat. Entweder durch erhebliche Preiserhöhungen oder durch weiteres Überladen des Programms. Zumindest bei letzterem scheint Evernote dazu gelernt zu haben. Man darf gespannt sein.

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[Foto von Unsplash [via pixabay], (CC0 Public Domain)]

7 Antworten

7 Gedanken zu „Warum ich (immer noch) Evernote nutze

  1. Mark

    Hallo Stephan,

    ich bin auch in letzter Zeit immer mal am überlegen, mich nach Alternativen umzusehen, aber in Bezug auf OneNote gebe ich Dir 100% recht, dass es nicht an Evernote und schon gar nicht unterm Mac rankommt. z.B. versende ich sehr gerne E-Mails an Evernote und da ist mir bei der Funktion von OneNote aufgefallen, dass das nicht so zuverlässig funktioniert. Ich muss im Prinzip immer kontrollieren, ob die E-Mail angekommen ist. Das Problem habe ich bei Evernote nicht. Auch die Migration von Evernote zu OneNote funktionier nur in der Theorie, denn viele Notizen werden gar nicht übernommen und es ist dann sehr mühselig dies manuell zu machen.

    In den nächsten Tagen werde ich mir mal die Möglichkeit von Notizen von Synology genauer ansehen, inwieweit es an Evernote rankommt. Hier hat man dann auch den Vorteil des eigenen Servers und allerdings auch den Nachtteil der eigenen Pflege und Wartung.

    Gruß Mark

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    1. Stephan

      Vielen Dank für den Hinweis.
      Ich nehme Deinen Kommentar zum Anlass, einmal zu recherchieren, welche Evernote-Alternativen für den eigenen Sever (-platz) zur Verfügung stehen. Wahrscheinlich werde ich dann einen Artikel daraus basteln.

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  2. André

    Ich nutze viele Jahre schon beide Programme nebeneinander und konnte mich nie für eins allein entscheiden. Mittlerweile habe ich begriffen, dass es zwei Werkzeuge mit unterschiedlichen Ansätzen sind. Die Vereinigung beider Ansätze wäre die eierlegende Wollmichsau.

    Insbesondere Evernote macht mit seiner Art und Weise massiv Konkurrenz zu Einkaufslistenapps und Todolistenapps. Mein Ansatz ist nicht für jeden Use Case eine weitere zusätzliche zu nutzen und zu bezahlen. Deshalb habe ich mich erst gestern wieder gegen eine gute Todo-App (Todoist) und für Evernote (i.V.m. Secret Weapon Methode) entschieden.

    Bzgl. der Kosten bei Evernote habe ich noch ein persönlichen Tipp. Einfach mal das Abo kündigen, den Ablauf abwarten und anschließend das automatisch angezeigte Verlängerungsangebot mit 40% Rabatt bei Premium annehmen.

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  3. Stephan Waba

    Ich habe mich nun nach langem Hin und Her für EN entschieden. Ausschlag gab die Lektüre eines Buches zur Selbstmanagement Methode GTD Getting Things Done. Ein zentraler grundlegender Vorgang dort ist, alle – wirklich alle – Informationen und Dokumente, die tagtäglich auf uns eintreffen, zentral zu erfassen und zu sammeln. Mit einer Methode, einem Tool, das einfach genug ist, um sie/es konsequent zu nutzen und vor allem: dem/der man 100%ig vertraut. Und da realisierte ich: Aus dem Bauch heraus fand ich ON immer sexier mit all den Möglichkeiten, Text und Handschriftliches zu mischen, frei Elemente auf Seiten zu platzieren, etc. Aber: Ich vertraute ON nicht, die Synchronisation war zu oft mangelhaft und unvollständig. Quer über Plattformen zu arbeiten war nie reibungslos möglich. EN ist hier ein Traum: In Sekunden sind alle Inhalte verlässlich auf allen Geräten. EN vertraue ich. Und das ist das wichtigste Argument für mich.

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  4. Ivan Blatter

    Danke für die Verlinkung!

    Schön, dass es dich in deiner Wahl von Evernote bestärkt hat. Das ist ein guter Nebeneffekt des Artikels! 🙂
    Ansonsten hast du natürlich völlig recht: Gut ist, was für dich gut funktioniert. Und das ist häufig etwas ganz anderes als bei mir.

    Wegen Programmen auf dem eigenen Server: Bei den Synology NAS ist ein Notizprogramm dabei, das ganz gut aussieht und auch auf dem Handy läuft.

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  5. Pingback: INJELEA-Lesenswertes 19. März 2017: Intranet & Digital Workplace, Collaboration, Office - INJELEA Blog

  6. Tux.

    Evernotes quälende Hinweise auf Plusversionen, die ich nicht brauche, lassen mich nach vielen Jahren mit Onenote liebäugeln. Unter Android nutze ich Microsofts Arrow Launcher, der Onenote integrieren könnte. Insofern wäre das sogar ohne ein mobiles Windows ein Fortschritt für mich…

    Mal sehen.

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