Bestimmen Sie Ihre Pfuschrate!




Sie kennen sicher die ALPEN – Methode. Genau, das ist die Methode, die immer noch in Seminare gelehrt und in Büchern beschrieben wird, obwohl sie gar nicht funktionieren kann. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach. Wie auch immer. Ein Knackpunkt laut den meisten Teilnehmern meiner Workshops ist das “L” in den ALPEN. Es steht für “Länge abschätzen”. In diesem Schritt geht es laut Wikipedia u.a. darum,

dass Sie den Zeitaufwand realistisch zu schätzen versuchen und hier auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen [und] den voraussichtlichen Zeitaufwand nicht zu knapp bemessen.

Leichter gesagt als getan, meinen meine Teilnehmer und gestehen, dass Sie bei der Einschätzung der Dauer einer Aufgabe in der Regel daneben liegen. Mal dauert sie länger als gedacht, mal ist sie auch schon früher fertig (letzteres passiert seltener). Auf jeden Fall geht schon bei der Beurteilung dieses L – Schrittes auf Praxistauglichkeit der Daumen nach unten.

Vielleicht liegt es aber auch an der Art, wie wir die Dauer einer Aufgabe abschätzen. Das meint zumindest Steve Pavlina in seinem Artikel: How to Make Accurate Time Estimates. Er geht davon aus, dass wir aufgrund verzerrter Wahrnehmung bei der Abschätzung der Dauer daneben liegen. Zur Abhilfe schlägt er die Einführung einer Pfuschrate (“Fudge Ratio”) vor. Diese ist definiert durch das Verhältnis von tatsächlich benötigter Zeit zur geschätzten Zeit für die betreffenden Aufgabe. Beträgt die Pfuschrate etwas 1,25, dann brauchen Sie 25% mehr Zeit für die Aufgabe als von Ihnen vermutet.

Wenn Sie die Pfuschrate einmal für bestimmte Aufgaben bestimmt haben, dann müssen Sie in Zukunft Ihre Schätzungen nur noch mit Hilfe der Pfuschrate korrigieren. So einfach ist das.

Nun gut, es ist “simple, but not easy”, wie unsere amerikanischen Freunde sagen. Schließlich muss die Pfuschrate erst einmal bestimmt werden. Steve gibt in seinem Beitrag eine Fülle von Hinweisen, wie Sie das bewerkstelligen können. Übrigens gibt es auch eine Pfuschrate für Aufgaben, die im Team erledigt werden müssen. Das ist vielleicht für meine Freunde aus dem Projektmanagement ganz interessant.

Mir ist das ganze ehrlich gesagt, zu kompliziert. Das wird wohl nichts mit mir und den ALPEN. Trotz der Pfuschrate .

4 Antworten

4 Gedanken zu „Bestimmen Sie Ihre Pfuschrate!

  1. Reinhard Strempel

    Hallo Herr List,
    mit dem Inhalt des Artikels stimme ich voll überein. Allerdings würde ich nicht von „Pfusch“-Rate sprechen. Das passt aus meiner Sicht nicht unbedingt dazu und klingt auch recht negativ. Das Wort Fudge läßt sich eher Richtung „Unsinn reden“ oder „Schummeln“ übersetzen. Vielleicht findet hier jeder für sich einen Ausdruck der besser passt.
    Reinhard Strempel

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  2. Jan Fischbach

    Lieber Stephan,

    ich glaube, das hilft nicht wirklich weiter.

    Wenn schon schätzen, dann nicht mit Mittelwerten sondern mit unteren und oberen Grenzen arbeiten („Ich brauche mindestens 15 Minuten, maximal 2 h“). Mit der Zeit wird man besser (siehe Buch „How to measure anything“, http://www.amazon.de/How-Measure-Anything-Intangibles-Business/dp/0470539399/ ).

    Die Alternative ist Zeit UND MENGE aufschreiben. Wenn ich 10-15 Minuten brauche, um 10 Seiten zu lesen, brauche ich wahrscheinlich 20-30 Minuten, um 20 Seiten zu lesen. Bei der Aufgabenplanung zähle ich die zu lesenden Seiten, bevor ich anfange.

    Wer mehr über diese Methode wissen will, kann sich unseren Artikel ansehen: http://www.teamworkblog.de/2012/08/wie-lange-brauchst-du-noch-wie-man.html

    LG, Jan

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  3. Stephan List

    Danke für die Tipps. Wie ich schon am Ende des Artikels andeutete, ich halte von dieser ganzen Schätzerei nicht viel. Bis jetzt bin ich auch sehr gut ohne klar gekommen. Das Nutzen-Aufwand-Verhältnis stimmt für mich nicht.

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