Die Überzeugungskraft des Haftklebezettels

Für mich ist der Haftklebezettel oder die Post-it®-Note eine der nützlichsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Manchmal frage ich mich, warum bislang noch kein Nobelpreis für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens gestiftet worden ist.

Post-it®-Notes verwende ich immer dann, wenn ich Gedanken immer wieder neu strukturieren möchte, z. B. bei der Anwendung von Problemlösungsmethoden (Ishikawa- Diagramm), Techniken zur Ideenfindung (Kartenabfrage) oder bei der Planung von Projekten. Auch bei der Selbstorganisation leisten die Zettel gute Dienste (Personal Kanban).

Programme, die die Haftzettel in elektronischer abbilden, gibt es für sämtliche Betriebssysteme und auch webbasiert in Hülle und Fülle. Interessanterweise konnte ich ihnen bislang nicht viel abgewinnen. Offensichtlich ist das haptische Element doch von einiger Bedeutung.

Nun sind auch Wissenschaftler dem Erfolg der Post-it®-Note auf den Grund gegangen. Kevin Hogan verweist in seinem Artikel „The Surprising Persuasiveness of a Sticky Note“ auf entsprechende raffinierte Experimente von Randy Garner an der Sam Houston State University in Huntsville hin. Der Befund:

  1. Haftklebezettel regen die Kreativität an. Sie wirken immer etwas unordentlich und das mag unser Gehirn nicht.
  2. Dadurch erregen die Zettel eine Menge Aufmerksamkeit.
  3. Sie tragen alle eine persönliche Handschrift
    (das erklärt vielleicht auch, warum m.E. die elektronische Form nur suboptimal ist).
  4. Sie repräsentieren die Kommunikation zwischen den Beteiligten untereinander
    (das habe ich allerdings nicht ganz verstanden)

Nun wissen wir nicht nur, dass der Haftklebezettel erfolgreich ist, sondern auch, warum.

Post-it®

2 Antworten

2 Gedanken zu „Die Überzeugungskraft des Haftklebezettels

  1. Thilo Niewöhner

    Hallo Stephan,
    bei den Punkten 3 und 4 bin ich hängen geblieben…

    Im (verlinkten) Original heißt es:
    „3. It’s personalized. (That’s the difference between Group 2 and Group 3 in the experiment.)
    4. Ultimately, the sticky note represents one person communicating with another important person—almost as if it is a favor or special request, which makes the recipient feel important.“

    Sinngemäß interpretiert:
    3: Diese Haftnotiz ist etwas Persönliches/Individuelles
    4: Die Haftnotiz steht für eine Mitteilung genau einer Person an genau eine andere – fast wie ein persönlicher Gefallen oder eine besondere Bitte, weshalb sich der Empfänger geschmeichelt fühlt.

    Zusammengenommen lese ich die Punkte so: Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, einem anderen Menschen eine besondere Nachricht zu gestalten und ihn direkt und ohne Umschweife anzusprechen.
    Das kommt an und nachdem der Empfänger bereits aufmerksam wurde (Punkte 1 und 2), ist er jetzt auch motiviert, sich mit der Nachricht zu befassen und der formulierten Bitte zu folgen.

    Für mich selbst kann ich Deinen Eindruck bzgl. der Haptik bestätigen:
    Das manuelle Umsortieren von Post-Its (oder Stattys) hat eine vollkommen andere Wirkung, als ein kleines Fensterchen auf dem Bildschirm zu verschieben. Ich selbst bin dabei viel fokussierter und nehme den Inhalt des kleinen Zettelchens viel intensiver und genauer wahr.

    Dazu kommt auch der „Störungseffekt“: Wenn ich Post-Its in meinem Notizbuch habe, fallen die mir immer wieder auf, noch mehr, als wenn ich Textmarker verwende.
    Daher finde ich die für wichtige Informationen oder Aufgaben viel besser geeignet, als diese im Fließtext verschwinden zu lassen. Außerdem kann man sie auch physisch „mitnehmen“, also in ein andere Notizbuch einkleben (z.B. Telefonnummern, Kleine Skizzen usw.)

    Gruß

    Thilo

    Antworten
    1. Stephan List Beitragsautor

      Hallo Thilo,

      Danke für Deinen umfangreichen (!) Kommentar und Deine Erklärungen. Tatsächlich kann ich jetzt etwas mit der Aussage anfangen. 😉

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.