5 Glaubenssätze aus dem Giftschrank




Wir bekommen in unserer Kindheit oft Weisheiten auf den Weg, die uns als Leitplanken für unser weiteres Leben dienen sollen. Dies ist sicher gut gemeint, aber wie wir wissen, ist “gut gemeint” meist das Gegenteil von gut. Allzu oft schränken uns diese Glaubenssätze unverhältnismäßig ein und hindern uns an der persönlichen Weiterentwicklung. Für manche sind diese mentalen Beschränkungen so einschneidend, dass sie professionelle Hilfe brauchen, um sie aufzubrechen.

Geoffrey James nennt “5 Toxic Beliefs That Ruin Careers”:

  1. Mein Selbstwert hängt davon ab, was andere von mir denken
    Das Problem ist, Sie können gar nicht wissen, was andere von Ihnen denken. Sie können darüber spekulieren, mehr aber auch nicht. Es macht also nicht viel Sinn, in einer Art vorauseilendem Gehorsam sich nach dem vermeintlichen Urteil anderer Leute zu richten.
  2. Meine Gegenwart entspricht meiner Zukunft
    Es ist für Ihr Handeln sehr entscheiden, aus welcher Perspektive Sie die Zeit wahrnehmen. Wenn Sie näheres darüber erfahren möchten, dann empfehle ich Ihnen das wunderbare Buch von Philipp Zimbardo.
  3. Mein Schicksal wird von etwas Höherem bestimmt
    Na gut, da kann man unterschiedlicher Meinung sein. Aber wenn Sie diesen Satz konsequent zu Ende denken, dann brauchen Sie morgens eigentlich gar nicht mehr aus dem Bett zu steigen.
  4. Meine Gefühle spiegeln exakt die objektive Realität wider
    Dieser Glaubenssatz hat schon manche in die depressiver Verstimmung oder in noch Schlimmeres gejagt. Was ist schon objektiv? Was ist die Realität? Ich empfehle als Mittel gegen die negativen Folgen dieses Glaubenssatz das tägliche Meditieren.
  5. Mein Ziel ist es, perfekt zu sein oder perfekt zu handeln
    Manche kennen diesen Grundsatz als sog. Antreiber aus der Transaktionsanalyse. Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden. Perfektionismus gibt es bei uns Menschen nicht (allenfalls beim Gitarrespiel von Pat Metheny).

Kennen Sie noch andere derartige GrundGiftsätze? Was tun Sie dagegen?

5 Antworten

5 Gedanken zu „5 Glaubenssätze aus dem Giftschrank

  1. Daniel Wessel

    Etwas verbunden mit dem letzten Punkt (Perfektionismus) — der Glaube, dass kritisches Feedback ein Angriff auf die eigene Kompetenz ist.

    Es gibt leider Personen, die möchten auf Teufel komm raus kompetent erscheinen und wehren jegliches kritisches Feedback vehement ab. Auch konstruktives Feedback. Findet man sowohl bei Männern als auch sehr häufig bei Frauen, die glauben, um erfolgreich zu sein, dürfen Fehler nicht exitieren. Damit verhindern sie allerdings, besser zu werden (perfekt ist eh keiner) und sie sind ein Alptraum in der Zusammenarbeit. Ich denke, gutes Feedback sollte die Arbeit verbessern — die gegenwärtige und die zukünftige Arbeit — und es ist essentiell um gute Arbeit zu leisten und um gut zu werden. Die Angst vor Fehlern, davor von anderen „belehrt“ zu werden ist absolut tödlich für die weitere Entwicklung. Gibt leider häufig in Organisationen eine Kultur, die das fördert (‚wir machen keine Fehler‘ oder ‚wer Fehler macht, fliegt‘). Dumm … verhindert besser zu werden.

    BTW, ich stimme zu, dass Perfektionismus nicht erreichbar ist und für Projekte absolut schädlich ist. Zeigt sich schön darin, wenn man sich die Frage stellt, für wen es perfekt sein soll. Für einen selbst? Man ändert sich mit der Zeit, was gestern noch perfekt war ist es morgen nicht mehr. Für andere? Menschen unterscheiden sich, und wie man bei Reviewer-Kommentaren schön sieht, kann man es selten zwei Personen zu gleichen Zeit recht machen, geschweige denn perfekt sein. Ist ein ziemlicher Hang-up, den vor allem … talentierte oder intellektuell gute Leute haben und oft verhindert, dass sie überhaupt eine Leistung bringen. Über Perfektionismus sollte man stehen, wenn man was erreichen will.

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    1. Stephan

      Danke für den umfangreichen Kommentar.
      Für mich gibt es beim Perfektionismus eine Analogie zum Irrglauben, „alles zu wissen“.
      Fritz B. Simon meinte während eines Seminars zu uns zu diesem Thema: „Wer schon alles weiß, kann nichts mehr lernen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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  2. Thomas D.

    Durch private Gründe beschäftige ich mich momentan intensiv mit dem Thema.
    Ich empfehle das Buch „Selbstbild – Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt“

    von Carol Dweck erschienen im PIPER

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  3. markus

    ja, da hast du wirklich die giftigsten erwischt. die liste könnte man aber leider noch lange fortsetzten. werde bei meinen bloglesern mal ein wenig „negative glaubenssätze“ sammeln gehen 😉

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  4. Fred

    Sehr gute Zusammenstellung dieser Gift-Liste!

    Jetzt wäre es natürlich interessant zu wissen, wie man diese Glaubenssätze bzw. Überzeungen wieder wegkriegt! Gibt’s dazu was von den Autoren?
    Fred

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