Was das E-Mail-Programm mit einem einarmigen Banditen gemeinsam hat.

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Die Überschrift eines Artikel von Christoph Lixenfeld hat mich stutzen lassen: Wir sind süchtig nach E-Mails. Stimmt das, was er sagt und wenn ja, wie kann man diese Sucht erklären?

Dass der (falsche) Umgang mit E-Mail durchaus Züge einer Sucht annehmen kann, merke ich immer dann, wenn ich den Teilnehmern meiner Workshops den Vorschlag mache, die automatische Benachrichtigung des E-Mail-Programms abzustellen und statt dessen ein- bis zweimal am Tag zu selbst gesetzten Zeiten die Post manuell aus dem Kasten zu holen. Die Reaktionen reichen von ungläubigem Staunen über sarkastische Bemerkungen bis hin zu blankem Entsetzen. Nur wenige kommen ins Grübeln und fragen sich: „Ja, warum eigentlich nicht?“

Genau diese Frage beschäftigt mich auch schon eine ganze Weile:

Warum beherrscht uns das E-Mail und nicht umgekehrt?

Eine mögliche Antwort darauf habe ich in dem Buch „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“ von Dan Ariely gefunden.  Vielleicht lässt sich die obige Frage mit einer Analogie beantworten:

Was macht das Spielen an einer Slot-Machine so faszinierend?

Nehmen wir an, wir wüssten, dass bei jeder 10ten Betätigung des Hebels an dem Spielautomaten garantiert ein Gewinn käme, wäre das Spielen für uns dann immer noch interessant? Ich glaube nein, denn dann wäre das Spielen witzlos oder trivial (s. Heinz von Foerster).
Vielmehr besteht die Faszination des Spiels darin, dass wir eben nicht wissen, wann die „große Serie“ eintritt. Aus diesem Grund starren viele wie gebannt auf die Anzeige: „Kommt sie jetzt oder wieder nicht?“ Das Problem dabei ist, man kann u.U. nicht mehr aufhören, denn man will’s wissen und das Spiel wird zur Sucht.

Ariely nennt dies in seinem Buch „variablen Verstärkungsplan“ und verweist dabei auf den Psychologen B. F. Skinner. Nach diesem Plan bekommen wir für eine Handlung eine bestimmte Belohnung, wir wissen nur nicht, wann dies sein wird. Das führt dazu, das wir den Knopf immer wieder drücken, denn genau jetzt könnten wir ja belohnt werden.
Es liegt nahe, einen (gewagten) Vergleich zwischen dem einarmigen Banditen und dem E-Mail-Programm zu ziehen. Denn fortlaufend erhalten wir eine Vielzahl von E-Mails, die meisten irrelevant (Niete!), doch dazwischen befindet sich immer mal wieder eine „Perle“ (Belohnung bzw. Gewinn!). Wenn wir nun genau wüssten, dass jede 20. E-Mail eine solche Perle wäre, dann würden wir auch nicht ständig den Hebel betätigen, d.h. ins  Postfach schauen. So aber können wir kaum erwarten, ob die nächste E-Mail der Big Win ist.

Wir lernen auf diese Weise (oder werden konditioniert), wie vermeintlich mit E-Mail umzugehen ist: Immer wieder nachschauen, es könnte ja was drin sein. In anderen Worten: Wir entwickeln ein Muster, das wir immer wieder durchspielen. Dieser Nummer entkommt man nur, wenn man dieses kontraproduktive Muster durch ein anderes produktives ersetzt. Zum Beispiel, indem wir den elektronischen Postkasten nur zweimal am Tag zu festen Zeiten durchsehen, geeignete Filter oder ähnliches benutzen.

Ein kleines Beispiel aus dem Alltag für das „Muster brechen„?

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