Aufruf zum Dialog: Den Arbeitsplatz teilen oder nicht oder anders?

Mein befreundeter Kollege Marcus Raitner hat dieser Tage einen interessanten Beitrag auf seinem Blog veröffentlicht: Abgeschiedenheit statt Großraumbüro. Der Artikel ist ein Plädoyer für einen eigenen Rückzugsraum für das ungestörte Arbeiten. Marcus schreibt:

In den meisten Unternehmen in die ich als Projektmanager Einblick bekomme herrscht ein beklagenswerter Mangel an Möglichkeiten zum Rückzug des Einzelnen. Mitarbeiter buchen für sich allein Besprechungsräume, um ungestört arbeiten zu können. Oder ziehen sich ins Homeoffice zurück. Der Teamgedanke und die Kommunikation in Ehren, aber wir Wissensarbeiter brauchen für unsere kreative Arbeit auch Abgeschiedenheit und Ruhe.

Sarah Han kommt in ihrem Artikel „Can Anyone Really Get Work Done In An Open Office?“ zu einem ähnlichen Befund. Sie zitiert aus einer Studie von Jungsoo Kim und Richard de Dear, die zeigt, dass „many people in open offices and open cubicles are less satisfied with their workplace, due to lack of privacy and too much noise„. Natürlich kann man das auch anders sehen, wie eine Diskussion im SWR 2 Forum zeigt: Wie sieht das Büro der Zukunft aus?.

Ich möchte die Frage von Sarah Han gerne an die Leser des Toolblogs zurückspielen: „Kann man überhaupt in einer offenen Arbeitsumgebung produktiv sein?“ Was meinen Sie, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Das Kommentarfeld wartet auf Sie. Legen Sie los!

 

6 Antworten

6 Gedanken zu „Aufruf zum Dialog: Den Arbeitsplatz teilen oder nicht oder anders?

  1. Marcus Raitner

    Hallo Stephan,

    vielen Dank, dass Du das Thema hier aufgreifst. Ich glaube nicht, dass offene Arbeitsumgebungen per se schlecht sind, sondern nur die Art und Weise wie sie genutzt werden. Lesesäle sind ja auch offene Arbeitsumgebungen und ich konnte dort immer konzentriert arbeiten. Wie ich schon schrieb: ich brauche beides, den Austausch mit Kollegen und das ungestörte Arbeiten. Die Kunst ist im Unternehmen die Balance zu finden. Ich fände es ganz charmant wirklich irgendwo einen großen Lesesaal wie an einer Uni zu haben, wohin ich mich zurückziehen kann und wo entsprechende Regeln für das konzentrierte Arbeiten gelten. Habe ich aber noch nirgends erlebt. Leider.

    Bin gespannt auf die Diskussion.

    Viele Grüße,
    Marcus

    Antworten
  2. Stefan Thomas

    Ein sehr gutes Beispiel für die optimale Gestaltung von Büroarbeitsplätzen, bzw. eine zukünftige Gestaltung von Büroarbeitsplätzen findet sich im Vodafone Campus wieder (http://goo.gl/KeQG11). Hier kann sich jeder Mitarbeiter jeden Tag so einrichten (Gemeinschaftsbüro oder Rückzugsbereich–> Einzelarbeitsplatz), wie es für ihn am optimalsten ist.
    Gruß Stefan Thomas

    [via Xing]

    Antworten
  3. David M. J.

    Das Vodafone-Beispiel ist eine gute Möglichkeit den Mitarbeitern den Wahl zu lassen, was im Moment passender ist. Im Rahmen eines größeren Organisationsentwicklungsprojekts habe ich sehr gute Erfahrung mit einem „Projektflur“ gemacht. Alle Teilprojekte waren jeweils in 3er Büros auf einen Flur verteilt – mit gemeinsamem Meetingraum, Kaffeeküche und „Stillarbeitsraum“. Das hat super funktioniert: Kurze Kommunikationswege, informeller Austausch am Kaffeeautomaten, intensiver Dialog in den Teilprojekten und größerer Austausch im Konferenzraum…. und wenn es allzu hektisch wurde, konnte man sich zurück ziehen. Daher geht es es für mich mehr darum, wann welche Arbeitsplatzform förderlich ist und weniger um „entweder – oder“.

    Antworten
  4. Wiedemar Könntmann

    Für analytisch arbeitende Menschen mit Begeisterung für ihre Tätigkeit ist die Wahlmöglichkeit eines Kleinbüros wünschenswert. Wenn der Austausch zwischen Mitarbeitern nicht von selbst gewollt ist kommt er auch kaum durch das Zwangsmithören fremder Telefonate, Kundenberatergespräche gegenüber und Gemeinschaftsnetzwerkdrucker im Raum besser. Vielleicht fehlt dem Management auch das Vertrauen in die Motivation ihrer Mitarbeiter ?
    Betrachten wir spezielle introvertierte stille Menschen die wegen ihrer Eigenheiten durch Ergebnisse überzeugen und zweifelnde Blicke vermeiden wollen. Wenn sie etwas neues erproben wollen was Chef und Nachbarn nicht als kreative Herangehensweise teilen, dann werden sie diesen Versuch im Großraumbüro unterlassen.
    Auch problematische Telefonate in denen man Unsicherheit oder mögliche Fehler zeigen könnte wird man lieber unterlassen wenn man nicht die Raumhoheit besitzt.

    Antworten
  5. Christian

    Ich finde, die Mischung macht’s. Räume, und auch Zeiten(!), in denen man für sich allein konzentriert arbeiten kann, müssen sich mit einem Arbeiten in der Gemeinschaft abwechseln.

    Das Vodafone Campus-Konzept durfte ich für ein paar Tage in England erleben. Für mich ist es ein abschreckendes Beispiel: Gigantische Großraumbüros, Telefonservice und Fachbereiche direkt nebeneinander, Besprechungen finden mitten üblichen Trubel statt, keinerlei persönliche Atmosphäre am Arbeitsplatz und der übliche Mangel an Besprechungsräumen.

    Antworten
  6. Franz

    Ihr müsst euch mal die Frage stellen, „Warum Firmen solche Großraumbüros überhaupt anstreben?“
    1. Kosteneinsparung pro Mitarbeiter pro m2 – leider sind dies nur kurzfristige Kosteneinsparungen!
    Manager waren und sind nicht mehr in der Lage Gewinne durch Innovation zu erzielen. Seit spart man sich kaputt. Bin schon auf die nächste Zeit gespannt, was den Manager als nächstes einfallen wird.
    2. Die Geschäftsleitungen verkaufen diese Großraumbüros den Mitarbeitern, um die Kommunikation, den Teamgeist zu fördern usw. – Fakt ist, die Workload ist aufgrund von Einsparungen in Personalresourcen mittlerweile so enorm hoch, dass es keinen interessiert sich während des Arbeitstages zu unterhalten und anschließend die Arbeit mit nach Hause zu nehmen.
    3. hier anzumerken, die Geschäftsleitung hat sehrwohl ein eigenes Büro, um konzentriert zu arbeiten.
    4. für viele ist es auch eine Überwachung
    5. eigene persönliche Erlebnisse sind, dass die Rate der „BURNOUT“ Fälle rasant zunimmt – weil kein konzentriertes Arbeiten mehr möglich ist und noch mehr Tagesarbeitszeit benötigt wird und so auch die Arbeit sogar mit nach Hause genommen wird.
    FAZIT: Ruhig weitermachen, wir machen uns alle langsam aber sicher kaputt – Bravo!
    „Wie wäre es mal wieder mit Vernunft und einfachen Hausverstand!“

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.