Vom Segen der Pause

An meiner allerersten Arbeitsstelle in einer Papierfabrik hatte wir morgens immer zwei Besprechungen. Die eine war formal und offiziell angesetzt. Sie hieß, nomen est omen, “Frühbesprechung”. Dort wurden die Ereignisse der Nachtschicht durchgekaut und Produktivitäts- und/oder Qualitätsprobleme diskutiert. Dann kam die zweite, informelle. Diese Bestand aus dem gemeinsamen Frühstück des Arbeitsteams mit Kaffee und den mitgebrachten Butterbroten. Wenn ich mich daran zurückerinnere, behaupte ich, dass die wichtigere Arbeit während dieser Frühstückspause geleistet wurde. Es war die Mischung aus Zahlen, Daten, Fakten und dem Flurfunk, der diese Zusammenkunft so wertvoll machte. Hier wurden die Aufgaben abgesprochen und verteilt und betriebliche Neuigkeiten ausgetauscht.

Insofern verstehe ich das Ergebnis der Studie nicht, auf die sich Johannes Thönneßen in seinem Beitrag “Kleine Pausen sind sinnlos” bezieht. Ich denke, zu jeder Studie gibt es die passende Gegenstudie. Die Literatur der Organisationsentwicklung ist voll von Beispielen, wie wichtig gerade die informelle Kommunikation am Kopierer, in der Kaffeeküche und anderen beliebten Treffpunkten ist. Wie wichtig, merken manche effizienzbesessene Chefs dann, wenn sie sie abschaffen. Plötzlich läuft es im Betrieb eben nicht mehr so rund.

In diese Richtung geht auch ein Beitrag von Ian Sanders: Gespräche am Wasserspender, Geschäfte im Gemeinschaftsbüro. Er beschreibt die Coworking Spaces, in der sich freiberufliche “Einzelkämpfer” zusammenfinden, um unter einem gemeinsamen Dach Ihre Aufgaben zu erledigen. Warum? Hier steht es:

Ziel von Coworking Spaces ist es, Ideen und Fähigkeiten auszutauschen und von Treffen in der Teeküche oder am Fotokopierer zu profitieren.

Ich warte schon lange darauf, dass ein solcher Coworking Space in meinem Heimatkaff Ravensburg aufmacht. Genau deswegen.

Wenn Sie sich über Coworking Spaces auf dem laufenden halten wollen, dann empfehle ich Ihnen die CoWorking News. Dort und im Verzeichnis Coworking können Sie auch in einem Verzeichnis nachschauen, wo es ein solches Angebot in Ihrer Nähe gibt.

Ach so, ein Video dazu gibt’s auch noch.

2 Antworten

2 Gedanken zu „Vom Segen der Pause

  1. Uli

    Mein Tipp: Nicht darauf warten, dass Coworking Spaces in institutionalisierter Form angeboten werden (wie in Karlsruhe gerade in der Entstehung, z.B. auf dem alten Schlachthofgelände), sondern selbst initiativ werden. Ich genieße den Segen einer wunderbaren Bürogemeinschaft mit gemeinsam genutzten Herrlichkeiten wie Kopierer, Kaffeemaschine und Besprechungsraum.

    Antworten
  2. Christian B. Rahe

    Hallo zusammen,

    da ich nicht länger warten möchte, baue ich nun den ersten CoWorking Ravensburg auf!

    Dazu suche ich noch Mit-Macher. Freiberufler, Einzelkämpfer, Existenzgründer, Kreativschaffende und andere Freigeister, die CoWorking Ravensburg mitgründen oder auch einfach nur nutzen möchten, wenn er steht. Eine passende Immobilie hat sich bereits angeboten, wird aber auch weiterhin gesucht 🙂

    Herzlich

    Christian

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.