Achten Sie auf Ihren blinden Fleck!

Können Sie sich noch an den „Blinden Fleck“ aus dem Biologieunterricht erinnern? Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm, denn dann hilft uns die allwissende Wikipedia auf die Sprünge:




Blinder Fleck (Auge), die Stelle im Gesichtsfeld, an der keine Aufnahme von Lichtreizen möglich ist.

Im Artikel steht dann weiter: „Normalerweise wird der Blinde Fleck nicht zur Kenntnis genommen […]“. Das heißt im Klartext, dass wir in der Regel gar nicht merken, dass wir einen solchen Blinden Fleck haben. Die Psychologie hat den Begriff übernommen (ebenfalls Wikipedia):

Blinder Fleck (Psychologie), Teil des Selbst, der von der Person bei sich selbst nicht wahrgenommen wird.

Judith E. Glaser überträgt den Begriff in die Kommunikation und benennt 5 „Conversational Blind Spots“:

  1. Die Annahme, andere sähen, fühlten, dächten genau so wie wir
  2. Die Unfähigkeit zu realisieren, dass wir mit Angst, Vertrauen und Misstrauen die Realität interpretieren und somit die Weise, wie wir über sie reden
  3. Die Unfähigkeit, sich in den anderen hinein zu versetzen, wenn wir sauer oder ängstlich sind
  4. Die Annahme, dass wir meinen, uns zu erinnern, was der andere gesagt hat. Tatsächlich erinnern wir uns nur an das, was er unserer Meinung nach gesagt hat
  5. Die Annahme, dass die Bedeutung der Aussage vom Sender statt vom Empfänger bestimmt wird

Judith empfiehlt uns auch ein paar Verhaltensweisen, wie wir den Folgen dieser Blinden Flecken entgehen können:

  • Aufmerksam sein und dem anderen mehr Raum im Gespräch geben
  • Diesen Raum durch offene Fragen teilen und dadurch die eigene Neugier aufrecht erhalten
  • Zuhören, um zu verbinden und nicht um zu urteilen oder abzulehnen
  • Nachhaken um tieferes Verstehen und engere Beziehung zu ermöglichen

Mich erinnern ihre Tipps an die drei Stufen der Wahrnehmung:

  1. Beobachten
  2. Deuten
  3. Bewerten

Vielleicht ist es im Gespräch unmöglich, auf der Stufe 1 „Beobachten“ inne zu halten und auf das Deuten und Bewerten zu verzichten, aber wir sollten uns unserer Blinden Flecken bewusst sein. Nur so können wir unsere festgefahrenen Ansichten gegebenenfalls korrigieren.

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