Sag mir, wo du sitzt und ich sage Dir, wer Du bist

Glaubt man den vielen Artikeln, die zur Zeit über die neue Arbeit im Büro veröffentlicht werden, dann hat das (der?) Cubicle wohl ausgedient. In der Mode sind vielmehr offene Büros, in denen die Arbeitsplätze variabel gestaltet werden können. In ArbeitStattStress habe ich auf eine interessante Diskussion über diese neue Art der Büroarbeit hingewiesen. Wer aber glaubt, die Sitzordnung sei damit unwichtig geworden, unterliegt einem fatalen Irrtum. Rachel Feintzeig berichtet über neue Forschungsarbeiten, die belegen, dass auch in Zukunft der Arbeitsplatz im wahrsten Sinn des Wortes eine große Rolle spielen wird: The New Science of Who Sits Where at Work.

Manche Firmen gehen laut dem Bericht einen Schritt über die offene Arbeitsumgebung hinaus, sie betreiben “micromanaging who sits next to whom in an attempt to get more from their employees”. So ist es wichtig, die Mitarbeiter immer einmal wieder “durcheinander zu mischen” um zu vermeiden, dass immer nur die gleichen Menschen miteinander kommunizieren (Echokammern). Wie die Ergebnisse der Studien zeigen, erhöht sich damit die Produktivität und Innovationsfreude. Nun ja, mal sehen, was die Organisationspsychologen dazu sagen, denn meistens gibt es zu jeder Studie die entsprechende Gegenstudie. Hören Sie dazu auch die Äußerungen von Prof. Windemuth in der oben erwähnten Diskussion.

[via 99U]

 

Nachtrag (18. 10. 13)

Heute stieß ich auf ein leidenschaftliches Plädoyer gegen offene Büroumgebungen. Es stammt von Drake Bennet: Why We Can’t Get Anything Done in an Open-Plan Office. Ehrlich gesagt, ich neige dazu, mich seiner Meinung anzuschließen.

[via GTDTimes]

 

4 Antworten

4 Gedanken zu „Sag mir, wo du sitzt und ich sage Dir, wer Du bist

  1. Alexander

    Nicht so neu. Das Prinzip der dynamischen Nachbarschaften (ok, „micromanaging who sits next to whom“ klingt weniger deutsch) gehörte von Anfang an zu guten Konzepten.

    Das Symbolbild ist übrigens kein gutes Beispiel moderner Bürokonzepte. Auf dem Foto sieht man ein Cubical-Konzept ohne Cubicals.

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    1. Stephan List Beitragsautor

      Das wusste ich noch nicht. Klar war, dass man sich schon immer überlegt hat, „wer mit wem zusammensitzen soll“. Meist aus dem Bauch heraus und meist auch mit gutem Ergebnis.
      Zum Bild: Das war Absicht. Das Foto zeigt, für mich, die schlechteste aller möglichen Welten.

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  2. Alexander

    Nun ja, im letzten Absatz schreibt er ja, wie die schlechten Lösungen entstehen: „its rise has as much to do with the cost savings associated with cramming more workers into the same space“.

    Aber das ist aus OE-Sicht ja nicht der Kern. Da gibt es Multispace und da man kann sich genauso gut zurückziehen wie man zielgerichtet die kommunikativeren oder kreativitätsfördernden Bereiche sucht. Die Herausforderung bei solchen Konzepten besteht nicht im architektonischen Entwurf (aber der wird bei viel zu vielen solcher Projekte in den Mittelpunkt gestellt – ist bequemer und man ist hipp) sondern im passgenauen Konzept und im Change. Aber das muss ich einem Organisationsentwickler ja nicht erzählen.

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